Warum werden mehr Geschlechter "erfunden"?

37 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ja, ich weiss auch nicht so recht...

Ich bin biologisch eine Frau, und zwar gerne.

Ich bin hetero, und zwar auch gerne.

Ich bin geistig eher ein Mann, und auch das habe ich inzwischen gelernt, wie ich damit umgehen soll.

Ich hatte mal eine homosexuelle Episode, als ich 17 war, kein Problem.

Muss ich mir jetzt Sorgen machen?

Leider verstehe ich nicht, wieso Leute an ihrer Identität so sehr zweifeln, dass selbst die offensichtlichsten Fakten in Zweifel gezogen werden.

Aber ja, das war wohl schon immer so.

Jetzt wird geredet - zerredet...

Viele Probleme wären gar keine, würde man sie nicht ständig an die Öffentlichkeit zerren.

Das, was ich eingangs schrieb, wissen "meine" Leute.

Anderen dränge ich es nicht auf. Wozu auch?

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"Ich bin geistig eher ein Mann"

Was bedeutet das? Dass du nicht so emotional bist, sondern eher rational? Das wäre aber eine Geschlechterrollenzuschriebung nach dem Motto "nur Frauen dürfen weinen, echte Kerle nicht".

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@Schrumpfer

Nee, ich kann das schlecht erklären. Ich bin auch nicht der Meinung, dass Männer nicht emotional sein sollen/dürfen.

Meine Interessen sind halt eher "männlich", ach was weiss ich. Dämliche Rollenklischees... ;(

Meiner Meinung nach unterscheiden sich Menschen auch nicht durchs Geschlecht, sondern durch den Charakter. :)

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@Wapiti201264

Geile Einstellung, finde ich gut. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen Individualität auch ohne Gruppe möglich war?

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Falls Interesse besteht, könnt ihr euch mal den Vortrag "Männer und Frauen - mehr als ein kleiner Unterschied" von Birkenbihl bei Youtube anschauen. Die ersten 20 Minuten geht Birkenbihl dabei ein bisschen auf die Genetik, die Hormone und das Gehirn und die möglichen Variablen ein. Finde den Vortrag sehr gut und lustig.

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Genau das verstehe ich auch nicht. Man kann nicht so viele Geschlechterrollen kreeieren, dass es auf jeden Menschen zutrifft. Ich habe sowohl biologisch als auch sozial gesehen männliche und weibliche Eigenschaften.

Niemand ist zu 100% Mann oder Frau, vor allem was die Geschlechterrollen angeht. Ich kaufe zum Beispiel in der Männerabteilung ein und schminke mich nicht, habe aber lange lackierte Fingernägel, lange Haare und trage Legginns. Biologisch gesehen habe ich ein ziemlich strakes Haarwachstum und wahrscheinlich relativ viel Testosteron.

Und trotzdem bin ich weiblich, einfach weil ich biologisch meine XX Chromosome habe und die normalen Geschlechtsmerkmale einer Frau.  Jedem, den man biologisch nicht so definitiv zuweisen kann, wird das "3. Geschlecht" bzw. die Intersexualität zugeordnet.

Aber warum sowas wie "Genderqueer" oder sonst was erfinden? Warum so viel wert auf Geschlechterrollen geben? Ein Beispiel: In der Vergangenheit waren hohe Schuhe und Make Up ein Zeichen mächtiger MÄNNER, um ihren Wohlstand zu zeigen. Sie haben also die Geschlechterrolle Mann vollständig erfüllt. Wenn heutzutage ein Mann mit Make Up und High Heels rumläuft, ist er Trans*, aber warum? Was macht es für einen Sinn, soziale Geschlechter zu erfinden, die keinerlei Absolutheit besitzen, die sich über die Zeit ändern?

Am besten sind die Dokus über Transsexuelle, in denen die Eltern sagen "Wir haben schon früh gemerkt, dass unser Sohn anders war, weil er sich mit der Schminke seiner Mutter geschminkt hat und gerne Kleider getragen hat." Nein verdammt, die erfundene Geschlechterrolle ist schließlich nichts natürliches, das biologische Geschlecht hingegen schon, das kann man nicht vermischen. Es wird auch wohl kaum ein Zufall sein, dass Transsexuelle Frauen (mzf) extrem nach der weiblichen Geschlechterrolle aussehen und sich so verhalten, also wäre das das, was eine Frau ausmacht.

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Wenn man sich nicht mehr als Frau oder Mann versteht, wenn man der aktuellen gesellschaftlichen Auffassung der Geschlechterrolle nicht entspricht, wird dadurch dann nicht erst fest vorgeschrieben, das ein Mann oder eine Frau diesen Eigenschaften entsprechen muss?

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Ich habe den Eindruck, dass oft, vielleicht nicht immer, Phasen im Leben und Verallgemeinerungen von Geschlechterrollen überinterpretiert werden als eigenes Geschlecht. Z.B. fühlt man sich zu Männern hingezogen, findet einige Frauen aber auch attraktiv. Ist man gleich bi? Oder man hat mal Phasen, in denen man wenig Lust auf Sex hat. Ist man gleich asexuell? Oder man schaut in den Spiegel und findet, dass das eigene Gesicht nicht nur weiblich bzw. nicht nur männlich (je nachdem, was man ist) aussieht. Ist man gleich non-binär? Usw.

Schwierig finde ich, wenn das schon Jugendliche und Kinder entscheiden "sollen", die noch in der Findungs- und Erkundungsphase sind. Auch denke ich persönlich (altmodische Erziehung), dass die sexuelle Orientierung etwas Privates ist, dass interessant und relevant für mich und potentielle oder echte Partner ist und keinen anderen etwas angeht. Daher verstehe ich schon mal gar nicht, dass man bestimmte Abstufungen überhaupt erwähnen muss. Warum ist es wichtig zu wissen, ob jemand heterosexuell, homosexuell oder "non-binär" ist?

Das Problem ist mMn auch die Selbstdefinition. Stellt man etwas in Frage, z.B. seine Gesichtszüge, wird man schnell verunsichert. Jeder kann das mal bei sich ausprobieren. Man ist also männlich oder weiblich. Aber manchmal sieht man nicht so aus, hat nicht alle Merkamale typischer (stereotyper) männlicher oder weiblicher Gesichtszüge, hat Interessen, die eher dem anderen Geschlecht zugeordnet werden, findet Angehörige des eigenen Geschlechtes attraktiv. Das kann man jetzt als normal, als Phase, als Bandbreite des eigenen Geschlechts ansehen, oder man kann sich in Frage stellen: Hm, bin ich wirklich X oder Y oder etwas dazwischen? Und die meisten werden sich in der Mitte finden. Das ist (oder war) normal. Wenn man aber gedrängt wird, eine Selbstdefinition festzulegen, könnte man unsicher werden und sich eher für etwas Offeneres entscheiden - und so könnten dann viele "neue" Geschlechter entstehen, die in Wahrheit vielleicht gar nicht über das ganze Leben bestehen. 

Wer hat sich nicht schon mal gefragt, ob er ein echter Xyz ist, egal was, ob er sich mit allem identifizieren kann, was seinem Geschlecht, seiner Nationalität, seinem Alter, seinem Beruf etc. zugeschrieben wird? Die meisten werden, wenn sie ehrlich sind, sich nicht mit allem davon identifizieren können. Wenn sie verunsichert werden, indem man ihnen Teilidentitäten anbietet, könnten sich nun viele neue Identitäten bilden. Dabei fallen mMn die unter den Tisch, deren Identität wirklich in großen Teilen von der einer größeren Gruppe abweicht und die vielleicht ernsthaft so eine Definition verdienen, um sich irgendwo wiederzufinden.

Ich frage mich immer, wie oft und intensiv man sich seiner Identität bewusst ist und ob man die immer mitteilen muss. Bei mir ist das größtenteils nicht der Fall, ich gehe nicht durch den Tag mit dem Bewusstsein über meine Nationalität, mein Geschlecht, mein Alter, meinen Beruf etc. Das ist in den meisten Situationen eher im Hintergrund. In vielen Situationen - offline wie online - könnte ich auch nichts damit anfangen, wenn jemand sagt, er sei meinetwegen Deutscher und homosexuell. Schön zu wissen, aber was geht mich das gerade an, wenn wir bspw. über Fotografie reden?

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Ganz ausgezeichnet! 👍

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@ScharldeGohl

Bin ganz deiner Meinung.

Dazu kommt noch dieses Phänomen, keine Verantwortung übernehmen zu wollen, sich nicht entscheiden zu wollen und sich immer alles offen zu lassen.

Warum kann man nicht akzetieren, das man z.Bsp. vom Körpergeschlecht ein Mann ist, so wird man in den Akten geführt, aber welche Tendenzen man hat, ob man Männer, Frauen oder was anziehend findet ist doch egal. Ob man sich wie eine Frau kleidet ist doch egal... man müsste eben diese geschlechtliche Ordnung aufheben, das nur Frauen Kleider tragen und sich schminken oder so und nicht das Geschlecht, das im Grund nur eine Zuordnung ist.

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@PaulPeter44

Ja, bitte! Es nervt mich so, dass Herrenmode gerade mal eine Seite im ganzen Kleidungskatalog bekommt! Und dann immer so langweiliges Zeugs, kaum Raum für Selbstentfaltung.

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Sehr schöner Ansatz. Ich finde eh, das Geschlechterrollen bescheuert sind. Deswegen verstehe ich ja eben nicht, warum Leute mehr davon wollen. Ich wäre eher für *weniger*.

Aus "There are only 2 Genders" werde "Who cares about friggin' Gender, you're you and no one else and we all are friggin' humans, so let's stop bashing our heads in over some pointless crap we then have to draw onto a political level for no goshdarn reason!" :D

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