Warum waren die Menschen in früheren Epochen nicht traumatisiert?

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39 Antworten

Ich bin kein Psychologe. Die sitzen jetzt um diese Zeit in ihrer Praxis und therapieren traumatisierte Menschen. Aber zur Klärung dieser Frage braucht es vielleicht weniger psychologischen als historischen Kontext.

Natürlich waren früher die Menschen auch traumatisiert. Aber wie im körperlichen Bereich lag auch im seelischen Bereich die Schmerzschwelle wesentlich höher als heute, da das Leben generell wesentlich härter war und wesentlich mehr von Tod, Schmerz, Krankheit, Schmutz und Gewalt geprägt war als es heute in unserer Gesellschaft ist.

Krankheiten und Unfälle waren an der Tagesordnung, viele davon führten zum Tod, der aber zuhause oder auf der Straße stattfand und nicht im Krankenhaus. Genauso verhielt es sich mit der Strafjustiz.

Zudem waren die Menschen viel stärker mit der reinen Sicherung ihrer Existenz beschäftigt. Eine Binsenweisheit ist: wer den ganzen Tag lang hart arbeiten muss um nicht zu verhungern, hat keine Zeit für Depressionen.

Aber auch in früheren Epochen gab es Zeiten ganz außerordentlicher Gewalt und Willkür; als Beispiel sei nur der Dreißigjährige Krieg genannt, wo ganze Landstriche permanent von marodierenden Heerhaufen durchzogen uund gebrandschatzt wurden. Da war niemand seines Lebens sicher und musste in jedem Moment nicht nur mit einem persönlichen Unglück rechnen, sondern mit der Vernichtung seiner gesamten Gesellschaft (Familie, Verwandtschaft, Dorf)

Diese Zeiten werden als "verroht" beschrieben, in denen die Regeln des Zusammenlebens teilweise völlig außer Kraft gesetzt waren. Dies nicht nur auf Seiten der geknechteten Bevölkerung, sonder auch auf Seiten der Marodeure, die unglaubliche Grausamkeiten verübten, die militärisch durch nichts zu rechtfertigen waren.

Solche Grausamkeiten traumatisieren nicht nur die, die sie erleiden, sondern auch die, die sie begehen. Man hatte nur einen Trost: mehr als sterben konnte man nicht. Und der Tod war für diese Menschen eher Erlösung als Belastung.

Das ist auch heute noch bei jedem Menschen, der sich selbst tötet, oder der bestialische Grausamkeiten begeht, nicht anders. Ich würde das als "Trauma" bezeichnen.

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Kommentar von oxBellaox
20.03.2017, 10:03

Danke für die ausführliche Antwort.

Musste dann doch schmunzeln ...

Eine Binsenweisheit ist: wer den ganzen Tag lang hart arbeiten muss um nicht zu verhungern, hat keine Zeit für Depressionen.

Das erzähle mal Leuten wie Robert Enke und anderen schwer Depressiven. Ich denke, da sind nicht allzu viele dabei, die nicht arbeiten.

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Damals war ein anderes Niveau an Gewalt im Alltag normal als wir es heute haben und auch andere moralische Vorstellungen.

Kinder auf den Land waren von klein auf an Schlachtungen gewöhnt, an Blut und die damit verbundene Geräuschkulisse. Tierschutz in dem Sinne gab es nicht, das Ertränken von "überflüssigen" Kätzchen war beispielsweise lange gebräuchlich. Kinder konnten sich das Lob der Eltern verdienen, wenn sie Ratten erschlugen.

Auch Menschen wurden wesentlich brutaler behandelt, noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war das Schlagen von Kindern (und Ehefrauen) gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Es gibt (meine ich) sogar Verordnungen dazu wie dick der Stock sein durfte mit dem man seine Kinder prügelte. Auch in der Schule war das lange normal. Auch im Hinblick auf Unfälle und Krankheiten hat man im Alltag sicher so einiges Übles mitbekommen - und das berührt noch nicht mal die Dinge die sich Menschen im Krieg oder bei Hinrichtungen gegenseitig antun. Man weiß heute, dass Kinder, die misshandelt wurden wesentlich häufiger auch ihren eigenen Kindern gegenüber gewalttätig werden. Das war damals nicht anders, aber eben normal, das wurde nicht als Zeichen eines Traumas gesehen.

Das Rechtssystem beruhte auf Abschreckung und der Idee, dass wenn man das grausam inszenierte andere Menschen das Verbrechen nicht begehen würden. Dem liegen andere moralische Vorstellungen zugrunde. Verbrechen wurden mehr in schwarz/weiß gesehen als heute, persönliche Umstände hatten beispielsweise nicht das selbe Gewicht. Religiöse Vorstellungen hatten Einfluss im Rechtssystem. Auch das Strafmaß für Verbrechen war viel höher, sodass die Skala nach oben weiter war als heute. Wenn man bereits für vergleichsweise (aus heutiger Sicht) geringe Vergehen gehängt werden konnte, dann mussten für die schlimmeren Verfehlungen die Strafen drastischer werden. Das fängt schon klein an, wenn man bereits für Faulheit in der Schule Schläge bekommen konnte, dann eskaliert das.

In einer Gesellschaft in der die wenigesten Lesen und Schreiben konnten, war man kaum einem alternativen Verständnis von Richtig und Falsch ausgesetzt und musste nicht über die Rechtmäßigkeit des eigenen Verhaltens reflektieren. Gerade die religiös motivierten Hinrichtungen lassen sich vermutlich nur aus der aus heutiger Sicht völlig unverständlichen von religiösen Wertvorstellungen dominierten Atmosphäre erklären. Wenn man wirklich glaubt, dass ein Kampf des Guten gegen das Böse stattfindet und Einzelpersonen die ganze Gesellschaft real bedrohen, dann kann es zu solchen Eskalationen kommen. Kinder nahm man vermutlich aus Erziehungserwägungen mit um ihnen zu zeigen was Gesetzesbrechern blüht. Außerdem waren gerade die Hinrichtungen von "Prominenten" ein gesellschaftliches Ereignis.

Trauma definiert sich als
„[…] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt. (Fischer/Riedesser 1998)“.

Wenn man glaubt, dass Menschen solche Strafen verdient haben, dass das richtig ist und die sich ja auch anders hätten entscheiden können - dann muss das nach der Definition kein Trauma auslösen. Im Gegenteil, wird ja aus Sicht der Gesellschaft der erwünschte Status wiederhergestellt. Anders wäre das bei den Opfern von Folter und bei Kriegserlebnissen. Ich denke, da kann man schon davon ausgehen, dass das Spuren hinterlassen hat, aber man konnte das nicht deuten oder behandeln und das wurde vermutlich auch nicht so oft dokumentiert.

Gewalt und Tod zur Belustigung der Massen ist auch schon recht alt, man denke an die römischen "Spiele" bei denen auch die gebildeten Bürger interessiert zuschauten wie Menschen von wilden Tieren zerfleischt wurden. Später waren öffentliche Hinrichtung zunehmend eine Spektakel für die unteren Schichten. Scharfrichter gehörte zu den unehrlichen Berufen mit geringem gesellschaftlichen Ansehen.

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Woher willst du wissen, dass diese Menschen nicht traumatisiert waren? Woran machst du das fest?

Was sagt die Psychologie dazu? Bitte keine Mutmaßungen von Laien - mumaßen kann ich selbst ☺

Genau das machst du auch mit deiner Fragestellung: Eine haltlose Behauptung in den Raum werfen die Antwortsteller widerlegen sollen. Nur weil das Kind heute einen Namen hat heißt es nicht, dass es das früher nicht gab. Zu Kriegszeiten wurden auch Schizophrenien, Depressionen etc behandelt in dem man die Leute ins Eiswasser warf und eine Ladung Strom hinterher. Glücklicherweise sind wir von diesem Standard weg und natürlich verändert sich auch die Gesellschaft. Es wird mehr gesprochen, offen thematisiert, was früher nicht gegangen wäre. Zudem gab ins zb. im Mittelalter eine durchschittliche Lebenserwartung von 35-40 Jahren, da hatte man nicht viel Zeit zum traumatisiert sein. Die ersten psychotherapeutischen Ansätze gehen zurück bis ins frühe 15. Jhd. und wurden auch schon 100 vor Christus erstmalig erwähnt. 1409 gab es das erste psychiatrische Krankenhaus in Valencia.

Du sprichst auch von Verbrennungen, Folter und Scheiterhaufen. Zieh ein Geschichtsbuch zu Rate und schlage mal nach wer für gewöhnlich auf dem Scheiterhaufen landete.

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Kommentar von rlstevenson
21.03.2017, 14:18

Die durchschnittliche Lebenserwartung war allerdings vor allem deshalb so gering, weil so viele Kleinkinder starben. Wer sieben Jahre alt wurde, hatte schon mal Glück gehabt. Wer das Erwachsenenalter erreichte, hatte durchaus eine höhere Lebenserwartung vor sich als nur 35-40 Jahre. Männer mussten natürlich in Kriegszeiten mit einem verfrühten Tod rechnen, Frauen starben dafür verfrüht im Kindbett.

Mit 50 war man allerdings schon ziemlich alt und verbraucht, das ist wahr.

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Ich behaupte, die waren alle traumatisiert, denn die damaligen Zeiten waren alle von Todesfurcht, Höllenangst und Existenzbedrohung gekennzeichnet. Der stärkste Ausdruck der Traumatisierung bestand gerade darin, dass die Leute Vergnügen z.B. bei öffentlichen Hinrichtungen hatten, was ja irgendwie nicht ganz normal ist.

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Es liegt in der Natur des Menschen, sich vorzugsweise grausame Dinge anzusehen.

Noch heute gucken sich die Leute gerne Unfallopfer (oder auch Mordopfer...) an.

Sie bezahlen auch Eintritt für Kinofilme, in denen genau das gezeigt wird, was damals eben schlicht live auf dem Dorfplatz passierte. Nur mit dem Unterschied, daß man heutzutage noch näher hinzoomen kann. o.O

Wir sind also immer noch nicht einen halben Schritt weiter vorwärts. Nur etwas "seitwärts" getreten... Aber im Prinzip immer noch genauso schräg.

Was geht den meisten wohl durch den Kopf, wenn in den Medien mal wieder ein Kinderschänder an den Pranger gestellt wird? Wollen nicht viele gerne dem irgendetwas anderes als nur Haare abschneiden? Ohne Betäubung?

Viele geben es nicht unbedingt öffentlich zu, aber Menschen sind sadistische Tiere.

Ich als Missbrauchsopfer kann auch sagen, daß das sogenannte Trauma für die Betroffenen nicht unbedingt so intensiv ist wie in der Phantasie Nichtbetroffener. 

Es gibt leider heutzutage viele, die ein Trauma direkt überdramatisieren müssen, um überhaupt ernstgenommen zu werden.

Das wirkliche Trauma ist also nicht zwangsläufig ein erlebtes Verbrechen, sondern wie die Gesellschaft allgemein damit umgeht, wenn jemand mal nicht ganz so dünne Haut hat, daß er sich gleich bei jedem Pieks in Luft auflöst.

Ich fand beispielsweise die ständige Fragerei nach Details des Missbrauchs traumatischer als die Details selbst als sie stattfanden. Weil es eher nach Sensationsgeilheit aussah denn nach ernsthafter Hilfe für mich.

Kinder sind außerdem auch nicht sonderlich zimperlich. Viele haben ihren Spaß dabei, Insekten und andere Kleintiere einfach auseinanderzurupfen.

Erst später als Erwachsene finden sie das nicht mehr lustig. Wenn sie gelernt haben, daß das nicht lustig ist. Aber oft verschiebt sich das Ganze nur. Statt selber Insekten zu zerrupfen schaut man dann eben Hundekämpfe oder sowas... Und wettet dabei sogar noch eifrig.

Menschen sind so.

warehouse14

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Du weißt sicher, dass die Menschen von damals nicht mit denen von heute vergleichbar sind.

Die Leute wuchsen quasi mit öffentlichen Hinrichtungen auf und empfanden sie deshalb vermutlich als ganz normal. Einige wenige werden sie schrecklich gefunden haben, aber in der Zeit von der wir reden interessierte man sich nicht besonders für die Psyche der Menschen. Für den Großteil des Volkes waren Hinrichtungen einfach Entertainment. Heute gehen wir zu Fußballspielen, auf den Rummelplatz oder sonst wohin und früher ging man eben zum Hängen oder zur Hexenverbrennung.

Andere Zeiten, andere Unterhaltungsformen.

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Außer der Folter wurde praktisch alles öffentlich ausgeführt, und die Verurteilten wurden als Monster hingestellt und man erhoffte sich eine abschreckende Wirkung, dass diese nicht eintrat ist auch ein Trugschluss der gerne heute noch angewandt wird wenn es um Todesstrafen geht, und natürlich wurde damals auch anders mit Tod und Hinrichtung umgegangen, es gehörte dazu und war ein Spektakel, klar kann man davon ausgehen, dass es einige gab die das nicht so "einfach wegstecken", aber da es keine Aufzeichnungen darüber gibt muss man einfach mutmaßen, es geht nicht anders.


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Kommentar von oxBellaox
20.03.2017, 09:32

dass es dazu gehörte und ein Spektakel war, ist ja eigentlich fast noch schlimmer. Da kann man gar nicht glauben, dass innerhalb von ein paar Hundert Jahren die Menschen sich grundlegend geändert haben sollen.

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Ein Trauma ist meistens nichts was man sofort offensichtlich sieht. Es laufen viele traumatisierte Menschen herum, denen man das erst einmal nicht anmerkt.

Ein Symptom eines Traumas wird als "emotionale Taubheit" bezeichnet. Umgangssprachlich würde man sagen "Man stumpft ab". Die Fähigkeit Gefühle zu empfinden ist stark vermindert. Das sieht man der Person nicht an. Das finstere Mittelalter gilt allgemein nicht als Zeit der freudigen Personen, die massenhaft Spaß haben. Es herrscht auch eher eine pessimistischen Grundstimmung, was wiederum auch ein Symptom eines Traumas ist. Traumatisierte Menschen sind oft auch vorsichtiger und wollen alles immer unter Kontrolle haben.

Das können allerdings auch Charaktereigenschaften sein, die ihren Ursprung nicht in einem Trauma haben.

Ein Kontrollfreak kann ein traumatisierter Mensch sein - muss er aber nicht zwingend sein.

Ein recht emotionsloser Menschen kann ein traumatisierter Menschen sein - muss er aber nicht zwingend sein.

Ein extremer Pessimist kann ein traumatisierter Mensch sein - muss er aber nicht zwingend sein.

Menschen, denen man ihr Trauma wirklich sofort ansieht, haben fast immer massive Dinge am eigenen Leib erfahren und das fast pausenlos über eine längere Zeit. Meistens handelt es sich um Kriegstraumata. Manche Soldaten sind mit ganz massiven Ticks aus dem Krieg zurück gekommen. Das gab es auch im Mittelalter. Im Mittelalter wurde das halt nicht als Trauma erkannt. Oft ging man davon aus, dass derjenige von einem Dämon besessen war und es wurde ein Exorzismus durchgeführt- Im schlimmsten Fall hat man solche Menschen einfach getötet oder sie sich selbst überlassen und sie sind ohne Hilfe verhungert.

Die Dinge, die du aufzählst führen aber in der Regel nicht zu solchen ausgeprägten Symptomen, sondern zu der erwähnten Abstumpfung und der eher pessimistischen Grundhaltung. Du hast da glaube ich generell ein falsches Bild wie ein Trauma sich äußert. Aus heutiger Sicht würde so gut wie jeder Mensch des Mittelalters von Psychologen als traumatisiert bezeichnet werden.

Traumatisiert zu sein bedeutet in der Regel nicht, dass man nicht mehr funktionsfähig ist.

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Natürlich waren Menschen damals auch traumatisiert, aber eben nicht durch solche Ereignisse.

Dass diese nicht traumatisierend wirkten, lag an der damaligen Kindererziehung. Ein Kind ist offen für alles was ihm persönlich keinen physischen Schaden zufügt.

Daher kann es als ZuschauerIn derartiges ansehen ohne psychischen Schaden davonzutragen, wenn es erkennt dass das Umfeld ebenfalls nicht geschädigt oder abwehrend reagiert.

So wächst es zu einem/r Erwachsenen heran, welche/r eben jene Szenen als normal betrachtet und dieses Empfinden an seine/ihre Kinder weitergibt.

Es gibt Berichte von Rittern mit PTSD, also Posttraumatische Stressstörung, welche allein beim Klang von Metall das auf Metall trifft, Panikattacken erlitten haben.

Früher wurden diese psychischen Störungen jedoch nicht als solche erkannt, sondern als Feigheit, Angst, Faulheit etc. bezeichnet.

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Sie waren traumatisiert. Ritter litten bspw fast immer an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Es ist nicht so, als würden die Menschen verweichlichen. Wir diagnostizieren die Krankheiten nur erst seit kurzem.

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ha auch die psychologen können hier nur mutmaßen ... das liegt in der vergangenheit und so kann man nur theorien auf stellen.

also MUTMAßE ich jetzt mal ein bisschen ;D

klar waren die leute von damals durch folter, verbrennung, etc. auch traumatisiert, aber für unsere heutigen maßstäbe, nicht nach denen von früher.

heute sind kinder bereits "traumatisiert" wenn sie mit dem thema tot nur ein klein wenig konfrontiert werden. also wenn man ihnen sagt woher ihr brathühnchen kommt. oder wie n schnitzl gemacht wird.

das war aber früher alleine zum überleben notwendig das man sich da nciht abschrecken lässt. demnach war einfach die schwelle wesentlich höher bis sich da etwas gezeigt hat.

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Laien-Psychologe Qu.!

Diese Hinrichtungen waren nicht an der Tagesordnung, sondern eine willkommene Abwechslung im grauen Alltag. 

Das Köpfen bei der Französischen Revolution zum Beispiel, war ein gut besuchtes Gaudium für Jung und Alt, wie heutzutage ein Fußballspiel. 

Nach dem "Schauspiel" ging man zufrieden nach Hause und nur manchmal beichtete man dem Pfarrer, daß man beim Zusehen angenehme Gefühle gehabt hat. 

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Der Zeitpunkt, wo ein traumatisierendes Erlebnis stattfindet, und der Zeitpunkt, wann sich das Trauma zeigt, fallen oft auseinander.

Man weiß von Menschen, die heute in Altenheimen sind, dass bei ihnen plötzlich wieder innere Bilder aus dem Krieg auftauchen. Ihr ganzes Leben lang, wo sie abgelenkt und gefordert waren, haben sie die Erfahrungen in sich unterdrückt. Erst, wenn mal Zeit und Entspannung da ist, kommen solche Erlebnisse in der Erinnerung wieder hoch.

Erlebnisse, die alltäglich vorkommen, nimmt man zwar wahr, aber man ist nicht so leicht in der Lage, zu erkennen, wie schlimm das eigentlich ist. Am besten sieht man das bei Entwicklungstraumata. Die ganze Schulzeit über funktioniert man recht gut, und dann, wenn eigentlich alles vorbei ist, weil man von zu Hause raus ist, und auch angestoßen durch positive Alternativen, die man wo anders kennenlernt, bekommt man die Krise.

Als Drittes kommt noch hinzu, dass eine traumatische Erfahrung von zwei Dritteln der Menschen recht gut verarbeitet werden kann. Dafür braucht es Ressourcen, die wichtigste besteht in sozialen Beziehungen. Und diese waren damals wesentlich stabiler, räumlich näher und vielfältiger (Großfamilie, ein ganzes Dorf) als heute.

Als letzter Grund kommt noch hinzu, dass man noch nicht sovieles, was an psychischen Auffälligkeiten auftrat, mit genauen Begriffen bezeichnen konnte und auch nicht Ursachen und Wirkungen so genau zuordnen konnte. Oft sieht man das auch heute noch bei Eltern, die nicht verstehen, warum ihr Kind so aggressiv oder launisch oder depressiv ist. Sie schreien das Kind zusammen und geben ihm selbst die Schuld für seinen Zustand.

Auf diese Weise wird auch kaum jemand erfahren, dass das Kind eigentlich an einem Entwicklungstrauma leidet und nur deshalb so unleidlich ist, weil es mit sich nicht zurechtkommt und die Eltern ihm nicht die Beziehung anbieten können, die es für eine gesunde Entwicklung bräuchte.

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Sicher waren auch schon in früheren zeitaltern viele Menschen durch ihre Erlebnisse traumatisiert, es war aber einfach kein thema über das man sprach, auch nicht als die Psychologie erkannte das es sowas wie ein Trauma überhaupt gibt.
Ich kann natürlich wenig übers Mittelalter sagen, die Aufzeichnungen sind mehr als dürftig und Augenzeigen gibt es auch keine mehr.

Was ich aber weiß ist das mein Uropa im ersten Weltkrieg 2 Jahre in den Schützengräben verbracht hat und sein Leben lang nie auch nur ein Wort darüber sagen konnte.
Erst als er schon sehr alt und krank war hat er zu meiner Oma gesagt "lass doch die Beterei, ich fahre zur Hölle weil ich so viel gemordet habe. Wir haben es zu einem Sport gemacht und gewettet wer mehr Helme trifft. Das das auch Menschen waren ist mir erst wieder eingefallen als der Krieg vorbei war". Psychisch gesund klingt das für mich nicht...

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Komm erstmal runter von deinem hohen Ross!

Geschichtlich scheinst du dich nicht allzu gut auszukennen! Es gibt deshalb keine Überlieferungen davon, weil man sich dieser Erscheinung zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst war/ die Ernsthftigkeit eines Traumas nicht erkannte. Eben die Leute, dei geistige Probleme hatten, wurden als besessen abgestempelt und landeten im Teufelskäfig an Kirchen oder auf deinen erwähnten Scheiterhaufen!

Der Staatssekretär Samuel Pepys erlitt nach dem bekannten Brand von London vermutlich ein schwerwiegendes Trauma, eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung. https://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung

Georg Büchner´s Erzählung Lenz ist außerdem ein Beweis dafür, dass Menschen auch schon damals psychische Probleme erleiden konnten, genauso wie heute. Zwar litt Lenz nicht unter einem Trauma, jedoch haben bei ihm zahlreiche Ereignisse dazu geführt, dass er eben diese Depressionen/Schizophrenie erlitt...

Ein weiterer literarischer Beweis gegen deine Aussage ist "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque. Hier wird auf lebendige Art aufgezeit, wie eine ganze Generation durch den Krieg zerstört und traumatisiert wird für ihr Leben lang.

Gern geschehen!

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Das Fachgebiet Psychologie wurde erst Anfang des 19. Jhdt. gegründet, da war die Inquisition weitestgehend vorbei, zumindest in Europa (Anna Göldin - als letzte Hexe am 13. Juni 1782 hingerichtet).

Folter ist auch bis heute noch in vielen Ländern ein probates Mittel, um Geständnisse oder andere Dinge zu erpressen.

Im Mittelalter (und auch in der Renessaince) wurde angenommen, dass der Sitz der Gedanken im Herzen und nicht im Kopf ist. Man nahm sich also eher der psychosomatischen Reaktionen des Körpers an, nicht der tatsächlichen Ursachen.

Und gerade deshalb ist von Traumatisierungen nicht viel überliefert, da es erst seit neuerer Zeit die Erkenntnisse der Psychologie gibt (Psychoanalyse durch S. Freud seit ca. 1896)

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Hallo!

Das hängt mMn mit den "Modekrankheiten" zusammen, über die man ständig semi-seriöse Publikationen überall liest & sich dann als ultimativer Kenner des Faches wähnt... schon schlimm!

Von "Traumas" redete man früher allenfalls nahc Unfällen wenn es um ein Schleuder- oder Gurttrauma ging.. das Wort "traumatisiert" im psychischen Sinne existierte nicht. Das heißt ----> die Leute waren vllt. "traumatisiert" im heutigen Sinne, aber es gab dafür keinen Ausdruck. Und man machte sich weniger Gedanken darüber, es gab auch in der Presse und im Rundfunk dafür kein Forum ... wenn's überhaupt schon Zeitung und Radio/TV gegeben hat.

Früher gab es außerdem kein ADHS, da waren das einfach über Gebühr agile bzw. "lebhafte" Kinder. Genauso wie jemand, der heute Alzheimer hat früher "verkalkt" war und jemand, der unter Burnout- oder Chronicfatigue-Symptomen leidet eben nun mal "fertig" und/oder "abgeschafft" war.. da war das durchaus nix Schlimmes,es war halt nun mal so.

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Ich bin sicher, die Menschen früherer Epochen würden sich ähnliche Gedanken über uns machen, könnten sie einmal das heute alltägliche Fernsehprogramm sehen.

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Wie kommst du denn darauf dass sie das nicht waren? Nur weil nicht überliefert ist? Damals gab es zwischen Erkrankungen in dem Sinne nicht. Wenn Menschen so etwas hatten waren sie besessen oder schwachsinnig. Auf diesem Fachgebiet der Medizin gab es damals so gut wie gar keine Erkenntnisse und von daher ist sowas natürlich nicht ausdrücklich überliefert.

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Kommentar von oxBellaox
20.03.2017, 09:30

wei das heißen würde, die gesamte Bevölkerung war traumatisiert und davon ist nichts überliefert. Im gegenteil, man hat aus solchen öffentlichen Menschenquälereien geradezu ein Volksfest gemacht. Spaß und Ablenkung für die ganze Familie. Das ist überliefert.

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Kommentar von EXInkassoMA
20.03.2017, 09:32

Klingt logisch

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Kommentar von ninchens
20.03.2017, 09:40

Die gesamte Bevölkerung? Hab ich das geschrieben? O.o Alles oder keiner oder was? Natürlich wurden Hinrichtungen etc. überliefert, die gab es. Psychische Erkrankungen kannte man damals nicht, wie sollten sie also? Wenn du dir alte Texte aus der Zeit durchlesen würdest, würdest du bestimmt hinweise auf psychische Erkrankungen oder Traumata finden,nur wurde das eben anders beszeichnet.

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Kommentar von ninchens
20.03.2017, 09:44

Muss ich nicht.

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Kommentar von ninchens
22.03.2017, 08:04

Suren, und deine Antwort zeigt deutlich, das selbst in der heutigen Zeit psychische Erkrankungen nachwievor tabuisiert sind und runtergespielt werden.

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Die Schwelle war damals vielleicht anders angesetzt, da viele schrecklichen Dinge "normal" waren. & der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

zB. wird ein Kind, das am Bauernhof aufwächst, mit der Schlachtung eines Tieres nicht so ein großes Problem haben, als ein Kind, das aus einer Großstadt kommt, welches das Fleisch nur aus der Tiefkühlabteilung kennt.

Psychologie gibt es noch nicht so lange. Früher hatten die Menschen auch an den Dingen zu knabbern. Also auch traumatisiert.

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Kommentar von oxBellaox
20.03.2017, 09:35

ein Tier schnell per kehlenschnitt zu schlachten ist etwas anderes als einen Menschen zu rädern, zu vieteilen, den Bauch aufzuschlitzen oder zu verbrennen

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