Warum wurde das Glaubensbekenntnis geschrieben?

4 Antworten

Weil es in der Anfangsphase des organisierten Christentums konkurrierende Strömungen gab und sich Mehrheiten auf den sog. Konzilen (z.B. in Nicäa) gegenüber Minderheiten einheitlich definieren mussten. Da half das gemeinsame Glaubensbekenntnis, die Grunddogmatik der Allgemeinen (katholischen) Kirche festzulegen.

Die einzige korrekte Antwort... seufz Gruß und DH! q.

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man bestätigt damit die angehörigkeit zu einer religion, ist also ein vollmitglied, so wie bei einem verein, wenn man die mitgliedschaft unterschreibt, ist dies notwendig um sich sicher zu sein ob jemand dazugehört. einfach nur des ordnungshalber

Betrachte das (oder besser alle) Glaubensbekenntnis(se) so als eine Art Fahneneid. Von der Weiterentwicklung der damaligen jüdischen Vorstellungen über die Könige (einer von deren Titel lautete „maschiach“) kam es irgendwann bei den Urchristen zur Formulierung des ersten Glaubensbekenntnisses: „Jesus ist Messias, Jesus ist der Christus, Jesus ist der Herr“. Infolge der Verbreitung des Christentums im Römischen Reich und in den griechischen Regionen (alles Gegenden, wo es nicht nur einen Gott gab, die Griechen haben dem Dualismus gefrönt) konnte man bald mit der Formel „Jesus = Herr“ nicht mehr viel anfangen. Es begannen unter den Christen die bis heute andauernden Streitereien über das göttliche Wesen Jesu: wie kann jemand gleichzeitig Gott und Mensch sein? Es kam faktisch zur Verwässerung und zur Aufhebung des ersten Bekenntnisses und zu bis heute andauernden Streitereien zwischen den selbsternannten Bibelexegeten und -erklärern. Es entstand das Dogma, dass „wir und nur diejenigen, die mit uns übereinstimmen, sich an die Wahrheit halten“! Es musste die Einigkeit des Glaubens hergestellt werden, in Realisierung dieses Vorhaben begannen dann Verfolgung von Häretikern, die kriegerische Verbreitung des Glaubens, religiöse Intoleranz usw. Das erste umfangreichere Glaubensbekenntnis war das sogenannte Apostolische, dessen Inhalt zwar den Aposteln zugeschrieben wird, der aber nirgendwo bei den Aposteln nachzulesen ist (bloß mal ein bisschen in der Bibel stöbern, belegt das). Beispiele: Trinität, Wunder der jungfräulichen Geburt, Trennung von Himmelfahrt und Auferstehung – kein Wort davon bei den Aposteln. Es diente zur Erhöhung des Ansehens der Apostel und v. a. zur Klärung der Autorität und des vermehrten Machtanspruches derjenigen Kirchenfürsten, die sich als Nachfolger der Apostel verstanden. Der Passus „Jesu litt UNTER Pilatus“ (nicht „wegen und durch Pilatus“) sollte schon als indirekte „Schuld“zuweisung gegenüber den Juden verstanden werden. Dieses Bekenntnis war also faktisch eine Erweiterung der einfachen Formel „Jesus = Herr“ auf eine Kraft, die christliche Gemeinschaft zur Konformität zu zwingen. Es bestand inzwischen aus ca. 100 Worten und war eine Festlegung, wer „draußen“ und wer „drinnen“ zu bleiben hat. Womit wiederum Konfliktstoff entstand für weitere und zukünftige Repressalien, Hexenverbrennungen, Folter, Todesurteile. Der berühmt-berüchtigte Konzil von Nicäa (325 n. C.) sollte dann eine exakte Glaubensformel der Kirche festschreiben. Es gehen Gerüchte, dass den Text des sog. Nizänischen Bekenntnisses Konstantin selbst entworfen haben soll, der ja bekannterweise zu diesem Zeitpunkt nicht mal getauft war. Folgerichtig kam es dann zu einem gewaltigen Streit (der bis heute faktisch nicht beendet ist) zwischen den Anhängern von Athanasius („Jesus = gleiches Wesen wie Gott“) und Arius (Jesus nur „gottähnlich“, steht also faktisch eine Stufe tiefer auf der Siegertreppe im Vergleich zu seinem "göttlichen" Vater). Das Nizänische (325 verfasst und 381 erneuert) hatte ursprünglich schon 206 Worte. Die Anhänger Athanasius gewannen den Streit gegen Arius und erstellten so ca. 100 Jahre später ihr eigenes Bekenntnis, das sog. Athanasianische Bekenntnis, was aber mit 680 Worten selbst den damaligen Glaubensfürsten zu langatmig und kompliziert war und sich nur in der anglikanisch-reformistischen Kirche durchsetzte. Auf Grundlage dieser Verworrenheit kam es zu weiteren Debatten, z. B. auf dem Konzil von Chalcedon, der aber nur klären konnte, was Jesus NICHT war. Es kam zu weiteren „Reinigungen“, das Christentum begann, mehr so dämonische Züge anzunehmen (Kreuzzüge, Scheiterhaufen, Religionskriege). Bis heute streiten sich die einzelnen Exegeten über solche „interessanten“ und über die Maßen „wichtigen“ Dinge, ob man das lateinische „Credo in …sanctam ecclesiam catholicam“ übersetzen solle mit „Ich glaube an die heilige Katholische Kirche“, was die Protestanten-Lutheraner strikt ablehnen und lieber auf die raffinierte und zweideutige Übersetzung von Luther zurückgreifen („Ich glaube an die christliche /catholicam/ Kirche“ – siehe den großen Katechismus von Luther), wobei sie sich auf die griechische Urbedeutung des Wortes „katholisch“ (= „allumfassend“) beziehen. Das Nizänische wird heute vorwiegend in der orthodoxen – römischen Kirche angewandt und durchgesetzt, bei der reformatorischen Kirche steht dieses an zweiter Stelle nach dem Apostolikum. Und wie bei jedem „Fahneneid“ werden, wie oben bereits gesagt, die Abtrünnigen in vollkommener „Nächstenliebe“ bestraft. Zitat aus dem Nizänischen Bekenntnis: „Diejenigen aber, die da sagen, es habe eine Zeit gegeben, da der Sohn Gottes nicht war, und er sei nicht gewesen, bevor er gezeugt wurde, und er sei aus nichts geworden oder aus einer anderen Substanz oder Wesenheit, oder der Sohn Gottes sei wandelbar oder veränderlich, diese schließt die apostolische und katholische Kirche aus."

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