warum wurde der Spartakusbund 1918 nicht im Rätekongress zugelassen?

4 Antworten

Zum Zeitpunkt, als der Rätekongress einberufen wurde, hatte die SPD, die sich damals MSPD nannte, um sich von der USPD abzugrenzen, mit all ihrer politischen und organisatorischen Erfahrung die Arbeiter- und Soldatenräte bereits fest in ihren Griff bekommen.

So kam es auch, dass von den Delegierten des Kongresses fast zwei Drittel Mitglieder der (M)SPD waren und weitere 100 der USPD angehörten. Die Spartakisten waren dort in der Minderheit und deshalb nicht in der Lage Liebknecht und Luxemburg, die erst seit Kurzem wieder auf freiem Fuß waren, eine Teilnahme am Kongress zu ermöglichen.

Ich denke, Du verwechselst etwas, der Spartakusbund war schon zugelassen, aber hatte nur 10 von 8 Delegierten und erstaunlicher Weise wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nicht zugelassen. Hier der wikitext (Spartakusbund):

"Die Bindung an die 1918 entstandene Rätebewegung und Rosa Luxemburgs Theorie von der Spontaneität der Arbeiterklasse als Motor der Revolution wurden für die Revolutionstheorie des Spartakusbundes somit bestimmend.

Beim Reichsrätekongress vertraten nur zehn von 489 Delegierten den Spartakusbund. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durften nicht einmal als Gäste daran teilnehmen. Die Mehrheit der Delegierten beschloss Wahlen zu einer  für den 19. Januar 1919. Die enttäuschte Rosa Luxemburg bezeichnete den Kongress daraufhin als „williges Werkzeug der Gegenrevolution“. Die Kongressergebnisse beschleunigten das Streben der Spartakisten, sich von der USPD zu lösen und eine eigene Partei zu gründen."

Aber ich gebe das hier zur Diskussion:

http://geschichte-forum.forums.ag/t314-der-reichsratekongress-1918-und-der-spartakusbund#2489

Der Mehrheit der Delegierten dürfte der Aufruf zu "links-revolutionär" gewesen sein. Dafür spricht auch die Tatsache, daß Luxemburg und Liebknecht nicht als Teilnehmer zugelassen wurden.

Gruß, earnest

Und warum zu links revolutionär? Und wer entschied, wer zum Reichsrätekongress zugelassen wurde?

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@Mastrodonato

Schau dir doch die Forderungen an; sie waren doch sehr weitgehend und unterschieden sich in ihrer Zielsetzung -Revolution! - doch völlig von der Auffassung z.B. der verschiedenen Gruppierungen der Sozialdemokraten. 

Die Mehrheit der Delegierten entschied, Luxemburg und Liebknecht nicht einmal als Gäste beim Kongreß zuzulassen. Das spricht in meinen Augen eine deutliche Sprache: Die Mehrheit lehnte eine Revolution ab.

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.Beim Ersten Allgemeinen Reichsrätekongreß (Reichskongreß der Arbeiter- und Soldatenräte) in Berlin vom 16 – 21. Dezember 1918 nahmen Delegierte (gewählte Abgesandte der örtlichen und regionalen Arbeiter- und Soldatenräte) teil.

Es ging nicht darum, ob eine ganze Organisation wie der Spartakusbund zugelassen wurde oder nicht.

Einige wenige Anhänger des Spartakusbundes waren Delegierte. Der Spartakusbund war eine kleine Gruppe, damals noch nicht von der USPD getrennt, aber in ihr klar in der Minderheit und mit nur sehr geringer eigener Organisation und Basis in der Arbeiterschaft.

Der Aufruf tat für eine proletarische Revolution ein und vertrat linksradikale Standpunkte, darunter die Forderung nach Beseitigung aller Parlamente und Gemeineräte und ihre Ersetzung durch Arbeiter- und Soldatenräte und legislative und exekutive Hoheitsrechte für die Räte. Entwaffnung der Polizei, der Offiziere und aller nicht proletarischen Soldaten und weitgehende Enteignungen und Vermögensbeschlagnahmungen. Von Philipp Scheidemann und Friedrich Ebert, führenden Politikern der der (Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands), war als „Handlangern der Bourgeoisie“ die Rede.

Dies ging weit über andere Ansätze hinaus und stand in starkem Gegensatz zu der Politik, die von der Mehrheit des Reichsrätekongresses betrieben, unterstützt und beabsichtigt wurde. Insbesondere die MSPD (Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands) beabsichtigte ein ganz andere Politik.

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatten kein Mandat, waren also nicht Delegierte. 

Von rund 500 Delegierten des Reichsrätekongresses neigten rund 300 der MSPD zu, rund 100 der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), darunter 10 Anhänger des Spartakusbundes, die übrigen waren Linksliberale, Parteilose oder unabhängige linke Revolutionäre.

Anträge, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als Gäste mit beratender Stimme zuzulassen, wurden von der Mehrheit abgelehnt.

Die Mehrheitsverhältnisse waren deutlich und die Mehrheitssozialdemokraten waren gegen eine Zulassung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Sie konnten auf ein fehlendes Mandat verweisen. Die politische Richtung und Beurteilung führender MSPD-Politiker war ihnen außerdem unerwünscht.

Eine deutliche Mehrheit des Reichsrätekongresses befürwortete eine parlamentarische Demokratie und die Wahl einer Nationalversammlung, um dafür ein Verfassung zu schaffen. Die Art von proletarischer Revolution, die der Spartakusbund propagierte, lehnte sie ab.

Heinrich August Winkler, Weimar 1918 – 1933 : die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. 3., durchgesehene Auflage. München : Beck, 1998, S.50:  

„Vom 16. bis 21. Dezember tagte in Berlin der Erste Allgemeine Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte. Das entsprach einem Beschluß des Berliner Vollzugsrates, der sich selbst nur als provisorische Spitze der deutschen Arbeiter- und Soldatenräte sah. Die SPD konnte schon vor Beginn des Kongresses beruhigt feststellen, daß sie über die Mehrheit der 514 Delegierten verfügen würde. Etwa 300 Abgesandte der örtlichen und regionalen Räte rechneten sich der SPD, ungefähr 100 der USPD zu; der Rest tendierte zum linksliberalen Lager oder war parteilos. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die beiden führenden Mitglieder der Spartakusgruppe, hatten kein Mandat erhalten; ein Antrag, sie als Gäste mit beratender Stimme zuzulassen, wurde gleich zu Beginn der Tagung mit großer Mehrheit abgelehnt.

Infolge der soliden sozialdemokratischen Mehrheit war die wichtigste Frage des Kongresses bereits vor seiner Eröffnung entschieden: Die Wahl der Nationalversammlung würde zu einem frühen Zeitpunkt erfolgen; weder die Anhänger eines späten Wahlsystems noch gar die eines reinen „Rätesystems“ hatten eine Chance.“

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