Warum waren die Menschen in der Antike so fortschrittlich?

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Warum waren die Menschen in der Antike so fortschrittlich?

Nun, das lässt sich nur mit dem Menschen und seiner Natur an sich erklären: Menschen sind neugierig; stellen Fragen; versuchen, ihre Lebensumstände zu verbessern; erproben sich; haben Freude an der Erkenntnis. Wer will, mag diese Aufzählung noch ergänzen.

oft wird uns vermittelt, dass sich die Entwicklung kontinuierlich vorwärts bewegt.

Im Prinzip stimmt das auch, selbst wenn es immer mal wieder Rückschläge gab. Das ist aber normal.

Allerdings waren die Menschen in der Antike schon sehr fortschrittlich. Es gab eine gute Infrastruktur, ein Kanalsystem und auch sehr genaue Landkarten. Ebenfalls gab es sowas wie Demokratie und auch ein fortschrittliches Rechtssystem. Man war auch im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften weit entwickelt.

So ist es. Die Antike stand kurz davor, die Schwelle zur Industrialisierung zu überschreiten. Die Dampfmaschine war erfunden und wurde für Spielereien eingesetzt, aber nicht als Arbeitsmaschine. Auch das Prinzip des elektrischen Stroms war nicht unbekannt und wurde vorallem in der Schmuckherstellung eingesetzt.

Warum an diesen Erfindungen nicht weitergearbeitet wurde? Nun, es gab genügend Sklaven, sodass kein Bedarf gesehen wurde, die Arbeit durch die Weiterentwicklung solcher technischen Hilfsmittel effektiver zu gestalten. Als das Römische Reich vorallem seit dem 3. Jh. in eine Dauerkrise geriet, war daran nicht mehr zu denken, denn es gab wichtigere Probleme.

Im Mittelalter gab es vieles nicht mehr

Ach, das ist ein Mythos. Das Mittelalter hat viele Errungenschaften der Antike übernommen, nicht zuletzt haben die Kirche bzw. die geistlichen Orden und ihre Klöster überall in Europa dafür gesorgt. Gerade diese haben antikes Wissen und antike Techniken in Europa verbreitet. Beispielsweise waren die Zisterzienser bezüglich Wassertechnik führend, sie hatten ausgeklügelte Frisch- und Abwasseranlagen. Auch Natur- und empirische Wissenschaften waren nicht verpönt.

erst im Zeitalter der Aufklärung haben die Menschen erkannt, dass man ja in der Antike schon weiter war.

Das ist ein Irrtum und ein Unrecht dem Mittelalter gegenüber! Die im Mittelalter beginnende Renaissance bzw. der Humanismus hat dafür gesorgt, dass das antike Wissen und seine Überlieferung in das Bewusstsein der politisch und kulturell führenden Schichten als allgemeines Bildungsgut Eingang fand. Es wurde aber nicht nur rezipiert, sondern auch weiterentwickelt. Davon hat auch die spätere Aufklärung profitiert, die ohne Antike, Mittelalter und Renaissance bzw. Humanismus nicht denkbar wäre.

Bleibt gesund und vernünftig!

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

Hi,

Die Bibliothek von Alexandria ist leider gebrannt und auch die kleinere Bibliothek von Serapeion. Dadurch ist bestimmt sehr viel Wissen verloren gegangenen. Wer weiß wie die Welt heute aussehen würde, wenn das nicht passiert wäre? Früher gabs warscheinlich nur lokal gewisse Entwicklungen und wenn das Wissen nicht weiter gegeben werden konnte, dann wars weg. Die verschiedenen Sprachen könnten auch Einfluss gehabt haben, so dass Menschen aus anderen Gegenden, falls die lesen konnten, die Bücher anderer Kulturen garnicht nutzen konnten.

Warscheinlich ist die Entwicklung der Menschheit auch nicht linear sondern es geht mal vor und zurück.

Liebe Grüße

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Persönliches Interesse, viele Bücher, beobachten & Erfahrung
 und wenn das Wissen nicht weiter gegeben werden konnte, dann wars weg.

Ja, die spannende Frage ist aber doch, warum konnte es nicht weitergegeben werden, gelehrt werden, nicht nur aufgeschieben. Der Brand einer Bibliothek kann doch nicht Ursache für ein sich weltweit stets wiederholendes Phänomen sein.

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Die Bibliothek von Alexandria ist leider gebrannt und auch die kleinere Bibliothek von Serapeion. Dadurch ist bestimmt sehr viel Wissen verloren gegangenen. Wer weiß wie die Welt heute aussehen würde, wenn das nicht passiert wäre?

In Anbetracht der spätantiken Bücherverluste: Wahrscheinlich nicht viel anders. Vielleicht hätten ein paar mehr Autoren in Abschriften überlebt, aber die Welt hätte das kaum auf den Kopf gestellt. Alexandria war ja nicht die einzige Bibliothek der Antike.

Früher gabs warscheinlich nur lokal gewisse Entwicklungen und wenn das Wissen nicht weiter gegeben werden konnte, dann wars weg

Der überregionale Austausch wird häufig unterschätzt. Bereits in der Vorgeschichte können wir einen kulturellen und materiellen Austausch quer durch Europa beobachten, der letztich nie abgerissen ist, sondern sich immer weiter intensiviert hat. Neue Entwicklungen haben sich - sofern von allgemeinem Interesse - in aller Regel schnell durchgesetzt. Tatsächlich war eher das Ablehnen von Neuerungen eine lokale Ausnahme.

Beispiel Spinnrad: Im 13. Jh. kommen frühe Formen des Spinnrads nach Mitteleuropa. Während sie in vielen Orten übernommen werden, werden sie andernorts verboten, in erster Linie auf Betreiben von Zünften.

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Die Weltgeschichte bewegt sich in verschiedenen Schüben. War eine Periode sehr fortschrifttlich (Ägypten, Griechenland), dann fällt man in einer anderen Periode zurück (Mittelalter).

Das ist der Lauf der Geschichte.

Bedingt waren diese Schübe nicht selten durch den Einfluss der Kirche. Ehemals fortschrittliche Lehren wurden von der Kirche bekämpft. Bedeutende Gelehrte standen oft am Pranger. Lange Zeit hielt man daran fest, dass die Erde eine Scheibe sei, obwohl frühere Gelehrte schon das Gegenteil bewiesen.

Dennoch stand die Architektur auf hohem Niveau. Dies sieht man beim Neubau des Vatikans. Das hat aber oft damit zu tun, dass in dieser Branche Freimaurer tätig waren, die das alte Wissen der Baukunst bewahrten. Sie waren gewollt geheime Bruderschaften. Niemand kannte deren Mitglieder.

Wieder die olle Kamelle mit der Erde als Scheibe....

Das hat die Kirche nie behauptet, das wurde ihr später in die Schuhe geschoben.

Vor Galilei war lediglich herrschende Meinung, daß sich die Sonne und die anderen Planeten um die Erde drehen würden. Allerdings wußte man das in der Antike auch nicht besser.

Die Kirche war ohne Zweifel im Mittelalter diejenige Institution, die am ehesten von allen das antike Wissen tradiert hat - also ich rede jetzt von Europa.

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https://www.geschichte-lernen.net/begruendung-der-attischen-demokratie/

Griechenland ragt da besonders heraus, ihre Philosophen sind allgemein als gebildete Leute bekannt, sie hatten mit dem Scherbengericht demokratische Verhaeltnisse die sich sehen lassen konnten.

Ihre Mathematikschule brachte schlaue Koepfe hervor, der Pythagoras wurde hier entwickelt und andere Sachen mehr.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras#:~:text=Pythagoras%20gilt%20traditionell%20als%20der,vor%20Pythagoras%20den%20Babyloniern%20bekannt.

Das es spaeter wieder einbrach mit diesem Fortschritt, das waren die Kriege welche unablaesslich alles wieder nach unten zog.

https://www.helles-koepfchen.de/artikel/2917.html#:~:text=Ber%C3%BChmt%20sind%20heute%20vor%20allem,man%20verallgemeinernd%20einfach%20%22Vorsokratiker%22.

Woher ich das weiß:Hobby

Der Haken ist, dass nur ein Teil deiner Aussagen so wirklich stimmt.

Ja, es gab sehr fortschrittliche Bereiche in der Antike, genauso aber auch viele Schattenseiten (z.B. Sklaverei).

Das tatsächliche Problem in deiner Theorie ist aber die Mär vom finsteren Mittelalter. Viele (v.a. technische Errungenschaften) haben sich nahtlos weiterentwickelt und viele Entwicklungen haben ihren Ausgangspunkt im Mittelalter. Der Beginn der Neuzeit ist der Endpunkt dieser Entwicklungen, nicht der Anfang, an dem man plötzlich das Rad neu erfunden hat. Ohne die Errungenschaften des Spätmittelalters hätte es die Neuzeit nicht gegeben.

Der falsche Eindruck entsteht in erster Linie durch die schüttere (Schrift)Quellenlage im Frühmittelalter. Es ist auch ein Irrtum zu meinen, die fortschrittlichen Aspekte der Antike wären breites Allgemeinwissen gewesen oder hätten jedem zur Verfügung gestanden.

Letztlich muss man sowohl die Antike als auch das Mittelalter deutlich differenzierter betrachten, um solche Schnellschussaussagen zu vermeiden.

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