Warum werden arme Menschen ausgelacht?

21 Antworten

Hallo Selmos11,

vielen Dank für deine Frage, mit der du ein ständig wachsendes Problem in unserer Gesellschaft ansprichst.

Wie SoulandMind bemerkt, ist das Erleben von Armut subjektiv. Aber es ist gesellschaftlichen Ursprungs. Und so sind auch die Vorurteile gegenüber Armen subjektiv – und wurden zugleich gesellschaftlich hervorgebracht, erfüllen eine gesellschaftliche Funktion.

Wenn ich mich abfällig über arme Menschen äußere, dann gehöre ich sicher nicht zu den Armen. Und die Eigenschaften, die ich den Armen dann zuspreche, sind sicher Eigenschaften, die ich bei mir nicht entdecke.

Beispiele für – ich möchte sagen – verdeckte Abwertungen der Armen finden sich in vielen Antworten auf deine Frage:

- Menschen die das System ausnutzen und nicht wirklich arbeiten wollen. juergen63225

 - wer aber hofft, vom Staat durchs Leben "getragen" zu werden, hofft vergebens. SoulandMind

 -Was niemand "fördern" kann ist das du deinen eigen A.sch hebst und schaust wie du einen besseren Weg findest. Ursusmaritimus

Aber wenn man immer nur auf Armut und schlechte Noten sitzt, anstatt sich überlegt, was man tun kann, dann wird das auch nichts. Turbomann

Solche Akzentuierungen tragen dazu bei, die Wirklichkeit der Armut in Deutschland zu verschleiern.

Wenn 2017 19,7% der Bevölkerung von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind, und die „Armutsgefährdungsquote von 2005 bis 2017 von 14 auf 15,7% gestiegen ist, dann sollte sich die Aufmerksamkeit auf besorgniserregende gesellschaftliche Veränderungen richten, statt die Schuld bei den Betroffenen zu suchen.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72188/umfrage/entwicklung-der-armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland/

Menschen, denen aufgrund ihrer Armut die Teilhabe am sozialen Leben in vieler Hinsicht erschwert oder gar unmöglich gemacht wird, leiden ständig unter offener oder verdeckter Diskriminierung.

Warum diese Diskriminierung?

In unserer Gesellschaft besteht ein oft unerbittlicher Leistungsdruck vor dem fast jeder Angst hat. Wenn ich mir nun sage, dass nur die an den Rand gedrängt werden, die „den A.sch nicht heben“, die sich nicht anstrengen, dann fühle ich mich sicherer in meiner Haut, weil ich ja natürlich nicht zu den Faulpelzen gehöre, die „das System ausnutzen“ wollen.

Michael Steinbrecher hat in seinem letzten „Nachtcafé“ Menschen, die in Armut leben, zu Wort kommen lassen.

Es ist ein bewegendes und erschütterndes Dokument über Armut in Deutschland. Wer diese Sendung auf sich wirken lässt, wird hoffentlich nicht mehr in der Lage sein, solche Verhaltensweisen zu zeigen, die du, Selmos11, mit Recht verurteilst.

http://www.ardmediathek.de/tv/NACHTCAF%C3%A9/Arm-in-Deutschland/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=247716&documentId=51626908

 

Nur Dummköpfe lachen über die Einschränkung anderer.

Dabei wird die Diskussion häufig von Überheblichkeit und Hochmut geprägt, weil offenbar die Einsicht oder die Erkenntnis fehlt, dass Armut jeden treffen kann und Erfolg nicht unbedingt das Ergebnis der eigenen Leistung, sondern der zufälligen Möglichkeiten und Glück ist.

Menschen, die in ihrem Handlungsspielraum - sei es durch finanziellen oder auch gesundheitlichen - Eingeschränkt sind, haben oft nicht die Möglichkeiten sich gegen ungerechtfertigte Vorhaltungen/Vorurteile wirkungsvoll zu wehren.

Natürlich gibt es Wege aus der Armut, aber kein leider kein Patentrezept.

Armut ist immer ein subjektives Empfinden und es kommt wohl auch immer darauf an,mit wem man sich vergleicht.

Gegen einen Rockefeller sind wir wohl alle "arm" und klagen hier aber auf hohem Niveau.

Betrachte ich aber mal die Seite, dass wir es uns "leisten" können, jedes Jahr 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel wegzuschmeissen, kann es uns soo schlecht nicht wirklich gehen.

Die Deutschen sind mit die Spendenfreundlichsten überhaupt. Schau Dir mal die Statistiken dazu an....

In meinen Augen ist die Behauptung, die Ärmeren würden ausgelacht und runtergemacht, nicht richtig.

Es gibt in Deutschland mit Sicherheit soziale Ungerechtigkeit,wie überall auf der Welt; wer aber hofft, vom Staat durchs Leben "getragen" zu werden,hofft vergebens.

Alles Gute!

Guter Beitrag.

Aber ich musste schmunzeln bei

", jedes Jahr 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel wegzuschmeissen, "

Da steht doch tatsächlich das mein Meersalz im Juni 2018 abläuft.

Und das wahre seltsame ist :

Von diesem Salz enthalten laut Inhaltsangabe:

100g Salz enthalten 96,8g Salz. Sonst aber nichts ??

Ok. Das man in unseren breiten sowas nicht versteht ist klar weil wir werden dazu erzogen Nahrungsmittel auf Verdacht wegzuwerfen.

Aber ich musste in dem Moment lachen 🤣

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Es wird immer Leute geben, die dumm und oberflächlich sind, weil sie Menschen die arm sind auslachen.

Kommt auch darauf an, warum diese Leute arm sind.

Wenn jemand z.B. gesund ist und nur zu faul war fleissig zu lernen, damit er eine gute Berufsausbildung hinlegen kann und dann später seinen Arbeitsplatz verliert, ohne sein eigenes Verschulden, dann kann er nichts dafür.

Aber er kann dann etwas dafür tun, dass er da wieder rauskommt.

Aber wenn man immer nur auf Armut und schlechte Noten sitzt, ansatt sich überlegt, was man tun kann, dann wird das auch nichts.

Bei der Arge gibt es Computer, die haben Stellenangebot in ihrem Programm, da kann man kostenlos durchschauen.

Ich persönlich lache arme Menschen nicht aus, aber einige regen mich auf.
Wer keinen Schulabschluss und dadurch keine Ausbildung hat, ist an seiner Armut selber schuld. Wer nicht als Hilfsarbeiter arbeiten will, weil er dann nicht als Fachkraft bezahlt wird, ist auch selber Schuld. Wer arbeiten kann, aber keine Lust dazu hat, ist auch selber schuld. Es gibt ja auch viele, die plötzlich Krankseins und nicht mehr arbeiten können. Diese Menschen, würden Rente bekommen, allerdings nur, wenn sie vorher mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hätten (also fünf Jahre gearbeitet). Wer das nicht gemacht hat, ist selber Schuld. Wer sein ganzes Leben nur halbtags gearbeitet hat, der bekommt logischerweise nur eine kleine Rente (wessen Schuld ist das?).
Ich selber hab einen guten Schulabschluss, studiert, hab 30 Jahre gearbeitet, bin jetzt (mit 50) EU- Rentner. Ich kann von meiner Rente gut leben, hab sogar noch eine minderjährige Tochter im Haushalt. Vor acht Jahren würde ich geschieden, hatte zwei Kinder im Haushalt und bin weiterhin arbeiten gegangen. Ich bin also auch deswegen nicht in die Armut gerutscht.

Mich regt so ein arrogantes, selbstgefälliges Gebrabbel auf.

Es gibt eine Menge Akademiker, die sich von Praktikum zu Praktikum, von Hilfsjob zu Hilfsjob schleppen, weil sie nicht wie du in rosigen Zeiten geboren wurden und sich darauf noch etwas einbilden.

Auch gibt es Menschen, die nicht nur 30 Jahre arbeiten, sondern nach 45 und mehr Berufsjahren noch immer mehr als 8 Stunden arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt trotz Rente zu verdienen.

Es gibt auch viele alleinerziehende Menschen, die keine Chance auf einen Vollzeitjob, oder eine gute Bezahlung hatten.

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