Warum wird an der Schule nur die Evolution gelehrt und nicht auch die Schöpfungsgeschichte?

23 Antworten

Hallo,

Schöpfungslegenden gehören in den Religionsunterricht. Nicht in den Biologieunterricht.

"Schöpfung" ist ein philosophisches Konzept. Die Vorstellung, sein Dasein etwas oder jemandem zu verdanken, der außerhalb der eigenen Existenz steht. Aus dem Blickwinkel der Religion wird daraus die Deutung des Daseins als von Gott gewolltes Gegenüber zu Gott.

Naturwissenschaft beschäftigt sich immer mit gesetzmäßig in der Natur
ablaufenden Prozessen. Naturwissenschaft sucht diese Prozesse zu
erkennen, zu verstehen und daraus zuverlässige Aussagen über die Natur
abzuleiten. Naturwissenschaft überprüft sich dabei selbst: eine naturwissenschaftliche Aussage muss an der Beobachtung der Natur scheitern können.

Allein dieser Aspekt zeigt, dass philosophische Deutungsfragen nichts in der Naturwissenschaft verloren haben. Sinnfragen (im Sinne der Philosophie) behandelt die Naturwissenschaft nicht. Grundsätzlich nicht. Wenn der Naturwissenschaftler fragt "warum passiert dies?", so meint er "welcher Prozess ist dafür verantwortlich, dass dies passiert?".

Genau deshalb haben die Schöpfungslegenden allesamt nichts im Biologieunterricht zu suchen. Unsere abrahamitische genauso wenig wie die nordische, die der Veden, die der Maya, die der Hindu, die der....

Alle diese Legenden beschreiben emotionale Werte und deuten unser Dasein. Keine von ihnen will oder kann ein historischer Bericht sein. Diese Texte so zu verwenden, das wird ihrer eigenen Intension nicht gerecht.

Schöpfungslegenden gehören in den Religionsunterricht. Und dort auch nicht als Konkurrenz zur Evolution. Einfach, weil sie das nicht sind.

Im Religionsunterricht werden sie aber behandelt - und in einem guten Religionsunterricht wird auch ihr philosophisch-kultureller Gehalt gelehrt. In einem guten Religionsunterricht werden sie nicht zu scheinwissenschaftlichen kreationistischen Zwecken missbraucht.

Habt Ihr kein Reli oder zumindest Ethik an der Schule? Wenn Du ein paar dieser Mythen kennen lernen möchtest, hier wäre ein Text, der bekannte Schöpfungsmythen vorstellt:

http://www.bibliomedia.ch/de/angebote/dokumente/Schoepfungsmythen.pdf

Grüße


Ich habe ehrlich gesagt die Schöpfungsgeschichte weit häufiger in der Schule durchgenommen als die Evolution. Das erste mal in der Grundschule. Dann irgendwann mal 5./6. Klasse und sogar noch einmal an der Oberstufe, jeweils im Religionsunterricht. Natürlich immer unter anderen Geschichtspunkten und Bewertungen. Die Evolution selbst, auch wenn sie vorher schon öfters angekratzt wurde, hatte ich als vollständiges Thema zum ersten mal an der Oberstufe im Biologie-Unterricht, dafür aber ein halbes Jahr lang. Aber ich kann nicht sagen, daß eins davon zu kurz kam. Alles halt im passenden Fach.

Das Christentum hat keine Theorie oder Lehre, WIE die Welt oder die Evolution entstanden ist.

In der Bibel gibt es zwei Schöpfungsgeschichten. Die eine Geschichte
erzählt, dass Gott die Welt geschaffen hat. Die andere Geschichte
erzählt, dass Gott die Menschen geschaffen hat.

Wie genau Gott das nun angestellt hat, will die Bibel mit diesen Geschichten gar nicht sagen.

Der christliche Glaube steht nicht im Widerspruch zu den naturwissenschaftlichen Lehren.

Glaube und Vernunft sind keine Gegensätze. Alles, was wissenschaftlich
erforscht wurde, findet in einem gesunden Glauben auch seinen Platz.

Die verschiedenen Evolutionstheorien, die es bis heute gibt, sind keine
Gefahr für den Glauben. Ein Christ kann guten Gewissens
Naturwissenschaften in der Schule lernen oder später dort weiter
forschen.

Was möchtest Du wissen?