Warum wurde in Japan von der Hauptstadt ''Kyoto'' auf ''Tokio'' gewechselt?

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4 Antworten

Der Wechsel der Haupstadt war auf einen Machtwechsel zurückzuführen.

Während der Kaiserhof in Heian-kyo, dem heutigen Kyoto, von Intrigen unter den Höflingen geschwächt war, ergriff das Tokugawa-Shogunat die Macht.

Der Fürst (Daimyo) Tokugawa Ieyasu besiegte in der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 den letzten Widerstand und konnte die jahrzehntelangen Kämpfe aus der "Zeit der kämpfenden Reiche" (Sengoku-Jidai) beendet und das Land einen.

Der militärische Titel des "Shogun" war von da an gleichbedeutend mit "politischer Herrscher über Japan".

Während also der kaiserliche Hof in Heian-kyo nur noch symbolische Bedeutung hatte und in den folgenden Jahrzehnten über keine nennenswerte Macht verfügte, wurde Edo (das heutige Tokyo) im Jahr 1603 zur neuen Hauptstadt bestimmt.

Das bot mehrere Vorteile.

Zum Einen war man so vom politischen Ränkespiel der alten Hauptstadt entfernt und konnte das bakufu, die Militärregierung, streng durchsetzen.

Zum Anderen waren alle Daimyo verpflichtet, Familienmitglieder in Edo zurückzulassen, wo sie gewissermaßen als Luxus-Geiseln lebten.

Würde einer der Fürsten den Aufstand wagen, könnte der Shogun diese Familienmitglieder als Druckmittel gegen ihn verwenden.

Außerdem musste jeder Daimyo regelmäßig nach Edo, dem Shogun seine Reverenz erweisen. Als Fürsten reisten sie natürlich nicht allein, sondern mit vielen Höflingen, Luxusgütern usw.

Diese Reisen nach Edo dauerten lange und kosteten Geld, so dass keine großen Finanzmittel zur lokalen Aufrüstung von Aufständischen bestand.

Somit waren die Gründe für die neue Hauptstadt politischer, verwaltungstechnischer und militärstrategischer Natur,

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Kommentar von Termobar
18.06.2016, 22:21

"Während also der kaiserliche Hof in Heian-kyo nur noch symbolische
Bedeutung hatte und in den folgenden Jahrzehnten über keine nennenswerte
Macht verfügte, wurde Edo (das heutige Tokyo) im Jahr 1603 zur neuen
Hauptstadt bestimmt."


Die Stadtseite von Tokyo sagt da anderes ;)

"Throughout this time, the Emperor resided in Kyoto, which was the formal
capital of the nation. The Edo Period lasted for nearly 260 years until
the Meiji Restoration in 1868, when the Tokugawa Shogunate ended and
imperial rule was restored."

Link steht in meiner Antwort unten.

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Kommentar von Enzylexikon
19.06.2016, 23:21

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Kyoto war der traditionielle Sitz des japanischen Kaisers. Als die Tennos im 17. Jahrhundert ihre Macht verloren und die Tokugawa-Shogune herrschten, verlegten diese ihr Machtzentrum bald nach Edo (sog. Edo-Zeit). Dies taten sie, um sich dem Einfluss des Kaisers in Kyoto zu entziehen bzw. diesen von der Macht auszuschließen.

Als dann im 19. Jahrhundert die japanische Kaiserdynastie ihre Macht wiedererlangte und Edo 1868 erobert wurde, wurde die kaiserliche Residenz dorthin verlegt und in Tokyo ("östliche Hauptstadt") umbenannt. In Edo war durch 200 Jahre Tokugawa-Shogunat inzwischen das politische Zentrum des Landes entstanden und Kyoto hatte erheblich an Bedeutung verloren.

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1868 zog der Tenno Miji von Kyoto nach Edo. Dadurch wurde Edo (das heutige Tokyo) in Tokyo umbenannt (bedeutet östliche Hauptstadt). Der Grund für den Umzug bestand darin, dass Edo das wirtschaftliche Herz und die modernste Stadt war, die Japan zu bieten hatte. Da er Japan in die Moderne führen wollte, war der Schritt auch Teil der Miji Restauration.

http://www.metro.tokyo.jp/ENGLISH/ABOUT/HISTORY/history01.htm

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denk an die Verschiebung von Bonn nach Berlin, dann haste die Erklärung

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