Warum wird eigentlich immer jede Begründung für ein scheitern als Ausrede angesehen?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wer nie gescheitert ist, hat nicht gelebt.

Was würdest du von einen Chef halten , der zu dämlich war eine Ausrede 2 mal nicht zu bestehen . Würdest du dann immer noch so denken . Und große Vorträge hält

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Wir leben in einer Gesellschaft, die komplett auf Leistung ausgerichtet ist und auf Individualisierung. Da ja im System quasi für jeden ALLE Möglichkeiten offen stehen, muss es ja die Schuld des Einzelnen sein, wenn er was nicht hinkriegt. 

Hinzu kommt, dass Scheitern in Deutschland absolut null toleriert wird. Ich bin selbständig und in der Gründerszene unterwegs - da ist es völlig normal, dass man nicht mit dem ersten Anlauf , der ersten Idee auch erfolgreich wird, sondern mehrmals umstellt, neu anfängt. Sowas wird hierzulande überhaupt nicht gut geheißen. Angeblich lernt man aus Fehlern, aber hierzulande zählt nur, dass man Fehler gemacht hat und das wird total verachtet. 

Dazu kommt, dass in Deutschland nicht gerade eine Risikobereitschaft für das eigene Leben vorherrscht. Am besten Schule, Studium/Ausbildung, fester Job, EndeGelände. Wenn da jemand aus irgendeinem Grund nicht ins Raster passt oder passen will, gilt er schon als Sonderling oder Verlierer.

ja den kann ich nur zustimmen, es ist schon Schizophren das ich hier diese Frage nur Anonym bei GF stellen kann. Ich bin ebenfalls Selbstständig und Betriebswirt und auch Erfolgreich. Ich bin der Meinung Erfolg hätte ich auch ohne den Betriebswirt gehabt. Den habe ich nur für die Gesellschaft gemacht, und um zu Vertuschen das ich damals 2 mal durch meine Prüfung im Einzelhandel gerauscht bin. Und genau wegen dieser Gesellschaft ist es mir immer noch peinlich darüber zu reden. Obwohl es mir damals als Jugendlicher echt beschissen ging, und ich eine absolute Lebenskrise hatte. Aber wenn man drüber spricht wird es immer noch als Ausrede und als Peinlichkeit angesehen , obwohl ich heute Erfolgreich bin, und sogar noch einen Abschluss gemacht habe. Jeder meiner guten Freunde rät es für mich zu behalten. Aber warum? Es ist keine Ausrede und man ist trotzdem Erfolgreich warum ist das dann immer noch peinlich? Auch wenn man mittlerweile das Gegenteil bewiesen hat.Man kann doch nicht sein ganzes Leben deswegen Verurteilt werden ?

Aber ich stimme Dir zu 💯 % zu.

Sehr gut geschrieben.

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@frustrato

Ich finde Lebensläufe wie Deine viel bewundernswerter als diese glatten, durchgespülten CVs. Meiner Erfahrung nach sind die Menschen, die solche Brüche im Leben erlebt haben, auch einfach die interessanteren Charaktere: sie mussten sich ganz anderen Herausforderungen stellen und haben erlebt, dass die Dinge eben nicht immer glatt laufen. 

Und ich glaube, das ist mit ein Grund für die Verachtung: im tiefsten Grunde wissen die anderen auch, dass man nicht gegen alles im Leben gefeit ist und dass Krisen und Schicksalsschläge einen auch selbst treffen können. Man ignoriert es nur gern, weil es Angst macht; Angst vorm Kontrollverlust. Und Menschen wie Du sind eine konkrete Erinnerung an diese Möglichkeit. Das muss man abwehren und deswegen schiebt es auf die Einzelperson - dann kann man weiterhin glauben, dass es einen nicht selbst trifft.

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Ja, auch da gebe ich Dir Recht. Ich glaube durch diese Verachtung werten sich solche Menschen auf, und manipulieren sich somit selber zum positiven ( Motto:Mir ist das nicht passiert, und mir würde so etwas auch nicht passieren)Das andere Problem was ich in Deutschland sehe das wenn man dazu steht, wie in meinen Falle eine Ausbildung nicht bestanden zu haben, und trotzdem später Erfolgreich wurde. Dieses noch als kokettieren ausgelegt wird. Als etwas mit was man sich Stolz brüstet, und das wiederum Missgunst auslöst, weil man denken könnte man sei Stolz darauf. Dabei finde ich es Quatsch man tut nichts anderes als zur seiner Vergangenheit zu stehen, ich verstehe nicht warum das in Deutschland nicht anerkannt wird, oder sogar mehr anerkannt wird nach Niederlagen wieder aufgestanden zu sein, und die Leistung die dahinter steckt. Stattdessen wird nur auf Niederlagen rumgehackt und alles als Ausrede angesehen auch wenn man es bewiesen hat.

Noch mal Danke dafür das du anscheinend anders denkst .

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Es hängt wahrscheinlich mehr von der Art ab, wie man das sagt. Und auch davon, mit wem man sich unterhält und zu welchem Zweck. Man kann sein Scheitern durchaus positiv darstellen und stolz auf die gewonnenen Erfahrungen sein, aber wenn jemand sich in Ausreden flüchtet, dann bekommt man das meistens sehr schnell mit.

Ich bin zb. damals wegen einer Lebenskrise 2 mal durch meine Ausbildung gefallen, die sehr einfach war. Ich war einfach sehr unglücklich habe aber versucht Sie trotzdem erfolgreich zu beenden. Viele sehen dieses als Ausrede an was nicht stimmt, auch habe ich gearbeitet bis zum umfallen. Mittlerweile bin ich aber Betriebswirt und in Führungsverantwortung. Ich verstehe nicht das es immer noch als Ausrede angesehen wird nur weil man die Wahrheit sagt, und ich mittlerweile bewiesen habe das es keine Ausrede sein kann.

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@frustrato

Das hast du ja schon in deiner Frage so angedeutet. Aber: Menschen fragen nicht: 'willst du das als Ausrede verstanden haben?' sondern sie beurteilen die Art und Weise, wie man etwas vorbringt. Hinweise darauf, dass man selber keine Schuld an etwas trägt, sind per Definition Ausreden. Oder vielleicht nicht?

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@Shiftclick

"Hinweise darauf, dass man selber keine Schuld an etwas trägt, sind per Definition Ausreden. Oder vielleicht nicht?"

Das seh ich ganz und gar nicht so. Eine Ausrede ist es, wenn man weiß, dass man selbst was falsch gemacht hat, aber es auf Umstände oder andere Leute schiebt. 

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@Stellwerk


Das seh ich ganz und gar nicht so. Eine Ausrede ist es, wenn man weiß,
dass man selbst was falsch gemacht hat, aber es auf Umstände oder andere
Leute schiebt. 



Ich habe eure Diskussion mit Interesse verfolgt und denke, dass diese Defintion zu kurz greift. In vielen Fällen divergieren die Außen- und die Innenansicht des Betroffenen.

Wenn der Betroffene extern attribuiert und eine äußere Schuld findet und davon überzeugt ist, kann es trotzdem sein, dass ein Außenstehender beim Betroffenen eine Schuld erkennt.

=> Das Wissen um den eigenen Fehler ist keine notwendige Bedingung für eine Ausrede. Man kann sich Sachen auch "schönreden".
Darüber hinaus gibt es auch den Fachbegriff der Teilschuld, den oft nur ein (außenstehendes) Gericht anerkennen kann.

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Hinweise darauf, dass man selber keine Schuld an etwas trägt, sind per Definition Ausreden. Oder vielleicht nicht?


Diese etwas provokante Definition ist vielleicht nicht perfekt, aber ich finde sie gar nicht schlecht. Denn "keine Schuld" (= 0,00%) gibt einen Hinweis darauf, dass der Betroffene hier (wissentlich oder unwissentlich) etwas ausblendet, sodass es für einen außenstehenden Betrachter wie eine Ausrede wirkt. Viele Misserfolge (gescheiterte Ausbildung z.B.) sind zu komplex, als dass es dafür nur eine einzige Erklärung gäbe.
Seröser käme es rüber, wenn man zumindest eine (winzige) Teilschuld bei sich anerkennt. Das zeugt nämlich davon, dass der Betroffene nicht nur eine "schwarz-weiß" Innensicht auf das Geschehen hat, sondern auch auf einer Metaebene darüber reflektieren kann.
Ob er jetzt in dieser Metaebene alle Sachverhalte richtig bewertet hat, steht auf einem anderen Blatt, aber sicher ist, dass er eine solche Bewertung selbstkritisch vorgenommen hat.

Nur dadurch vermittelt ein Betroffener beim Zuhörer trotz der Niederlage den Eindruck der eigenen Kompetenz. Eine "Schwarz-Weiß-Zeichnung", die für die Niederlage ausschließlich externe Gründe anführt, klingt dagegen nie kompetent, sondern immer nach Ausrede.


LG
MCX

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Nein finde ich nicht, wenn man unter einer permanenten Behandlung und langen Arbeitszeiten leidet warum sollte das eine Ausrede sein. Und man so erzogen wurden ist etwas zu ende zu bringen was man angefangen hat

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sorry ich meinte permanenten schlechten Behandlung

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Ja richtig, der Umkehrschluss daraus wäre sich immer selbst die Schuld geben zu müssen, auch wenn man Sie nicht hat, damit das nicht als Ausrede angesehen wird. Auch wenn man für sich weiß es trifft einen keine Schuld. Beispiel ein Kind wird in der Schule gemobbt, und kann sich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren und schreibt schlechte Noten, und begründet das damit das es gemobbt wird ist das dann auch eine Ausrede weil es den anderen die Schuld gibt? Es gehören eben nicht immer 2 dazu

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Naja, angenommen du bist 16 Jahre und Berufsanfänger, bist von Hause ausgezogen würdest erzogen fleißig zu sein und alles zu Ende zu bringen was du anfängst. Und du beginnst eine Ausbildung mit einen Cholerischen Chef und seine Unterwürfigen Mitarbeiter die sich seine Unfreundliche Art schon angeeignet haben. Dein Vater ist eine Autoritätsperson und hämmert Dir ein Lehrjahre sind keine Herrenjahre. In der Ausbildung sind alle so 30 Jahre älter, außer die Auszubildenden. Der Chef schreit nur rum es gibt kein freundliches Wort. Andere Auszubildende haben abgebrochen und einer ist sogar aufgrund dieser Umstände in Psychiatrischer Behandlung gekommen. Du sagst Dir aber es gibt noch 2 andere Lehrlinge was die schaffen das schaffe ich auch. Und du willst durchhalten. du stehst jeden morgen um 5 Uhr auf damit du pünktlich um 7 Uhr auf Arbeit kommst, der Lehrling ist nie krank trotz der ganzen Umstände. Feierabend ist um 17 Uhr zuhause ist man aber erst um 19 Uhr, man wird schikaniert als vornherein als zu blöd abgestempelt obwohl man bei allen Kunden sehr beliebt ist, die einen sogar sagen man soll sich nicht verbiegen lassen. Als die erste Prüfung als Verkäufer Als die erste Prüfung als Verkäufer trotz der ganzen Umstände bestanden wurde, hat man  einen gesagt das Sie heute jeden doofen bestehen lassen würden. Es gibt weiterhin in den ganzen 3 Jahren kein freundliches Wort , trotzdem bricht man nicht ab weil man kein Schwächling sein möchte. Zum Schluss ist. man so erschöpft das man die Ausbildung nicht schafft. Man hat den Mut gehabt trotzdem zur Prüfung zu gehen obwohl aufgrund der ganzen Psychologischen Belastung kein lernen mehr möglich war, gelernt außer Lagerarbeiten und Regale einsortieren  hat man auch nichts wer ist jetzt Schuld?

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Schuld weil man von Arschl....ern umgeben war? Und zu jung und zu blöd war dagegen was zu unternehmen? Weil man zuhause sonst als Weichei angesehen wurden wäre?

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Aber in Großen und ganzen hast du Recht

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