Warum werden keine klassischen Stücker mehr komponiert?

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5 Antworten

Der jüngst verstorbene Dirigent Harnoncourt hat sich ebenfalls gewundert, dass heute ständig (E.-) Musik gespielt wird, die vor 150 bis 300 Jahren komponiert wurde. Zur Zeit Bachs oder Mozarts wäre so etwas unmöglich gewesen. Damals spielte man zeitgenössische Musik.

Der Grund liegt darin, dass die heutige zeitgenössische Musik kaum bzw. keinen Anklang beim Publikum findet. Wenn man sie aufführt, muss man sie (z.B.) zwischen Haydn und Brahms verstecken.

Es ist ja oft eine Unverschämtheit, mit welch formlosem Klangbrei oder wüstem Tohuwabohu von Klangfetzen und hässlichen Geräuschen moderne Kompositionen das empfindsame Ohr des Musikliebhabers beleidigen. Gemäßigte Komponisten wie H.W. Henze (s. sein Kammerkonzert für Klavier) sind da schon akzeptabler. Aber auch Henze kann die Klassikliebhaber mit seiner Musik letztlich nicht überzeugen. Woran liegt das?

Ich sehe das Problem in Folgendem: Die moderne Musik (ich meine jetzt nicht die oben genannte „hässliche“ Geräusch-Musik, die ist für mich indiskutabel) setzt (fast) nur auf Rhythmus; sie vernachlässigt bzw.verzichtet oft völlig auf Harmonie und Melodie. Nehmen wir Henzes Kammerkonzert. Was hier als „Melodie“ (besser gesagt: als Oberstimme) erscheint, klingt fremdartig, dissonant, atonal. Diese seltsam klingende Oberstimme wird aber nicht - wie bei Bach – in ein harmonisches Klangverhältnis zur durchlaufenden Bassstimme gebracht, das heißt, sie steht in keinem Zusammenhang mit dem natürlichen Dreiklang derhergebrachten „tonalen“ Musik,  sondern korrespondiert mit dieser„Unterstimme“ nur, indem beide im gleichen Rhythmus daherkommen. Dieser Verzicht auf eingängige Melodien bzw. musikalische Motive oder jedenfalls auf ein harmonisches (Dreiklang-) Verhältnis zwischen Oberstimme und Bassstimme ruft (m.E.) beim Hörer Abwehr und Widerwillen hervor, auf jeden Fall lässt ihn diese Art von Musik kalt.

Man kann mit „dissonanter Musik“ allerdings durchaus eingängige, eindrucksvolle und auch vom Hörer akzeptierte Wirkungen erzielen, z.B .Rachmaninow (der beileibe kein Moderner mehr ist), siehe seine Variationen für Klavier über ein Thema von Corelli.

Solange die moderne Musik nicht mehr auf Rhythmus plus Harmonie und Melodie baut, sondern - wenn überhaupt - nur den Rhythmus ins Zentrum der Musikstücke stellt und Harmonie und Melodie vernachlässigt, wird sie keine bedeutenden Komponisten hervorbringen bzw. kaum Anklang beim Publikumerzielen.

In den Musikakademien, Abt. Komposition lehren offenbarnur Professoren, die sich der modernen „Neutöner-Musik“ verschrieben haben.M.E. müssten wieder Lehrstühle (in Konkurrenz zu denen der „Modernen“) eingerichtet werden, wo Kompositionslehrer die alte Kompositionstechnik, bestehend aus Rhythmus + Harmonie + Melodie bzw. eingängiges musikalischesMotiv unterrichten. Dann erst können sich wieder Talente zu Genies entwickeln, wie Bach, Beethoven und Mozart. Die hatten allerdings auch Kompositionslehrer, die teilweise selbst anerkannte Genies waren (Haydn, Salieri, Lehrer von Beethoven und Leopold Mozart, Lehrer von W. A. Mozart).

 

 

 

 


SatanicPope 10.07.2017, 21:59

Großartige Analyse! Vielen Dank. Tatsächlich hat man heute so gut wie keine Möglichkeiten, sich in der klassischen Kompositionslehre zu bilden. Studiert man Komposition an einer Musikhochschule lernt man nur Neue Musik. Stücke auf Komposition Abschlusskonzerten beinhalten teilweise keine Töne sondern nur Geräusche.

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Gibts doch?

klar der stil hat sich nunmal geändert. aber ich würde das jetzt nicht negativ sehen.

der Rock vor 5 Jahren war auch anders. geschweige denn so eine lange Zeit.

Musik ist ein Fluss und ändert sich. es spiegelt die Seele der Künstler wieder, und diese sind nunmal auch an unsere Zeit gebunden.

Musik ändert sich ständig, in 100 Jahren wird unsere "moderne" Musik auch nicht mehr gespielt werden

8Winterkind8 07.07.2017, 13:38

Und zu deine Frage, ob da schon alles komponiert wurde:
Das geht nicht, es gibt keine Grenze an Musikstücken zu einem Genre😉

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Da kennt wohl jemand unter anderem Ludovico Einaudi nicht... 

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