Warum wird behauptet, Atheismus sei eine Glaubensrichtung?

7 Antworten

Begriffsklärung im Voraus

Glauben und Wissen sind durchaus nicht zwei Dinge, die sich ausschließen müssen. Es gibt zwei Situationen, in denen man glauben kann

  1. Wenn man nicht weiß, ob etwas stimmt
  2. Wenn man weiß, dass etwas stimmt

Die erste Art nehme ich oft (besonders oft in den Worten meiner eigenen Vergangenheit) zwischen den Zeilen wahr.

C.S. Lewis schreibt in "Mere Christianity" einige Sätze zur zweiten Art. Frei übersetzt eines seiner Beispiele (Hervorhebung hinzugefügt):

Zum Beispiel ist meine Vernunft durchaus durch gute Belege davon überzeugt, dass Anästhetika mich nicht ersticken und dass ein ordentllich ausgebildeter Chirurg nicht mit dem Operieren beginnen wird, bevor ich mein Bewusstsein verliere. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass, wenn sie mich auf dem Tisch liegen haben und ihre schreckliche Maske überstülpen, eine bloß kindische Panik in mir aufsteigt. Ich fange an zu denken, dass ich ersticken werde und habe Angst, dass sie beginnen, mich aufzuschneiden, bevor ich ordentlich unter der Narkose stehe. In anderen Worten verliere ich meinen Glauben an Anästhetika. Es ist nicht Vernunft, die mir meinen Glauben nimmt: im Gegenteil, mein Glaube basiert auf Vernunft. Es sind meine Einbildungen und meine Emotionen. Der Kampf wird zwischen Glauben und Vernunft auf der einen Seite und Emotionen und Einbildung auf der anderen Seite ausgetragen.

Eigentliche Antwort

Atheismus ist eine Glaubensrichtung, weil er den Belegen gegen die Existenz Gottes ausreichenden Glauben schenkt. Das ist also ein Glaube, der auf Vernunft und Fakten sowie dem Vertrauen auf die Richtigkeit eigener und fremder Wissensberichte basiert.

Der übliche Erwachsene sowie das vernünftige hat den Glauben, dass weder Zahnfee noch Weihnachtsmann noch Osterhase real sind. Ob das nun Glaubensrichtungen sind wird wohl oder übel davon abhängen, anwann eine Strömung für dich zur Richtung wird.

Ein illustratives Beispiel, das mir seit gut zwei Jahren am Herzen liegt:

Ordentlicher (christlicher) Glaube z.B. baut auf einer Gewissheit auf: dass ein ganz gewisser jemand nicht wie erwartet tot geblieben ist, sondern den Tod "überwunden" hat.

Ihnen erwies er sich auch nach seinem Leiden als lebendig durch viele sichere Kennzeichen, indem er ihnen während 40 Tagen erschien und über das Reich Gottes redete. — Apostelgeschichte 1:3

Es gibt einen Fakt und Christen glauben den Berichten (der zwölf Apostel, der weiteren 500 Leute, des Bruders Jesu, der restlichen Aposteln und schließlich des Paulus' — 1. Korinther 15:3-8), dass ein eigenartiger Mann, der sich in einer strengst monotheistischen Kultur selbst Gott nennt und daraufhin öffentlich hingerichtet wird, dann doch nicht einfach tot war.

Danach offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tisch saßen, und tadelte ihren Unglauben und die Härte ihres Herzens, daß sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hatten. — Markus 16:14

Dass wir heute denken, "endlich haben wir genug Vernunft, um einen auferstandenen Jesus als Hirngespinst belegen zu können", ist gar nicht so neu. Genau das Gleiche haben alle Menschen um Jesus (zumindest vorerst) geglaubt. Und dafür gab es in der Folgezeit eigentlich besonders wenig Grund: Immerhin waren die Römer eine gute Zeit lang alles andere als begeistert von Seinen Anhängern...

PS: Ich bin Christ, also seid nachgewarnt, liebe durchhaltefähige Leser.

Der Trick dahinter ist wie folgt.

Wenn jmd aus guten Gründen die Religion kritierst, wird das als Scheinargument in den Ring geworfen, um Atheisten & ihre rechte Meinung zu diskreditieren. Im Sinne von:

"Atheismus ist auch nur eine nur eine Religion. Und du kritisierst uns nur um den Absolutheitsanspruch deiner Reigion durchzusetzten. Damit bist du nicht besser!"

Natürlich weiß jeder religiöse im Grunde seines Herzens, dass das Blödsinn ist. Bspw.:

Wenn ich als Anwalt arbeite, dann bin ich Anwalt vom Beruf.
Wenn ich nicht als Anwalt arbeite, dann ist mein Beruf nicht "Nicht-Anwalt".

Das nennt man dann wohl "juristischer Laie". Wenn ich nicht als Anwalt arbeite, gebe ich mich auch nicht in juristischen Fragen als besonders klug und aufgeklärt, aber ich habe schon oft erlebt, das Atheisten auch auf Fragen antworten wollen, die ausdrücklich an Gläubige gerichtet sind.

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@Anastasia65

Selbstverständlich antworten wir auf solche Fragen. Wir weisen doch gern darauf hin das "religiöse" Fragen, Sorgen und Nöte völlig überflüssig sind da es keinerlei Zauber - "Götter" gibt. Und wir geben Hoffnung indem wir darauf hinweisen das "Religion" kein unabwendbares Schicksal ist denn "Religion" ist nachweislich heilbar.

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@Anastasia65

"Juristischer Laie" ist kein Beruf.

Und du solltest Strohmann-"Argumente" vermeiden.

GF ist übrigens kein Wunschkonzert.

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@earnest

Ich weiß nicht einmal, wo das herkommt: "Strohmann- Argument", und was das ist - ich kann nichts vermeiden, dessen Existenz mir nicht bewusst ist.

(P.S: Oh, danke, mir geht gerade ein Licht auf über den Römerbrief - so ist das gemeint!)

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@Anastasia65

Es tut mir aufrichtig leid das Dich nur eine irreale Figur vorgeblich trösten kann. Wenn Du schon vin Phantasiefiguren "getröstet" werden willst dann nimm doch lieber Donald Duck dafür her. Der sieht doch viel lustiger aus als eine blutige totgefolterte Leiche an einem Lattengerüst.

Als meine erste Tochter vor 37 Jahren mit 7 vergewaltigt und ermordet wurden trösteten mich keine imaginären "Jesusse" oder andere Phantasiefiguren. Ich bin damit umgegangen ohne mir irgendwelche Placebogestalten einzubilden.

Ich lebe in der völlig "gott" - losen Realität.

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Das kann verschiedene Gründe haben.

  1. Fehlende Empathie um verstehen zu können, dass nicht jeder Mensch etwas (in dieser Hinsicht) glaubt.
  2. Der Versuch sich auf die Gleiche Ebene zu bringen aka. "Aber der Atheismus ist doch genau so nur ein Glaube! Du glaubst also auch nur!". Ein kläglicher Versuch eine Diskussion zu gewinnen oder sie zumindest nicht zu verlieren.
  3. Fehlendes Verständnis.
Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Intensive Recherche über mehr als 8 Jahre

Oder einfach der Versuch, überhaupt in eine Diskussion zu kommen, weil man mit jemanden, den man benennen kann, leichter kommuniziert.

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@Anastasia65
Oder einfach der Versuch, überhaupt in eine Diskussion zu kommen, weil man mit jemanden, den man benennen kann, leichter kommuniziert.

Dafür gibt es andere Begriffe. Mit anderen Worten meint dein Beitrag nichts anderes als mein dritter Punkt.

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Athe·ist

/Atheíst/

Substantiv, maskulin [der] Person, die die Existenz Gottes verneint.

PS :

Es wird immer wieder behauptet,

es geht nicht, dass man an nichts glauben kann. An irgendwas müsste jeder glauben.

Und das ist Quatsch.

Ich glaube an nichts (hört sich echt komisch an) und hab deswegen keine "leere Stelle" in mir die ich mit irgendeinem "Ersatzglauben" füllen muss.

Und ich habe natürlich das Recht über Glauben und Religionen zu sprechen und zu diskutieren. Ich kenne mich vielleicht sogar in manchen Glaubensfragen besser aus wie mancher Gläubige'?

Ich bin Atheist.

Gott sei Dank!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Das kann ich dir auch nicht sagen. Atheismus ist die Abwesenheit einer Glaubensrichtung.

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