Warum wird Asperger immer als Krankheit verschriehen?

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11 Antworten

Allen Kulturen ist eines gemeinsam: Die Mehrheit hackt auf den Minderheiten herum.

Darüber hinaus sind medizinische Diagnosen dazu da, für einen Patienten die richtige Hilfe auszuwählen. Festgestellt wird deshalb nicht, worin du super bist und was du kannst, sondern wo du Förderung bräuchtest und was du nicht kannst. Kurz gesagt: Störungen werden über Defizite definiert, weil man Vorteile nicht diagnostizieren muss. Du bist ja nicht wegen deiner Stärken gestört, sondern wegen deiner Schwächen.

Die meisten Asperger bekommen ihre Diagnose also, weil sie ein Problem haben oder hatten. Auf dieses Problem wird man von der Mehrheit dann reduziert. Dass dem auch Vorteile gegenüberstehen die das Problem dreifach aufwiegen könnten, wird gerne ausgeblendet.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Um die Talente eines Aspergers zu akzeptieren, müsste man seinen Neid aufs Talent sowie seine Vorurteile über die Defizite ablegen. Dafür müsste man unvoreingenommen denken und das tut der Mehrheit irgendwie weh.
  • Auch wenn überall von "Leistungsgesellschaft" geredet wird, leben wir nach wie vor in einer sozialen "Kuschelgesellschaft". Der Mensch wird nicht danach beurteilt, wie viel er leistet, sondern im Endeffekt fast nur danach, wie lieb er sich einschleimt. Wer nur leistet, ohne bei den richtigen Schlüsselfiguren zu schleimen, wird höchstens als "nützlicher Idiot" geduldet. (Deshalb haben Asperger einen gravierenden Nachteil, den zu therapieren sich langfristig lohnt.)
  • Andere Asperger, die so schwer behindert sind, dass sie es mit ihren Talenten nicht ausgleichen können, fürchten um ihre Förderung. Denn wenn zu bekannt wird, dass es auch leicht-betroffene erfolgreiche Asperger gibt, die ihre wenigen Probleme mit vielen Talenten ausgleichen können, dann könnte die schubladen-denkende Mehrheit das auf alle Asperger beziehen und auch den schwerer behinderten die Hilfe streichen.

Deshalb mein Tipp: Verrate einfach niemandem, dass du Asperger hast. Wenn du es nicht verhindern kannst, typische Schwächen zu zeigen, dann begründe das mit Umschreibungen: Du bist eben hochsensibel, hast ein Kommunikationsproblem, warst immer introvertiert und so weiter.

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Kommentar von WPOAS
02.09.2014, 13:21

Die Frage, die sich mir hier stellt, ist: habe ich Asperger oder bin ich ein Autist.

Ich sehe es eher so, dass ich Autist bin, denn die Symptomatik ist ein fester Bestandteil meiner Persönlichkeit!

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Hallo 0815benutzer, wie alles versuchen wir zu katalogisieren was zu katalogisieren geht und pressen somit, gerade in der Psychologie, menschliche Wesenszüge in allgemein verständliche "Diagnosen". Ein Herr Asperger hat dem Kind seinen Namen gegeben, er beschrieb einen Wesenszug menschlichen Verhaltens. Betrachtet man die Menschen etwas kritischer könnte man jedem eine bestimmte psychologische Diagnose und somit eine Krankheit zuordnen, sofern man die passende Literatur kennt. Gerade Asperger empfinde ich als einen menschlichen Wesenszug und definitiv nicht als Krankheit! Das direkte Umfeld eines AS stellt die Herausforderung dar, hier fehlt es oft an der Empathie sozialer Integration und Offenheit gegenüber dem Fassettenreichtum menschlichen Verhaltens, da wir gesellschaftlich in allgemein gültige Formen gepresst werden. Sind diese Leute dann etwa alle Krank? ich bin Vater eines 11 jährigen Sohnes "mit Asperger" und bin nach einigen Erfahrungen, gerade in Bezug auf die Schule und Mitschüler zu dieser Erkenntnis gekommen. Und ja, Du hast etwas gutes mit diesem Wesenszug, mehr als vielen Menschen je zu teil werden kann...
Liebe Grüße

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In "unserer Gesellschaft" gibt es seit jeher bestimmte normen . Wer diesen nicht entspricht wird als sonderbar oder (wenn dafür ein bestimmter Name vorhanden) als krank bezeichnet ! Kleiner Tipp : lass dich nicht outen ! Nervt ! Ständig behandelt dich jemand als ob du sie nicht mehr alle hättest und das beste was ich bis jetzt zu hören beklommen hab "du im kopf krankes Kind" , und das nur weil ich denjenigen gebeten hab etwas leiser zu sein !

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Sicher hat es Vor-und Nachteile. Asperger können zwar nicht so gut mit Menschen, aber sie haben auch Talente. Ob es gut ist oder nicht? Es kommt darauf an, was man damit macht.

Ich sag zwar auch manchmal, dass es eine Krankheit ist, meine es aber nicht so. Es ist nur so: Viele kennen sich ja damit nicht aus. Die sehen das automatisch irgendwie als Krankheit. Und sie können es sich auch schwer vorstellen. Also stempeln sie es als Krankheit ab, und Krankheiten sind negativ.

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Nun, früher wurde diese tiefgreifende Entwicklungsstörung auch als "Asperger-Krankheit" bezeichnet. Auch auf einem Attest, welches ich für die gesonderte Abschlussprüfung meiner Berufsausbildung vorlegte, stand es noch.

Dann bezeichnen viele Asperger Syndrom oder Autismus als Krankheit, weil sie es nicht anders wissen und einfach jede Normabweichung eines gesunden "krank" ist. Ich denke, zu erwarten, dass alle Menschen die exakte Bezeichnung jeder Diagnose kennen und wo man sie einordnet (Krankheit, Störung, ...) ist auch zu viel. Da muss man wohl "durch".

Es ist aber leichter, einem zu erklären, dass es keine Krankheit, sondern eine Störung ist, als einem auszureden, man hätte Supertalente und Begabungen.

Da man aber diese Diagnose nicht bekommt, weil man mit einem Jahr schon fließend spricht, alles über Pilze weiß und so weiter- sondern weil man z.B. unter ständiger Reizüberflutung leidet; bei den Mitmenschen Mimin-Gestik-Körpersprache nicht erkennt; Körperkontakt meidet; Ironie, Sarkasmus, Subtexte, "zwischen den Zeilen gesprochenes/geschriebenes" nicht erkennt, ...; Probleme bei der sozialen interaktion hat; sich gesichter nicht merken kann; keinen Blickkontakt herstellen kann; ... all das und vieles mehr ist nicht so schön- daher gilt es als Behinderung.

Und behinderung ist für viele salopp gesagt eine Krankheit.

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Es hat Vor- und auch Nachteile.
Eine Krankheit ist es per Definition nicht, man erkrankt nicht daran, sondern wird damit geboren. Aber es ist als Störung definiert und als Behinderung, mitunter sogar Schwerbehinderung.

Die Nachteile in der Gesellschaft sind halt da, schon allein, weil man damit einer Minderheit angehört, und daher eben auch diese Definition.
Aber eben auch durch die Symptome wie Reizüberflutungen.

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Wikipedia:

"Das Asperger-Syndrom ist nicht nur mit Beeinträchtigungen, sondern oft auch mit Stärken verbunden, etwa in den Bereichen der Wahrnehmung, der Introspektion, der Aufmerksamkeit oder der Gedächtnisleistung. Ob es als Krankheit oder als eine Normvariante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte, wird von Wissenschaftlern und Ärzten sowie von Asperger-Autisten und deren Angehörigen uneinheitlich beantwortet."

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Kommentar von Erheberin
02.09.2014, 22:07
etwa in den Bereichen der Wahrnehmung

das solltest du besser genauer erläutern, manch einer könnte es missverstehen, und dann denken, wir hätten doch keine kommunikationsschwierigkeiten. denn diese werden ja auch zumindest manchmal als wahrnehmungsstörung betrachtet.

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Asperger gilt als Entwicklungsstörung. Aber Du hast recht, es ist nicht immer alles an einer (ich sage jetzt auch mal) Krankheit schlecht. Es gibt auch positive Aspekte. Und ich finde es sehr gut, dass Du das so sehen kannst. Eine Krankheit ist es ja eigentlich auch für den Betroffenen erst dann, wenn er selbst darunter _leidet_.

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  • zuallererst möchte ich darauf hinweisen, dass das Asperger-Syndrom als solches nicht mehr diagnostiziert wird, sondern als das, was es tatsächlich ist, als "Autismus-Spektrum-Störung" Das bedeutet, dass alls bisherigen Formen des Autismus (Kanner-Syndrom, frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus, hochfunktionaler Autismus, Asperger-Syndrom) zusammengefasst werden. Dass das Sinn macht ist gut daran zu erkennen, dass die Ursachen der Beeinträchtigungen tatsächlich gleich sind.

Deshalb würde ich es jedem empfehlen, der bisher die Diagnose "Asperger-Syndrom" hatte, doch einmal eine Einrichtung zu besuchen, in der nicht sprechende, kognitiv eingeschränkte Autisten leben (z. B. das Stift Attl in Oberbayern bei Wasserburg). Diese Menschen sind nicht alleine lebensfähig und brauchen daher 24/7 Betreuung. (Allerdings muss man auch fragen, wer von den NTs [neurotypische Menschen] ist wirklich alleine lebensfähig?)

Insgesamt überwiegen also die negativen Aspekte von Autismus, das muss selbst ich als hochbegabter Autist zugeben, obwohl ist sehr viele Symptome kompensieren kann.

Und nicht zu vergesssen, es sind vor allem die sozialen Kostenträger, so auch die Krankenkasse, sehr stark gefordert; tja und weil es Krankenkasse heisst, dann denken eben viele an eine Krankheit. Auch die Diagnoserichtlinien und die Sypmtomatik sind in Katalogen zusammengefasst, die eben Krankheiten beschreiben, wie z. B. der ICD 10 F84.

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Kommentar von halbsowichtig
02.09.2014, 10:22

Ob die Zusammenfassung zur Autismus-Spektrum-Störung so hilfreich war, oder sich doch als kontraproduktiv herausstellt, wird die Zeit zeigen.

Tatsache ist offenbar, dass jetzt non-verbale Schwerstbehinderte in Pflegeheimen die gleiche Diagnose bekommen wie hochleistungsfähige Spezialisten mit schrägen Marotten.
Jeder sieht, dass diese Leute nicht dasselbe Problem haben: Die einen sind klar mehrfach-behindert, die anderen haben eher ein Akzeptanzproblem in unserer extrovertierten Kultur. Dazwischen gibt es unzählige Abstufungen, aber nur wegen der möglichen Abstufung alle in einen sprichwörtlichen Topf zu werfen, macht IMHO nichts leichter.

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Kommentar von Rechercheur
02.09.2014, 11:01
Auch die Diagnoserichtlinien und die Sypmtomatik sind in Katalogen zusammengefasst, die eben Krankheiten beschreiben, wie z. B. der ICD 10 F84.

In der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) stehen nicht nur als Krankheit definierte Dinge.
Störungen, Behinderungen, Verletzungen, ja sogar eine komplikationslose Geburt haben ICD-Nummern.

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Für die Mehrheit ist Asperger-Syndrom sehr anders, und sie kann es nicht verstehen.

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Kommentar von Alfred17
20.01.2015, 15:30

Bin 50. Bei mir wurde das Asperger Syndrom mit dem 47.Lebensjahr diagnostiziert. Habe 6 Jahre um eine Erwerbsminderrente mit Hilfe des VDK kämpfen müssen. Der Gerichtsgutachter des Sozialgerichtes hat leider das Asperger Syndrom nicht anerkannt. Von 34 altersbedingten Erkrankungen, sind nur 3 Erkrankungen für meine 4 jährige volle Erwerbsminderrente maßgebend.

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dir wurde aber gesagt dass du aufpassen musst weil eine verkettung aus missverständnissen entstehen und irgendwas zur folge haben könnte? ich wils nur wissen

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