Warum wurde in der BRD der 17. Juni als Nationalfeiertag erklärt?

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Kommentar von Farbton2
01.12.2016, 20:44

Vielen lieben Dank! :)

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Im ersten "Überschwang" der Gefühle(Ablehnung des militärischen Eingreifens durch sowjetische Panzer) UND um Solidarität mit der "ostzonalen" Bevölkerung zu demonstrieren, mußte SCHNELL ein "Zeichen gesetzt"werden, was (vielleicht) die Lage etwas beruhigen konnte, aber auch die Aufgeregtheit der westlichen Presse  besänftigte. Da es in der jungen Bundesrepublik noch keinen Feiertag der "halben Nation" gab, bot sich das Datum des östlichen Aufstandes an

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Warum brach der "Aufstand" noch nach bereits erfolgter der Zurücknahme der Normerhöhungen aus?

Wie kommt es, dass ein so "spontaner" Aufstand sich blitzschnell auf die wichtigsten Zentren ausbreitete, mit den gleichen Losungen und Forderungen und Aktionen zielgerichtet und koordiniert gegen sensible Einrichtungen und Organe erfolgten?

Wie  kommt es, das selbst Egon Bahr, damals in Westberlin, später in einem Interview erklärte, dass der RIAS ein Katalysator des Aufstandes war?
https://goo.gl/xd9vl6

Dieses Interview ist übrigens die geschönte Sicht eines damals maßgeblich Beteiligten. Der Rias und andere Organisationen in Westberlin spielten bei der Organisation, Koordinierung und propagandistischen Unterstützung dieses Aufstandes eine kaum zu unterschätzende Rolle.

Das ist eine Antwort auf die Frage, warum der 17. Juni in der DDR als vom Westen gelenkter Putschversuch gesehen wurde. Die objektiven Ursachen für die Unzufriedenheit der Arbeiter werden von @Hegemon  benannt.

Bei @exFlottiLotti findest du auch etwas dazu:
https://www.gutefrage.net/frage/ursachen--vorgeschichte-des-17-juni-1953

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Kommentar von vitus64
01.12.2016, 22:59

Der Grund für den Aufstand war die wirtschaftliche und politische Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerung und nicht die Berichterstattung des RIAS oder Egon Bahr.

Nur durfte die Bevölkerung ja nicht unzufrieden sein, da man ja in einer Vorstufe des Paradises lebte und daher musste der Aufstand (einen Putsch gab es ja sowieso nicht) von außen verursacht worden sein.

Der RIAS eignete sich hier natürlich besonders gut, die Rolle der Schlange im Paradies zu übernehmen.

Man wollte einfach das eigene Versagen anderen in die Schuhe zu schieben.

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Kommentar von earnest
02.12.2016, 08:23

Ja, PeVau, das war in der Tat die damalige Sicht der DDR-Führung.

Wir schreiben aber inzwischen das Jahr 2016.

Dabei möchte ich es jetzt belassen.

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Der 17. Juni 1953 begann als ganz normaler Arbeitskampf der Bauarbeiter auf der damaligen Stalin-Allee gegen die Ausbeutung durch das SED Regime. Das politische System ließ sofort Panzer der Sowjets auffahren und verbreitete die Legende, der Aufstand sein vom Westen aus gesteuert.

Der Protestfunke gelangte aber innerhalb von zwei Tagen in den letzten Winkel der Republik.

Politisiert wurde der Arbeiteraufstand erst später, der Westen erinnerte mit einem nationalen Feiertag zum Verdruss der SED Funktionäre daran.

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Kommentar von soissesPDF
02.12.2016, 01:39

Nö, er begann in Halle, nicht in Berlin.
Halle war der Ort wo einst Thälmann sprach und Fritz Weineck erschossen wurde.
Am Tag danach, ergo 17.Juni sprang der Funke auf Berlin über.

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Daß die Bundesrepublik diesen Tag als "Tag der deutschen Einheit" zum Nationalfeiertag erklärte, ist an Scheinheiligkeit und Verlogenheit schwer zu überbieten.

Zu den wesentlichen Ursachen der Proteste gehörten die exorbitanten Reparationen an die SU, wodurch sich die Lebensbedingungen der ostdeutschen Bevölkerung dramatisch verschärften.

Die Westmächte hatten 1945 vorgeschlagen, daß jede Siegermacht ihre Reparationsansprüche aus der eigenen Besatzungszone befriedigt. Die mit Abstand größten Schäden aus WK II hatte die SU. Die Westmächte konnten weitgehend auf Reparationen verzichten. So hatte also die kleine SBZ/DDR 97-98% der gesamtdeutschen Reparationen zu erbringen - pro Kopf das 130fache.

Um die westlichen Besatzungszonen vor den Reparationsansprüchen der Sowjets zu schützen, trennten sie den Osten ab. Da man ein Gebiet, das man nicht als wirtschaftliche Einheit behandelt, auch nicht als politische Einheit behandeln kann, beschloß man - Zitat:

"mitten durch Deutschland eine Grenze zu ziehen und östlich von ihr alles
von Rußland verwalten und unter das sowjetische System des
Staatssozialismus stellen zu lassen"

http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument\_de&dokument=0011\_pot&object=context&st=&l=de

Man initiierten zusammen mit dem "Kanzler der Alliierten" die deutsche Teilung (Londoner Sechsmächtekonferenz, Frankfurter Dokumente, einseitige Währungsreform, einseitige Staatsgründung). Die Stalin-Noten von 1952 (also ein Jahr vor den Unruhen!)  zur Wiedervereinigung wurden abgelehnt, u.a. weil dann auch wieder die Reparationsfrage auf's Tapet gekommen wäre.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518748.html


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Kommentar von PeVau
01.12.2016, 21:04

Es ist schon interessant, was so alles zum Vorschein kommt, wenn man sich mit dem gängigen bundesdeutschen Narrativ nicht abspeisen lässt.

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Kommentar von Karl37
02.12.2016, 08:27

Die Reparationsansprüche der UdSSR waren bereite mit den Gebietsabtretungen reichlich kompensiert.

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Das war kein Putschversuch des Westens. Das war ein Aufstand von unzufriedenen Menschen in der DDR.  In der BRD hiess dieser Tag Tag der deutschen Einheit und war Feiertag.

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Das Grundgesetz verpflichtet die Politik zur Einheit der Deutschen.
Ergo musste die BRD wenigstens Versuchen diese glaubhaft zu machen.

Der 17.Juni 1953 war ein Arbeiteraufstand, gegen Arbeitsnormen der SED.

Erst später wurde er in der BRD zum "Tag der Einheit", ist immer gut an etwas zu gedenken.
Und umgekehrt zur Angst der SED vor den Arbeitern, bis zum Schluß.

Dieser Schmonsens von "Putschversuch..." war eine Halluzination der SED.
Diesen Sermon haben die zu jedem Ereignis vom Stapel gelasen.
1953 DDR, 1956 Ungarn, 1968 CSSR, 1982 Polen.

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Kommentar von 666Phoenix
02.12.2016, 17:38

soisses (eben wiedermal nicht!)

Kannst Dir ja mal neben der Springer-Presse auch ein paar aufmerksame und ernsthafte Autoren und Rechercheure zu diesem Ereignis reinziehen, z. B. Javier Rojas:  "Geheimdienste & Rechtsextremismus. -Theorie, Geschichte, Enzyklopädie-," 2007

(unveröffentlichtes Manuskript)

Da liest man unter anderem:

"(Man)... braucht nur jene bereits zitierte Stellungnahme von Us-Generalstabschef Omar Bradley vor dem amerikanischen Senat am 23. 6.1953 oder John Hughes Rede vor dem NATO-Rat am 24. 6.1953 nachlesen. Bradley bestätigte gerade Mal 6 Tage nach dem Umsturzversuch offiziell, „dass Westberlin in den amerikanischen Kriegsplänen die Rolle eines Brückenkopfes und Brandherdes zugedacht war“....Auch Hughes darauf folgende Rede vor dem ständigen NATO-Rat am 24. Juni 1953 in Paris, bewies nachträglich diesen Sachverhalt: „Die jüngsten Ereignisse in Berlin und in Ostdeutschland haben unsere Hoffnungen enttäuscht“, so Hughes, in seiner Funktion als ständiger amerikanischer Vertreter im NATO-Rat wörtlich."

Oder auch:

"Ähnliches ging aus einen sichergestellten schriftlichen Agentenauftrag hervor, datiert auf den 17. Juli 1953. Inhaltlich
ging es um den Funkeinsatz dieses Agenten „bei den Unruhen am 17. Juni und später“. Ausdrücklich wurden in dem Schreiben Verhaltensanweisungen nahegelegt „falls sich Unruhen oder Ausnahmezustand in der Ostzone wiederholen“ sollten."

Oder auch:

"Ein weiterer Agent des englischen Geheimdienstes konnte in Nordhausen (Thüringen) entlarvt werden. Es handelte sich
um einen im Betrieb ABUS tätigen Herr Reckstatt, einst Oberfeldwebel unter Hitler. Nach dem Zusammenbruch kam er in englische Kriegsgefangenschaft. „Auf der englischen Spionageschule in Wilton Park“ erhielt Reckstatt dann seine Anweisungen zur Spionage, bzw. Sabotage. Am 17. Juni 1953 gehörte er zu den Rädelsführern in Nordhausen."

Oder auch:

"Im Juli 1953 berichtete Herbert Wehner (politischer Vorsitzender des Ostbüros) vor führenden westdeutschen Schwerindustriellen des Rhein-Ruhr-Clubs im Hotel Kaiserhof (Düsseldorf) detailliert „über die speziellen Aufgaben und die Tätigkeit dieser Agentenzentrale. Besonders ausführlich ging er dabei auf

den Anteil des Ostbüros bei der Vorbereitung und Durchführung des „Tages X“ ein, der bekanntlich am 17. Juni in Berlin und der DDR scheiterte“."

Oder auch:

"Am 17. Juni 1953 selbst, unterstützte „das Ostbüro des DGB... im demokratischen Sektor die randalierenden Provokateure in der Form, dass es durch an den Sektorengrenzen aufgestellte
Lautsprecherwagen zu weiteren Provokationen aufforderte, Hetzmaterial verteilte und die Provokateure mit Genussmittel versorgte“."

Oder auch:

"In demselben Sinne fielen auch Theo Friedenaus Aussagen im September 1953 aus. Er gab auf einer Pressekonferenz in
Kopenhagen offen zu, „dass er eng mit dem USA-Spionagedienst in Deutschland zusammenarbeite. Er teilte ferner mit, „dass der „Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen“, von den Amerikanern großzügige Hilfe erhält und von Amerikanern geleitet wird...
Während früher die Amerikaner nur einen persönlichen Kontakt mit Friedenau und seinen Helfershelfern aufrechterhielten, wurden im Juni (1953) in das Büro des „Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen“ einige Offiziere aus den Spionageorganen
der USA abkommandiert“.

Oder auch:

Er (Dr. Ernst Melsheimer) wies nach, „dass durch den sogenannten „Forschungsbeirat“ beim Kaiser-Ministerium in Bonn, der „Tag X“ in enger Zusammenarbeit mit Bonner Regierungsstellen, westdeutschen Konzernen und Monopolen sowie den Geheimdiensten der Westmächte schon seit Jahren vorbereitet und schließlich am 17. Juni 1953 ausgelöst wurde“.

Oder eben auch:

    "Zu den übelsten Krakeelern in Höhnstedt gehörte auch Hermann Thieme ein ehemaliger SA-Schläger.233 Er hielt am 17. und 18. Juni nicht nur aufrührerische Reden, sondern sang auch lauthals faschistische Lieder. In seiner Scheune hatte Thieme ein eigenes Waffenlager mit drei Pistolen, einem Karabiner, einem Tesching, größere Menge Munition, Gasmasken und Feldfernsprecher angelegt, um am „Tag X“ mit Waffengewalt gegen fortschrittliche Kräfte vorgehen zu können. Dazu kam es nicht, da eine Arbeiter-Selbstschutztruppe den wild um sich schießenden Thieme mit seinen Komplicen noch am selben 17. Juni 1953 vorzeitig festnahm. Bereits unter Hitler war das SA-Mitglied Thieme an terroristischen Handlungen „gegen Funktionäre der Arbeiterbewegung und gegen Juden“ beteiligt."

    ...

...

Mit den entsprechenden historischen Scheuklappen ist das natürlich alles "SED-Schmonsens"!! 

Mach Dich nicht lächerlich in Deinem DDR-Hass!

2

Die Bauarbeiter in der SBZ , angefangen in der Stalinallee, sollten eine

Produktionssteigerung  ohne Lohnausgleich erfüllen. Hierauf protestierten

die Arbeiter, jedoch nicht nur in Berlin sondern auch in anderen Städten.

Da die SBZ-Regierung nicht mehr die Kontrolle über das Volk hatte,

hat diese ihren grossen Bruder SU zu Hilfe gerufen. Diese haben dann mit

ihrer Armee und Panzer den Aufstand niedergeschlagen.

Als gedenken an den Volksaufstand hat die Bundesregierung den 17. Juni

als Tag der Deutschen Einheit verkündet und beschlossen (auch für Berlin-West-

Nach der Wiedervereinigung wurde der 17. Juni als Gedenktag auf den

3. Oktober als Tag der Einheit festgelegt.

Mit freundlichen Gruß

Bley1914

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