Warum werden muslimische Mädchen so erzogen?

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12 Antworten

Hallo!

Zu allererst möchte ich an deine Wortwahl appellieren. Deine Frage lautet: "Wieso werden muslimische Mädchen so erzogen?" - dies suggeriert, dass du damit alle muslimischen Mädchen meinst. Was aber natürlich Quatsch wäre. Korrekterweise müsste es also heißen: "Wieso werden manche muslimischen Mädchen so erzogen?". Ich weiß, das klingt jetzt wie klugscheißereische Erbsenzählerei. Aber es sind oft eben diese kleinen Details, die den gemeinsamen Dialog behindern. Viele Muslime fühlen sich bei so etwas sehr schnell angegriffen. Und viele Nicht-Muslime verallgemeinern solche Vorfälle und darauf wachsen dann ihre Vorurteile und ihre Islamophobie.

Nun aber zu deiner eigentlichen Frage. Die Freundin, von der du berichtest, kommt ganz offensichtlich aus einem sehr konservativen Elternhaus. Ihre Eltern haben ein konservativ-islamisches Werteverständnis und handeln dementsprechend. Was bedeutet das konkret? Naja, wie du sicher weißt, spielt die Auslegung der Schriften in Religionen immer eine sehr wichtige Rolle. Je nach dem, wie die entsprechende Textstelle aus Koran oder Bibel übersetzt und gedeutet wird, ergeben sich unterschiedliche Regelungen daraus. Für Katholiken gelten andere Regeln als für Protestanten. So gibt es auch im Islam verschiedene Strömungen, verschiedene Meinungen und verschiedene Lebensweisen. Das konservativ-islamische Werteverständnis, von dem ich eben sprach, ist besonders starr. Es bezieht die Inhalte der Schriften nicht auf das heutige Zeitalter, sondern übernimmt sie wortwörtlich. Zudem orientiert es sich strikt an den Wertevorstellungen der arabischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass ein derartiges Werteverständnis autoritär, männerdominierend und antisexuell ist.

Es ist aber nicht alleine die religiöse Orientierung, die ausschlaggebend dafür ist, dass deine Freundin so streng und autoritär erzogen wird. Eine große Rolle nehmen sozio-kulturelle Aspekte ein. Wenn wir uns Länder wie Indien, Sambia oder Tansania anschauen, dann würde uns auffallen, dass es dort ebenfalls viele Mädchen gibt, die ähnlich erzogen werden wie deine Freundin (autoritär, männerdominierend, antisexuell). Der Islam ist hier aber gar nicht im Spiel, da Indien hinduistisch geprägt ist und Sambia und Tansania christlich. Es sind also andere Faktoren als religiöse, die dafür sorgen, dass solche Werte existieren. Ich bezeichne sie als "sozio-kulturelle" Aspekte, also als Aspekte, die von Gesellschaft und Kultur bestimmt werden. Deine Freundin ist vermutlich türkisch- oder arabischstämmig. Unabhängig von der Religion ist die türkische bzw. arabische Gesellschaft in weiten Teilen von den genannten Werten geprägt. Vor einigen Jahren gab es einen Ehrenmord in Deutschland, der die Aufmerksamkeit der Medien erhielt. Der Fall Arzu Özmen:

Arzu Özmen stammte jedoch aus keiner muslimischen, sondern aus einer jesidischen Familie.

Achja, dass eine sehr autoritäre Erziehung dazu führen kann, dass sich die Gesinnung des Kindes zum Gegenteil wendet, darin stimme ich dir zu. Es kommt dabei eben immer auf den individuellen Menschen an. Manche brechen unter dem Druck ein und werden zu dem, was die Eltern wollen. Andere entwickeln sich zum exakten Gegenteil, da sie alles, was mit den Werten ihrer Eltern zu tun hat, aufgrund der schlechten Erfahrungen anwidert.

LG

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Kommentar von uyduran
05.06.2016, 12:05

Herzlichen Dank für die Auszeichnung zur hilfreichsten Antwort! Es freut mich, dass mein Beitrag dir weiterhelfen konnte :-)

LG

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Ein Teil ist sicher Tradition - die Sache mit der Hochzeit und dem Verdecken nackter Haut - der andere Teil könnte unbewusster Frustrationsabbau sein. 

Die Strenge bezüglich der Schule könnte zustande kommen, weil vielleicht die Mutter von ihrem Mann auch Druck oder Anweisungen bekommt, die sie nicht erfüllen möchte, sich aber dagegen nicht wehren kann und dann, um den Druck/ Frust loszuwerden, diesen an ihre Tochter weitergibt, was evtl. "legitimer" vor ihrem Mann ist, als wenn sie ihn an ihre Söhne weitergäbe. Leider kann man mit solchen Leuten fast nie reden. Sie nehmen dann die Tochter nicht mehr als Individuum in bestimmten Bereichen wahr, sondern nur noch als Quelle der Ärgernis bzw. des Frustabbaus. Ist so wie in der bekannten Geschichte Mann schlägt Frau, Frau schreit Kind an, Kind quält Hamster.

Das Schlimme an ihrer Dynamik ist, dass die Brüder lernen könnten, die Schwester zu ärgern, indem sie z.B. in der Schule versagen und sich dann über ihren "Erfolg" freuen, so viel Macht zu haben, dass sie die Schwester in Bedrängnis gebracht haben. Das kann passieren, wenn sie selbst zu wenig Aufmerksamkeit und Lob bekommen oder wenn sie Aufmerksamkeit und Lob bekommen, wenn sie etwas "petzen", das die Schwester "falsch gemacht" hat.

Was kann man tun (als betroffenes Mädchen)?

Dafür sorgen, dass sich Mutter (Vater) und Brüder wohl fühlen, weil sie dann weniger Druck haben, den sie weitergeben können. Klingt fies, kann aber klappen. Wie erreicht man das?Loben, loben, loben und sich ggf, klein machen. Die anderen bewundern. Den anderen die Aufmerksamkeit geben, die sie gern von anderen Familienmitgliedern oder evtl. Außenstehenden (Vater) hätten. Das klappt aber nur schadlos, wenn man sich selbst so weit unter Kontrolle hat, dass man zwischen seinem Verhalten und seinen Gefühlen strikt trennen kann. Dass man denkt "du bist so ein Versager (oder A-loch!)" und sagt "wow, das hast du aber klasse gemacht, ich könnte das nicht!" oder etwas in der Art - OHNE sich dabei tatsächlich klein und unbedeutend zu fühlen.Die Brüder motivieren, Spaß am Lernen zu haben, sie für Versuche zu Hause und Erfolge in der Schule loben, das Lernen so gestalten, dass sie sich erfolgreich fühlen und Interesse am Stoff zeigen.

Der Tochter empfehle ich Gedächtnistraining (Forum Brainboard und zum Üben Seite memocamp), um sich Inhalte besser merken und sie schneller und effizienter abrufen zu können. Außerdem ein Hobby, das sie zu Hause ausüben kann, das den Eltern nicht missfällt, und bei dem sie Erfolge erzielen kann, so dass sie für sich eine Kraftquelle hat, eine Quelle der Anerkennung (wenn auch durch Stolz auf sich selbst) und des Erfolgs (selbstgesteckte Ziele erreichen) und etwas, mit dem sie sich selbst eine schöne Zeit machen kann.

Außerdem empfehle ich, die Mutter einzuschleimen, also wenn es geht freiwillig etwas zu tun, das der Mutter Freude macht, damit sie als Tochter positiver wahrgenommen wird, als wertvoller Mensch - ist bei solchen Leuten wie ihrer Mutter leider nicht immer selbstverständlich - und dadurch auch ggf. weniger Ärger bekommt.

 Eine Falle ist z.B. dass die Brüder sie ggf. loben, wenn sie viel Zeit mit ihnen verbringt, und die Mutter sich dann unzulänglich vorkommt, weil sie weniger Aufmerksamkeit von ihren Söhnen bekommt als ihre Tochter (obwohl sie der Tochter ja einen Teil der Mutterpflichten übertragen hat). Das sollte man dann als Tochter ausgleichen, wenn man diesen Frust nicht abbekommen will.

Damit muss aber die Tochter ein Stück erwachsener sein als die Mutter, die Tochterrolle aufgeben und die Mutter quasi als drittes Geschwisterkind mit besonderen Bedürfnissen sehen. Das ist eine sehr hohe Anforderung...

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Was du beschreibst, ist eine sehr strenge und autoritäre Erziehung. Allerdings findest du so etwas nicht nur bei muslimischen Familien, sondern auch bei deutschen.

Ich stimme dir zu, dass bei einer solchen Erziehung die Kinder mal ins Extreme kippen können.

Allerdings war ich entsetzt, als ich einen Artikel zu Kindererziehung und Fehler der Kindererziehung las, wie viele Menschen in den Kommentaren anschließend darüber diskutierten, warum denn ein paar "Klapse" so schädlich seien.

Was das Thema weibliche Kleidung betrifft, ist die deutsche Gesellschaft bigott, wenn ich das mal so sagen darf. Die Muslima, die ihren Körper bedeckt und ein Kopftuch trägt, wird als unterdrückt gesehen. Bei der deutschen Frau wird jedoch anhand der Rocklänge die sexuelle Verfügbarkeit festgestellt. 

Was deine Frage betrifft, warum die Mutter das fortführt, muss ich sagen, dass das immer schon so war. Wenn du dir beispielsweise den Film des ARD zur Entstehung des Artikel der Gleichberechtigung von Mann und Frau ansiehst, stellst du fest, dass vor allem die CDU-Frauen dagegen ankämpfen. Link zum Film:

Bei uns ist das ein langsamer Prozess, der bis dato immer noch nicht abgeschlossen ist.

Wer in der Familie das "Sagen" hat, hängt nicht von der Religion als solche ab, sondern von der persönlichen Familienkonstelation ab. Ich habe schon Familien aus den vermeintlich "männerdominierten Kulturen" erlebt, wo die Mutter im Hintergrund das Sagen hatte und den Mann oftmals nur vorgeschickt hat.

Von daher kann man das nicht auf den Islam per se schieben, sondern auf die Auslegung der Familie deiner Freundin und an deren Wertevorstellungen.

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Zur Sache mit den Noten kenne ich das leider von meiner besten Freundin. (Absolut nicht religiös)

Sie hat einen jüngeren Bruder und früher war es besonders schlimm, immer wenn sie eine schlechte Note hatte, hat sie sofort Hausarrest oder handy-/Fernsehverbot bekommen.
Sie hatte sich echt bemüht und hat auch durch Krankheiten oft gefehlt.
Ihr kleiner Bruder hat nix gemacht und ebenfalls miese Noten gehabt, bei ihm war es dann egal.

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Kommentar von nederal
04.06.2016, 14:59

In deren Land gehen Mädchen oft nicht mal zur Schule oder wenn auf eine Mädchenschule von daher haben die irgendwas falsch verstanden lol

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Kommentar von Maybewrong
04.06.2016, 19:04

"In deren Land"?
Was meinst du denn damit? Der Islam als Religion ist weit verbreitet.
"Deren Land" kannst du so wie so nicht sagen, da der Islam in mehreren Ländern die offizielle Religion ist.

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die katholische erziehung wurde auch erst sehr spät offener , zum teil weil luther den menschen die augen öffnete vor dem verlogenen system der päpste.  dadurch bekam die realität boden unter den füßen .

die muslime werden von einer über tausendjahre alten doktrin für den vorderen orient beherrscht - ohne das abendland zu kennen. und die örtlichen prediger leben gut damit .

allerdings machen die saudis auf dem kapitalmarkt die größten beherrscher .

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Hallo,
Ich persöhnlich bevorzuge es nicht Kinder so zu erziehen das sie Angst vor mir haben müssen .
Als Muslim sollte man den Kindern die Gottesfurcht vermitteln , wenn man das geschaft hat braucht man sie weder zu bestrafen noch sonst etwas zu tun .
Warum darf sie das alles nicht was du darfst ?
Weil sie Muslimin ist und das ist im Islam verboten .

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Deine Grammatik ist ziemlich gut für dein Alter. Ich könnte denken, dass es vielleicht deine Mutter geschrieben hat. Wie auch immer. Für dene ist das ihr Lebenssinn. Darum machen die das Freiwillig. In den Kommentaren hier habe ich gelesen, dass Zuhause nur der Mann das Sagen haben solle. Das liegt an der Tradition und nicht an der Religion. Denn in der Religion ist die Frau wie der Mann gleichgestuft.
lg matrix

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Kommentar von caya2014
03.06.2016, 20:43

@65matrix58 Danke dir! es stimmt Frauen und Männer sind gleichgestellt! Daher handeln viele gegen die Religion!!!!

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Kommentar von arashinouta
03.06.2016, 21:23

Haha, das hab schon ich selber geschrieben^^ Ich wünschte, mein Deutschlehrer wüsste das endlich zu schätzen...

Naja, wie auch immer, danke für deine Antwort! :)

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Kommentar von hutten52
04.06.2016, 07:50

Im Islam ist die Frau natürlich nicht gleichgestellt. Sure 2,228 sagt ganz klar: "Die Männer stehen eine Stufe über den Frauen." 

Und so ist ja dann der ganze Islam organisiert: Frauen sind das "Saatfeld" der Moslems. "Geht zu diesem Saatfeld, wo immer ihr wollt!" (2,223) 

Der Mann darf die Frau bei Ungehorsam schlagen, nicht umgekehrt. 

Töchter erben die Hälfte der Söhne, in der Moschee sind die Frauen hinter einem Vorhang oder auf die Empore verbannt etc.

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Kommentar von Maybewrong
04.06.2016, 19:36

@hutten52 letztendlich ist es mit dem Koran dasselbe wie mit der Bibel.
Es sind beides sehr, sehr alte von Menschen geschriebene Bücher und beide widersprechen sich Selbst in mehreren Punkten.
Wörtlich kann man da nix nehmen.
Deine Auszüge  somit auch nicht.

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Kommentar von luvU2
13.06.2016, 18:52

Man muss genügend recherchieren um sich eine Meinung bilden zu können und das hast du ganz sicher nicht getan.
Nur so als kleine İnfo am Rande.
Ja ich bin Muslima, bin gebildet, bin der deutschen Sprache wahrscheinlich so mächtig, wie andere in meinem Umfeld nie sein werden.
Meine Familie ist religiös und ich werde weder unterdrückt, noch bin ich "dem Mann untergeordnet"

Kleiner Tipp:
Bildzeitung ist wirklich nicht gut zum informieren und recherchieren.

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Kommentar von 65matrix58
14.06.2016, 00:23

hutten52
voll cool dass du über solchen dingen bescheid weist aber warum zitierst du nicht die zusammenhängende verse auch nicht? mag sein dass da sowas steht aber dies nur in bestimmten fällen ...

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Wenn sie ein Junge wäre, dürfte sie machen, was sie will. Das muss man nicht verstehen. In Deutschland ist es ja eigentlich so, dass der Mann der Versorger sein muss und eine gute Ausbildung oder einen guten Schulabschluss haben muss, aber bei denen zu Lande... Naja die Frauen dürfen ja nicht mal autofahren. Versteht keiner so genau... Vielleicht hat die Frau einfach die Opferrolle bekommen


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Sorry wenn ich das hier sagen muß : Für mich sind die allesamt einfach nur geisteskrank.

Ich habe einmal die Erfahrung mit einem Moslem hier in Deutschland gemacht....Vorurteile haben sich bestätigt und sie sind schlimmer als du es dir vorstellen kannst.

Ich habe auch kein Mitleid mehr mit den Frauen, wenn die sich alles gefallen lassen und den ganzen Wahnsinn glauben.

Ich habe hier in Deutschland sehr selbstbewußte Türkinnen kennengelernt, die leben frei und damit hab ich kein Problem. Aber ich fühl mich echt unwohl zwischen kopftuchtragenden, Kinderwagen vor sich herschiebenden Rudeln von Moslemfrauen, die sich in einer mir nicht zugänglichen Sprache beschimpfen (zumindest hört es sich für mich so an)

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"ich weiß, dass beim İslam der mann mehr zu sagen hat"
Wer hat das gesagt? İm islam sind Frauen und Männer gleichgestellt und gleichwert.
Nur weil Menschen, die sich Muslime nennen, Fehler machen, heißt das nicht, dass der Islam auch Fehler hat.
Der Islam hat der Frau viele Rechte gegeben, die sie vor dieser Religion nicht hatte.
(Bsplsweise Erbrecht usw)
Von daher hat die Mutter eigentlich Schuld daran, dass ihre Töchter Angst vor ihr hat. Das liegt aber an ihren Erziehungsmethoden und nicht am İslam.
Liebe Grüße

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Es liegt auf den Eltern wie sie die Kinder erziehen mehr Infos im Internet

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Es gibt in der muslimischen wie auch in der christlichen, in der arabisxhen wie auch in der deutschen Kultur immer 'tollerantere' und 'extremere'.
Hatte ein Mitschüler in meiner alten Klasse, deutscher, der wurde regelrecht verprügelt wenn der ne schlechte Note nachhause brachte.
Ich hingegen nie, selber Muslimin :)
Es gibt halt so Eltern und so Eltern.
Einige lassen ihre Kinder links liegen, andere machen es mit liebe und dann gibt's noch den Fall hier, die denkt wahrscheinlich das Angst der Schlüssel zum Erfolg ist, was klappen KANN, meistens aber schief geht.

Und egal wie sehr es scheint das der Vater die Hosen anhat, ZUHAUSE sind alle Knechte von Mama :D
Schönen Abend :)

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