Warum wird in Deutschland Sterbehilfe verweigert?

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14 Antworten

Sterbehilfe ist ein schwieriges Thema. Die Diskussion darum gibt es ja nun auch nicht erst seit gestern und bisher ist es nicht möglich gewesen, eine einheitliche Bewertung zu erreichen.

Überlegen wir mal eben, worum es eigentlich geht bei der Sterbehilfe: Sie räumt einem Patienten, der eine nicht heilbare Erkrankung hat, die sein Leben nicht mehr lebenswert macht das Recht ein, selbst entscheiden zu dürfen, wann sein Leben enden soll. Schön und gut.

Und wie soll das dann gehen?

Da ist nämlich das Problem: Da verlangt der Patient, dass man ihn tötet. Egal wie, aber schmerzlos und human. Was spritzen, einschlafen, fertig. Klingt gut, oder? Mal ehrlich - ich bin Arzt. Ich kann akzeptieren, wenn ein Leben vorbei ist. Ich lasse die Leute dann auch gerne gehen und gehöre bestimmt nicht zu denen, die noch alles an Maschinen aufbauen, um unnötig das unausweichliche hinauszuzögern und damit Schmerz und Leid zu verlängern. Aber den Patienten aktiv umbringen? Jemanden mit Absicht töten ist genau das nicht, weswegen ich studiert habe. Es ist, auch wenn es mit den besten Absichten geschieht, nichts anderes als eine Tötung. Davon mal abgesehen, dass es diverse Gesetze gibt, die das Verbieten (unter anderem steht im Grundgesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit niedergeschrieben, und nach aktueller Lesart bedeutet das, dass niemand aus welchen Gründen auch immer jemand anderen schädigen darf) will glaube ich niemand in der Situation sein, so etwas jemals tun zu müssen.

Stelle dir vor, deine Tante ist todkrank. Sie bittet dich, ihr das Leben zu nehmen. Der Plan: Sie will sich betrinken, so dass sie nichts mehr mitbekommt, und du sollst ihr dann so lange ein Kissen auf das Gesicht drücken, bis sie erstickt ist. Na? Würdest du das tun? Ich denke nicht, und auch wenn es nicht deine Tante, sondern eine entfernte Bekannte ist, oder die Nachbarin von gegenüber, die du eigentlich gar nicht kennst, du würdest es wohl nicht tun. Jemanden zu töten, ein Leben mit Absicht zu nehmen, auch mit den besten Absichten, ist ein Schritt, der so extrem ist, dass wohl die wenigsten bereit sind, ihn zu unternehmen.

Ich möchte das nicht tun.

Was gibt es noch für Varianten? Wenn der Patient selber noch kann, kann er sich selbst das Leben nehmen. Das ist ja das Konstrukt in der Schweiz. Wenn man darlegt, dass man unheilbar krank ist, bekommt man ein Fläschchen Gift ( oder was auch immer) und kann sich selbst umbringen. Das Aushändigen des Giftes ist die Sterbehilfe. Das ist Ärzten in Deutschland untersagt durch die Berufsordnung für Ärzte. Ob man in der Schweiz auch bei der Einnahme hilf, das weiß ich nicht, dann wäre es wieder aktives Töten. Klar, auf Verlangen, aber es wäre Töten. Bei dieser Variante, also dem assistierten Suizid, bin ich nicht sicher, was ich davon halten soll. Ich denke aber, dass es letztlich ähnlich ist, als wenn man selber aktiv wird. Man weiß trotzdem den Rest seines Lebens, dass man den Tod des anderen zu verantworten hat. Für einige würde diese Variante aber sicher in Frage kommen, dies ist in Deutschland jedoch tatsächlich nicht erlaubt, auch wenn Beihilfe zum Suizid meines Wissens nach in der Regel straffrei bleibt.

Am problemlosesten, ethisch am vertretbarsten und für alle Beteiligten am dankbarsten ist es glaube ich, wenn man statt ein Leben zu beenden einfach ein Leben nicht unnötig verlängert. Ich sage "einfach", aber so einfach ist das nicht. Es setzt ein komplexes Zusammenwirken von Pflegenden, Ärzten und Angehörigen voraus. Der Grundgedanke ist es, das Leiden zu lindern oder zu nehmen, ohne das Leben zu nehmen, man darf aber in Kauf nehmen, dass das Leben des Leidenden früher zu Ende geht, als es das eigentlich würde. Der Patient erhält ausreichend Schmerzmittel (wirklich ausreichend, teilweise in astronomisch hohen Dosen). Der Patient wird mit dem versorgt, was er möchte, aber er muss nichts, was er nicht will. Er bekommt Essen und trinken, wenn er möchte. Wenn nicht, wird man ihn nicht zwingen, per Magensonde oder sonst etwas. Und was ebenfalls wichtig ist: es werden keine medizinischen Maßnahmen ergriffen. So kann es passieren, dass ein Patient so viel Schmerzmittel nimmt, dass seine Atmung nicht mehr richtig funktioniert. Dieses würde man tolerieren, auch wenn das bedeutet, dass der Patient möglicherweise früher stirbt. Dies ist der Gedanke der Palliation. Lindern von Leid in ein erträgliches Maß, Fürsorge im Sinne des Patienten und Verzicht auf unerwünschte Maßnahmen, auch wenn diese medizinisch indiziert sind sowei Begleitung des Prozesses durch Psychologen o.ä.. Ich kenne viele Fälle, die eine Palliativmedizinische Betreuung erfahren haben. Es ist eine gute Lösung. Der Leidende muss nicht mehr leiden und Angehörige und Pflegende laden keine Schuld auf sich. Eine gut gemachte Palliation ist Gold wert und ersetzt problemlos die Sterbehilfe. 

Im Krankenhaus kann man tatsächlich auch so weit gehen, dass man bei schwer kranken Menschen z.B. auf der Intensivstation die Therapie beendet. Man schaltet lebenserhaltende Maschinen wie Dialyse oder das Herz unterstützende Medikamente ab, wenn klar ist, dass der Patient sowieso nicht überlebt. Nicht-Behandlung, wenn es aussichtslos ist. Das ist tatsächlich keine Sterbehilfe und damit können die meisten Ärzte auch gut leben. Auch hier muss allerdings natürlich gelten, dass der Patient keinerlei Leid erfahren darf, er muss also ausreichend Schmerzmittel und dergleichen erhalten.

So, viel Text. Ich weiß gar nicht, ob das deine Frage richtig beantwortet, aber das sind so die Gedanken, die ich mir oft auf der Arbeit zu dem Thema mache. Zusammengefasst: Das Töten von Menschen, egal ob sie das wollen oder nicht, geht gar nicht. Der Vergleich mit Tieren geht auch nicht. Der Mensch ist biologisch vielleicht ein Säugetier, aber das wars dann auch. Wir fressen ja auch nicht unsere Jungen, wenn sie zu schwach sind, wie Tiere das tun. Beim Einschläfern von Tieren maßen wir uns an, in ihrem Sine zu handeln. Tun wir das wirklich? Warum soll der alte Hund nicht zufrieden damit sein, auf dem Teppich zu Herrchens Füßen einzuschlafen, mit ausreichend Schmerzmitteln versorgt, die den Tumor vergessen lassen? Wissen wir nicht. Ist ja auch nicht das Thema. Töten von Menschen war das Thema, und das geht eben nicht. Beihilfe zu Selbsttötung ... naja, würde ich nicht wollen, andere könnten vielleicht, ist aber verboten. Palliative Betreuung ist eine gute Alternative, und wenn es richtig und gut gemacht wird, braucht man die Diskussion um Sterbehilfe nicht mehr. Oder? Kritik und Diskussion gerne willkommen ... ;-)

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Kommentar von SturerEsel
19.11.2016, 21:47

Vielen Dank für deine fachkundige Antwort, ich verstehe die Problematik nun besser als vorher.

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Kommentar von Heduda12
19.11.2016, 22:03

Kann mich dem Kommentar von DoktorNoth nur anschließen.

Bezüglich Palliative Care: Die Betreuung mittels SAPV Spezielle Ambulante Palliativversorgung gehört gefördert. Aber auch in den Krankenhäusern wird immer mehr nach den Grundsätzen von Palliative Care gearbeitet. Das Behandlungsteam steht dem Patienten zur Seite, und nicht einzelne Fachdisziplinen. Es gehört mit den Patienten mehr gesprochen und besser aufgeklärt.

Das mobile Palliativ Team, das in Österreich von verschiedenen Träger durchgeführt wird, gehört ebenfalls massiv aufgestockt. Jedoch fehlt es an der Regelfinanzierung. Ausnahme bildet hier die Steiermark.

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Kommentar von Brotmensch89
20.11.2016, 01:15

Einen Aspekt möchte ich noch anfügen, und zwar den der 'unfreiwilligen Freiwilligkeit', wie ich es mal nennen möchte.

Und zwar könnte es mit Sterbehilfe darauf hinauslaufen, dass sich alte Menschen, die eigentlich noch leben wollen, dazu gedrängt fühlen zu sterben, um für ihre Familie oder wen auch immer keine Last darzustellen.

Genau das wäre natürlich auch nicht im Sinne der Sterbehilfe.

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Kommentar von Maisbaer78
20.11.2016, 12:15

Ich möchte das nicht tun.

Die Entscheidung eines Arztes oder einer angesprochenen Person für oder gegen eine aktiv geleistete Beihilfe liegt noch immer in deren eigenem Ermessen.

Jemand der das Leid erkennt und unbedingt Erlösung bringen will, tut das auch, wenn die Gesetzgebung es verbietet, da hatten wir ja schon diverse Fälle vor Gericht. Vice versa zwingt die Duldung dieser Praktik Niemanden dazu, den Bitten Folge zu leisten.

Allein die Legitimierung der Sterbehilfe, bzw. wie es zb. in der Schweiz gehandhabt wird "Hilfe zur Selbsttötung" bringt also keinen Arzt in eine moralische Zwickmühle, in der er nicht schon auch so stecken würde. Wohl aber das unendliche Leben- und Leidenverlängern, das zu einem echten Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen geworden ist.

Die Entscheidung wird nie leicht sein und sollte es auch nicht. Aber dieser Ausweg sollte vorhanden sein. Ich hab schon furchtbare Erkrankungen gesehen und viele Suizide, die weitaus weniger qualvoll gewesen wären, wenn ein geeignetes Mittel oder
vorbereitend medizinische Beratung hätte in Anspruch genommen werden können.

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Wir haben in diesem Land starke Kräfte, die ein ökonomisches Interesse an der Sterbeverlängerung haben. Die haben nicht nur Ärztekammern beeinflusst den assistierten Suizid zu verbieten, sondern im letzten Jahr auch den Gesetzgeber. Leider sind Politiker oft nicht ausreichend informiert und folgen dann ihren Wortführern. Dabei ist bekannt, dass die Bevölkerung mehrheitlich sich Hilfe beim selbstbestimmten Sterben wünscht. Unter Ärzten ist dieser Wunsch sogar noch ausgeprägter. Politiker hat man in der Hinsicht meines Wissens noch nicht befragt. Ich kann mir aber vorstellen, dass es bei ihnen ähnlich wie bei Ärzten ist, denn es sind erfahrungsgemäß die Gebildeteren, die sich Sterbehilfe wünschen.

Als Sterbebegleiter höre ich gelegentlich den Wunsch: "Ich möchte einschlafen und nicht wieder aufwachen müssen." Wer unter seinem Leben schwer leidet und das nachhaltig äußert, davon zwei Ärzte überzeugt hat und das über einen längeren Zeitraum getan hat, der sollte für immer einschlafen dürfen. So sind die Regeln in Staaten, wo das zugelassen ist.

Wir wollen in Deutschland keine Tötung auf Verlangen. Das war seit dem dritten Reich politisch kein Thema mehr, obwohl mehr Menschen sich am Ende das Leben von anderen nehmen lassen wollen, als es mit Hilfe selber tun zu dürfen. Eigentlich wollen sie nämlich gerne leben, nur das Leiden vermiest es ihnen.

Wenn die Palliativversorgung hier flächendeckend ausgebaut wäre, sähe es sicher anders aus, aber in der Hinsicht ist Deutschland nach Prof. Sven Gottschling noch ein Entwicklungsland. In Ländern wo Suizidhilfe zugelassen ist, wurde parallel die Palliativversorgung weiter ausgebaut, was die Nachfrage nach Suizidhilfe reduziert hat.

Palliativmediziner geben zu, dass es Schmerzsyndrome gibt, die mit ihren Mitteln nicht ausreichend gelindert werden können. Das betrifft ca. 60 Menschen im Jahr. Das sind etwa 50 Prozent mehr, als sich mit Hilfe von Sterbehilfe Deutschland 2014 das Leben genommen haben. Der Rest muss darauf hoffen in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt zu werden, bis er oder sie stirbt. Da die Palliativversorgung und -ausbildung noch in den Anfängen steckt, müssen viele darauf vergeblich hoffen. Aber ist eine terminale Sedierung wirklich humaner, als das aussichtslose Leiden zu beenden? Es liegt aber auf der Hand, dass mit der Weiterbehandlung mehr und länger abgerechnet werden kann.

Wir haben immerhin die Freiheit Suizid begehen zu dürfen. Das Problem ist nur, dass es schwer ist, es selber und richtig zu tun. Viele Menschen wählen eine gewaltsame Methode, um sicher zu gehen. Soll das durch standesrechtliche oder strafgesetzliche Verbote befördert werden? Vielleicht ist das so, denn die anfangs genannten ökonomischen Kräfte profitieren von fehlgeschlagenen Suiziden. Dann nämlich, wenn der Suizident danach (gegen seinen Willen) künstlich am Leben erhalten wird.

"Warum ist dies in Ländern wie in der Schweiz oder in den Niederlanden möglich, bei uns jedoch nicht?" Weil Politiker in diesen und anderen Ländern mehr auf die Bevölkerung, als auf Lobbyisten hören, dann aber dafür gesorgt haben, dass es keinen Missbrauch geben sollte, ergebnisoffene Beratung zu haben ist und Alternativangebote verbessert werden.

Da das in der Schweiz für den ärztlich assistierten Suizid zugelassene Medikament in Deutschland nur für Tiere zugelassen ist, müssen wir uns andere Wege suchen. Übrigens kann nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere, wenn sie es denn kommunizieren könnten, in bestimmten aussichtslosen Leidenssituationen, auch um Sterbehilfe bitten würden.

Prof. Christiaan Barnard hat gesagt: "Im Laufe meiner ärztlichen
Praxis habe ich gelernt, dass der Tod nicht immer ein Feind sein muss.
Oft ist er auch die einzig wirksame Therapie, mit der erreicht wird, was
die Medizin nicht zustande bringt – das Ende der Leiden."

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Weil viele Menschen die sterben wollen, auch eine Geldquelle für ganze Industrien darstellen, die nicht versiegen soll. In kleinen Staaten kann man daher eher darüber hinweg sehen, als in großen.

Man bedient sich des schwarz/weiß Glaubens, das Leben sei durchweg gut und unter allen Umständen erstrebenswert, wohin gegen der Tod etwas rein schlechtes sei, was es immer zu verhindern gilt.

"In der Frühe die Wahrheit vernehmen und am Abend Sterben: Das ist nicht schlimm." (Konfuzius)

Die Bevormundung erhält Einzug über die Definition von Selbstmord und Freitod, also ob jemand frei seinen Tod wählt, oder ob er sich gegen seinen eigentlichen Willen selbst ermordet.

Schon Kant hat bemerkt: "Eine äußere Zwangsmaßnahme zur angeblichen Stützung des moralischen Lebenswillens, ist selbst unmoralisch."

Damit die Maschinerie weiter läuft, werden Ärzte moralisch indoktriniert und subtil als Mörder, Henker oder zumindest als Personen hingestellt, die Beihilfe zum Mord leisten würden. Ein Kaishakunin jedoch, war ein guter Freund und kein Feind.

"Jemanden mit Absicht töten ist genau das nicht, weswegen ich studiert
habe. Es ist, auch wenn es mit den besten Absichten geschieht, nichts
anderes als eine Tötung."
schrieb ein ärztlicher Vorredner auf deine Frage. Doch Tötung ist nicht Mord und nicht unbedingt etwas Schlechtes für den Betroffenen. Die moralische Bewertung sollte dem Patienten obliegen. Auch wenn sich der Mensch gerne als Krone der Schöpfung sieht, sollte man bedenken, dass alleine durch unsere Existenz Leben entsteht und eben auch vernichtet wird. Mit jedem Schritt auf einem Waldboden sterben Lebewesen, doch anderen bieten wir z. B. mit unserer Haut einen Lebensraum.

Weiter schrieb er: "Davon mal abgesehen, dass es diverse Gesetze gibt, die das Verbieten (unter anderem steht im Grundgesetz das Recht auf körperliche
Unversehrtheit niedergeschrieben, und nach aktueller Lesart bedeutet
das, dass niemand aus welchen Gründen auch immer jemand anderen
schädigen darf) will glaube ich niemand in der Situation sein, so etwas
jemals tun zu müssen...Eine gut gemachte Palliation ist Gold wert und ersetzt problemlos die Sterbehilfe."
Doch mit Sterbehilfe schädigt man nicht zwangsläufig aus Sicht der Betroffenen. Kommt es außerdem wirklich darauf an, ob ein Arzt Freude bei einem Teil seiner notwendigen Arbeit verspührt? Wahrscheinlich möchte auch kein Arzt in der Situation sein, einen Menschen über Jahre hinweg, trotz Medikamente, leiden zu sehen. Viele unschöne Dinge gehören zur Tätigkeit eines Arztes und werden dennoch verrichtet. Palliation ist ein alternativer Weg zur Sterbehilfe, doch kann keiner von beiden den anderen ersetzen. Welchen Weg ein mündiger Mensch auch wählt, die Entscheidung darüber sollte niemals in die Hände des Staates, der Industrie, des Arztes oder des sozialen Umfeldes gelegt werden, da dies dem menschlichen Selbstbestimmungsrecht grundlegend widerspricht.

Im Sekundentakt verhungern Kinder, obwohl alle satt werden könnten. Jeder der Währungsmittel aus einem Schuldgeldsystem bezieht, trägt dafür eine Mitverantwortung. Komischerweise kommt kein Moralapostel auf die Idee, er könne auch hier Blut an den Händen haben.

Nietzsche erklärte uns: "Den freien Tod predige ich Euch, der nicht heranschleicht wie Euer grinsender Tod, sondern der da kommt, weil ich es will."

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Warum wird in Deutschland Sterbehilfe verweigert?

Weil es "christlicher" ist, Leute qualvoll verenden zu lassen, nachdem Sie mitunter Jahre lang ans Bett gefesselt und mit Schmerzen dahinsiechen mussten. Die Kirche und die christlich geprägten Parteien halten da die Hand drüber.

Naja und n Geschäftsmodell steckt auch dahinter. Man verdient natürlich mehr an einem Patienten, der weiterhin gepflegt werden "muss" anstatt in Würde zu sterben.

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Selbst mit einer Patientenverfügung hat man in Deutschland die Wahl zwischen Ersticken, Verdursten oder Verhungern.

Mal etwas grundsätzliches zum Thema Patientenverfügung: Kein Arzt ist verpflichtet sich daran zu halten.

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Kommentar von DorktorNoth
20.11.2016, 10:28

Das ist nicht korrekt. Sofern keine begründeten Zweifel an der Echtheit der Verfügung bestehen, gilt in als Willensäußerung des Patienten . Gegen den Willen des Patienten darf keine Maßnahme an ihm durchgeführt werden , das wäre Körperverletzung . Insofern doch, der Arzt ist verpflichtet, sich  die Patientenverfügung zu halten. 

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Bis vor kurzem nahm auch ich an, dass die in der Schweiz praktizierte Sterbehilfe ein humanes, würdiges Sterben ermöglicht und empfand diese Möglichkeit als sehr beruhigend.

Das diese Vorstellung nicht unbedingt der Realität entspricht, erfuhr ich erst vor kurzem von einem befreundeten Arzt, der seinen besten Freund, der sich bewusst für diese Art des Sterbens entschied (da unheilbar krank) begleitete.

Der Patient muss in der Lage sein, das ihm gereichte Mittel/Gift selbst einzunehmen (trinken, Infusion aufdrehen etc). Danach darf von Dritten nicht mehr eingegriffen werden.

Dieser Mann also, der sich bewusst zum Sterben entschied und rein kognitiv klar sterben wollte, schlummerte aber nicht seelig und friedlich hinüber.

Offensichtlich war da noch etwas in seinem Unterbewusstsein, seiner Seele, das leben wollte. Über Stunden lag er in einem qualvollen Todeskampf, den alle anwesenden Zeugen (Arzt, Pflegepersonal, Polizei) mit ansehen und aushalten mussten, denn es darf nicht weiter eingegriffen und z.B. nachgespritzt werden. Auch das gilt in der Schweiz als aktive Sterbehilfe und ist verboten. 

Alle Anwesenden waren fix und fertig und nicht ohne Grund ist für die Begleiter/Zeugen, dass alles rechtmäßig abgelaufen ist, regelmäßig eine Nachbetreuung vorhanden.

Ein humanes, friedliches Sterben ist also gerade nicht immer gewährleistet. Wüsste ich dies nun nicht aus erster Hand, würde ich noch immer von einer falschen Annahme über diesen Prozessablauf ausgehen. Hier sollte ehrlicher verfahren werden.

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Weil es hier neben juristischen Aspekten, auch um philosophische, religiöse, medizinische und ethische Fragen geht und jede Wissenschaft für sich ein Mitspracherecht zu diesem Thema hat. Ferner muss man hier zum anderen zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe voneinander unterschieden.

Die aktive Sterbehilfe /Tötung durch Verlangen kann zwar strafmildernd sein, ist aber strafbar nach derzeitigem Stand (noch) zumindest.

Ferner haben wir noch eine deutsche Geschichte, die zudem "problematisch" ist. Die "Tötung unwerten Lebens" gehörte in die Ideologie. Da man sich berechtigterweise davon distanzieren möchte, hat sich auch in dieser Hinsicht zu diesem Thema der "Legalisierung" nichts verhindert.

Auch muss im Rahmen der passiven Sterbehilfe gewisse Voraussetzungen gegeben sein, damit dies in Ausnahmesituationen zulässig sein kann. Irreversibel verschlechternder Gesamtzustand, negative Prognose und eine freie Entscheidung des Betroffenen im zurechnungsfähigen Zustand.

All diese Faktoren spielen eine Rolle und müssen bei dieser Frage berücksichtigt werden.

MfG

Markus143

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Es ist wie so oft eine ethische Entscheidung des Gesetzgebers.

Wobei ich mit Palliative Care eine sinnvolle Behandlung und Begleitung vorziehen würde!!

Es muss keiner verdursten, ersticken oder unter Schmerzen leiden!!!

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Kommentar von SigridP
20.11.2016, 11:01

Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, es müssen eben doch sehr alte und kranke nicht selten unter Schmerzen leiden.

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Kommentar von Maisbaer78
20.11.2016, 12:18

Es muss keiner verdursten, ersticken oder unter Schmerzen leiden!!!

Doch, leider ist das das Ende, das sehr vielen Menschen widerfährt. Die Menschen sterben genau daran, nicht an Langeweile oder weil in Ihnen ein Schalter umspringt. Die Todesursache auch auf Palliativstationen ist praktisch immer Verhungern, Verdursten oder eben "mit Glück" akutes Organversagen.

Es gibt auch Erkrankungen, bei denen Schmerzmittel nicht mehr helfen.

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Ich weis nur eins: sollte es bei mir mal soweit kommen das ich schwer erkranke z. B. Krebs, werde ich trotz Patientenverfügung solange ich noch dazu in der Lage bin selbst meinem Leben ein Ende setzen.

Diese Entscheidung über das Abschalten von Maschinen überlasse ich niemandem, denn ich kann mir vorstellen das der andere der dann über mein Leben oder Sterben entscheidet den Rest seines Lebens sich Vorwürfe machen wird!

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Das Problem aus meiner Sicht ist: Wo zieht man die Grenze? Wann ist es wem erlaubt, Sterbehilfe zu geben und wann nicht?

Wer darf Sterbehilfe geben? Die Erben?

Ist eine sehr problematische Angelegenheit.

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Kommentar von SturerEsel
19.11.2016, 20:50

Ja, sobald dritte ins Spiel kommen, ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Die Lösung ist einfach: Innerhalb einer Patientenverfügung räume ich einem Arzt diese Befugnis ein, erst recht, wenn ich noch in der Lage bin, dies nachdrücklich zu bestätigen.

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Kommentar von Pangaea
19.11.2016, 20:52

"Ach Doktor, helfen Sie unserem lieben Tante Minchen beim Sterben,  ihr Leben ist doch sowieso nicht mehr lebenswert!"

("Hey, bald gehört das schicke Haus uns, hihi!")

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Kommentar von SaVer79
19.11.2016, 20:55

Und wie willst du in einer Patientenverfügung ausreichend konkret festlegen in welcher genauen Lage du einmal Sterbehilfe wollen würdest? Jede Lage ist anders und es müsste dann aus der Verfügung hervorgehen, dass du in genau in diesem Fall nicht mehr weiter leben wollen würdest! Das halte ich für sehr schwierig! Außerdem müsstest du dann auch noch jemanden finden, der bereit wäre, die Verantwortung zu übernehmen und die letztendliche Entscheidung zu treffen

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Also ich bin auch für Sterbehilfe, trotzdem muss man auch die negativen Gründe sehen. Der Arzt bringt ja jemanden um, auch wenn der Patient das will ist es für den Arzt evtl. sehr belastend auf Dauer.

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Genauso ist es ja mit den Organspenden! Ich hätte da ein komisches Gefühl bei, meine Organe zur spenden, freizugeben! Weiß man, ob es da nicht eine geheime Kraft gibt, Organisation, oder sonst was,  die mich dann tötet, nur an meine Organe zu kommen?  Theoretisch wäre das möglich!

Und so ist es auch mit der Sterbehilfe! Es ist letzendlich nicht nartürlich, und widerspricht den Selbsterhaltungstrieb der Art. Was ist, wenn jemand zwar Totkrank ist, und will sich um die Ecke bringen lassen, weil vielleicht auch psychisch am Ende, und nach Monaten erfolgt eine Spontanheilung, die es ja schon oft gegeben hat. Wie soll man das bewerten? Theoretisch wäre das möglich!

Ich schreibe das nun nicht, weil ich absolut dagegen bin! Bei ganz schlimmen Fällen macht das wirklich Sinn, um ein Leiden zu vermeiden. Schreibe hier nur meine Bedenken, ohne es zu bewerten. Jedes Leben muss uns sehr kostbar sein!


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Dieses Thema ist sehr heikel. Es wirft ehtisch-moralische Fragen auf, ob und in wieweit Sterbehilfe okay ist. Natürlich verstehe ich deinen Ansatz. Die Frage ist, ab wann Sterbehilfe okay ist. Und wer dies entscheiden kann. Unter Medikamenten bzw. Drogen (z.B. Morphium, wie es oftmals vorkommt) ist die Entscheidungfindung eingeschränkt.

Zu diesem Thema hat es bereits viele Debatten gegeben, du kannst dir also bei Interesse solche nachlesen oder nachschauen.

Freundliche Grüsse

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Kommentar von SturerEsel
19.11.2016, 20:46

Wer dies entscheiden kann? Der Patient natürlich - und zwar schon im Vorfeld.

Auch ich war "gezwungen", eine Patientenverfügung aufzusetzen. Dort steht jedoch nur, welche lebensverlängernden Maßnahmen man nicht wünscht (siehe oben) und eben nicht, dass man einen Arzt bevollmächtigt, das Ende einzuleiten - auch wenn man dies nachdrücklich fordert.

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So ein Unsinn.

Man lässt keinen Patienten ersticken, verdursten oder verhungern.

Man sorgt dafür, dass ein Patient, für den keine Hoffnung mehr besteht, in Würde und  ohne Schmerzen sterben kann, zur gegebenen Zeit. Aber man spritzt ihn nicht tot wie ein Tier.

Das ist Unterstützung beim Sterben, aber nicht Hilfe zum Sterben.

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Kommentar von SturerEsel
19.11.2016, 20:53

So ein Unsinn.

In einem Hospiz werden Todkranke betreut, bis sie sterben. Man bemüht sich, diese möglichst ohne Schmerzen sterben zu lassen.

Ich möchte (aus gegebenem Anlass) lieber eingeschläfert werden, als wochenlang mein Ende zu erwarten.

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