Warum werden Christenverfolgungen im nahen Osten und in der Türkei kaum thematisiert?

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8 Antworten

Man sollte die idealistisch-humanitäre Betrachtung des Berichtwesens auch in Demokratien nicht übersteigern, es gibt weit wichtigere Kriterien, wonach die Berichterstattung fokussiert wird.

Es wird zwar in Europa von Toten im Mittelmeer berichtet, aber nicht von - zahlenmäßig mehr - verdursteten Mexikanern in der Wüste auf US-Boden. Das könnte die USA verärgern.

Immer wieder wird gegen Rechts gewettert, aber daß die Roma in Ungarn konsequent diskriminiert werden, z.B. werden Kinder von Roma (und keinesfalls zur Angleichung des Leistungsstandes) separat unterrichtet, und es schon massive Rückbezüge der jetzigen Regierung auf die Pfeilkreuzler gibt, wird liebend gerne unter den Teppich gekehrt. So wurde z.B. in lupenreinem Deutsch aus Anlaß einer politischen Feier das Deutschlandlied mit der ersten Strophe angestimmt, man fängt an, zwischen "wir" (die Magyaren) und "die" (Flüchtlinge und Roma) sprachlich zu differenzieren. So etwas darf es auf dem Boden der EU nicht geben, es kann nicht sein, was nicht sein darf, entsprechend auch keine Berichte darüber. Wen kümmert es schon, daß die Anzahl an Kindern, die in Ungarn aufgrund des Schimmelbefalls und der hygienischen Bedingungen in Wohnungen an Asthma etc. leiden, erschreckend hoch ist? Wen kümmert es, daß zwar jetzt die kostenlose Schulspeisung pressewirksam gefeiert wird, aber ohne zu nennen, daß man vorher auf alle Sozialbezüge verzichten muß?

Eine Dublin-Überführung wäre nach Griechenland (seit 2011) und Italien aktuell nach Urteilen des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gar nicht zulässig, die Kriterien ließen sich auf Rumänien und Ungarn übertragen.
2015 wäre damit in über 98% der Fälle ein Dublin-Verfahren sinnlos gewesen, da selbst bei festgestelltem Ersteinreiseland eine Dublin-Überführung nicht zulässig gewesen wäre. Dies zu benennen ist aber politisch ungewollt, ebenfalls ungewollt ist es, der Öffentlichkeit mitzuteilen, daß nach Art. 17 Dublin-III-VO sogar die Aussetzung des Dublin-Verfahrens rechtmäßig war, denn damit verlöre ja das Argument des rechtswidrigen Handelns an Gewicht.

Spätestens seit 1997 ist bekannt, daß die NSA massiv Wirtschaftsspionage etc. in Deutschland begeht, doch lieber zeigt man gegen 2010 eine überraschte und empörte Regierung. Es wäre auch etwas ungünstig zu sagen, daß es seit spätestens Ende des 20. Jahrhunderts unter Duldung durch die Politik erfolgte.

Würde man nun die Christenverfolgung im nahen Osten deutlicher thematisieren, kämen auch die Türkei und andere Staaten nicht gut weg, was das Verhältnis zu diesen Staaten gefährden könnte, zu denen man aber gerade möglichst unbelastete diplomatische Beziehungen benötigt, auch damit die Region nicht vollends "explodiert". Dies ist so betrachtet aus dem Reigen sogar noch die verständlichste Form der Zurückhaltung von Informationen. Dies würde gerade kontraproduktiv wirken, da man Toleranz und Verständnis aufzubauen versucht, was man mit solchen Berichten über Identifikationsschemata zunichte machen könnte.

Information hat auch immer etwas von einer politischen Lenkung und der Fokus wird regelmäßig so gesetzt, daß die Massen "linientreu" bleiben, was durchaus auch vorsätzlich falsche Berichterstattung beinhalten kann. Humanität steht da ziemlich an unterster Stelle, aber wird immer wieder gerne genommen, um sich selber wieder einmal mit frisch poliertem Heiligenschein zu zeigen. Ohne den Glauben der Masse an diesen Heiligenschein hätte man es nicht mehr ganz so leicht, Einfluß auf die Massen zu nehmen. Da sind aber Berichte über Myanmar oder Brasilien politisch weit unverfänglicher und deshalb zu bevorzugen.

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So paradox es klingen mag, aber offenbar interessiert die "tolleranten" Deutschen inzwischen mehr was Wohlbefinden islamischer Flüchtlinge und Extremisten, als das Wohl von Christen, auf deren Lehre wir unser "Werteverständnis" zurückführen.

Wir sind inzwischen zu einem recht sonderbaren, vielleicht sogar einmaligen Volk auf diesem Globus mutiert.

"S'wird böse enden", sagte in solchen Situationen immer einer meiner unvergessenen Lehrer.

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Ja, das ist auch sehr , sehr traurig ! Dann müssen wir eben in unserem Umfeld das Thema benennen . Anregungen dafür gibt es in der Zeitschrift : Open Doors  oder auf deren Internetseite  . Da gibt es auch Aufrufe , wie man helfen kann . 

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Es wird thematisiert. Die Frage ist: Warum kommt diese Meldung nicht jeden Abend als erster Beitrag in der Tagesschau? Die Antwort: Weil sie da nicht hingehört!

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Kommentar von comhb3mpqy
02.02.2017, 22:42

und warum gehört diese Meldung Ihrer Meinung da nicht hin?

3

Das Problem ist, dass da fast jeder verfolgt wird. Inwiefern macht es etwa Sinn, Christenverfolgung in Syrien zu thematisieren?

In der Türkei gab es ja noch Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, aber das ist wohl auch keinen Optimismus mehr wert, zumindest kurz- und mittelfristig.

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die wollen doch in die EU!

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Das ist die Folge der zunehmenden Islamisierung unserer Gesellschaft. Man sagt einfach nichts gegen muslimischen Länder, auch wenn Menschenrechtsverbrechen dort an der Tagesordnung sind.


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