Warum wird in Deutschland debattiert und nicht diskutiert?

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8 Antworten

Wenn man sich Bundestagsdebatten anguckt, bekommt man schnell den Eindruck, dass es sich um eher festgefahrene Lager handelt, die (zum x-sten mal) ihre Argumente "abladen" bzw "runterrattern", und dass sich nicht wirklich auf den Kern oder das Wesen des Problems fokussiert wird. Das liegt aber unter anderem daran, dass es in Deutschland eine repräsentative Demokratie mit einem Abgeordnetensystem gibt, mit Abgeordneten, die nun einmal für das einstehen müssen, für das sie oder ihre Partei während des Wahlkampfes auch geworben haben und das ihrer politischen Gesinnung entspricht.

Wenn jetzt eine Seite plötzlich ihre Position wechselt, weil sich etwas anderes als vermeintlich "in der Sache besser" herausgestellt hat als ihre eigene Forderung, wird das von den (aktuellen und potentiellen) Wählern mit Argwöhn betrachtet, es wird als Zeichen der Schwäche gewertet, ggf. sogar als "Verrat am Wähler". Die SPD kann davon ein Lied singen, die Unterstützung der neoliberalen Maßnahmen der Agenda 2010 aus wirtschaftlichen Gründen hat sie sehr viele ihrer Wähler gekostet, die eine solch un-sozialdemokratische Politik als Verrat wahrgenommen haben.

Und wer nicht gewählt wird, kann keine Politik betreiben, um Politik näher an seine eigenen Vorstellungen zu bringen. "Unvernunft" und "Großmäuligkeit" kann mehr Stimmen bringen als eine rationale Auseinandersetzung mit dem Thema, da diese Auseinandersetzung nur "eine von vielen" ist, während die angestrebte demonstrative Grenzüberschreitung stärker wahrgenommen wird, siehe AfD oder auch die bewussten Provokationen durch die CSU.

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Kommentar von Wupbanz
24.09.2016, 15:39

Spannendes Thema, sicher! Auch wenn das von der eigentlichen Frage ein bisschen abweicht, aber ja...aus meiner kleinen und eingeschränkten Sicht als Bürger empfinde ich es auch als Problem wenn eine Partei ihr Profil während einer Legislaturperiode ändert. In Deutschland haben wir nunmal eine Parteiendemokratie. Meiner Meinung nach ein ganz heißes Thema, wenn man sich die Flüchtlingsthematik anguckt. Ohne auf Flüchtlingsthematik eingehen zu wollen ist es in einer Parteiendemokratie extrem schwierig, auf unvorhergesehen, oder nicht diskuttierte große Ereignisse einzugehen, ohne, dass sich ein Teil der eigenen Wählergruppe vielleicht "verraten" fühlt. Der Wähler wird einsehen müssen, dass auch er Kompromisse eingehen muss, wie eben auch die Partei, die er gewählt hat. Das ist ja genau der Punkt. Die Partei, der Wähler.. alle haben vermutlich eine mehr oder weniger subjektive Sicht auf verschiedene Themen. Die Gesellschaft besteht nun aber aus allen Schichten und Teilen. Um die Gesellschaft möglichst "gut" weiter zuführen muss eben auf den Großteil Rücksicht genommen werden. Dazu gehört halt, dass man dem anderen zuhört und die Argumente ernst nimmt und nicht per se ausschließlich versucht, eigenes durchzusetzen. Vielleicht hat der andere ja ein Argument, was fair ist, und einen selber betrifft? Sicher ist im Bundestag auch in Ordnung, Beiträge von Parteien zu unterstützen, wenn sie dem eigenen Parteiprofil entsprechen, aber das steht nicht zwingend im Einklang mit einer Debatte, wo es ja vielmehr ums gewinnen geht.

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"Eine Debatte (franz. débattre: (nieder-)schlagen) ist ein Streitgespräch, das im Unterschied zur Diskussion formalen Regeln folgt und in der Regel zur inhaltlichen Vorbereitung einer Abstimmung dient. Thema einer Debatte kann eine Sach- oder eine Personalfrage sein. Die Geschäftsordnung der die Debatte organisierenden Körperschaft bzw. das entsprechende Debattierformat beim wettkampfmäßigen Debattieren (Debating) regelt die Form der Debatte. In einer Debatte werden die Für- und Gegen-Argumente einer These in kurzen Reden vorgetragen. Das Ziel des Debattenredners ist es, die Zuhörer bzw. im Wettbewerb die Jury von den eigenen Argumenten zu überzeugen. Deshalb zeichnet sich ein guter Redner nicht nur durch gute Argumente, sondern auch durch überzeugende rhetorische Fähigkeiten aus. Eine Debatte kann nur in einer guten Streitkultur funktionieren.Debatten können in der Form einer Podiumsdiskussion stattfinden. Eine langanhaltende Debatte wird auch als Kontroverse bezeichnet. Hierunter fallen zum Beispiel wissenschaftliche Kontroversen."

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Debatte

"Eine Diskussion ist ein Gespräch (auch Dialog) zwischen zwei oder mehreren Personen (Diskutanten), in dem ein bestimmtes Thema untersucht (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt. Als solche ist sie Teil zwischenmenschlicher Kommunikation.Das Wort Diskussion stammt vom lat. Substantiv discussio 'Untersuchung, [...] Prüfung' ab. Das Verb dazu heißt discutere und bedeutet 'eine Sache diskutieren = untersuchen, erörtern, besprechend erwägen'."

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion

Beide Formen der verbalen Kommunikation haben Dialogcharakter! Sie sind in einer modernen Gesellschaft üblich, insbesondere im politischen Bereich. Denn der Austausch von Gedanken, Meinungen und Argumenten hilft, je vielseitiger er ist, der politisch interessierten Öffentlichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden, aber auch der Regierung, für politische Anliegen und Probleme "die beste Lösung" zu suchen, zu finden und für sie demokratische Mehrheiten zu gewinnen. "Macht" kann durch die Regierung erst dann ausgeübt werden, wenn sie dafür die Grundlagen schafft, nämlich Gesetze, für die sie die Zustimmung des Bundestages, des Bundesrates, des Bundespräsidenten und ggf. des Bundesverfassungsgerichts - nicht zuletzt auch der Bürger hat. Denn vertreten die Bürger im Großen und Ganzen andere "Lösungen" als die, die in Gesetzen niedergelegt wurden, wird die "Macht" einer Regierung zunehmend schwinden.

MfG

Arnold






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Scheinbar gehst du von der irrigen Annahme aus, es gäbe eine "beste Lösung", die man objektiv bestimmen könnte.

Das ist aber falsch. Vielmehr gibt es widerstreitende Interessen, in deren Spannungsfeld Lösungen gefunden werden müssen, mit denen möglichst viele Interessen halbwegs leben können.

Insofern beziehst du selber eher eine Position, in der nicht mehr die Suche nach einer solchen Lösung im Vordergrund steht, sondern eben die Durchsetzung der vermeintlich "besten".


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Kommentar von Wupbanz
24.09.2016, 15:10

Das mit dem Spannungsfeld verstehe ich sehr gut, sicher ein fairer Punkt. Es wird doch aber eingesehen werden müssen, dass ein Kompromiss gefunden werden muss. Das geht doch vielmehr in Richtung Diskussion und ist doch wesentlich zielführender.

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Debatten sind die Rituale in einem Parlament, per Regierungsmehrheit ist das Abstimmungsergebnis vorher festgelegt (Fraktionszwang).
Disussion ist freie Meinungsäußerung, keine Fraktionsdisziplin.

Ein Parlament fungiert als Gesetzgeber.
Gesetze werden jeweils mit parlamentarischer Mehrheit beschlossen.
Was nicht gleichbedeutend ist, dass dadurch per se qualitative die besten Gesetze entstehen (siehe diese unsinnige Agenda 2010 der SPD).
Von Verfassungswidrig bis Murks ist da alles dabei, was niemand wirklich je gebrauchen kann.

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??? Was jetzt, in der Gesellschaft oder im Bundestag?

Wer soll wo diskutieren? Und wie paßt der Begriff Dialog da rein? Weißt du überhaupt selber, wovon du sprichst, bzw. was du meinst? Und woher willst du wissen, daß nicht diskutiert wird? Oder wie stellst du dir vor, daß über 600 Menschen gleichzeitig diskutieren? Wie stellst du dir das praktisch vor?

Vielleicht präzisierst du die Frage mal und machst dich büer die Begriffe, die du verwendest und die du in Beziehung setzt, vorher schlau.

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Was aber ist die beste Lösung und für Wen eigentlich ist sie das? Denkst du denn im Ernst, was für einen Bankier die optimale Lösung iss, wäre es auch für Lohnabhängige oder gar Arbeitslose? Das wirst du bestimmt nicht ernsthaft glauben wollen.

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Kommentar von Wupbanz
24.09.2016, 15:17

Sicherlich stimmt das, die Frage, die sich der Bänker dann aber stellen muss ist doch, ob er seine eigenen Interessen gegen alle anderen durchsetzen kann, oder ob er nicht nur ein Teil des ganzen ist, und deshalb auch in der Lösungsfindung nur zu einem fairen Teil berücksichtigt werden kann... Er hat sicher auch seine eigene Perspektive, aber mit einem idealisierten Ansatz wäre er so gebildet, dass er auch die Interessen anderer sehen kann. Das ganze kann man hier sicher extrem expandieren (der Bänker würde irgendwann ja zu dem Schluss kommen müssen, dass der private Nutzen, den er durch z.B. eine abwegige Regulierung gewinnt, anderen Gesellschaftsmitgliedern so erheblichen Schaden zufügen würde, dass die Gesellschaft insgesamt dadurch einen Rückschritt macht und er so auch wieder verliert) kurz, das Ziel sollte doch sein, dass bei Berücksichtigung einzelner Interessengruppen dennoch die Gesellschaft als Ganzes im Fokus bei der Lösungsfindung ist.

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Ursache sind die scharfen Waffengesetzte. Wo man früher Streitigkeiten mit der Pistole oder dem Degen austrug, da macht man es heute mit Sprechblasen und Vorteilsnahme.

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Ja mir fällt es immer öfters vor, dass die Menschen ihre eigene Meinung als absolut ansehen. Egal um was es geht, sobald etwas nicht den entspricht was jemand denkt und behauptet wird er aggressiv, beleidigt usw. Deshalb sind Diskussionen leider nur noch mit wenigen Menschen möglich. 
Vielleicht liegt es daran, dass wir probieren zu "korrekt" zu sein und alles akzeptieren, nur nicht diejenigen, die nicht alles ohne nachdenken akzeptieren. 

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Kommentar von Wupbanz
24.09.2016, 15:22

Ja, das mit der absoluten eigenen Meinung sehe ich auch als Problem. Auch ich sehe als Grundlage dafür, dass viele Menschen nicht selbstständig hinterfragen. Sei es, weil sie mental nicht weiter strapazierfähig sind, oder es leider nicht gelernt haben...ist nur meiner Meinung nach so, dass die eigene Meinungsbildung essentiell für unseren derzeitigen Lebensstandard ist...

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