Warum wird Kriemhilde als Vaelaendinne bezeichnet im Nibelungenlied?

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Die Textstelle steht im Nibelungenlied, 39. Âventiure.

„Vâlandinne“ bedeutet „Teufelin“, „Teufelsweib“. Maskulinum dazu ist „Vâland“. „Vâl“ bedeutet „Fall“, übertragen „Untergang“, „Tod“, „Verderben“.

Hagen spricht zu Kriemhild.

„Nun ist der edle König von Burgund tot, Giselher und Volker, Dankwart und Gernot. Den Hort, den weiß nun niemand außer Gott und mir. Der soll dir Teufelin immer wohl verhohlen/verborgen sein.“

Hagen beschimpft Kriemhild zornig/voll Unmut mit der Bezeichnung „Vâlandinne“ und drückt Abscheu und Verurteilung aus.

Kriemhild ist in ihrer Begierde nach Rache sehr weit gegangen. Sie ließ sich nicht von menschlichem Bindungen und Werten der höfischen Adelsgesellschaft abhalten.

Allerdings ist es Hagen selbst, der ihr Verhalten bewirkt hat. Kriemhild hat ein Verlangen nach Genugtuung für ihr angetanes Unrecht.

Kriemhild strebt nach Rache wegen der Ermordung ihres Mannes Siegried und des Raubes des Nibelungenhortes (eines gewaltigen Schatzes). Sie möchte den Hort zurückbekommen.

Mit ihren Brüdern hat sie sich formell ausgesöhnt, aber zu Hagen besteht die Feindschaft weiterhin und ihr Wunsch nach Rache ist nicht verschwunden.

Kriemhilds Einladung der Burgzunder an König Etzels Hof (sie ist in der Sage in zweiter Ehe mit dem Hunnenkönig Etzel verheiratet) dient ihr dazu, diese in eine Falle zu bekommen. Die Burgunder sind nicht bereit, sich von Hagen zu trennen. Kriemhild treibt Hunnen zum Kampf an. Etzels Bruder Blödel(in) leitet einen Überfall auf das Gesinde/die Knechte der Burgunder. Nur Dankwart, Hagens Bruder überlebt dabei. Bei den dann entstehenden Kämpfen befiehlt Kriemhild, den Saal, in dem sich die Burgunder befinden, in Brand zu setzen.

Etzel und Kriemhild bitten und drängen Markgraf Rüdiger von Bechlaren, gegen die Burgunder zu kämpfen. Als Lehnsmann und wegen eines Versprechens, Kriemhild Hilfe zu leisten, kann er sich nicht gut entziehen. Er steht aber in einem Konflikt der Bindungen/Verpflichtungen, weil die Burgunder bei ihrer Anreise von ihm als Gäste aufgenommen worden waren, Giselherr seine Tochter (Dietlind) geheiratet hat und damit sein Schwiegersohn geworden ist.

Rüdiger und Gernot töten sich im Kampf gegenseitig. Schließlich überwältigt Dietrich von Bern, nachdem seine Gefolgsleute in einem bei einer Nachfrage nach Rüdiger entstehenden Streit bis auf Hildebrand gefallen sind, die von den Burgundern allein noch lebenden Hagen und Gunther.

Hagen weigert sich, den Ort anzugeben, wo er den Nibelungenhort versteckt hat. Er behauptet, geschworen zu haben, dies nicht mitzuteilen, solange einer seiner Herren (Gunther, Gernot und Giselher) noch lebt. Kriemhild läßt König Gunther, ihrem Bruder, töten und zeigt Hagen dessen Kopf.

Hagen stellt mit der Bezeichnung „Vâlandinne“ Kriemhild als Grenzen überschreitend dar. Ihrem Drängen, von ihm Information über den Hort zu bekommen, widersetzt er sich.

Kriemhild ist äußerst weit gegangen und bei ihrem Streben nach Verwirklichung ihrer Ziele hat sie sich nicht davon abhalten lassen, wenn ihm Menschen zum Opfer fielen.

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