Warum wird eig. der Finanzmarktkapitalismus von einigen als ,,Raubtier'' bezeichnet?

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7 Antworten

Der Begriff des Raubtierkapitalismus leitet sich aus der Frühzeit der Industrialisierung, dem Manchester-Kapitalismus ab. Gnadenlos wurde dort Menschen"material" ausgebeutet und verschlissen - genug Nachschub war da. Die Arbeiter lebten unter erbärmlichsten Bedingungen, härteste Kinderarbeit war völlig normal.

Während das Proletariat nicht wußte, wie es in dem ungeheuren Dreck, in dem es hausen mußte, den nächsten Tag erleben sollte, lebten völlig gewissenlose Fabrikbesitzer in Saus und Braus. Sie hatten in etwa genauso viel Mitleid mit ihren Fronknechten, wie ein Tiger mit der Gazelle oder ein Krokodil mit dem gerissenen Gnu.

Daher der Begriff Raubtierkapitalismus.

Diese zutiefst menschliche Eigenschaften der Gier und mangelnden Empathie mit gesellschaftlich nachgeordneten Menschen traten während der Finanzkriese wieder ungebremst zu Tage, als Hedge-Fonds und Finanzjongleure Hunderttausende Ihrer Opfer ins Elend und um ihre Ersparnisse brachten. Deshalb erfuhr auch der Begriff eine Reanissance.

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Kommentar von MickaSchmidt
27.01.2013, 19:00

hätte man auch weniger pathetisch schreiben können, aber so kennen wir nun immerhin ihre persönliche, politische Einstellung ;-)

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Kommentar von gansh
27.01.2013, 20:57

als Hedge-Fonds und Finanzjongleure Hunderttausende Ihrer Opfer ins Elend und um ihre Ersparnisse brachten.

niemand ist um seine ersparnisse gebracht worden,sondern besserverdienende hatten sich zertifikate(lehman) aufschwatzen lassen,die den doppelten zins abwerfen sollten und hatten das kleingedruckte nicht gelesen.

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Kommentar von Unsinkable2
28.01.2013, 10:30

Diese zutiefst menschliche Eigenschaften der Gier und mangelnden Empathie mit gesellschaftlich nachgeordneten Menschen

Das ist eine bestenfalls oberflächliche Einschätzung, Bajun!

Tatsächlich ist dem Menschen die "Sucht nach sozialer Anerkennung" angeboren. Dabei orientiert er seinen gesamten Wertemaßstab an der Gesellschaft und versucht, "ihr zu gefallen".

Wenn es gerade opportun ist, Menschen zu töten, dann tötet er. Wenn es gerade opportun ist, reich zu sein, um Anerkennung zu bekommen, dann versucht er, reich zu werden. Wenn man dabei auf anderen Menschen herumtrampeln darf (oder sogar soll), dann macht er das.

Nicht "gewissenlos" (obwohl das in Einzelfällen nicht auszuschließen ist), sondern sehr "gewissenhaft": Die Gesellschaft selbst erkennt es nicht nur an, sondern honoriert es sogar. Also ist es erstrebenswert. Also wird es versucht respektive getan.

Im Übrigen ist bereits vielfach wissenschaftlich bestätigt, dass nicht das "reich SEIN", sondern das "reich WERDEN" befriedigt. Es ist also der Weg, der reizt, nicht das Ergebnis. Deshalb fehlt auch die "Zufriedenheit mit ein paar Millionen oder sogar Milliarden" auf dem Konto. Deshalb die "Gier" nach immer mehr und mehr...

Das kennst du übrigens auch selbst: Das, was du NICHT hast, reizt dich. Das, was du hast, bereitet dir schon bald keine Genugtuung mehr. Ganz egal, wie lange und hart du darum kämpfen musstest: Es wird die Zeit kommen, da du damit nicht mehr zufrieden bist und mehr haben willst. Doch es geht nicht um "mehr", sondern nur um "anders". ;)

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Kommentar von Snanifo
28.01.2013, 11:51

zur Antwort von Bajun:

Diese Art von "Raubtierkapitalismus" gab es nicht nur in Manchester, sondern gibt es auch heute. Du brauchst nur nach Afrike und Asien zu schauen, übrigens auch Kinderarbeit! Und wenn ich mir die Stundenlöhne bei uns aus dem Niedriglohnsektor (1,5 Millionen Arbeitende bekommen weniger als 5 € pro Stunde) und den Zuwachs an Reichtum ansehe, weiß ich nicht, warum du diesen Begriff in die Vergangenheit verschieben willst.

Das Ganze hat übrigens nichts mit einem Parteibuch zu tun (ich habe keines)!

Auch verstehe ich nicht, wie du den Grund dafür in die "menschliche ...Gier" verschieben willst. Sind denn die Leute, die so wenig verdienen, tatsächlich so gierig?

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Ursprung

das wort raubtier-kapitalismus ist eine kreation des schweizer soziologen, politiker und un-beauftragen für das welt ernährungsprogramm; jean ziegler. dieser begriff wurde von vielen ngo's und humanitären stukturen übernommen, da es den neoliberalismus diffamierend charakterisieren soll. der neoliberalismus ist die extremste form des globalen kapitalismus.

Inhalt-historisch

der neoliberalismus ist heute weitgehend das führende wirschaftssystem weltweit. getestet wurde er in chile, als 1973 die linke, demokratisch gewählte regierung durch einen, von den usa finanzieren, militärputsch gestürtzt wurde. in der folge setzte der faschistische diktator augusto pinochet alle versuche der us-regierung um. das "experiment" endete in der absoluten katastrophe, doch gewann man elementare erkentnisse über die umsetzung des neoliberalismus in der praxis. z.b. in wie weit braucht es sozialleistungen, damit es nicht zu aufständen kommt etc.

inhalt-politische ökonomie

der neoliberalismus hat die absolute gewinnmaximierung zum ziel. er verfolgt strikte die profitorientierte politik des freien marktes. soziale verantwortung und rücksicht sind weitgehend inexistent. sogar menschen sind teilweise sekundär. so wird zb. mit nahrungsmittel spekuliert oder auf hungersnöte in der 3. welt gewettet. erhebt ein land zu hohe steuer, zieht man ins nächste weiter. der staat soll weitgehend privatisiert werden (öffentlicher verkehr, post, bahn, gefängnisse, wasserversorgung, sicherheitsaufgaben usw). verwettet sich die wirtschaft an der börse, gehen u.a. die banken pleite und verlangen steuergelder. firmen finanzieren lobbys und sponsern wahlkämpfe von politikern, welche in ihren interessen handeln. so kommt es, dass die usa jedesmal ihr veto einlegt, wenn eine weltweite börsentransaktionssteuer eingeführt werden soll. bis heute sind börsenpackete steuerfrei. immer mehr kapital konzentriert sich in immer weniger hände. um weiteren gewinn zu generieren werden sozialleistungen abgebaut und der leistungsdruck verschärft. oftmals wird kritisiert, dass neoliberale staaten wie die usa von freiheit reden, din der realität beschränke sich diese freiheit auf jene des marktes. die beführworter des neoliberalismus haben ebenfalls starke argumente. immer wieder wird ins feld geführt, dass der wettbewerb auch grossartige produkte generiere. z.b. neue medikamente, schnellere computer usw.

ich will eigendlich objektiv klingen, doch ansicht der weltpolitischen situation ist dies leider nicht so einfach.

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Kommentar von MickaSchmidt
27.01.2013, 18:42

Die vermutlich einzige Alternative wäre, wieder zu Waren- und Dienstleitungs-tauschgeschäften zurückzukehren. Ob dies die Welt so viel besser machen würde, wage ich zu bezweifeln.

PS: das grösste Problem der Menschheit ist m.E. weder das Geld (oder "Kapital"), Krieg oder Gier allgemein, sondern, dass wir schlichtweg zu viele auf einem Haufen sind und immer mehr werden.

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Kommentar von raspberryyy
27.01.2013, 20:04

Danke für die Antwort :)

Spielt also der Staat dabei auch eine Rolle ? :/

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Das Problem des Finanzmarktkapitalismus ist, dass sich die Manager auf ihre Pflicht gegenüber den Aktionären berufen für eine maximale Ausschüttung zu sorgen. Das treibt Blüten wie jüngst, als der amerikanische Versicherungskonzern AIG doch tatsächlich überlegt hat die amerikanische Regierung zu verklagen, die sie noch vor kurzem mit Milliarden vor dem Bankrott gerettet hat, weil die amerikanische Regierung durch ihr Verlangen nach einer Aktienmehrheit (um Entscheidungen beeinflussen zu können) den Aktionären einen Nachteil beschert hätten.

Es passiert auch immer öfter, dass Konzerne fast schon pervers hohe Gewinne einfahren und trotzdem Leute entlassen, um im nächsten Jahre noch höherer Gewinne einzufahren und immer mit der Begründung, dass man an die Aktionäre denken müsse.

Die perversesten Auswüchse sind dann Spekulationen mit Nahrungsmitteln, die noch gar nicht existieren und mit solchen Spielchen wird teilweise der Preis extrem in die Höhe getrieben.

Manche Auswüchse erinnern wirklich an Raubtiere, die nur auf Geld gieren, egal wer sonst dabei auf der Strecke bleibt. Nach dem Motto "... und wenn eine Millionen Menschen deswegen verhungern ist mir das auch egal, solange ich danach eine Milliarde US$ mehr auf meinem Konto habe."

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Kommentar von raspberryyy
27.01.2013, 19:57

Danke für die ausführliche Antwort :)

Spielt also der Staat auch eine Rolle dabei ?

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Kommentar von Snanifo
28.01.2013, 12:09

zu Panzee:

Ist denn "Gewinne einfahren" pervers? Ab welchen Prozentzahlen denn? Ist nicht gerade dieses Gewinneeinfahren das völlig normalste der Welt bei uns, ja manche sehen sogar die Triebfeder und die Erfolgsgarantie unserer Wirtschaft! Auch die Spekulation auf Nahrungsmittel ist für Finanzer ein völlig normaler Vorgang, nicht weil sie moralisch schlechter wären als andere Leute, sondern weil das in unserer Gesellschaft ihre Aufgabe ist, Geld zu vermehren! So wie es für einen Bankdirektor Aufgabe ist, für seine Bank das Geld zu vermehren und den Sparern ( im Moment ca. 0,5 %, früher auch schon mal 3 %) Zinsen auszuzahlen! Das sind doch keine "Spielchen", "Auswüchse" oder "Blüten", sonder Normalität unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die übrigens sowohl der amerikanische als auch der deutsche Staat (und andere) für würdig befinden, sie mit Billionen von "frischem Geld" am Laufen zu halten.

Übrigens halte ich die Bezeichnung "Raubtier"kapitalismus für keine gelungene, denn ein Raubtier hört auf zu fressen, wenn es satt ist!

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zu Zeiten Karl Marx wurde deutlich, wie negativ sich die industrielle Entwicklung zu Ungunsten der Arbeiter auswirken wird....er schrieb damals.. Ein Gespenst geht um in Europa... , es ist das Gespenst des Kommunismus. So beginnt das „Manifest der Kommunistischen Partei“, dieses sollte die die ideologische Grundlage gegen Ausbeutung..für Arbeiterrechte werden....die Gegenseite wurden als Raubtierkapitalisten bezeichnet, oder in satirischen Zeitungen auch als Bluthunde dargestellt.........ich pers. mag es nicht wenn Beutetiere, Greifer &&& mit den negativen Eigenschaften der Menschen dargestellt, abgebildet werden, denn Tiere verhalten sich nie so niederträchtig wie Menschen..m.l.G.h

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Kommentar von Snanifo
12.02.2013, 22:57

Nicht die industrielle Entwicklung als solche hat sich zu Ungunsten der Arbeiter ausgewirkt, sondern die sie vorantreibende Eigentumsordnung, gekennzeichnet mit dem Begriff "Privateigentum". Ueber die Resultate der Industrialisierung verfuegte nicht der Produzent, also der Arbeiter, z.B. durch hoehere Loehne bei kuerzerer Arbeitszeit durch hoehere Produktivitaet, sondern der Unternehmer (Kapitalist) durch Entlassung von Arbeitern, geringere Bezahlung der Verbleibenden und so Erhoehung des Gewinns auf Kosten der verbleibenden Arbeiter.

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Der Kapitalismus ist unmenschlich, da in ihm eine Art Sozialdarwinismus existiert, der die starken und rücksichtslosen Menschen fördert und die gefühlvollen, schwächeren Menschen stark benachteiligt.

Der Begriff Raubtierkapitalismus ist insbesondere seit dem starken Auftreten von Hedge-Fonds und Investmentbanken entstanden, da diese bekanntlich "über Leichen gehen".

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Weil Politiker nun mal gerne Schlagwörter benutzen. Wie die Bildzeitung. Und viele Menschen sind von der Normalität bereits so überfordert, daß sie sich künstliche Feindbilder aufbauen.

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Kommentar von raspberryyy
27.01.2013, 17:11

Und warum ausgerechnet ,,Raubtier'' ? :D

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Weil der Finanzmarktkapitalismus alle kleineren Unternehmen auffrißt,und abgelutscht/ausgedörrt wieder ausspuckt....

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