Warum werfen die Amerikaner die Atombombe auf Japan?

20 Antworten

Die abschließende Beurteilung von Kriegsgeschehnissen erfolgt in der unmittelbaren Zeit danach natürlich immer ausgehend von der Siegerseite. Mit genügend zeitlichem Abstand werden dann auch die Stimmen lauter, die kriegsentscheidende Maßnahmen verurteilen und entsprechende Ereignisse neu - oft mit dem Anspruch der Neutralität dahinter - bewerten, was ich hier versuchen möchte.

1945 warf man die Atombombe "Little Boy" zuerst am 06.08.1945 auf Hiroshima und am 09.08.1945 "Fat Man" über Nagasaki ab. Die Städte wurden aus mehreren Gründen als Ziele ausgewählt:

  • Zuerst einmal war Hiroshima anders als oft behauptet wird eben nicht nur ein rein ziviles Ziel, sondern Sitz der Kommandozentrale der 2. japanischen Hauptarmee. Die Stadt war ein Truppensammelpunkt und Rekrutierungsstelle (etwa 40.000 Soldaten waren dort am Tag des Abwurfs stationiert) und außerdem wurden dort viele kriegswichtige Güter und Rssourcen gelagert.
  • Zweitens war Hiroshima als eine der wenigen japanischen Großstädte bislang weitgehend Kriegsverschont geblieben. Die Stadt selbst bestand vor allem aus Holz- und nicht aus Stahl-oder Betonbauten, der demoralisierende Schockeffekt durch einen Feuersturm war somit ebenfalls wichtig für die Entscheidung: Die Stadt konnte durch den Abwurf einer einzigen Bome nahezu komplett ausradiert werden.
  • Nagasaki wurde als Sitz der Mitsubishi-Werke ebenfalls aus militärischen Gründen ausgewählt, denn dort wurden Waffen, Panzer und alle möglichen kriegswichtigen Fahrzeuge gefertigt. Die Bombe wurde genau über diesen Werken abgeworfen, als sich eine Wolkenlücke auftat, ursprüngliches Ziel waren aber die Werft und Schiffsfabrik der Hafenstadt.
  • Hiroshima wurde als Ziel auch unter anderem deswegen ausgewählt, weil es dort keine Zwangsarbeiter und kaum Kriegsgefangene gab. Deshalb war die Stadt auch das militätische Erstziel. Als der japanische Kaiser nach dem ersten Abwurf noch die Kapitulation verweigerte, wurde Nagasaki als Zweitziel bombardiert - wobei man den Tod von etwa 40.000 koreanischen und chinesischen Zwangsarbeitern in Kauf nahm, die dort gefangen gehalten wurden.
  • Der zeitliche Abstand von drei Tagen sollte den Eindruck erwecken, dass die Bombenabwürfe immer so weitergehen würden, wenn Japan nicht auf der Stelle kapituliert. Dass außer "Little Boy" und "Fat Man" aber gar keine Bomben mehr zur Verfügung standen, war dem Japanischen Nachrichtendienst nicht bekannt. Der Abwurf von zwei Bomben im Abstand von drei Tagen war militärtaktisch und psychologisch ein geschickter "Bluff", um Japan in die bedingungslose Kapitulation zu zwingen.
  • Einer der wichtigesten Gründe war, dass eine solche Machtdemonstration nicht nur wegen der Hoffnung, den Krieg schnell zu beenden und das Leben der im Pazifikkrieg erbittert um jede einzelne Insel kämpfenden US-Streitkräfte schonen sollte, sondern auch politisch eine deutliche Botschaft, um Amerikas Stellung als Großmacht gegenüber der Sowjetunion zu festigen gedient hat.

Entgegen diesen militärischen und taktischen Gründen steht natürlich nach wie vor die ethisch-moralische Bewertung. Der Atombombenabwurf tötete in Hiroshima direkt 90.000 Menschen, in Nagasaki kamen 36.000 Menschen im Bruchteil einer Sekunde ums Leben. An den Strahlenverletzungen starben infolge der nächsten Kriegstage noch einmal etwa genausoviele auf qualvollste Art und Weise, inklusive der Spätfolgen, die ebenfalls noch einmal viele Todesopfer zu beklagen hatten, dürfte Hiroshima ungefähr 166.000 seiner 255.000 Einwohner und Nagasaki etwa 140.000 seiner 240.000 Einwohner verloren haben - die meisten dieser Menschen waren Zivilisten. Insgesamt starben an den Folgen der Atombombenabwürfe also mehr als 300.000 Menschen, und noch heute haben die Überlebenden und ihre Nachkommen, die man als Hibakusha bezeichnet, mit schweren Krebsleiden, Erbkrankheiten und Gendefekten zu kämpfen. Die Folgen der radioaktiven Belastung wurden von den US-Amerikanern entwerder billigend in Kauf genommen oder hoffnungslos unterschätzt - und auch, dass der Abwurf von Nagasaki tausende von ausländischen Zwangsarbeitern in Mitleidenschaft zog.

Ich bewerte die Atombombenabwürfe deshalb aus heutiger Sicht persönlich wie folgt: Die Einsätze haben tatsächlich den Krieg beendet und damit das Leben von vielen Soldaten und sicher auch von Zivilisten geschont, doch der Preis dafür war hoch und ist nur als blanker Terror zu bezeichnen, da man erstens eine extrem hohe Zahl von zivilen Opfern in Kauf nahm und die radioaktiven Spätfolgen völlig unterschätzte. Japan - oder vielmehr die japanische Regierung unter Kaiser Hirohito - trägt als Kriegsaggressor (Japan griff 1941 den US-Hafen Pearl Harbor schließlich ohne vorherige Kriegserklärung an) ebenfalls einen Großteil der Verantwortung, insbesondere an den Todesopfern von Nagasaki, die durch eine rechtzeitige Kapitulation in der Zwischenabwurfszeit noch hätten verhindert werden können.


Japan - oder vielmehr die japanische Regierung unter Kaiser Hirohito trägt als Kriegsaggressor (Japan griff 1941 den US-Hafen Pearl Harbor schließlich ohne vorherige Kriegserklärung an) 100 % der Verantwortung. Sie hätten auch vor den Abwürfen kapitulieren können, sie hätten auch nicht die üblen Kriegsverbrechen begehen müssen. Ohne die, die USA die Bomben nicht eingesetzt hätten. Leider wird in Deutschland gerne in diesem und anderen Zusammenhängen Ursache/Wirkung verwechselt.





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@Niconasbeznas

100% ist doch etwas hart. Sie haben sich die Atombombe ja nicht selbst aufs Dach geworfen. Bitte sachlich bleiben.

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@Niconasbeznas

Ja, man kann es sich natülich leicht machen. Dann irgnorieren wir die agressive Expansion der Amerikaner im Pazifik, die ohnehin angespannte Weltpolitische Lage und geben den Japanern die alleinige Schuld für den Pazifikkrieg. Das ist einfach. Und weil sie den Krieg dann auch noch verloren haben, wird es moralisch auch nicht hinterfragt.

Historiker liegen aber bei solchen Themen ungern auf einem bequemen Sofa, sondern versuchen, die Gesamtheit der Ereignisse unvoreingenommen und neutral zu bewerten, was dir hier aber nicht gelingt. Hunderprozentige Wahrheiten gibt es in keiner Wissenschaft, denn dann sprechen wir über Dogmatismus.

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@MarkusPK

OK über die Punkte könnte man streiten, nur du vergisst die brutale und kriegsverbrecherische Kriegsführung. Ohne diese hätten
die Amerikaner es nicht gewagt. Genauso wenig, wie sie es nicht
gewagt hätten, Tokio in Grund und Boden zu Bomben. Das hätte kein
demokratisch gewählter US-Präsident gewagt mit der
freien Presse im Nacken. So etwas kann man  nicht einfach unter den Teppich kehren. Ursache mörderische Verbrechen der Japaner, Wirkung Bomben jeglicher Art auf Japan. 100% Wahrheit!



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@Niconasbeznas

Natürlich hast du das Recht, es so zu sehen - mit einseitiger Ursache und Wirkung. Ich bin aber der Meinung, dass Kriege ein klein wenig komplexer sind. Und ich würde eine hohe Summe darauf wetten, dass deine hundertprozentige Wahrheit eine völlig andere wäre, hätten Japan und die Nationalsozialisten den Krieg gewonnen. Denk mal bitte darüber nach.

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@MarkusPK

Du meinst ja, Zitat:"agressive Expansion der Amerikaner im Pazifik ist" auch so eine Sache agressiv zu sein mit 100 000 Mann unter Waffen. Im übrigen gibt es sehr wohl 100 % Wahrheiten in der Geschichtsschreibung in Bedingungen der Meinungsfreiheit. Ich muß wohl wirklich keine Beispiele ....


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Zur amerikanischen Seite wurde hier schon genug gesagt, ich will mehr zur japanischen Seite einbringen, da die wenigsten hier sich mit der tatsächlichen Lage in Japan zur Zeit der Bombeabwürfe beschäftigen.

Erst einaml: wie ging es den Japanern im August 1945 überhaupt?

Mit einem Wort: dreckig

Die meisten Japaner lebten auch damals schon in Städten. Tyoko, Osaka, und Nagoya waren die 3 größten davon. Zur Zeit der Kapitulation war jeweils mehr als 1/2 (65%, 57% und 89%) dieser Städte komplett zerbombt. Davon meisten die Zentren, verschont blieben mehrheitlich die Viertel der Reichen, wo es weniger Häuser und weniger Menschen, sowie keine Wirtschaft zu zerstören gab.

Schon 1944 stahlen viele Menschen Essen, da sie nicht mehr genug Nahrung zum Leben hatten. Damals schätze die Präfektur Osaka, dass 50% der wirtschaftlichen Kriminalität mit Nahrung zu tun hatte. Ein Jahr vor Kriegsende litten fast 1/3 der Fabrikarbeiter an beriberi (Skurbut). Es kamen immer weniger Arbeiter in die Fabriken, weil sie stattdessen ins Umland reisten um Nahrung zu finden. Die Menschen flohen aus den Städten, es gab dort kein Essen mehr.

1945 hatte die schlechteste Ernte seit 1910, 40% weniger als normal. [Dower, John: "Embracing Defeat". W. W. Norton & Company, 1999. S. 89-97]

Im April 1945 hatten die US-Amerikaner in blutigen kämpfen Okinawa erobert (107.000, ca. 1/4, der japanischen Zivilisten und ca 50.000 Amerikaner starben). Damit war nur noch die "Hauptinseln" in japanischer Hand. Ab dann kamen die Kamikaze Piloten zum Einsatz.

Im Juli versuchten/begannen die Japaner mit Russland übrigens das Kriegsende zu verhandeln, es folgte ein Ultimatum an Japan mit der Aufforderung der Kapitulation Japans am 26. Juli. Es wurde eine Besatzung im Falle einer Kapitulation angekündigt, sowieso Maßnahmen zur Demokratisierung und Entmilitarsierung des Landes. Militärs sollten abgesetzt und als Kriegsverbrechen verurteilt werden.

Es wurde allerdings nichts über das Schicksal des Tenno, des japanischen Kaisers, und der kaiserlichen Herrschaft gesagt, und die Japaner fürchteten, bei einer Einwilligung würde der Kaiser abgesetzt oder gar schlimmeres werden, weshalb sie dem Angebot nicht zustimmen konnten. Der Kaiser war das Zentrum ihrer Ideologie (des kokutai), sie hätten ihn nie aufgegeben. (Obwohl die Frage nach dem Schicksal des Kaisers in der amerikanischen Regierung wohl noch als offen galt, was den Japanern aber keiner sagt.) Daher reagierten die Japaner nicht auf die Forderung.

Es folgte die Potsdamer Erklärung. Und kurz darauf Hiroshima. Die Japaner diskutierten weiter, was aus dem Kaiser werde würde. Nagasaki. Mehr Diskussion. Der Premierminister fragte schließlich den Kaiser. Der erklärte die Kapitulation.

[Jason, Marius: "The Making of Modern Japan". Harvard University Press, 200. S. 654-660]

Die USA hatten nicht Truppestärke für eine direkte Besatzung Japans - nicht, wenn man bedenkt, dass sie etwa 70 Millionen halb verhungerte japanischen Zivilisten gegen sich hatten. Deshalb wollten sie zuerst eine Kapitulation, um dann indirekt durch eine US-Übergangsregierung zu besetzen (was sie dann ja auch taten). 

Die USA wollte den Krieg so schnell wie möglich beenden.

Wäre das auch anderes möglich gewesen?

Höchstwahrscheinlich ja.

Stichworte: Tenno + verhungernde, demoralisierte Zivilisten

Truman lies sich von hohe Militaers davon nicht abhalten.

Genau als die Sowjets das stehende Heer der Japaner, vertragsgemaes, in China angriff, wurde die erste A-Bombe auf Hiroshima geworfen, nach der zweiten Bombe kapitulierte der Tenno, allerdings das Militaer verweigerte ihm die Gefolgschaft.

Folglich hat der Abwurf der Bomben nicht den Krieg beendet.

Erst mussten die Japaner (Kwantung-Armee) geschlagen werden, dann die Soldaten in Korea besiegt, Darauffolgend kapitulierte die Besatzungsmacht in Singapur.

Die US-Truppen bestanden vor Japan nur aus Marineeinheiten, es waren die vielzitierten 100 Tsd. Soldaten, die da sterben koennten somit nicht vor Ort.

Dieses Argument, soviel Soldaten vor den sicheren Tod zu bewahren, ist eine Maer, die von den USA als Rechtfertigung in die Welt gesetzt wurde.

Es war eine reine Machtvorfuehrung, zugleich an die Adresse der Sowjets gerichtet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Auguststurm 

Die US-Truppen bestanden vor Japan nur aus Marineeinheiten, es waren die vielzitierten 100 Tsd. Soldaten, die da sterben koennten somit nicht vor Ort.

Moment, was? Das musst du genauer erläutern, das versteh ich nämlich nicht. Das klingt so wie "Anfang August 1945 waren gar nicht so viele US Soldaten in der Nähe von Japan, deshalb hätten bei einer Invasion auch gar nicht so viele sterben können". 

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@NamenSindSchwer

Schiffe waren vor Ort, somit kannst du davon ausgehen, das da keine Armeen darauf waren.

Die Sowjets griffen mit ueber einer Million Soldaten an. Ueberlege mal.

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@zetra

Was? Wovon redest du überhaupt? Ist deine Argumentation ernsthaft, dass bei einer Invasion der Hauptinseln mit Bodentruppen keine US-Soldaten ums Leben gekommen wären?

Im Ernst, ich kann dir nicht folgen worauf du hier hinaus willst. 

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@NamenSindSchwer

Nachdem ich deinen guten Accound gesichtet habe, kann ich nicht verstehen, das du meine Argumentation nicht folgen kannst, obwohl ich glasklare Fakten aufgefuehrt habe.

Ich will mich mit dir hier nicht"duellieren" sondern fuehre einmal Berichte von Usern an , die ueber dieses Thema schon mit Verstand hier geschrieben haben.

PeVau und Hegemon. Guck dir deren Einlassungen an und ueberhaupt lese bitte einmal den "Auguststurm" durch. Danach geht vielleicht auch dir ein Licht auf?

Dein Argument mit dem Sterben von Soldaten bei der Festlanderoberung soll doch eine Fehlspur sein, es fallen immer Soldaten wenn gekaempft wird, es ist nur die Frage, wie viele sind es?

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