Warum wurde der unbeschränkte U-Bootkrieg fortgeführt, nachdem in Rusland der Zar gestürzt wurde?

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4 Antworten

Salue

Da wären wir bei der alten Frage, was wäre wenn.....?

Wer sagt, dass die USA ohne die Versenkung der Lusitania nicht aus einem anderen "fadenscheinigen" Grund in den Krieg eingetreten wären?

Sie wusste ja, das die Lusitania als feindliches Schiff anzusprechen war. Ihr schneller Untergang war die Folge der rundherum fast leeren Kohlebunker (Staubexplosion) und der dahinter gelagerten Munition für die schwere Artillerie Sie fuhr unter Englischer Flagge und transportierte Kriegsgerät.  

Das U-Boot ist die Seewaffe "des armen Mannes". Deutschland war mit seinem Oberwasserkräften unterlegen. Ein U-Boot Krieg kann nicht nach den Regeln der damaligen Abmachung für den Seekrieg durchgeführt werden.

Ein aufgetauchtes U-Boot sinkt schon bei einigen Treffern mit einem schweren Maschinengewehr. Ein vorheriges freundliches Stoppen war nicht möglich, weil die gegnerischen Frachtschiffe, entgegen der damaligen Regeln, bewaffnet waren.

Hätte Deutschland den unbeschränkten U-Boot Krieg nicht wieder aufgenommen, hätten sie auf ihre stärkste Waffe auf See verzichtet.

Aber eben....... wenn !

Gruss

Tellensohn

stormking2000 17.01.2017, 18:37

Die Lusitania wurde 1915 versenkt. Der unbeschränkte U-Bootkrieg wurde daraufhin aufgehoben und erst 1917 wieder fortgesetzt. Dass der unbeschränkte U-Bootkrieg zu einem Krieg mit Amerika führen könnte, war Kaiser und Regierung bewusst.

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Du schreibst: "Vermutlich wären dann alle Staaten zu erschöpft gewesen um den Krieg noch länger zu führen."

Das haben damals auch die Entscheidungsträger in Deutschland gedacht, und deshalb haben sie den "Uneingeschränkten U-Boot-Krieg" wieder aufgenommen, in der Hoffnung so GB von der Versorgung durch die USA abzuschneiden. Es gelang aber nicht GB so weit zu erschöpfen, um es zu Friedensverhandlungen zu bewegen.

Laut Wikipedia gilt: https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Krieg#U-Boot-Einsatz

>Der „Uneingeschränkte U-Boot-Krieg“ wurde im Zuge des Notenaustausches mit Präsident Woodrow Wilson auf der Grundlage seiner 14-Punkte-Rede am 21. Oktober 1918 eingestellt.

Damit war die USA offiziell auch nicht mehr Kriegsteilnehmer und der Weg frei zu einem Verständigungsfrieden der mit dem Waffenstillstand vom 11.11.1918 eingeleitet werden sollte. 

Wie daraus dann eine totale Kapitulation wurde, sogar mit Gebietsverlusten im Osten, obwohl man Russland ja besiegt hatte, das ist eine lange Geschichte.

stormking2000 18.01.2017, 14:31

Auf jeden Fall hatte Deutschland damit die einzige Chance verpasst diesen Krieg mit einem "Untentschieden" zu beenden. Dass die OHL  Amerika so unterschätzt hatte, ist nicht nachvollziehbar, zumal kleinere Staaten wie Serbien und Rumänien die Mittelmächte schon lange beschäftigen konnten. Dein unterer Abschnitt ist aber falsch. Die USA waren bis zum Ende des Krieges am 11.11.18 Kriegsteilnehmer und Verbündete der Ententemächte geblieben. Ein Verständigungsfrieden war niemals in Sicht gewesen, zumal Wilsons 14 Punkte u.a. die Zerstrümmerung Österreich-Ungarns und des Osmanischen Reiches beinhalteten sowie Gebietsabtretungen Deutschlands an ein neues Polen.

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Also erstens dankte der Zar am 14.03. ab, nicht am 12. Am 12.03. eröffnete die DUMA das Parlament wieder, der Zar ist aber noch oberster Herrscher.

Die Bolschewiki, die den Zar und später die DUMA stürzten, boten dem Deutschen Reich in Vertretung also der OHL einen Frieden an. Das geschah bereits im Januar 1917. Zar Nikolaus stimmte dem allerdings nicht zu. Am 03.08.1918 diktierte das DR dann, nach Absetzung der DUMA und Mehrheit der Bolschewiki im Parlament, den Diktatfrieden von Brest-Litowsk, einen äußerst harten Frieden für das RR. Die Bolschewiki nahmen den Diktatfrieden aber an. So war die Ostfront problemlos beiseite geschafft worden, man zog die Armeen aus Russland zurück und konnte sie nun an der Westfront einsetzen, aus dem Zweifrontenkrieg wurde ein Einfrontkrieg.

Man hatte jetzt wieder genug Schießpulver für den Westen, warum sollte die OHL also nicht weitermachen mit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg?

stormking2000 17.01.2017, 18:34

Stimmt, es war der 14.1. als der Zar abdankte. Da hatte ich mich verschrieben.  Aber die Bolschwiki kamen erst in der Oktoberrevolution 1917 an die Macht und der Friede von Brest Litowsk war 1918. Da befanden sich die USA bereits ein ganzes Jahr im Krieg mit den Mittelmächten.

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Johann242 17.01.2017, 18:36
@stormking2000

Es war der 14.03.! Im März!

Der OHL ware es doch völlig egal, was da unten auf den Feldern los war. Die bekamen einen Haufen Medaillen und Auszeichnungen und Anerkennungen. Ludendorff ist später beim Hitler-Putsch dabei, Hinbenburg wird Reichspräsident und ernennt Hitler zum RK, diese Menschen waren nicht mit einem Plan in den Krieg gegangen, sie waren egoistisch, da hat niemand nachgedacht, wieso und was passiert wenn ...

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stormking2000 17.01.2017, 18:40
@Johann242

Schon wieder verschrieben. Es war natürlich der 14.3. Aber die Ursache lag wahrscheinlich wirklich an Ludendorffs  Arroganz, dass es so weit gekommen war.

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VisionDativ 17.01.2017, 18:44
@Johann242

@Johann:  Da hast du einen wichtigen Aspekt betont, der oftmals vernachlässigt wird: das Reich war schon seit Kriegsbeginn, und 1917 erst recht, eine reinrassige Militärdiktatur.

Kaiser und Reichskanzler hatten in den Tagen in etwa den Wert wie heutigentags der Bundespräsident.

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Wenn sich die damaligen Erwägungen überhaupt noch nachvollziehen lassen, dann vielleicht fragmentarisch anhand der Kriegstagebücher von OHL und Seekriegsleitung - falls die überhaupt noch erhalten sind. Kaiser und Reichskanzler hatten in dem Spiel sowieso keine Karten.

Schlüssig erscheint mir die wahrscheinlichste Überlegung, durch den Fortfall der zweiten Front im Osten Kräfte für die Westfront freizubekommen und gleichzeitig den Entente-Nachschub durch den U-Bootkrieg nachhaltig zu stören oder ganz zu unterbinden.

Ob und inwieweit man sich in Berlin über die amerikanische Stärke und die Folgen eines US-Kriegseintritts  im klaren war, ist nicht bekannt. Offensichtlich aber nicht.

stormking2000 17.01.2017, 18:51

Ja, vermutlich kann man nur in Kriegstagebüchern irgendwelcher Generäle so etwas erfahren. Es ist aber erschreckend, dass das Schicksal eines ganzen Landes von den Entscheidungen einiger weniger gefällt wurde. Ich frage mich ob solche Fehlentscheidungen auch heute noch möglich wären.

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VisionDativ 17.01.2017, 18:58
@stormking2000

In diesem Fall ist es leider wirklich so - das deutsche Kaiserreich war schon ab 1914 de facto eine Militärdiktatur, in der die Stellung von  Kaiser und Reichsregierung einem Marionettenspiel nicht unähnlich war.

Heutzutage ist das, jedenfalls in Deutschland, nicht mehr möglich. Der Oberbefehlshaber der heutigen deutschen Streitkräfte trägt im Frieden wie auch im V-Fall Zivil, und unsere Verfassung hat Sicherungen eingebaut, die eine Miltärdiktatur wie 14-18 unmöglich machen.

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stormking2000 17.01.2017, 19:50
@VisionDativ

Na ja, eine offizielle Militärdiktatur gab es 1914 noch nicht. Den Einfluss des Generalstabs konnte man zumindest bis zur Ernennung der 3. OHL (Hindenburg und dem eigentlichen Kopf Ludendorff) im August 1916 einschränken. Danach wurde der Reichskanzler Bethmann-Hollweg (der übrigens Falkenhayn zugunsten von Hindenburg/Ludendorff) entlassen hatte, von Ludendorff gestürzt und der Kaiser zog sich zurück, so dass man erst ab diesem Zeitpunkt von einer Diktatur sprechen konnte. Und das ist der Punkt, der mich beschäftigt. Könnten nicht theorethisch in einem Krieg der Nato die Generäle wieder tongebend werden und die zivilen Regierungen nötigen sich diesen unterzuordnen?


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VisionDativ 17.01.2017, 19:59
@stormking2000

....einem Krieg der Nato die Generäle wieder tongebend werden....

Da die NATO von den USA geführt wird, muß man zur Antwort auf diese Frage nach Washington gucken.

Ich wage hierzu keinerlei Mutmaßungen, und insbesondere nicht für das Jahr 2017 und die fünf folgenden Jahre.....

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