Warum waren die Sansculotten für eine Weiterführung der franz. Revolution?

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Hi,

die Sansculottes waren nicht unbedingt für eine Weiterführung der Revolution. Sie waren ärmere Bürger und Arbeiter, die ihre elementaren Forderungen mit der Verfassung von 1791 nicht erfüllt sahen - das Erreichen einer allgemeinen sozialen Gerechtigkeit (im Kontext deines Satzes : sie hatten ihrer Meinung nach nicht genug Mitspracherecht bekommen).

Vielmehr setzten sie auf die Verfassungsvorlage von 1793, welche unter Anderem ein staatliches Schulwesen vorsah, sowie eine Unterstützung der Armen (ebenfalls von staatlicher Seite). Dies hätte den Schichten der Bevölkerung, die sie repräsentierten, wirklich geholfen; dies war es, was sie wollten. Da die Vorlage allerdings nie umgesetzt wurde, versuchten sie in mehreren (letztendlich erfolglosen) Aufständen, eben dies zu erreichen.

Hoffe, dir damit geholfen haben zu können.

Ja hat mir sehr geholfen vielen Dank :)

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Die Verfassung von 1791 war zwar eine Verbesserung gegenüber dem Absolutismus, in dem es keine geschriebene Verfassung gab. Ein Bestandteil der Verfassung von 1791 waren die bereits 1789 erklärten Menschen- und Bürgerechte. Die Standesunterschiede waren abgeschafft. Adel und Klerus hatten keine Privilegien mehr (z. B. auch nicht bei dem Zahlen von Steuern). Die natürlichen und bürgerlichen Rechte wurden als Grundeinrichtungen festgeschrieben. Die Rechte und Freiheiten bedeuten mehr Rechtssicherheit und freie Entfaltungsmöglichkeiten.

Ein direktes politisches Mitspracherecht hatten die Sansculotten durch die Verfassung aber kaum, weil für das Wahlrecht ein Mindestbesitz Voraussetzung war. Das Wahlrecht hatten Männer über 25 Jahren, die eine bestimmte Mindestsumme an Steuern zahlten. Es gab also sogenannte Aktivbürger aufgrund eines Wahlrechts nach Vermögen/Einkommen (Zensuswahlrecht). Die Aktivbürger konnten Beamte, Richter und die Wahlmänner wählen, die dann die Nationalversammlung wählten. Abgeordneter der Nationalversammlung konnte auch nur werden, wer eine Mindestsumme an Steuern zahlte.

III. Von den öffentlichen Gewalten Kapitel I. Von der gesetzgebenden Nationalversammlung Abschnitt II. Urversammlungen. Bestellung der Wahlmänner Artikel 1. „Um die gesetzgebende Nationalversammlung zu wählen, treten die aktiven Bürger alle zwei Jahre in den Städten und den Kantonen zu Urversammlungen zusammen.“

Artikel 2. „Um aktiver Bürger zu sein, ist es notwendig:

als Franzose geboren oder Franzose geworden zu sein,

das 25. Lebensjahr vollendet zu haben,

seinen Wohnsitz in der Stadt oder dem Kanton seit der durch das Gesetz festgelegten Zeit zu haben,

in irgendeinem Orte des Königreiches eine direkte Steuer zu zahlen, die wenigstens dem Wert von drei Arbeitstagen gleichkommt und darüber eine Quittung vorzulegen,

nicht dem Bedientenstand anzugehören, d.h. Lohndiener zu sein, im Rathaus seines Wohnsitzes in die Liste der Nationalgarde eingeschrieben zu sein,

den Bürgereid geleistet zu haben.“

Diese Regelung entsprach nicht völlig einem Gleichheitsgrundsatz.

Die Sansculotten in der Französischen Revolution waren eine städtische Massenbewegung des einfachen Volkes. Diese revolutionäre Volksmenge (vor allem in Paris wichtig) setzte sich, weit gefächert, aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen (z. B. Handwerker, Arbeiter, Tagelöhner, kleine Gewerbebetreibende und Ladenbesitzer) zusammen. Das gemeinsame Merkmal ist, keine Kniebundhosen zu tragen, wie dies Adlige (und teilweise sehr wohlhabende Bürger) taten. Ihre Ziele und vorgetragenen Forderungen waren nicht zu jeder Zeit völlig gleich und manchmal auch ein wenig unterschiedlich.

Sehr direkt und praktisch war ihr Ziel eine Sicherung der Ernährung (Bekämpfung des Hungers).

Allgemeiner gesehen war ihnen die soziale Gerechtigkeit wichtig. Sie betonten die Gleichheit (égalité). Dazu gehören rechtliche Gleichbehandlung (unabhängig von einer Standeszugehörigkeit) und politische Gleichheit (keine Trennung nach Aktivbürgern und Passivbürgern mit weniger Mitwirkungsrechten auf Grundlage der Vermögensunterschiede). Die Sansculotten beriefen sich später auf die Verfassung von 1793. Die Sansculotten vertraten das Prinzip der Volkssouveränität (auch mit dem Volk als Richter) und ein großes Ausmaß direkter Demokratie (darunter auch Abstimmung nach Aufruf und Zuruf, ständig tätige Basis). Die Kommune von Paris und die Pariser Sektionen waren Organisationen, in denen sie dominierten. Ihre wirtschaftlichen Vorstellungen enthielten Wünsche nach einer gleichmäßigeren Verteilung des Besitzes (Höchstpreise für Lebensmittel, Enteignungsforderungen).

Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution. 3. Auflage, Original-Ausgabe. München : Beck, 2009 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2347) S. 72 über die Sansculotten: „Sie agitierten vor allem gegen den Hof, gegen die Aristokratie, gegen die Reichen und Kapitalisten, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollten.“

Sansculotten waren Gegner von Gegenrevolutionären und Leuten, die sich auf unproduktive Weise wirtschaftliche Gewinne zu verschaffen schienen („Wucherer“, „Spekulanten“).

Die Verfassung von 1793 (beschlossen, aber nicht in Kraft getreten) enthielt ein gleiches (ohne Einschränkungen nach Besitz) und direktes Wahlrecht und hatte soziale Rechte in die Menschen- und Bürgerrechte aufgenommen:

Artikel 21. „Die öffentliche Unterstützung ist eine heilige Schuld. Die Gesellschaft schuldet ihren unglücklichen Mitbürgern den Unterhalt, indem sie ihnen entweder Arbeit verschafft oder denen, die außerstande sind, zu arbeiten, die Mittel für ihr Dasein sichert.“

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