Warum werden vererbte Vermögen nicht höher besteuert.?

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16 Antworten

Dazu zwei Aspkete

Das mit dem "weniger Steuern" kann man so oder so sehen. Auch die Steuersätze für Erbschaften gehen im maximalfall bis auf 50% hoch. Das ist aber der Extremfall. Wenn jemand 1 Mio Euro von Seinem Grossvater erbt, dann zahlt er darauf knapp 19% Steuern. Auf den ersten Blick Recht wenig für eine Million. Aber Du auch sehen, dass jemand meist nur einmal im Leben erbt. Wenn Du jetzt mal das Einkommen eines Menschen betrachtest, dann verdient auch ein "normaler" Arbeiter im Laufe seines Lebens fast 1 Million Euro und hat dafür nur ungefähr 15% Steuern gezahlt.

Abgesehen von diesem eher philosophischen Aspekt ist wesentlich wichtiger aber:

Die Riesenvermögen sind fast immer Unternehmen. Wenn jemand 100 Mio Euro erbst, dann erbt der normalerweise nicht einen Dagobert.-Duck-Geldspeicher mit 100 Mio Euro drin, sondern er erbt ein Unternehmen, das 100 Mio Euro wert ist. Jetzt wird es etwas kompliziert. Der Wert eines Unternehmens wird über seine zukünftigen geschätzten Gewinne ermittelt. Wenn Du als ein Unternehmen erbst, dann stellt das Finanzamt eine Schätzung an, wieviel das in den nächsten 15 Jahren verdient und das ist dann - vereinfacht gesagt - der Wert deines Unternehmens. Davon hast Du dann soundsoviel% abzugeben. Das bedeutet, dass du eigentlich Steuern auf etwas zahlst, was Du noch gar nicht hast, nämlich die zukünftigen Gewinne. Zudem du diese zukünftigen Gewinne auch in der Zukunft wenn sie denn kommen wieder als Gewinne versteuern musst. Außerdem will das Finanzamt Bargeld sehen und zwar heute. Du kannst dem Finanzamt nicht soundsoviel% von deiner Firma überschreiben. Also bleibt Dir unter Umständen nichts anderes übrig, als Teile Deines Unternehmens zu verkaufen. Das hat auf lange Sicht negative Folgen. In D sind sehr viele Unternehmen in den Händen ihrer Gründerfamilien, zum Teil auch in x-ter Generation, da das vererben von Unternehmen begünstigt ist. In Ländern mit anderer Gesetzgebung sind die Unternehmen zum weit größeren Teil in den Händen von Finanzinvestoren, da bei jedem Generationswechsel Teile verkauft werden mussten. Familienunternehmen sind aber gerade in Krisenzeiten wesentlich stabiler als Finanzmakrt-orientierte Unternehmen, da erstere mit wesentlich längeren Entscheidungshorizonten arbeiten als letztere, die für einen guten Quartalsbericht auch mal langfristige Risiken auf sich nehmen.  

Aus zwei Gründen. Die Lobbygruppen haben gerade in dieser Frage viel Macht. Für reiche Menschen ist es leichter politisch Einfluss zu nehmen.

Wir haben auch in Deutschland noch so veraltete Vorstellungen aus der ständischen Gesellschaft. Das Eigentum bleibt in der Familie und definiert sie auch.

In den USA haben die Menschen eine ganz andere Einstellung. Zwar werden reiche Leute mehr geschätzt als hier. Aber nur, wenn sie ihren Reichtum selbst erworben haben. Ererbter Reichtum wird nicht geachtet, weil er nicht auf Leistung sondern auf den Zufall der Geburt beruht.

Deshalb sind die Erbschaftssteuern höher und viele reiche Menschen spenden ihr Vermögen im Alter an wohltätige Organisationen.

Die meisten Erbschaften werden nicht als Barvermögen übertragen, sondern als Firmenanteile. Es gehen also Familienbetriebe in die nächste Generation über.

Wem wäre damit gedient wenn Steuern auf ein Erbe gezahlt werden müsste, welches nicht liquide ist, dann wäre man im Extremfall gezwungen die Firma zu verkaufen um die Steuerlast zu zahlen.

Aber richtig große Vermögen führen auch zu einer entsprechenden Steuerlast. Der Freibetrag für Ehegatten und Kinder ist angemessen.

Weil man mit einem riesigen Vermögen auch riesige Investitionen machen kann und dazu soll ein Anreiz geschaffen werden.

Große Vermögen extrem zu besteuern, führt nur dazu, dass die Vermögen ausser Landes transferiert werden und genau das soll eben nicht passieren, es soll hier bei uns investiert und dadurch möglichst Arbeistplätze geschaffen werden.

Ausserdem hat derjenige, der sein Vermögen vererbt ja auch dafür gearbeitet und Steuern bezahlt und nach seinem Tod hat der Staat seinen Erben nicht noch mal in die Tasche zu greifen und sich ein zweites Mal großzügig zu bedienen

Ganz einfach: weil darauf schon Steuern erhoben wurden. Die Erbschaftssteuer ist somit einen Doppelbesteuerung, und eine feige dazu, denn der Erblasser kann sich ja nicht mehr wehren :-)

Mit einer Erhöhung der Erbschaftssteuer, oder mit einer "Reichensteuer" wird man nur erreichen, dass die Reichen das Land verlassen. Da viele wohlhabende Menschen ihr Geld selber verdient haben, und klüger und risikobereiter sind/waren als der Durchschnitt der Bevölkerung, verlässt uns damit einen Teil der Bevölkerung die wir sinnvollerweise im Land behalten sollen, weil sie viel zum Wohlstand beitragen. Und wenn nicht zum Wohlstand, dann zumindest zur Kultur, denn solche Leute sind oft Kunstmäzenen, spenden für die Kulturbetriebe, die ja totgespart werden, und fördern u.A die Filmkunst. Es ist nicht vernünftig sie zu verprellen.

In Frankreich und in den Niederlanden kann man gut beobachten wie die Folgen einer übermäßigen Besteuerung sind: viele französische Ärzte und Professoren, und zwar die beste die das Land zu bieten hat, sind nach Saudi Arabien gegangen. Die Saudis werden regelrecht damit, dass sie bei ihnen keine Steuern bezahlen müssen. Auch einer meiner Freunde hat diese Gelegenheit genutzt und ist nach Riad gezogen. Er hält noch immer seine Vorlesungen an einer Französichen Uni, aber nun als Gastprofessor und nicht mehr als regulärer. So umgeht er die 75% Steuern die er in Frankreich zu zahlen hätte. Noch dazu hat er jetzt in Riad eine Praxis und verdient glänzend.

Lese mal "Unterwerfung" von Houllebecq. So ungefähr spielt sich das ab.

Die Niederländer haben andere Methoden entwickelt, und die Menschen sind ungeheuerlich kreativ, wenn es darum geht, ihr Eingemachtes zu schützen.

Die Erbschaftssteuer ist einfach ungerecht, deswegen wehren sich die Menschen so vehement.

Novosibirsk 10.09.2017, 12:54

Zitat:
"Ganz einfach: weil darauf schon Steuern erhoben wurden. Die
Erbschaftssteuer ist somit einen Doppelbesteuerung, und eine feige dazu,
denn der Erblasser kann sich ja nicht mehr wehren :-)"

Dies halte ich für ein Scheinargument. Denn bei allen Wertgegentänden , die den Besitzer wecheln, wurde zuvor schon einmal Steuern erhoben. Denn jeder Prozess der Wertschöpfschung ist verbunden mit einer Entlohnung von Arbeit und Kapital. Diese beiden Produktionsfaktoren werden z.B. mit Einkommenssteuer belegt, die in den Preis mit einfließt.

Selbst bei eine Erbschaftssteuer von 0% würden diese Steuern in den Verkaufspreis eines Hauses einfließen.

Gleiches gilt z,B, für die Grundwerwerbssteuer.
Wenn ich mir ein altes Haus kaufen würde, hat dieses in der Regel mehrere Vorbesitzer gehabt, die jeweils jeder aufs Neue beim Besitzerwechsel Grunderwerbssteuer zahlten.

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Lennister 10.09.2017, 13:33

weil darauf schon Steuern erhoben wurden

Mit diesem "Argument" könnte man auch die Abschaffung aller indirekten Steuern fordern.

und eine feige dazu, denn der Erblasser kann sich ja nicht mehr wehren

Besteuert wird nicht der Erblasser, sondern der Erbe. Also der, der das Geld erhält, ohne irgendetwas dafür geleistet zu haben.

wird man nur erreichen, dass die Reichen das Land verlassen

Hast du dafür irgendwelche Beweise, die über anekdotische Evidenz hinausgehen?

Da viele wohlhabende Menschen ihr Geld selber verdient haben

Gerade in Deutschland ist das kaum der Fall. Die meisten, die in Deutschland wohlhabend sind, wurden so geboren, da die soziale Mobilität hier sehr gering ist.

Und wenn nicht zum Wohlstand, dann zumindest zur Kultur, denn solche Leute sind oft Kunstmäzenen

Auch dafür hätte ich gerne einen Beleg, der mehr ist als anekdotische Evidenz.

In Frankreich und in den Niederlanden kann man gut beobachten wie die Folgen einer übermäßigen Besteuerung sind: viele französische Ärzte und Professoren, und zwar die beste die das Land zu bieten hat, sind nach Saudi Arabien gegangen

Belege, die über anekdotische Evidenz hinausgehen?

Die Erbschaftssteuer ist einfach ungerecht, deswegen wehren sich die Menschen so vehement.

Was genau ist noch einmal ungerecht an einer Steuer, die auf leistungsloses Einkommen(denn der Erbe hat ja nichts geleistet, um erben zu können) erhoben wird und die einen signifikanten Beitrag zur Abbau der Vermögensungleichheit(die hier in Deutschland so hoch ist wie in fast keinem anderen Industrieland, u.a. weil Erbschaften meist nicht besteuert werden) und zur Chancengleichheit leistet?
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apfelkind88 10.09.2017, 13:47
@Lennister

Nun, als Kind steht aber in einer Verwandtschaftsbeziehung zu dem Erblasser. Als Kind hat man also ganz andere Rechte als ein x Beliebiger Käufer einer Immobilie. 

Um alle nachfolgenden Besitzer einer Immobilie  gleichzusetzen müsste man ua das Erbrecht für ungültig erklären, und das wird mit Sicherheit nicht passieren (dann würde D schneller bankrott sein, als man gucken kann) .

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Schwervelke 11.09.2017, 06:23
@Lennister

http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/new-world-wealth-tausende-millionaere-verlassen-deutschland-a-1136470.html

Nur mal einen Artikel von vielen.

Sogar Sahra Wagenknecht, die sich ja 8000 Milliarden (ich vermute, da ist damals in dem Artikel eine Null zu viel hereingerutscht Steueraufkommen erhofft, aus der Besteuerung von vererbte Vermögen, hat in einem Interview zugegeben, dass es dann wohl zu eine Abwanderung kommen würde oder könnte, und sie zu der Zeit keine Lösung wusste, wie man das vermeiden könnte.

Denn das vergessen die Kritiker meistens: die Reichen haben nicht nur Geld, sie geben es auch aus, und beleben den Binnenkonsum. 

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Weil das Geld eh schon mal versteuert wurde. Bei der Vererbung wird es schon ein zweites mal besteuert, dafür halt nicht so hoch. Durch diese doppelte versteuerung werden im Endeffekt (bei gleichen Voraussetzungen) also sogar mehr Steuern bezahlt wie wenn es sich jemand selbst verdient hätte.

Weil ein Erbe kein Einkommen ist, genauso wenig wie beispielsweise ein Lottogewinn. In Deutschland wird nur Einkommen, nicht Substanz besteuert. 

Und das ist auch gut so. Wenn du beispielsweise eine Unternehmen im Wert von 10 Mio. erbst, darauf dann 2,5 Mio. Steuern bezahlen müsstest, müsstest du das Unternehmen wahrscheinlich verkaufen, weil die liquiden Mittel fehlen. Das würde Unternehmen und Arbeitsplätze gefährden. Und da Deutschland mittelstandsgeprägt ist, könnte das die gesamte Wirtschaft bedrohen.

Weil dieses Geld schon ersrbeitet und versteuert wurde. Dass dieses Geld nochmal versteuert werden muss, ist demnach gesehen schon grenzwertig.

Jedes Vermögen wird in der Regel aus versteuertem Einkommen gebildet, wenn du etwas aufs Sparkonto legst, hast du das Geld ja von deinem Nettolohn weggespart.

Wenn deine Kinder das Spargeld mal erben, weshalb sollte es noch einmal wie der Lohn versteuert werden?

Das ist eine gute Frage. Die Erbschaftssteuer ist viel zu niedrig und wurde mit der Reformagenda zu stark abgesenkt. Man sollte die Erbschaftssteuer auf Kpaitalvermögen erheblich stärker besteuern und so für ein Stück weit mehr soziale Gerechtigkeit sorgen.

apfelkind88 10.09.2017, 12:25

Du bist ja wohl total verrückt,  geh arbeiten, damit du auch ein Beitrag leistest

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weil all die Regierungen zu sehr am Wohl der Reichen glegen ist. Die Devise lautet für sie: "Kapital muß wachsen, Wer hat, dem sei gegeben und er werde der Fülle sein", wie es in den Evangelien auch schon hieß.

Man vergesse nicht, dass der bürgerliche Staat, der idelle Gesamtkapitalist ist, wie schon Engels feststellte.

Warum sollten überhaupt Erbschaften versteuert werden? Da stirbt einer und dann nochmal schön sein Geld abzocken? Bin prinzipiell dagegen.

Weil das Geld bereits schon mal besteuert wurde.

Dieses Vermögen hat sich schon jemand erarbeitet und dafür genug Steuern bezahlt.

Was? Du willst also das erarbeitete geld deiner eltern rausschmeißen? Das ist heutzutage schon viel zu hoch
Wenn man eine Wohnung vererbt bekommt muss man schon so viel zahlen dass man fast pleite ist

So ist halt die Gesetzeslage. Muss ein Gesetz immer für alle sinnvoll sein? Außerdem wäre das eine Doppelbesteuerung. Zuerst Arbeit, dann noch das Vermögen (Erbe).

dandy100 10.09.2017, 11:33

Muss ein Gesetz immer für alle sinnvoll sein? 

Ja!

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