Warum wird Humes Überzeugung, sichere Kausalität könne (aposteriorisch) nicht existieren, auch als humesche Metaphysik bezeichnet?

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3 Antworten

Zusatz:

Es geht hier um einen erweiterten Metaphysik-Begriff. Metaphysik ist nach Wikipedia wie folgt definiert:

"Metaphysische Systementwürfe behandeln in ihren klassischen Formen die zentralen Probleme der theoretischen Philosophie, nämlich die Beschreibung der Fundamente, Voraussetzungen, Ursachen oder „ersten Begründungen“, der allgemeinsten Strukturen, Gesetzlichkeiten und Prinzipien sowie von Sinn und Zweck der gesamten Realität bzw. allen Seins."

In der Frage der Kausalität geht es um "allgemeinste Strukturen". Die Position von Hume ist, dass wir nur Einzelereignisse kennen und aus Gewohnheit häufig auftretende Verknüpfungen als "beständige Verknüpfungen" interpretieren.

Eine andere Metaphysik z.B. fasst "Kausalität" als "Wille Gottes" auf, schon mit der Schöpfung in die Dinge gelegt oder wie Spinoza, als in den Dingen angelegt.

Man kann zwei große metaphysische Vorstellungen im Verhältnis Mensch-Welt unterscheiden. Einmal: Wir Menschen sind nur Spiegel von Gegebenem, wer auch immer die Setzungen gemacht hat (Gott, Logos, Weltgeist) und dagegen: Wir Menschen schaffen selbst über Hypothesen und Theorien über die Welt eine je eigene Weltsicht und Kausalität ist eine menschliche, auf Erfahrung und Gewohnheit gegründete Theorie über Zusammenhänge.

KnorxyThieus 08.06.2017, 12:51

Also ist eine Metaphysik allgemein einfach nur ein erstes Prinzip der Philosophie? (So also etwa "Cogito ergo sum" die Metaphysik Descartes'?) :-)

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berkersheim 08.06.2017, 13:24
@KnorxyThieus

Das "Cogito ergo sum" ist bereits eine Folge seiner dualistischen metaphysischen Grundüberzeugung, dass das Sein aus Geistigem und Materiellem besteht und das Geistige die leitende Entität ist.

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KnorxyThieus 08.06.2017, 17:42
@berkersheim

Aha, jetzt wird es mir klar! :-)

Allerdings komme ich jetzt gerade damit durcheinander, diese Aussage mit der des werten Albrecht hier zu vereinen: https://www.gutefrage.net/frage/philosophie-abi-inwiefern-unterscheiden-sich-platonische-ideenlehre-und-idealismus?#comment-157484542
Wenn die eine Entität/Welt (btw, gibt es noch einen schöneren Begriff für die Welt und die "Weltenlehren" wie Monismus, Dualismus, Trialismus?) die andere hervorbringt wie im Falle Descartes', (wieso) heißen diese dann noch gleichberechtigt bzw. weshalb handelt es sich dennoch um einen wirklichen Dualismus? :)

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berkersheim 08.06.2017, 19:34
@KnorxyThieus

Tja, das müsste Ihnen mein Freund Albrecht kommentieren. Wir sind da beide unterschiedlicher Auffassung, bzw. haben eine fast gegensätzliche Perspektive auf die Dinge. Er schaut sozusagen vom Himmel auf die Erde - d.h. das Geistige gebiert und steuert das Materielle. Somit ist das Geistige eigentlich das einzig Wahre. Wenn es Dich tröstet, damit hatte schon Aristoteles seine Probleme. Und er war lange genug Platonschüler, um zu wissen, was er kritisiert.

Nicht dass ich missverstanden werde und jetzt im Gegenzug glaube, dass die Materie über dem Geist stehen würde. Das einzige an Geistigem, das wir erleben können, ist unser eigenes Denken - und das ist großartig. Wir ahnen aber auch, wie lange es gedauert hat, bis in der Erdengeschichte der Mensch aufgetaucht ist und selbst bei ihm sind die letzten drei Jahrtausende gemessen an den zwei Millionen davor ein kurzer Zeitraum des Denkens. Dass ein Geistiges das Sein durchwirkt, ist eine reine, von uns auf das Sein geschlossene Annahme. Epikur war der Meinung, dass wir in den unendlichen Möglichkeiten des Seins nicht unbedingt die einzigen sein müssen, wir können es durchaus annehmen, aber wir wissen es nicht wirklich.

Ich scheue mich, einem Dualismus einen Monismus entgegenzustellen. Das Sein hat eine zu große Vielfalt und wer will beurteilen, was welchen Rang hat. Selbst wenn das Geistige erst eine Errungenschaft durch den Menschen wäre, wäre es dennoch eine großartige Sache. Aber es wäre kein Grund, überheblich zu werden und es über Wirkungsprinzipien zu setzen, von denen wir vielleicht noch nichts ahnen, nur weil es uns schmeichelt. Ich will auch Platon nicht kleiner reden. Er hat Tolles gedacht. Viele Philosophen haben Tolles gedacht und uns immer wieder ein Stück weitergebracht im Verstehen des Seins.

Dein Problem mit Descartes hatte überigens auch die Inquisition. Die haben ihm das mit dem behaupteten Dualismus nicht ganz abgenommen, sodass er sich ihrem Zugriff entziehen musste. Die haben "Cogito ergo sum" als Kriegserklärung begriffen gegen ihre Macht und alleinige Feststellung, was Wahrheit zu sein hat. Die haben verstanden, dass seine Forderung, die Wahrheit der Zusammenhänge im wissenschaftlichen Experiment zu prüfen, die Hunde gegen ihre Dogmen losgemacht hat. Sie haben das richtig gesehen, denn sie konnten es nicht mehr einfangen. Jetzt aktuell geht diese Forschung als Hirnforschung soweit, sogar das Geistige auf den Prüfstand zu stellen. Davon konnte Platon nichts ahnen. Ich selbst glaube nicht, dass sie den Geist mit Chemie und Physik finden werden.

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KnorxyThieus 09.06.2017, 13:16
@berkersheim

Ah, das mag auch erklären, warum ich Ihren/Deinen Ausführungen immer etwas besser zu folgen vermochte als Albrechts - ohne ihn schlechtzureden, aber ich selber als bisher (noch?) überzeugter Materialist kann ganz persönlich nun einmal wenig mit dem Idealismus anfangen. Ja, Aristoteles an meiner Seite tröstet mich in der Tat etwas :)

Dann wird es wohl doch am besten sein und bleiben, keine feste Definitionen von dualistischen und monistischen Strömungen aufzustellen, sondern immer nur einzelne Aspekte zu beurteilen.

Und was die "Materialisierung des Geistes" angehen mag: Ich selber bin mir da dann doch weniger sicher ... meine Argumente oder vielmehr Indizien hierzu:

  • Nicht wenige Organtransplantationen haben schon "Gemütswandel" zur Folge gehabt. Lesenswerter Artikel hierzu: https://www.zeitenschrift.com/artikel/Transplantation-zwei-seelen-wohnen-ach-in-meiner-brustScheint also schon ein Stück weit so zu sein, als wüsste die Seele zumindest, zu welchem Körper(teil) sie gehört - wenn auch sie manchmal falschzuliegen scheint!
  • Nachbildungen des Gehirns, neuronale Netze, werden in der Informatik mit fortschreitendem Erfolg konstruiert und auch schon bereits praktisch eingesetzt.Für mich selbst heißt das ziemlich eindeutig, dass die Intelligenz sich damit bereits erfolgreich materialisieren ließ - was vom Selbstbewusstsein des denkenden Individuums freilich noch nicht gelten muss, aber man bedenke:Mit neuronalen Netzen war die Wissenschaft auch bereits schon in der Lage, (zumindest scheinbar) kreative Ergebnisse nachzubilden. Man hat erste "Gemälde", die von KI (künstlicher Intelligenz) erzeugt wurden, bereits verkauft und KIs haben erste Musikstücke komponiert.Da ich denke, dass die Kreativität durchaus einen nicht unwesentlichen Bezug zum Selbstbewusstsein aufweist, sprechen diese Entwicklungen für mich jedenfalls dafür, den menschlichen Geist irgendwann einmal vollständig in den Neuronen materiell identifizieren können.

Soviel allein zu meiner Meinung - da spricht aber vermutlich auch gerade der Naturwissenschaftler und Informatiker aus mir, der ich im Grunde viel lieber bin als Philosoph (aber eine Abiturprüfung zu einem derartigen Thema kann man nur mit Interesse und Engagement meistern, denke ich). :D

Dann noch einen schönen Tag! :-)

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Ist etwas komplexer und wird zur Zeit in der Philosophie wieder diskutiert. Einen Eindruck vermittelt: humesche metaphysik googeln und die PDF der Fernuni Hagen auswählen:

Titel - FernUni Hagen

https://www.fernuni-hagen.de/.../was_ist_kausalität_ein_grundproblem_der_theoret._...

17.11.2014 -

TP:

Metaphysik

, Erkenntnistheorie, Philosophie des Geistes, ..... Außerdem:

Hume'sche

Philosophen nehmen Ereigniskausalität als Prototyp.

KnorxyThieus 08.06.2017, 10:54

Der Link ist down und bei Google find ich's nicht :(

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berkersheim 08.06.2017, 11:25
@KnorxyThieus

2. Versuch:

bitte googeln: Titel - FernUni Hagen humesche metaphysik

Kommt bei mit als zweites eine PDF "Titel - FernUni Hagen" zum Thema Kausalität.

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KnorxyThieus 08.06.2017, 12:53
@berkersheim

Ach, PPT meintest du! PowerPoint, nicht portable document file! ;o
Okay, habe dir oben geantwortet.

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Frank Stäubner (Die Metaphysik David Humes) betrachtet Humes "natürlichen Glauben", da nicht falsifizierbar, als metaphysisches Konzept.

KnorxyThieus 08.06.2017, 10:39

Also meint die Metaphysik hier tatsächlich keine weitere "Welt" wie etwa Platons Welt der Ideen, sondern allein die Tatsache, dass - nach Hume - Kausalität und aposteriorische Erkenntnis schlicht unmöglich sind, welche quasi über den Dingen allgegenwärtig befindlich ist?

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