Warum werden aggressive Totschläger weniger hart bestraft als Mörder?

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11 Antworten

Hallo! 

Eine Tötung ist immer dann ein Mord, wenn sie gem. § 211 StGB zumindest ein normiertes Mordmerkmal erfüllt, z.B. Habgier. 

Somit unterscheiden die Mordmerkmale den Totschlag i.S.d. § 212 I StGB vom Mord i.S.d. § 211 StGB. Sie stellen ein "mehr" an Unrecht dar, was letztendlich den im Verhältnis zum Totschlag erhöhten Strafrahmen rechtfertigt. 

1.Die Planung vom Vorfeld des Tötens ist kein Unterscheidungskriterium zwischen Totschlag und Mord. Auch müssen beide Täter gleichermaßen vorsätzlich handeln.

2.Die Gefährlichkeit des Täters hat bei der Bildung der Strafe im Einzelfall keine Bedeutung. Strafzumessung orientiert sich an dem verwirklichten Unwert und den weiter in § 46 StGB genannten Punkten. Sicherungsaspekte werden durch die Maßregeln der Besserung und Sicherung aufgegriffen (insb. Sicherungsverwahrung).

3.Ganz klar verwirklicht der Mörder ein "mehr" an Unrecht als der Totschläger. Daraus - innerhalb von moralischen Kategorien - auch ein "mehr" an Verabscheuungswürdigkeit zu ziehen, wäre zu pauschal und hängt ohnehin von dem Betrachter ab: Auch kann ein Mord moralisch nachvollziehbar sein, vgl. Haustyrannenfall, unbeschadet der Rechfolgenlösung des BGH.

4.Die Rückfälligkeit eines Täters hängt nicht davon ab, ob er wegen Mord oder Totschlag verurteilt wurde. Es kommt auf andere Aspekte, wie z.B. die bisherige Sozialisation des Täters und die Tatumstände, an.

Das ist meine persönliche Meinung, ich hoffe ich konnte damit weiterhelfen!

Mit freundlichen Grüßen, Onlylaw

Wir reden hier von den §§ 211 und 212 StGB. 

Der Mordparagraf, der § 211 StGB definiert den Mord aufgrund besonderer Begehungsmerkmale, nicht nach der Absicht, die hinter der Tat steht. Dadurch kann es zu sehr harten unverhältnismäßigen Strafen kommen, denn die Strafandrohung ist immer lebenslange (=zeitlich nicht bestimmte) Strafe.

Der Totschlag, § 212 StGB, umfasst andere Tötungsdelikte, solange es kein Mord ist. Dessen Strafandrohung ist weniger hoch als bei Mord, egal mit welcher Absicht der Täter handelt. 

Der Justizminister arbeitet derzeit daran, den Mordparagrafen umzuändern, gerade wegen der Ungerechtigkeiten in der Steafandrohung. Hoffentlich hat er Erfolg dabei.  

Ja solche Angriffe werden meist als Totschlag gewertet:

http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/sonstige/artikel/versuchter-totschlag-freiburger-neonazi-nach-auto-anschlag-erneut-vor-gericht.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/offensichtliche-faelle-mit-massiver-gewalt-taeter-pruegeln-alkoholkranke-maenner/7959230.html

http://www.opferfonds-cura.de/zahlen-und-fakten/erinnerungen/mai/andre-k/

http://www.opferfonds-cura.de/zahlen-und-fakten/erinnerungen/mai/sven-m/

http://www.opferfonds-cura.de/zahlen-und-fakten/erinnerungen/august/marcel-w/


Von außen betrachtet kann man sich kaum vorstellen, was noch niederträchtiger sein soll, als wenn so ein Neonazi einen Jugendlichen die Kehle bis zur Wirbelsäule aufschlitzt und die Leiche in einen Busch wirft (siehe letzten Link). Diese exzessive Gewalt ist nichts Neues aber erschüttert doch immer wieder.

Aus meiner Sicht gibt es auch kaum stichhaltige Gründe für die Unterscheidung zwischen zwei Delikten. Natürlich bedarf es einer Unterscheidung wie planvoll der Täter vorgeht und welche Motive ihn antreiben. Aber dafür braucht es keine Unterscheidung in zwei Delikte.

Auch dass in der Bevölkerung kaum jemanden die Unterschiede auch nur grob bewusst sind zeigt, dass hier das Strafrecht reformiert werden sollte. Härtere Strafen machen bekanntlich keinen Sinn. Aber ein klares Strafrecht sollte sein und vor allem sollte das Verhältnis des Strafmaßes untereinander zusammen passen.

Die derartige Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag wie sie bei uns gemacht wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Gerade der Mord zielt auf den Tätertyp, nicht auf die Tatabsicht ab.  

Manche Gerichte machen die tollsten Bocksprünge,und biegen den Fall zurecht, um einen (nach den Buchstaben des Gesetzes) Mörder als Totschläger bestrafen zu dürfen. Man denke nur an die Ehefrau, die ihren gewalttätigen Mann hinterrücks und aus Verzweifelung mit der Bratpfanne ermordet. Sie müsste lebenslang hinter Gitter.

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Mord ist ziemlich klar geregelt.

1. Tötung zur Verdeckung einer Straftat (deshalb muss ein Mord nicht geplant sein, denn das ist oft spontan)

2. Tötung heimtückisch und/oder eines arg- und wehrlosen Opfers

3. Tötung aus niederen Beweggründen, oder zur Befriedigung der Mordlust, bzw. aus sexuellen Motiven.

Totschlag ist erstmal jede Tötung, die kein Mord ist.

Dann gibt es noch die Körperverletzung mit todesfolge

und

die fahrlässig Tötung.

Nun kommt es drauf an. Vermutlich meinst Du mit agggressiven Totschlägern, solche Leute, wie die, die in Bonn den jungen Mann erschlagen haben.

Bei so einer Tat kann eine nähere Prüfung der Tatumstände auch dazu führen, dass es es Mord war. 

Man müsste wissen, wie es dazu kam, denn dadurch, dass es ja mehrere Täter waren, hatte das Opfer eventuell keine Chance sich zu wehren, oder wegzulaufen.

Das Strafmaß bestimmt das Strafgesetzbuch. Nach diesem wir Totschlag geringer bestraft als Mord, denn um die Tötung eines Menschen als Mord zu definieren, bedarf es der gezielten Tötungsabsicht mit entsprechender Vorbereitung. Das muss schon deshalb schwerer bestraft werden, wie in dem Fall immer der Tod des anderen das Ziel ist. Bei einem Totschlag liegt keine unbedingte Absicht und auch keine Vorbereitung darauf vor, sondern geschieht oft aus Affekt und ein Vorsatz ist dadurch auszuschließen.

Die Begründung findet sich im Wort des Affektes.

Ein Affekt ist ein plötzliche situationsbedingte Handlung. Diese Handlung ist zudem emotional stark belastet.

Bei einem geplanten Mord hingegen, haben wir es mit der kaltblütigen Ausführung eines Tötungsdeliktes zu tun.

Der Unterschied findet sich folglich in der geplanten und kalkulierten Ausführung, zum dem im Gegensatz emotionalem Geschehen einer Untat.

Nein.

Mord kann genauso im Affekt geschehen. Lediglich eines der Mordmerkmale muss erfüllt sein.

Und Totschlag kann kaltblütig geplant sein. Totschlag setzt keineswegs einen Affekt voraus. Ein Totschlag im Affekt ist ein Fall des minderschweren Totschlags.

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@DreiGegengifts

Sicherlich können wir die Besonderheiten des Strafgesetzbuches auch noch herausarbeiten, was aber letztendlich den Rahmen des Forums sprengen würde. Fakt ist, Mord wird höher bestraft als Totschlag.

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@1988Ritter

Alles was du geschrieben hast ist falsch. Darauf wollte ich nur sicherheitshalber hinweisen, nicht dass das noch jemand glaubt.

Die Begründung findet sich im Wort des Affektes.

Falsch.

Bei einem geplanten Mord hingegen, haben wir es mit der kaltblütigen Ausführung eines Tötungsdeliktes zu tun.

Falsch. Mord kann genauso im Affekt passieren. Und Mord muss keineswegs kaltblütig sein.

Der Unterschied findet sich folglich in der geplanten und kalkulierten Ausführung,

Falsch. Die Planung und Kalkulation einer Tötung sind keine Mordmerkmal.

zum dem im Gegensatz emotionalem Geschehen einer Untat.

Falsch. Ein Totschlag kann auch kühl berechnet sein. Und im Gegenzug kann ein Mord auch aufgrund einer emotionalen Kurzschlussreaktion geschehen.

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Der Affekt hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Unterschied zwischen Mord und Totschlag zu tun. Affekt hat nur was  mit der Schuldform zu tun.

Die richtige Beantwortung der Frage wäre in der weltfremden Gesetzgebung zu den Tötungsdelikten zu suchen. 

Totschlag kann brutal und mit niederer Gesinnung ausgeführt werden und wird dennoch milder bestraft als der verzweifelte Mord der gequälten Ehefrau. 

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Es gibt da den intentionellen Unterschied. Ein Totschläger bringt sein Opfer nicht gezielt, nicht geplant um, sondern eher "aus Versehen". Ein Mörder tötet eine Person vorsätzlich und gewollt. Natürlich macht beides für das Opfer keinen Unterschied, es geht aber um die Motivation.

Falscher gehts kaum noch.

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@OhneRelevanz

Totschlag geschieht immer mit Vorsatz. Wenn es keinen Vorsatz gibt, kommt  eine Körperverletzung mit Todesfolge (Schlägerei mit Fäusten) in Betracht oder eine fahrlässige Tötung (Straßenverkehr).

Einen Totschlag kann ich auch 10 Jahre vorher planen. Geht ohne Probleme.

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Und wo liegt dann genau der Unterschied zwischen Totschlag und Mord?
(Ich dachte eigt es wäre so wie "OhneRelevants" sagte)

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Der Innenminister möchte doch gerade diese Problematik ändern:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/strafrecht-heiko-maas-mord

Das Kriterium der "Heimtücke" bei Mord betrifft ja eben die jahrelang misshandelte Frau. Weil sie Angst vor dem Mann hat, tötet sie ihn im Schlaf. Das ist eben heimtückisch.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/strafrecht-heiko-maas-mord

Der Innenminister möchte doch gerade diese Problematik ändern.

Sorry, aber dazu ist die Misere nicht der Richtige. Zur Gesetzesänderung braucht's jemanden in einem anderen Amt und mit Köpfchen. 

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Ja hier ist es so, dass die Rechtssprechung leider davon ausgeht, dass jemand der dazu Inder Lage ist einen Nord zu planen auch ein zweites Mal dazu fähig wäre.

Ein totschlag der quasi nicht geplant war sondern nur aus einem eskalierten Gewaltakt resultierte, wird weniger hart bestraft weil der Totschläger ja nicht mit dem Plan zu töten die Flasche oder die Faust erhoben hat.

Ich finde es gut dass Mörser härter bestraft werden, denn wenn du einen Menschen der dich eventuell auf das übelste beleidigt schubst und er mit dem Hinterkopf aufschlägt und an Hirnblutungen stirbt dann ist es schon gut das in der Rechtssprechung unterschieden wird.

Ich finde allerdings, dass Dinge wie Alkohol und "sich nicht im Griff haben" nicht zu sehr als Entschuldigung gelten sollten.
Wer trinkt und jemanden im Rausch erschlägt ist meiner Meinung nach für sein handeln verantwortlich es hat ihn ja keiner gezwungen zu trinken

weil der Totschläger ja nicht mit dem Plan zu töten die Flasche oder die Faust erhoben hat

Doch natürlich. Wenn jemanden dem anderen die Kehle aufschlitzt, würdest du nicht sagen, dass die Tötung gewollt war?

http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/mutter-kehle-durchgeschnitten-zwoelf-jahre-haft-wegen-totschlag-zwangsweiser-alkoholentzug-ohne-therapieerfolg-keine-freiheit-d1466884.html

Totschlag ist immer vorsätzlich. Ohne Tötungsabsicht gibt es auch keinen Totschlag sondern nur eine Körperverletzung mit Todesfolge.

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Das ist deine Sicht der Dinge die Rechtssprechung eine andere.

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Erst einmal ist der Unterschied zwischen Totschlag und Mord, dass Totschlag spontan passiert und Mord von langer Hand geplant ist. Deshalb ist ein Mörder auch gefährlicher, weil er das alles schon geplant hat, so werden diese auch mehr verabscheut.

Totschlag gescieht oftmals im Affekt, ist daher oftmals nicht geplant. Mord hingegen geht eine Planung, eine Absicht voraus, also mehr als nur eine Affektangelegenheit.

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