Warum wird über die Qualität der Ausrüstung der deutschen Bundeswehr, fast ausschließlich negativ berichtet?

10 Antworten

Seien wir mal ganz ehrlich:

(a) umständliche Bürokratisierung treibt Kosten in die Höhe und verlangsamt zB Modernisierung (ich denke da vor allem an das Ausschreibungsverfahren europaweit)

(b) der Steuerzahler möchte alles, aber das bitte sofort und umsonst. Dass man mit nem Fünfer kein Kampfflugzeug warten kann, sollte klar sein. Dass man da die Ersatzteile nicht in der Werkstatt für nen Hunderter kriegt wie beim Kfz sollte doch eigentlich auch klar sein.

(c) last but not least: Man kriegt in den Medien prinzipiell NUR schlechte Nachrichten über die Truppe. Grund ist relativ simpel: Kein Mensch will wissen, was gut läuft. Schlechte Nachrichten klingen in der Überschrift nicht nur besser, sondern sie verkaufen sich auch viel besser und interessieren mehr.

(d) manchmal ist es auch ganz lustig, solche Artikel dann zu lesen, weil die Hälfte der Informationen entweder unkorrekt oder aus dem Kontext gerissen ist. Dass die Autoren nicht unbedingt Sachverstand in diesem Gebiet haben können, ist nicht unbedingt deren Verschulden, aber es macht die Sache auch nicht besser. Zumal der Großteil der Leser noch weniger Ahnung hat, und alles glaubt, weil es auf Papier in schönen langen, komplizierten Worten gedruckt steht.

Das obige ist natürlich meine eigene Meinung und muss nicht zwangsläufig von irgendwem hier geteilt werden.

Es hört sich haarsträubend an und liest sich auch so, aber auffallend ist es schon, dass einzelne Berichte über fehlende, defekte oder unzureichende Ausrüstung der Bundeswehr solange negiert und ignoriert werden, bis es nicht mehr geht.

Das beste Beispiel ist /war das G36. Die entsprechenden Berichte gibt es schon seit mindestens zwei (3) Jahren. 

Solche Berichte gibt es über den Tornado,  über den Leopard II aber auch über den Eurofighter, ebenso über die Transall und deren Nachfolger A400M.

Einiges wird überspitzt dargestellt sein, aber einen wahren Kern werden all diese Berichte und Meldungen haben. 

Die Ursachen sind vielfältig. Es sollte jahrzehntelang eine "friedliche" Armee aus Staatsbürgern bestehen, die auf keinen Fall an irgendwelchen kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen durfte! Warum sollte man in einer solchen "friedlichen" Armee besonderes Augenmerk auf den gesamten Prozess der Auswahl und Beschaffung von Waffen setzen?

Somit kamen alle Waffensysteme ins Alter und wurden nicht ersetzt sondern preisgünstig modernisiert, es wurden komplizierte Zusätze und Erweiterungen beschafft und halbherzig getestet, weil sie eh nicht zum Einsatz kommen würden, bei einer friedlichen Armee.

Diese Einstellung oder Philosophie zog sich durch alle Waffengattungen und Bereiche, bis sich die Gefährdungslage, das Aufgabengebiet und somit die Anforderungen dramatisch schnell aber grundsätzlich änderten.

Die deutsche Bundeswehr ist plötzlich in aller Welt im Einsatz und der gesamte vorgelagerte Prozess der Beschaffung und die Ersatzteilversorgung wurden diesem Szenario nicht oder nur rudimentär und zögerlich angepasst.

Die Auswirkungen spüren unsere Soldaten im täglichen Einsatz, die Bevölkerung ahnt es bei entsprechenden Einsatzmeldungen in den Nachrichten. " zwei von fünf Systemen sind nicht einsatzfähig, oder die Ersatzteile können nicht (mehr) beschafft werden (Transall und Tornado), oder die Waffe (G36) ist den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen oder die Entwicklung gestaltet sich schwierig (A400M), oder Ersatzteile in ausreichender Menge wurden nie angefordert oder beschafft (Eurofighter)."

Ach ja, das ganze muss natürlich auch preiswert sein! Das unfreiwillige zusammentreffen dieser einzelnen Punkte machte es so dramatisch. Das gesamte System bedarf einer schnellen aber gründlichen Überarbeitung und Anpassung an die aktuellen und kommenden Anforderungen.

Auch muss man das Ungleichgewicht in der Berichterstattung berücksichtigen. Schlagzeilen wie "Tornados funktionieren einwandfrei wie geplant" oder "G36 - wie erwartet keine Vorkommnisse" wird man nicht finden, es wird nur über die Negativseite berichtet.

Bessere Ausstattung ist immer wünschenswert. Mit dem klar kommen, was man hat, ist schon eine Herausforderung gewesen (war selbst 12 Jahre). Über Jahre wurde der Verteidigungsetat gekürzt, wichtige Investitionen zum Umbau aus einer ruhenden Verteidungungsarmee hin zu einer Einsatzarmee blieben aus. Woanders wurde reingebuttert, weil es die internationae Politik so wollte. Der Eurofighter - ich erinnere gern an den Begriff "Jäger 90" - wurde Ende der 70er Jahre als Projekt geboren, vor fast 40 Jahren! Und der Vogel fliegt immer noch nicht so einsatzbereit, wie man es beabsichtigte. Aber da hängen zu viele Staaten dran, ein paar haben den Absprung aus dem Projekt geschafft. NH90, Tiger, A400M... Alles Projekte, die sein müssen, aber es dauert und zu viele mischen mit bzw. erwarten von einem Tiger auch irgendwie zu viel. Und teuer wird's am Ende immer. Bin ja gespannt, was als Ersatz für CH53 kommen wird. Die Helikopter sind jetzt seit Mitte der 60er Jahre in Betrieb und eine max. Nutzungsdauer bis 2030. Nachfolger noch nicht mal im Sichtfeld.

Zum G36 - das wurde nie als dauerfeuernde Waffe konzipiert. Selbst bei einem Maschinengewehr sind alle 150 Schuss Rohrwechsel vorgesehen, da das Material sonst verzieht. Und da reden wir von einem ausgewachsenen Dauerfeuerer! Ich kann doch auch nicht einen Löffel nehmen zum Graben statt einen Spaten und mich nachher beschweren, das der sich verbiegt.

Ich bin überzeugt, dass mit einer Menge mehr Geld in der Hand einiges schneller liefe. "Gott und den Soldaten ehret man in Zeiten der Not und zwar nur dann. Ist die Not vorüber und die Zeiten gewandelt, wird Gott bald vergessen und der Soldat schlecht behandelt." Jetzt scheinen wieder Notzeiten anzubrechen, alles hofft auf Personal und Geld.

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