Warum werden so viele Straftäter rückfällig?

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Hallo noblehostel,

nicht mehr straffällig zu werden ist manchmal eben ein zu großer Schritt.

Hierzu musst du die Straftäter auch unterscheiden.

Es gibt welche, die einmal straffällig werden und dann nie wieder.

Die tauchen in keiner Statistik auf.

Dann gibt es welche, die krank sind, also aus pathologischer Sicht nicht anders können. Kleptomanen zum Beispiel.

Dann gibt es die große Gruppe der Suchtkranken.

Häufig gehen mit der Sucht auch entsprechende Beschaffungskriminalität einher, genauso wie Gewalttaten.

Dann gibt es die winzig kleine Gruppe der Psychopathen, bei denen sich wirklich mit keiner Therapie echte Erfolge erzielen lassen.

Wenn Täter (die auch häufig Opfer waren) entlassen werden, dann wissen sie häufig nicht wohin. Also gehen sie dahin, wo sie sich auskennen und das ist nun mal ihr Milieu.

Die sogenannte Normalgesellschaft ist nicht annähernd darauf vorbereitet oder willig, ehemalige Gefangene aufzunehmen.

Sie bekommen keine Wohnung, keine Arbeit, keinen Anschluss.

Niemand will sich mit "so einem" abgeben, denn man könnte ja entäuscht werden.

Ich kenne ehemalige Suchtkranke, die ihre Sucht überwunden haben und trotzdem nicht von der Gesellschaft akzeptiert werden.

Sobald sie erzählen, dass sie im Gefängnis waren werden sie wieder ausgegrenzt.

Dies auszuhalten zu müssen ist für einen gesunden und "normalen" Menschen extrem schwierig nachzuvollziehen.

Ich kenne persönlich sehr viele Straftäter, darunter auch Menschen, die es geschafft haben auszusteigen und ein gesellschaftskonformes Leben führen.

Das schwierigste war für sie die Feststellung, dass sie keine "normalen" Menschen kennen. Dass an der Stelle, an der wir "Normalos" Familie, Freunde und Bekannte haben, einfach ein "schwarzes Loch" ist.

Und schwarze Löcher ziehen alles an, was ihnen zu nah kommt.

Ich meine, stell dir vor, du willst dazu gehören und eröffnest ein Fb Account. Dann stellst du fest, dass du keine Freunde hast, die nicht im Knast waren oder sind, die nicht straffällig geworden sind, die einfach ganz normale Leute sind.

Das fühlt sich echt bescheiden an.

Solange die Gesellschaft nicht bereit ist Menschen mit Risiko aufzunehmen und wertfrei zu akzeptieren, solange können sich Risikomenschen nicht integrieren.

LG Mata

Teils, weil sie weiterhin in Teilen der Gesellschaft ausgeschlossen werden, kaum ein Betrieb nimmt einen 30-Jährigen der schon zwei Mal im Vollzug war bei sich auf.

Teils aber auch durch eine Drogensucht und der Fall in die alte Umgebung und in die alten Muster nach der Entlassung. Viele Kriminelle sind Süchtige, die kriminell geworden sind, um sich ihre Sucht finanzieren zu können und so eine Sucht wird man nicht einfach los. Oftmals braucht es dazu mehrere Langzeittherapien und dann auch einige Unterstützung.

Einem Teil ist es auch schlichtweg egal, ab und zu im Bau zu sitzen gehört bei denen halt einfach dazu, die einzige gewünschte Veränderung ist, dass man beim nächsten Mal schlauer ist.

Und sicher gibt es auch noch andere Gründe.

Auch hier kann man nicht einfach alle über einen Kamm scheren.

Ich hab mich vor kurzem mit einem ehemailgen Häftling unterhalten, der schon 14 Jahre in seinem Leben im Gefängnis saß. Er erzählte mir, dass man im Gefängnis viele kriminelle Dinge lernt die man vorher gar nicht kannte. Dann kommt noch die Perspektivlosigkeit nach der Entlasung dazu und die Kontakte die man während der Haft geknüpft hat. Ich denke mal, dass das ein wesentlicher Teil ist.

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