Warum werden bei Feminismus-Debatten oftmals die Kinder überhaupt nicht berücksichtigt?

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Feminist*innen sind dafür, dass man eine Wahl hat.

Deine Mutter hat eine Wahl getroffen. Das unterstützen Feminist*innen. Eben dass man sich frei entscheiden kann. Anti-Feminist*innen sind gegen diese freie Entscheidung und möchten, dass je nach Geschlecht eine bestimmte Rolle zugewiesen wird.

Anti-feministisch ist es deswegen zum Beispiel, dass man davon ausgeht, dass es natürlicherweise die Mutter sein sollte, die zuhause bleibt, und nicht der Vater. Dass man sogar gar nicht daran denkt, dass es im Entferntesten auch genauso die Rolle des Vaters sein könnte, die Kinder zu erziehen.

Meine Mama war fest im Beruf, wir sind 5 Geschwister, und die Elternzeit hat bei uns unser Papa genommen.

Das ist eben Feminismus. Dass jeder Mensch (egal, welches Geschlecht) sich entscheiden kann, ob man Karriere machen will oder mehr zuhause bleiben will oder eine Mischung dazwischen machen will.

Das heißt nicht, dass es den Kindern dadurch schlechter gehen würde. Ich habe auch nie gehört, dass Feminist*innen behaupten, das Kindeswohl wäre weniger wichtig.

So wie du deine Frage schreibst, klingt das irgendwie so, als würdest du davon ausgehen, dass es immer die Frau ist, die sich entweder für Beruf oder für Kinder entscheidet. Was ist mit dem Mann? Der entscheidet sich auch. Und wenn er sich für den Beruf entscheidet, findet das niemand schlimm, weil er ja ein Mann ist. Das ist halt nicht fair, finde ich. Alle Geschlechter sollten fair behandelt werden. Natürlich kann nur die Frau das Kind auf die Welt bringen, aber später dann (du hast ja Hort und so erwähnt) könnten beide Elternteile das gleich gut. Sie sollen sich das so aufteilen dürfen, wie sie möchten.

Meine Mutter zum Beispiel hat auf ihren Beruf verzichtet, um sich um uns zu kümmern. Und das hat sie nicht gemacht, weil sie sich irgendeinenem Patriarchat unterworfen hätte, sondern aus Liebe zu uns.

Ist doch auch in Ordnung, so lange sie das freiwillig tut. Demgegenüber wäre es unangebracht das von dritter Stelle von ihr zu verlangen.

Die Klamotte ist heut nicht mehr wirklich aktuell. Bis weit in die 1960er Jahre hinein war die Gesetzeslage in Deutschland aber einmal so, dass Frau ohne schriftliche Erlaubnis ihres Ehemanns keinen Beruf ergreifen durfte und sobald sie Mutter wurde zwangsweise auch aus einigen Berufsfeldern ausscheiden musste (Lehramt z.B.), völlig egal ob sie das wollte oder nicht.

Insofern hat das einen historisch nicht ganz unberechtigten Hintergrund, der wie gesagt nicht mehr der heutigen Gesetzeslage entspricht, aber es gibt immer ein parar Knallköpfe, die nicht begreifen können oder wollen, dass sich die Zeiten geändert haben und dass Proteste, die vor Jahrzehnten mal berechtigt waren, heute weitgehend dummes Zeug darstellen.

Was die Strukturen hinsichtlich "Patriachat" usw. angeht, hat das sicherlich bei unserem Migranten aus dem nahen Osten noch eine gewisse Berechtigung. Im Hinblick auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft ist es aber einfach nur noch Quark.

Ich spreche jetzt mal aus der Perspektive des aus deiner Sicht vernachlässigten Kindes. Meine Mutter ist nach meiner Geburt ziemlich schnell wieder arbeiten gegangen. Bis ich 3 war, war ich bei einer Tagesmutter (kann mich kaum dran erinnern) danach den ganzen Tag im Kindergarten. Und ich habe es geliebt. Als Einzelkind war ich froh im Kindergarten immer jemanden zum Spielen gehabt zu haben. Das gleiche gilt für meine Grundschulzeit, in der ich nachmittags in einem Hort war. Auch viele meiner Freunde waren dort und so hatte ich wieder den ganzen Tag Leute zum spielen. Das essen wurde übrigens sowohl im Kindergarten als auch im Hort vor Ort frisch gekocht. In der weiterführenden Schule gab es dann eine Übermittagsbetreung. Anfangs war die echt kacke weil es keine richtigen Räume etc gab, aber solange da andere Kinder waren war das ja schon fast egal. Da kann man sich immer irgendwie beschäftigen. Das essen was es in der Kantine gab war da allerdings tatsächlich deutlich schlechter als in den Einrichtungen zuvor. Trotzdem war es mit Sicherheit gesünder als die Pommes, die die anderen sich an langen schultagen immer in der Pause geholt haben... irgendwann wurde ich eigentlich zu alt für die Übermittagsbetreuung und ich hätte stattdessen auch nach Hause fahren können. Habe ich aber freiwillig nicht, weil ich mich mit den Betreuern so gut verstanden habe (mit einer habe ich bis heute Kontakt). So bin ich letztendlich bis zur Hälfte der neunten Klasse (bis zu meinem Auslandsaufenthalt) dort geblieben.

Ich kann verstehen, dass du das so wie es bei dir war gut gefunden hast. Aber du hast keinen Vergleich und deshalb finde ich es ungünstig in dem Zusammenhang über Kindeswohl, schlechtes Essen und ungehörte Sorgen der Kinder zu sprechen. Kinder können durchaus auch in Betreuungseinrichtungen glücklich sein und sich gut entwickeln (zumindest fühle ich mich weder schulisch noch sozial/emotional benachteiligt).

Ich stimme dir zu, jeder soll es so machen wie er kann und möchte, aber dann bitte auch wertfrei in BEIDE Richtungen! Es muss ja nicht zwangsläufig eins schlechter sein als das andere. Das ist im individuellen Fall verschieden.

Ich habe von nichts mitbekommen, wo Feminismus über das Kindeswohl gestellt wird. Wie meinst du das?

Deine Mutter hat sich sehr gut um euch gekümmert. Allerdings hat man im Hort Umgang mit anderen Kindern und lernt soziale Kompetenzen. Und das Essen ist nicht so schlecht, da muss man seine Anforderungen halt nur ein bisschen runterschrauben.

Ich verstehe auch nicht, warum dir Frauen, die zu Hause bleiben statt Karriere zu machen, sympathischer oder besser erscheinen. Wenn eine Frau keine Kinder will, ist das völlig in Ordnung. Wenn eine Frau ihre Karriere nicht zugunsten ihrer Kinder aufgeben will, ist das verständlich; denn wie schon genannt, was ist, wenn eine Trennung erfolgt? Wenn eine Frau ihre Arbeit an den Nagel hängt, ist sie auf das Geld ihres Partners/ ihrer Partnerin angewiesen.

Ich finde es okay, wenn sich eine Mutter entscheidet, zu Hause zu bleiben. Aber Menschen, die genau das von einer Frau erwarten, im Thema "Was?! Du arbeitest? Eine Frau sollte ihre Kinder erziehen", haben einfach nur eine völlig veraltete und antifeministische Ansicht, die ich nicht gutheiße.

ich habe ja keine ahnung, was sich manche menschen unter feminismus vorstellen aber für mich steht das kindeswohl nicht dem feminismus und umgekehrt im wege.

wenn es allerdings darum geht, seine eigene vorstellung seines lebens egoistisch durchzusetzten, obwohl man eine verantwortung für einen anderen menschen eingegangen ist, der von den menschen vollumfänglich abhängig ist, dann hat das für mich nicht viel mit feminismus zu tun.

allerdings .... nicht die mutter allein ist für das kindeswohl zuständig und was kindeswohl letztendlich bedeutet, das ist auch eine ganz komplizierte kiste für viele. jedenfalls bedeutet es nicht, dass mutti zuhause hocken muss, damit die kinder ausreichend gemüse zu essen bekommen. ;)

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