Warum werden Süchte als psychische Krankheit gewertet?

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6 Antworten

Weil der Konsum von (in der Regel) illegalen Substanzen (bzw. illegal beschafften Substanzen) üblicherweise langfristig gewisse Folgen hat, die die Kriterien psychischer Krankheiten erfüllen.

Da wäre zum einen das ständige Gedankenkreisen um die Substanz (Fixierung - auch einhergehend Craving), damit einhergehend oft auch Beschaffungskriminalität, die objektiv gesehen unverhältnismäßig ist dafür, dass man sich damit schadet. Dann dass sich Betroffene oft aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen, Kontakte abbrechen, kein normales Sozialleben außerhalb anderer Konsumenten haben (weil sie bei Nicht-Konsumenten oft auf Ablehnung stoßen). Auch affektive Veränderungen sind oft Folge von Konsum, nicht zuletzt weil die Betroffenen ohne die Substanz oft starke Anhedonie verspüren, da durch "normale" Freuden des Lebens nicht die Glücksgefühle erreicht werden können wie durch den Konsum. Außerdem beeinträchtigt der Konsum die Persönlichkeitsentwicklung. Auch, weil der Konsum von Drogen eine langfristig nicht adäquate Copingstrategie darstellt, um mit Stress umzugehen. Sie beeinflussen Wahrnehmung und Verhalten auf unvorhersehbare Weise, so dass viele Bereiche des Lebens für Betroffene zum Problem werden: Sozialleben, Arbeit, selbst Dinge wie Auto fahren (ist ja verboten), außerdem zieht es meist auch rechtliche Probleme nach sich oder zumindest oft ständige Angst vor dem Erwischtwerden. Und nicht zuletzt sind da auch noch die Nebenwirkungen der Substanzen, die mit Affektveränderungen, Wahrnehmungsveränderungen, Paranoia, Psychose, Dissoziation, Kreislaufschwierigkeiten, Delir (und weiteres) und nicht zuletzt Überdosierung und Tod nicht zu unterschätzen sind.

Diese Substanzen ungeachtet all dieser negativen Konsequenzen zu konsumieren ist meiner Meinung nach Grund genug, Sucht als psychische Krankheit zu definieren.

Und zum Körperlichen: die Ursachen der Sucht bzw Suchtneigung sind ja bis heute nicht ganz geklärt, da sie aber in Familien gehäuft auftritt, ist eine biologische Komponente wahrscheinlich. Insofern liegt der Verdacht nahe, dass es etwas mit den neurologischen Vorgängen zu tun hat. Dass psychisch vorbelastete Menschen anfälliger für Süchte sind, spricht ebenfalls dafür.

Für eine nähere Erläuterung, falls dies nicht reicht oder deine Frage nicht beantwortet, kannst du dich evtl. am ZI Mannheim informieren, dort gibt es meines Wissens eine Professur für diese Thematik.

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Kommentar von susau
31.10.2015, 00:47

Danke für deine ausführliche Antwort.

Bei manchen Substanzen kann ich die Einstufung nachvollziehen, weil sie sich negativ auf den Körper und Geist auswirken.

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Kommentar von Seanna
31.10.2015, 00:48

Welche sind das? Vielleicht findet sich dafür ja eine schlüssige Argumentation.

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Kommentar von Seanna
31.10.2015, 01:03

Dh. für die "illegalen Substanzen" und Alkohol ist die Argumentation schlüssig, für Schokolade (was noch?) fehlen Argumente? Meines Wissens zählt Schoko-Sucht aber nicht als psychische Krankheit - oder doch?

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das ist eigentlich sehr einfach...
Entweder du hast psych. Probleme und nimmst desshalb Drogen, oder du nimmst Drogen und bekommst welche.

Nein, Ernst:
Keine Abhängikeit ohne dass die Psyche eine Rolle spielt.
Man sagt ja auch so schön: der Betroffene muss es "wollen". Ja, aber weil die Suchtstoffe unser Hirn angreifen, werden unsere Gefühle beeinträchtigt und wir können diese entweder nicht mehr richtig einordnen, geschweige denn sie empfinden und wissen somit garnicht mehr wad wir wollen... Wir entwickeln eine verschrobene Warnehmung unseres selbst.
Das ist schon ziemlich strange und desshalb braucht man jemanden, der einen durch dieses Schlammassell durchführt, und diese Aufgabe übernimmt dann ein mehre oder minder guter Therapeut.

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Hey, da gibt es ganz genaue richtlinien ab wann jemand als psychisch krank gilt. (hab da die abkürzung 'icd' oder so im kopf, kannst du ja mal googlen)
grundsätzlich könnte man denke ich sagen, dass alles, was ins extreme geht und von der norm abweicht als krankhaftes verhalten angesehen werden kann.

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Kommentar von susau
31.10.2015, 00:01

Ja du meinst das ICD-10. Damit habe ich mich auch schon beschäftigt, allerdings haben die z.B. auch den Rausch  (Intoxikation) mitaufgeführt. Den kann man allerdings auch haben, wenn man nicht süchtig ist sondern nur übermäßig konsumiert hat. Deswegen finde ich die Einordnung des Substanzmissbrauches als psychische Störung ja so schwammig

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Die Behandlung von Süchten (Therapie) und wenn es keine Krankheit wäre, dann dürften die Krankenkassen und LVA die Kosten nicht übernehmen - es hat also ganz praktische Gründe.

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Als psychische Störung wird bezeichnet, wenn eine Störung: langfristig ist, sich von der Norm der Gesellschaft abhebt und es einen erheblichen Leidensdruck für sich; und die Umwelt darstellt.

Daher ist eine Sucht klassifiziert als psychische Krankheit.

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Kommentar von susau
31.10.2015, 00:10

Hast du eine Quelle für diese Definition?

Das mit der Norm der Gesellschaft ist interessant. Folglich werden Menschen welche süchtig nach etwas sind, was von der Gesellschaft nicht akzeptiert ist als psychisch krank abgestempelt und andere nihct, weil es normkonfom ist.

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Weil das krankhafte Verhalten ab dem Zeitpunkt anfängt, wenn du in einen Entzug kommst. Bei Drogen kann das unkontrolliertes Verhalten hervorrufen. Und diese Leute sind dann garantiert nicht mehr normal...

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Kommentar von susau
30.10.2015, 23:56

Ok aber wäre das dann nicht auf die Nebenwirkungen der Mittel zurückzuführen und weniger auf die Psyche an sich?

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