Warum waren die islamischen Länder im Mittelalter tolerant und wissenschaftlich spitze, während heute das Gegenteil der Fall ist?

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12 Antworten

Na ja, da lohnt es sich schon, historisch genauer hinzuschauen. Tolerant muss man relativ sehen. Die islamischen Herrscher auf spanischem Festland (al Andalus) waren zeitweise toleranter als die spanischen Könige dieser Zeit. Diese waren wie das ganze weströmische Reich Ausdruck eines ungeheuren kulturellen Niedergangs infolge der Völkerwanderung.

Das junge (vor allem weströmische) Christentum war eine fundamentalistisch-religiöse Bewegung ungebildeter, niederer Plebejer, die vom hohen Stand der spätrömischen Kultur nicht viel übrig ließen. Das war im oströmischen Reich anders, obwohl auch Kaiser Justinian I. als religiöser Fanatiker kulturell viel Schaden angerichtet hat. Im oströmischen Reich und später unter den islamischen Herrschern wurden große Teile der Abwasserkultur, der Bäderkultur und der Medizin wie Philosophie (in Grenzen, da waren auch die islamischen Geistlichen nicht so tolerant) z.B. des Aristoteles erhalten. Der "gottlose" Epikureismus und die Monisten und Hedonisten wurden auch im Islam nicht fortgesetzt. Soweit ging die Toleranz dann doch nicht.

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Das ist eigentlich wie immer und fast überall.

In fast allen Religionen und anderen Ideologien gibt es unterschiedliche Strömungen. Das reicht immer von extrem liberal bis zu extrem streng. In der Mitte halten sich die meisten auf.

Welche Richtung sich durchsetzt, ist letztlich eine politische, eine Machtfrage. In den Fällen, in denen die Eliten die Macht unter sich ausmachen, also in Diktaturen, Monarchien, Gottesstaaten etc., gewinnt meistens eine extreme Richtung. Beim Kampf um die politische Macht gewinnen meistens die, die zu extremer Gewalt bereit sind und die haben meistens auch extreme Gedanken. Man denke nur mal an Erdogan.

In Demokratien setzt sich in der Regel die Mitte durch. Die Mitte ist aber selten kriegerisch und gewalttätig sondern will eigentlich nur in Frieden leben dürfen.

Die seltenen Zeiten, in denen der Islam extrem liberal war, gab es dann, wenn die Herrscherdynastie liberal war. Da sich aber meistens die Extremgläubigen durchsetzten, weil die auch zu extremer Gewalt bereit waren, war und ist der Islam dort intolerant und fortschrittsfeindlich.

Das selbe Theater hatten wir hierzulande über Jahrhunderte mit der katholischen Kirche. Sobald sie die Macht verlor, nahm auch ihre Gewalt ab. Durch die Demokratie herrscht hieruzulande heute die Mitte. Daher kommen extreme Gedanken, die letztlich in Gewalt münden, im Allgemeinen auch nicht so gut an.

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Es führte zu weit, um es hier auszuführen, doch einen großen Anteil daran hat das osmanische Reich, welches in Hinblick auf Kultur und Bildung stark zentralistisch orientiert war, besonders nachdem Konstantinopel zu Hauptstadt des Reiches wurde. Bildungszentren wie Alexandria "verkamen" mit der Zeit, Mekka und Medina wurden zu rein religiösen Zentren, nachdem sie unter osmanische Oberhoheit gerieten (1517). Nicht erst mit Einführung der Stammesschulen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Bildungspolitik bewußt zur Durchsetzung politischer Ziele eingesetzt.

Dann kamen ab dem 19. Jahrhundert auch noch englische und französische Einflüsse hinzu, die allerdings vornehmlich bestehende soziale Strukturen zerstörten.

Erster Weltkrieg, Zerfall des osmanischen Reiches, zweiter Weltkrieg ... und von der einst hochstehenden Kultur war nicht mehr viel übrig.

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Juden, Christen und Hindus waren IMMER in islamischen Ländern benachteiligt. Regelmäßig wurden Kirchen und Tempel in Moscheen umgewandelt.

Im Mittelalter war nur das christliche Abendland viel intoleranter als die muslimischen Länder, deshalb entsteht wahrscheinlich der von dir beschriebene Eindruck.

Geschehen ist einfach, dass sich die westliche Welt weiterentwickelt hat. Es hat hier eine Zeit der Aufklärung gegeben, die im islamischen Raum nie stattgefunden hat. Deshalb steckt der Islam noch immer im Mittelalter fest.

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Ich würde meinen es hängt stark mit den Situationen der jeweiligen muslimischen Ländern zusammen: Der ganze Mittlere Osten sowie Afrika wurden durch Ereignisse wie den Zerfall des Osmanischen Reiches oder die Golfkriege destabilisiert. Bei letzterem wurde auch etwa die Ganze Golfregion mit Waffen und entlassenen Berufsmilitärs überflutet.

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Kommentar von Referendarwin
29.07.2016, 18:27

Aber Saudi-Arabien war doch davon gar nicht betroffen oder?

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In den islamischen Ländern gab es die letzten Jahrzehnte eine Bildungskatastrophe. Kaum mehr einer lernte was Brauchbares über die Welt in den islamischen Schulen. Stattdessen nur religiöse Indoktrination. Und die Armen und Ungebildeten sind am anfälligsten für den Religionswahn.

Und dank unserer entsetzlichen Kanzlerin ist das nun auch ein riesiges Problem in Deutschland.

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Kommentar von earnest
29.07.2016, 18:37

Ohne Merkel-Bashing geht's bei dir wohl nicht - egal ob's passt oder nicht.

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Das wäre ja was ganz neues mit der Toleranz gegenüber Andersgläubigen.

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Das lag damals an deren besseren moderner denkende Führungskaste & offeneren Bürgern

islamischen Länder im Mittelalter tolerant und wissenschaftlich spitze, während heute das Gegenteil der Fall ist?

JA

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Das liegt eigentlich recht nahe und ist ziemlich offensichtlich gar kein muslimisches Problem, sondern allgemein ein religiös-fundamentales.

Überall, wo religiöse Rechtgläubigkeit vorherrscht, hat die Vernunft und mithin die Wissenschaft einen schweren Stand.

Wissenschaftliche Leistungen von Nordamerikanern, Europäern oder Juden haben immer eine weitreichende Säkularisierung der entsprechenden Gesellschaften zum Hintergrund und die Durchbrechug religiöser vormundschaftlicher Herrschaft.

Ich kenne noch weniger als muslimische Nobelpreisträger jüdisch-orthdoxe, christlich-fundamentalistische (Mormonen, Baptisten, Adventisten etc.), buddhistische oder hinduistische Fundamentalisten...

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Kommentar von Referendarwin
29.07.2016, 20:08

Da hast du recht, allerdings sind die meisten Fundamentalisten zahlenmäßig heute wohl in der islamischen Welt zu finden.

Demnach lautet die Frage: Wie kam es dazu, dass eine fundamentalistische Auslegung der Religion in der islamischen Welt an Bedeutung gewonnen hat?

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Sie haben ihrer religion nach wissenschaft verabscheut und jetzt wo es schnelk geht kommen sie nicht mehr

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Kommentar von FLUPSCHI
29.07.2016, 18:05

hinterher

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das Verhältnis zwischen Dar al Harb und Dar al Islam ist im Koran geregelt. Da gibt es auch keine allgemeine Toleranz, sondern glasklare Regeln, wie mit den unterworfenen Völkern zu verfahren ist. Die siegreichen, arabischen Eroberer, bildungsferne und ethik-freie Beduinen, waren bildungsmässig nämlich nicht in der Lage, die eroberten Hochkulturen längerfristig zu beherrschen und auszubeuten.

Sie mussten also die jüdische bzw christliche Intelligenzia instrumentalisieren. Das geschah so: Schriftbesitzer durften ihre Religion (im stillen Kämmerlein) weiter praktizieren, gegen Zahlung eines fürstlichen Schutzgeldes (ähnlich wie bei Mafia Schutzgelderpressern) und gegen Verwaltungsdienstleistungen für die arabischen Oberherren.

Sog. Ureinwohner, also die indigene Unterschicht, wurde brutal verfolgt, ähnlich wie in Indien, Pakistan, Aghanistan, wo die buddhistische Oberschicht dienen und zahlen durfte, während die'armen' Buddhisten massakriert wurden, von den rechtgläubigen Invasoren.

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Kommentar von marylinjackson
29.07.2016, 22:53

Besser kann man das nicht erklären!

Die Namen der jüdischen, griechischen und christlichen Wissenschaftler, die Schutzgeld zahlten, wurden arabisiert, so dass es nach außen schien, als seien sie alle Moslems.

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Warum waren die islamischen Länder im Mittelalter tolerant und wissenschaftlich spitze, während heute das Gegenteil der Fall ist?

Deine Frage impliziert, der gemeinsame Nenner gesellschaftlicher oder  wissenschaftlicher Entwicklung wäre alleine die Religion. Da bist du allerdings auf dem Holzweg.

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Kommentar von earnest
29.07.2016, 19:28

Das impliziert die Fragestellung keineswegs. 

Sie setzt aber - völlig korrekt - einen Einfluss der Religion auf die Entwicklung voraus. Ohne diesen genau zu spezifizieren.

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Kommentar von Referendarwin
29.07.2016, 20:23

Naja, was haben denn Länder wie Pakistan, Mauretanien und Jemen sonst noch gemeinsam?

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