Warum weine ich immer wenn ich mit meinem Vater diskutiere?

7 Antworten

Hi,

ich kann mich ja gar nicht erinnern, diesen Text geschrieben zu haben;-)

Natürlich war mein Vater kein Kampfsporttrainer, aber ansonsten hätte diese Nachricht damals wirklich von mir sein können. Bei dem einen Rhetorikwettbewerb habe ich verdammt gut abgeschnitten, zwei Bundestagsabgeordnete sind durch mich schon ins Wanken geraten und mit meiner ruhigen Art zu debattieren kann ich schnell unvoreingenomme Menschen überzeugen. Wenn ich dann allerdings mit meinem Vater stritt, liefen mir vor Wut noch mit 17 die Tränen über das Gesicht und des Öfteren fing ich sogar an, herumzubrüllen.

Keine Sorge, mit dir ist alles in Ordnung - mehr als in Ordnung. Wer sich merkwürdig verhält, bist nicht du, sondern ist er! Du bist 16 Jahre alt, also kein kleines Kind mehr, wirst langsam erwachsen, triffst eigene Entscheidungen und kannst selbst über dich bestimmen. Auf mich wirkt es so, als hättet ihr beide eine sehr enge Bindung und als fiele es ihm einfach schwer, loszulassen; als würde er wollen, dass du einfach immer "sein kleines Mädchen" bleibst. Mir kommt es so vor, als würde er dich über alles lieben und käme einfach mit der Situation nicht zurecht, ohne sich dessen bewusst zu sein und als könnte er das auch nicht einsehen. Wenn er gerade Mitte 40 bis Anfang 50 sein sollte, könnte er sich außerdem vielleicht gerade in der Midlife-crisis befinden.

Wie kommst du jetzt aber mit der Situation zurecht? Hier sind ein paar Dinge, die bei mir wunderbar funktioniert haben:

1. Versuche, am besten gar nicht mit ihm zu debattieren. Wie geht das? Ganz einfach:

Bitte ihn nicht um Erlaubnis, sondern informiere ihn lediglich ohne ihm die Möglichkeit zu geben, zu antworten.

- Du willst abends irgendwo hin, jemanden besuchen / auf ein Fest?Zieh dir Jacke und Schuhe an, hänge einen Zettel an die Tür "Hi Papa, mach dir keine Sorgen, ich bin um 11 wieder zurück" und gehe einfach. Leg dein Handy am besten auf den Küchentisch. Falls du dir Sorgen machst, dass er an dein Handy gehen könnte (hätte mein Vater nie gemacht), dann schließ es in dein Zimmer ein. Ruf ganz laut "Tschüß!", bevor du aus der Haustür gehst.

- Du kommst später als gedacht nach Hause? / Du machst mit anderen Leuten spontan etwas? Schreib ihm eine kurze Nachricht mit dem Handy und stelle es anschließend aus!

["Warum hast du nicht reagiert?" - "Weil mein Handy aus war." "Warum war dein Handy aus?" - Stirnrunzeln, irritierter Blick, beschäftigt wirken "Weil ich es ausgeschaltet habe." - "Warum hast du deine Handy ausgeschaltet?" - hochgucken, vollkommen irritierter Blick, "Warum nicht???", den Kopf schütteln und einfach gehen. Das Gehen ist besonders wichtig.]

2. Entwöhne ihn langsam von dir! Sei nicht immer für ihn erreichbar, indem du allgemein dein Handy immer mal wieder ausschaltest / zu Hause liegen lässt. Du könntest dir ein Hobby ohne ihn suchen, dich mehr mit Freunden woanders treffen. Falls du einfach zu wenig Zeit haben solltest: Bleib länger in der Schule, um dort noch Hausaufgaben zu machen.

3. Lüg ihn auf keinen Fall an! Das sorgt nur und ständig für Streit.

4. Lass dir am besten alle Informationen aus der Nase ziehen. Wenn er fragt, was du machst, wo du hinwillst, wo du warst und es so wirkt, als könnte es zu einem Streit kommen, beantworte ganz konkret seine Fragen.

Du willst nicht antworten? Dann frag: "Wieso?" Vielleicht sagt er dir dann auch, dass du ihm wichtig seist, dann umarme ihn und gibt ihm einen Kuss auf die Wange;) Sag am besten noch "Ich habe dich auch lieb.";)

5. Wenn du zu ihm zum Training kommst, ihn morgens siehst oder wenn du nach Hause kommst: Begrüße ihn! Sag ganz bewusst und laut "Hallo!" / "Guten Morgen!" oder ähnliches zu ihm und lächele dabei. Das Lächeln ist sehr wichtig. Wenn dir mal danach sein sollte, füg hin und wieder ein "Schön, dich zu sehen!" an.

6. Falls es doch zu Debatten kommen sollte:

- falls du es vorher weißt: Schreib dir ausnahmsweise eine Stichpunktliste mit deinen Hauptargumenten

- versuch, so wenig wie möglich zu sagen:

i) Unterbrich ihn nicht, lass ihn einfach seine seltsamen Argumente ausführen

ii) Bringe ihn dazu, von sich aus von dir eine Antwort einzufordern. Bevor du dann etwas sagst: Atme einmal sehr laut langsam ein und aus, schließe für zwei Sekunden die Augen und fange erst dann an, zu sprechen.

iii) Unterbricht er dich? Sag Sätze wie "Ich habe dich ausreden lassen. Lass mich bitte auch ausreden."

iv) Geh auf seine seltsamen Argumente am besten gar nicht ein, sondern konzentriere dich auf das Thema, worum es im Gespräch geht.

v) Beuge dich im Gespräch ein wenig nach hinten, verschränke die Arme und versuche es mit einem ausdruckslosen Blick

vi) Dir wird gerade alles zu viel? Du bist schon wieder in der selben Situation und die Tränen kommen hoch? Stopp! Sag nichts, reagiere nicht, konzentriere dich nicht mehr auf das, was passiert, sondern mach die Augen zu und denke nur noch "Einatmen - Ausatmen - Einatmen - Ausatmen"

vii) Wenn du merkst, dass das Gespräch zu nichts führt oder mehr Ärger macht als bringt, sag einfach: "Ich kenne jetzt [...]. Bis dann, ciao!", steh ggf. auf, dreh dich um und geh einfach. Setze für [...] Dinge ein wie Hausaufgaben machen, Essen machen, in mein Zimmer ein Buch lesen, raus und spazierern, in die Stadt und treffe mich mit einer Freundin. Sollte er "Warte" / "Wir sind noch nicht fertig" oder ähnliches rufen, ignoriere es und geh einfach weiter. Dann hat er zwei Möglichkeiten: 1. Er lässt dich gewinnen 2. Er rennt dir hinterher und macht sich damit selbst lächerlich. Falls er am ausflippen sein sollte, sag freundlich: "Du reagierst gerade emotional etwas über." Du kannst also nur gewinnen;-)


Diese Dinge haben für die Jahre auch für längere Zeiträume für deutliche Verbesserungen gesorgt. Wirklich langfristig können sie das Hauptproblem aber natürlich nicht lösen. Seit ich ein paar hundert Kilometer entfernt wohne, sind wir allerdings ein Herz und eine Seele:-)

So ein Problem wird vermutlich nicht sofort von heute auf morgen
 verschwinden. Was du da beschreibst klingt sehr verständlich und normal - Diskussionen mit den Eltern, bzw. dem Vater sind nunmal keine Diskussionen "auf Augenhöhe".
Dir sollte klar sein, dass dein Vater dich vermutlich nicht immer ernst nimmt und daher auch nicht notwendigerweise versuch deine Gegenargumente zu entkräften - er ist schließlich der Erziehungsberechtigte und sollte zu einem gewissen Teil sich auch nicht immer umstimmen lassen.

Dass du immer weinen musst aus Zorn oder was was auch immer gibt ihm im diesen Fall - aus seiner Sicht - natürlich Recht. Ich würde dir raten deinen Vater weniger als Autoritätsperson, sondern vielmehr als Diskussionspartner zu betrachten. Das kannst du sogar üben: Unterhalte dich mit ihm einfach mal über ein x-beliebiges Thema wo du und er verschiedene Ansichten haben und geh auf seine Argumente ein und bringe deine vor. Das Thema sollte für dich allerdings möglichst wenig persönliches Interesse haben (Also kein "darf ich da oder dort mit dem und dem hingehen".

Wenn du solche Diskussionen mit deinem Vater führst und du langsam immer sicherer wirst, sollte das Weinen aufhören - außerdem geht dein Vater dann auch mehr auf deinen Standpunkt ein, wenn er sieht, dass du wirklich gut und vernünftig deinen Standpunkt klar machen kannst.

Ich kann mir auch vorstellen, dass dein Vater eine Meinung zu einer Situation hat wie "Mein Kind darf nicht nach 22 Uhr draußen sein" aber er nicht richtig diskutieren und Dinge begründen kann. Daher wird er dann sehr weit weg geholte Argumente herholen wie das mit den betrunkenen Leuten. 

Es kann dann schon mal sein, dass du ihn vielleicht überzeugt hast, er aber trotzdem nicht möchte, dass du als Beispiel nicht alleine nachts draußen sein sollst. 

Dass du weinst kann vielleicht damit zusammenhängen, dass du zum einen enttäuscht bist von seiner Haltung und zum anderen machtlos weil du einsiehst, dass er übermächtig im Vergleich zu dir ist und er am längeren Hebel sitzt. Deine Hoffnung schwindet dann ihn überzeugen zu könnne. Es macht eben ein Unterschied, ob du auf einer Ebene mit deinen gleichaltrigen Klassenkameraden diskutierst, oder auf zwei verschiedenen Ebenen, also zwischen dir und deinem Vater.

Dass du sachlich bleiben möchtest ist völlig okay und auch gut! Vielleicht bist du manchmal etwas zu nett? ;)

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Guten Abend.

Ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll. Ich heiße Marla und werde Mitte Mai 17, besuche die elfte Stufe eines Gymnasiums. Mein bisheriges Leben verlief relativ normal, ohne großartige Vorkommnisse. Noch nie wurde ich mit dem Thema Krankheit oder Tod direkt konfrontiert und habe auch nicht allzu oft daüber nachgedacht- bis letzte Woche. Am Mittwoch, dem 29, April um etwa 19:30 Uhr verstarb meine beste Freundin Luise bei einem Autounfall. Zeitpunkt des Todes war laut Ärzten 19:38 Uhr. Ihr Herz hörte sofort auf zu schlagen, was wohl bedeutet, dass sie keine Schmerzen hatte. Ich stehe immer noch unter Schock und muss mich hierher wenden, da ich nicht weiter weiß.

Luise und ich waren seit dem Kindergarten befreundet. Wir wohnten nur wenige Minuten zu Fuß auseinander, gingen immer in eine Klasse und vebrachten unsere ganze Kindheit gemeinsam. Wir hatten den gleichen Freundeskreis und es gab kaum einen Tag, an dem wir nichts miteinander unternahmen.

Wir waren vom Charakter her unfassbar gegensätzlich. Sie extrovertiert, ich introvertiert. Sie liebte Partys und Sport, ich eher DVD- Abende und Wandern. Sie war laut, ich leise. Sie übermütig und temparmentvoll, ich besonnen und eher ausgeglichen. Obwohl wir unterschiedlicher nicht sein konnten, waren wir trotzdem beste Freundinnen. Wir ergänzten uns perfekt, in jederlei Hinsicht. Wir haben von einander gelernt und sind aneinander und miteinander gewachsen. Sie kannte mich besser als jeder andere Mensch auf der Welt. Keiner von meinen Freunden, konnte alle meine Macken und Geheimnisse beim Namen nennen.

Ich kann nicht glauben, dass sie wirklich tot ist. Dieses Bild ergibt keinen Sinn. Luise war ein so fröhlicher und herzlicher Mensch, der immer für mich und andere da war.

Wir haben unsere ganze Freizeit miteinander verbracht: Beim DVD Schauen, Wandern, Pyjamapartys zu zweit oder mit unseren Freundinnen, beim Kochen. In den Sommerferien gingen wir zusammen mit meinen Eltern zelten oder fuhren mit ihren Eltern irgendwo in die Sonne.

Sie war meine Seelenverwandte und wie eine Schwester für mich. Sie weinte und lachte mit mir. Wir stritten uns (selten) und vetrugen uns. Meine anderen Freunde konnten ihr nie das Wasser halten, was sie auch nicht brauchten. Ich habe abgesehen von Luise noch einen besten Freund aus Kindergartentagen. Die beiden waren die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und nun ist einer von ihnen weg. Luise ist gestorben und ich kann es nicht glauben. Ich will weinen, doch kann nicht. Mein Kopf ist leer und gleichzeitig von so einem starken Druckgefühl erfüllt. Mir ist schlecht und ich kann nichts Essen. Ich starre Löcher in die Luft und warte aufzuwachen. Doch das werde ich nicht. Ich bin zwar nicht alleine, aber ühle mich so. Ich kann mir ein Leben nicht ohne sie vorstellen. Sie hat mich bereichert und ich kann nicht fassen, dass sie tot ist. Ich will sie nicht gehen lassen. Mittwoch ist die Beerdigung und ich habe keine Grabrede. Ich kann nicht.

Marla.

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