Warum werden böse orte erinnert ?

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Von Experte Udavu bestätigt

Es ist in der Tat beeindruckend leicht, sich im Alltag nicht mit unserer Vergangenheit zu beschäftigen. Unsere Gedenkkultur aufrechtzuerhalten, das ist immer Aufgabe der anderen gewesen. Mahnmale wurden von Initiativen oder Künstler initiiert, gebaut und gepflegt. Reparations- und Entschädigungszahlungen entschieden Politiker. Einige Tage im Jahr treffen sich Menschen, um Stolpersteine zu putzen, aber die restlichen 360 Tage liegen sie einfach dort, während wir unserer Arbeit nachgehen, irgendwie unseren Lebensstress bewältigen müssen. Die Schuld der Deutschen ergibt sich nicht aus der Tatsache, dass sie Deutsche waren, sondern vielmehr aus ihrer stillschweigenden Komplizenschaft mit den Nationalsozialisten, die viel weiter verbreitet war, als es sich die Deutschen eingestehen wollten und auch heute noch wollen! Heute unterstelle ich nicht einmal eine böse Absicht, es ist vielmehr die Lücke an Kenntnis vieler Zusammenhänge.

Jedem muss klar sein das die Geschichte des Nationalsozialismus mehr ist als Machtergreifung, Judenverfolgung, Krieg und Niederlage. Jedem muss ins Gedächtnis gebracht werden, dass das deutsche Volk von den Nationalsozialisten korrumpiert wurde, indem es mit sozialen Wohltaten überhäuft und dem kleinen Mann unerreichbare Aufstiegschancen geboten wurden, mit einer als gerecht empfundenen Steuerpolitik - nach oben umverteilt, durch Bereicherungsmöglichkeiten aus arisiertem fremdem Eigentum, mit der Lizenz zum "Erbeuten", mit der Aussicht dem durchweg patriotischen Volk den Sieg zu schenken und somit die Schuld von Versailles zu tilgen. Das ist für mich die richtige Erinnerungskultur an die Untaten unserer Vorfahren.

In den letzten drei Jahrzehnten sind zahlreiche Gedenkstätten an Orten des Nazi Terrors entstanden, oftmals auf Initiative lokaler Bürgergruppen. Gut, in Deutschland dauerte es bis in das Jahr 2005, als nach jahrelangen Debatten in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht werden konnte. Drei Jahre später wurde ein eigenes Denkmal zur Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen aufgestellt, und 2012 folgte ein eigenes Denkmal für die Roma und Sinti. Die Tatsache, dass bald auch die letzten Überlebenden des Holocaust gestorben sein werden und sie nicht mehr unmittelbar persönlich Zeugnis vom Geschehen ablegen können, hat einen deutlichen Schub in der Dokumentation ihrer Erlebnisse bewirkt.

Wenige um aus der Geschichte zu lernen, andere kommen wegen dem Nervenkitzel, somit sind alle vorhanden, bis hin zu den Leugnern das Holocaust, die dann etwas anderes gesehen haben wollen, als die Mordtaten dieser Nazis, unter Himmler und Co.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Gerade die dunklen Seiten der Geschichte, sollte den Menschen in Erinnerung bleiben, damit sie nicht zulassen, dass so etwas jemals wieder passiert. Man erinnert daran, damit die Leute es nicht vergessen. Denn machen wir uns nichts vor, Menschen neigen zu Verdrängung und Vergessen. Da möchte man mit solchen Gedenkstätten gegensteuern.

Das hat nichts mit "Vergnügen" zu tun, wenn man an das Leid und den Tod von Millionen Menschen während des dritten Reiches erinnert oder an die menschenverachtende Praxis der Sklaverei. Es ist ein Zeichen von gesellschaftlicher Verantwortung, deren man sich bewusst ist und bleiben möchte. Deswegen gibt es solche Orte.

Hast du Auschwitz schon einmal besucht? Die Ausstellung lässt alles andere als ein Vergnügen aufkommen. Wenn du einigermaßen empathisch bist, wird dir der Aufenthalt eher wie eine Tragödie vorkommen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Langjährige Erfahrung

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