Warum werden die Ausgrabungen von Saragossa ignoriert?

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2 Antworten

Es dauert einfach sehr lange, bis neuere historische Erkenntnisse ihren Weg in die Schulbücher finden. Und noch länger dauert es, bis Lehrpläne einem neuen Forschungs- und Wissenstand angepasst werden.

Z.B. wurde bis in die 90er Jahre zäh und stoisch an der historisierenden Darstellung eines "Herrmann dem Cherusker" festgehalten, der ja niemals so geheißen und in der Weise gelebt hat, wie er aus politischen Gründen im 19. Jahrhundert als "Idealgermane" aufgebaut wurde.
Schon Anfang der 80er waren sowohl der falsch übersetzte Name belegt als auch seine tatsächliche Lebensgeschichte, trotzdem hielt sich das überholte Wissen noch mehr als zehn Jahre in den Lehrplänen - und noch viel länger in den Köpfen vieler Lehrer_innen.

Und ja, Du hast völlig recht mit Deinem Eindruck, dass die tatsächliche Rolle der keltischen Kultur als bestimmendes Element von ganz Westeuropa bis nach Kleinasien erst langsam erkannt und beleghaft wird.
Diese Erkenntnis ist aber ein Ergebnis der Geschichtsforschung der letzten 15 Jahre. Möglich wurde sie erst durch neue Funde, verfeinerte Methoden und moderne Technik wie etwa das großflächige Bodenröntgen oder die Radiocarbontechnik, denn schließlich ist es nicht einfach, eine versunkene Kultur zu erforschen, die keinerlei schriftliche Zeugnisse hinterlassen hat...
Nicht zuletzt arbeiten Historiker noch nicht lange interdisziplinär, doch gerade die gegenseitige Öffnung von Forschungsdisziplinen hat die Erkenntnisse über die keltische Kultur sehr vorangebracht.

Trotzdem: Die beiden einzigen römischen Quellen Caesar und Tacitus als hasserfüllt zu bezeichnen, finde ich persönlich leicht übertrieben. Sicher waren beide Schriften politisch motiviert und dienten der Propaganda, das ist aber auch schon alles.
Hasserfüllt war das römische Verhältnis zu Karthago, aber die Sicht auf germanische und auch keltische Stämmen war m.M.n. eher von Arroganz aus kultureller Überlegenheit heraus, gesundem Halbwissen und solidem Unverständnis geprägt.

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Deine Vorliebe zu Kelten ist schon notiert :)

Was erwartest du von einer Gesellschaft, die in viele Zügen nach wie vor auf dem römischen Vorbild aufbaut? Inklusive der Vorstellung von "barbarischen" Völkern, auch wenn es heute anders heisst und nicht direkt gemacht wird wie etwas nur vor etwa 100 Jahren.

Das ist aber keine böse Absicht. Nur die Tatsache, dass die sog. Antike(griech. aber haupts. römisch) die Grundlage dieser modernen europäischen Gesellschaft ist. Natürlich beruft sie sich auf ihre Wurzeln mehr.

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