Warum wird Amphitrite bei https://de.wikipedia.org/wiki/Amphitrite_(Mythologie) Aphirita geschrieben, so als würde man Meyer Schmitz schreiben?

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1 Antwort

Die Göttin Amphitrite ist auf einem Pinax (πίναξ; Plural: Pinakes [πίνακες]), einer kleinen Tafel, aus einem Heiligtum in Penteskouphia in der Nähe von Korinth so geschrieben, die eine Weihgabe war (Votivtäfelchen).

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amphitrite_Penteskouphia_Louvre_MNC208.jpg

Die Aufschrift ist in Großbuchstaben mit einem etwas ungewöhnlichen Iota. In gängigen altgriechischen Großbuchstaben und mit Wortabtrennung lautet der auf der Abbildung erkennbare Teil (letzter Buchstabe nicht vollständig):

ΑΦΙΡΙΤΑ ΕΜΙ ΡΟ

mit Verwendung von Kleinbuchstaben, Spiritus und Akzenten:

Ἀφιρίτα ἐμὶ Πο

Wenn Aphirita statt Amphitrite geschrieben wird, ist dies keine völlige Abweichung, so als ob der Name „Meyer“ „Schmitz“ geschrieben würde. Es sind nur zwei Buchstaben ausgelassen (wahrscheinlich aus Platzgründen eine Art Abkürzung) und am Ende steht ein Alpha (α), nicht ein Eta (η). Der andere Vokal am Ende erklärt sich durch den dorischen Dialekt, der unter anderem in Korinth gesprochen wurde. Ein Kennzeichen des dorischen Griechisch ist, ein ursprüngliches langes α beizubehalten.

In attischen Griechisch hieße die Aufschrift mit Ergänzung (aus Aufschriften ähnlicher Täfelchen zu rekonstruieren):

Άμφιτρίτη εἰμί Ποσειδῶνος ἄκοιτις.

Vgl. Rudolf Wachter, Non-Attic Greek vase inscriptions. Oxford ; New York : Oxford University Press, 2001, S. 125

Übersetzung:

„Ich bin Amphitrite, die Gattin des Poseidon."


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