Warum wollen Menschen herrschen und / oder Macht haben?

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12 Antworten

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Ich unterscheide zwei Gruppen:

1. Solche, die Infolge ihrer Autorität und sozialen Kompetenz Macht erlangen, ohne selbst danach gestrebt zu bahen, und die diese Macht nur in dem Umfang auch ausüben, wie es notwendig ist, Untergebene/Abhängige zu betreuen und zu fördern.

2. Solche, die selbst in weiten Bereichen unfähig sind, dazu auch weitgehend vernunftfresistent sind und dann ersatzweise den Rest der Welt an eigene Begehrlichkeiten anpassen wollen.

Betrachtet man sog. Mächtige dieser zweiten Art genauer, dann zeigt es sich, daß deren ganze vermeintliche Macht nur daher rührt, daß sie genug Dumme finden (für gewöhnlich Kriecher und/oder das, was man auch als Lumpenproletariat bezeichnet), die für solche Typen unter Gewaltanwendung (körperlich und/oder psychisch und/oder materiell) die Macht durchsetzen. Die Mächtigen dieser Art sind tief in ihrem Inneren Feiglinge.

Danke für deine interessante Antwort!

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Macht ist nach Max Weber zunächst einmal „….jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“. Und aus der Sicht der Psychologie ist Macht „….eine bereichsspezifische assymetrische dyadische Beziehung (….), die durch eine Gefällestruktur auf den Dimensionen »soziale Kompetenz«, » Zugang zu Ressourcen« und »Statusposition« charakterisiert ist und sich in einer einseitig verlaufenden Verhaltenskontrolle manifestiert.“ (Schmalt/Heckhausen, Machtmotivation, S.213)

Nach Walter J. Lonner ist davon auszugehen, dass es sich bei Macht um eine psychologische Universalie resp. Konstante handelt. Der britische Soziologe Michael Mann formuliert es so: „Das Machtbedürfnis ist ein emergentes Bedürfnis, das sich im Verlauf der Bedürfnisbefriedigung erst einstellt“.

Als einen der zentralen psychischen Individualselektionsmomente dürfte dabei die im Rahmen der Motivationstheorien zu verhandelnden Strebungen von Primaten zu beschreiben sein, die, folgt man den Ansichten des amerikanischen Verhaltens- und Sozialpsychologen David Clarence McClelland in drei wesentlichen Strebungen liegen: dem Streben nach Erfolg, dem Streben nach Zugehörigkeit und dem Streben nach Macht. 
Macht- und Dominanstreben sind somit im Rahmen von Macht-, Status- und Ressourcenpositionen und deren Heraushebung als zentrale biologische und noch stärker phylogenetische Stellfaktoren zu beschreiben. (siehe: Schmalt/Heckhausen, Machtmotivation, S.211).
Der zentrale Aspekt von Macht in Gruppen wird in den Untersuchungen des niederländischen Verhaltensforschers Fras de Waal deutlich, der am Beispiel der Schimpansen zeigt wie wenig sich Machtstreben und Machterhalt (mit all seinen Dramaturgien, Stilmitteln und Vorgehensweisen) dieser Primaten von uns Menschen unterscheidet.

Anm.: Die Angabe anderer als o.g. genannter Zitierungsstellen und wissenschaftlichen Quellenangaben habe ich wegen der Übersichtlichkeit ausgelassen, können aber bei Bedarf  nachgereicht werden.

Ich denke, viele Leute fühlen sich nicht gesehen oder anerkannt so wie sie sind, bzw wie sie in der Gesellschaft oder auch von ihrem unmittelbaren Umfeld wahrgenommen werden. Der Machtanspruch ist für mich ein verzweifelter Versuch, sich mit allen Mitteln doch “sichtbar“ zu machen, und den anderen zu zeigen “da staunt ihr wohl, dass ich doch ernstzunehmend und bedeutend bin“. Es geht im Grunde darum, sich bemerkbar zu machen, ein Ringen um Anerkennung. Dieser Fall ist es, wenn man Macht missbraucht. Man kann aber auch verantwortungsvoll damit umgehen, in dem man eine Menschengruppe gewissenhaft anführt, und zwar auf Basis von Gerechtigkeit und dem Bestreben, ein friedliches, harmonisches Zusammenleben zu erreichen. Dabei stellt sich die Person aber nicht selbst und ihre Macht heraus, sondern das Ziel steht im Mittelpunkt. Solche Führungsperslnlichkeiten sind durchaus wichtig. Alles andere, also der Missbrauch von Macht, um sich selbst als bedeutend heraus zu stellen sind für mich Minderwertigkeitskomplexe, oder auf jeden Fall psychische Probleme.

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