Warum waren Ausländer in Preußen willkommen?

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5 Antworten

Ich vermute mal: es geht um das 17. und 18. Jahrhundert, ja?

Ok. Ab 1648 war der Dreissigjährige Krieg zuende gegangen, in dem 1/3 der Bevölkerung Deutschlands umgekommen war. In manchen Landstrichen noch mehr.

Für jeden Herrscher bedeuten doch mehr Einwohner: mehr Steuern, mehr Soldaten.

Brandenburg und Ostpreussen, jene Landstriche aus denen Brandenburg-Preussen bestand, waren untervölkert, d.h: es hätten dort wesentlich mehr Menschen siedeln können als tatsächlich vorhanden waren. Noch um 1700 zählte die Bevölkerung beider Landesteile weit unter 2 Millionen.

Ausserdem fehlte es an gebildeten und fähigen Bürgern zum Aufbau einer Mittelschicht, die Handel und Wissenschaft betreiben konnte. Brandenburg und Preussen waren zu ländlich geprägt. Heere von analphabetischen Bauern gehörten als Leibeigene den adeligen Grundbesitzern.

Das Königtum brauchte aber Bürger, die gewinnträchtige Industrien und Fernhandel aufbauen würden. Man strebte danach, etwa Porzellan- oder Tabakfabriken zu errichten, deren Produkte verkauft werden könnten, damit man sie nicht aus anderen Ländern einführen müsste. Damit fliesst ja Geld aus dem eigenen Lande ab. Dieses Konzept heisst Merkantilismus.

In der Lage waren noch andere Länder Europas damals mehr oder weniger, und Deutschland nach dem Einbruch des Krieges ganz besonders. Viele Herrscher versuchten darum, die Bevölkerungszahl zu steigern. Die beliebtesten Mittel waren z.B. Steuernachlässe in bestimmten Regionen, die besonders untervölkert waren oder für Berufsgruppen, die besonders gewünscht waren wie qualifizierte Handwerker oder Händler. Oder die Gewährung von Religionsfreiheit für Minderheiten, die in anderen Ländern vertrieben oder unterdrückt wurden.

In jenem Sinne lockte auch Preussen Einwanderer an. Ziele für die Siedlung waren z.B. verstärkt die Region um Cottbus und die Marschen an der Oder. Insbesondere letzteres Land musste z.T. erst aufwendig trockengelegt werden, um bewohnbar zu werden.

Preussen warb daher gezielt Menschen aus den Niederlanden an, die in Landgewinnung besondere Erfahrungen hatten und damals das reichste Land der Welt waren (Kaufleute und Handwerker!). Es gibt heute in Potsdam ein Viertel, das danach heisst:

http://www.berlin.de/orte/sehenswuerdigkeiten/potsdamhollaendischesviertel/

Bei der Einwanderung nach Preussen wurden - und das war damals nicht selbstverständlich - auch Einwanderer anderer als der Staatsreligion (reformiert) zugelassen. Deswegen kamen nach Berlin zahlreiche Juden. Das war der Anfang der Anfang des 20. Jahrhunderts so riesigen jüdischen Gemeinde Berlins.

Und was heute kaum jemand weiss: auch ein paar Muslime blieben übrigens in Potsdam, die zu der Garde Friedrichs des II. gehört hatten. Schon im 18. Jahrhundert wurde in Potsdam die erste Moschee gebaut.

Diese Offenheit für Glaubensbekenntisse, die Friedrich mit seinem Motto: "es soll ein jeder nach seiner Facon (Glaubensbekenntnis) selig werden" ausdrückte, ist sicher eine der schönsten Seiten preussisch-deutscher Geschichte.

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Kommentar von cheRyy01
08.10.2011, 22:49

Hast dir viel Mühe gegeben! DH!

cheRyy

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Kommentar von Untotia
29.10.2011, 10:50

HAt mir total geholfen! Danke...!

Wen's interessiert: ich hab ne 1 für meinen Vortrag bekommen! ♥

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http://www.dhm.de/ausstellungen/bildzeug/qtvr/DHM/n/BuZKopie/raum_10.09.htm "Die innere Kolonisation war eine der größten Herausforderungen des preußischen Staatsaufbaus im 17. und im 18. Jahrhundert. Dem durch Kriege und Seuchen entstandenen "Leutemangel" und dadurch stark beeinträchtigten Wirtschaftsleben begegneten die preußischen Landesherren seit dem Großen Kurfürsten mit einer aktiven Einwanderungs- oder "Peuplierungs"politik. Die kompaktesten Kolonistenströme bildeten die infolge religiöser Intoleranz aus ihren Heimatländern ausgewanderten Anhänger evangelischer Glaubensrichtungen: nach 1685 die französischen Hugenotten, ab 1732 die Salzburger Protestanten.

Die preußische Bevölkerungspolitik beschränkte sich jedoch nicht auf die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen. In immer neuen Ausschreiben versuchte man, auch einzelne qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben. Den Zuwanderen winkten nehen der zugewiesenen Stelle finanzielle Starthilfen und andere Vergünstigungen: Der Staat übernahm Transportkosten, gewährte Zollfreiheit für alles Mitgebrachte, Sach- oder Geldmittel für den Hausbau beziehungsweise die Wiederherstellung verlassener Häuser und Höfe, er stellte Arbeitsgeräte, das erste Saatgut oder Vieh zur Verfügung, garantierte die Freiheit von gewaltsamer Werbung, Militärerfassung und Einquartierung sowie - für eine bestimmte Frist - von allen Steuern. Das Bürger- und Meisterrecht, sonst nur teuer zu erlangen, sollten die Angeworbenen kostenlos erhalten. "

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Frierich der Große war ja eigentlich ein "Kriegskönig". Und um Kriege zu führen, braucht man Geld. Geld beschafft man sich als König durch Steuern. Steuern bekomme ich aber nur von Leuten, die selber was verdienen. Und zwar mit Handwerk, Handel und Industrie. Und das haben die Ausländer halt geboten. Beispiel: Glasmacher, Lederer, Schmied, Bäcker u.a., hinzu kommt, dass die Ausländer in ihren eigenen Ländern meist verfolgte Minderheiten waren und Friedrich der Große ihnen halt Zuflucht gab.

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Weil der alte Friedrich, ebenso wie Katharina die Große Mulitkulti richtig verstanden hat.

Sie wussten nämlich im Gegensatz zu den heutigen Politikquatschköpfen, dass eine Mulitkulturelle Gesellschaft der beste Nährboden für eine Wissens- und Entwicklungsvielfalt eines Landes bedeuten kann. Denn sie bricht alte überkommene Strukturen auf und zwingt zum gegenseitigen Tolerieren der Andersartigkeit. Schließlich bietet sie die Möglichkeit das jeweils Beste auszuwählen.

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Kommentar von Radigost
08.10.2011, 20:38

So ein Bödsinn.. für dich ist es genauso Multikulti, wenn Hugenotten nach Deutschland kommen wie wenn es Türken sind?

Ich bin mir sicher, dass damals Türken, Araber, Afrikaner etc. nicht willkommener waren als heute. Gegen einen Niederländer, Dänen etc. hatte normalerweise nie wer was in Deutschland und auch heute hat niemand was gegen ihn.

Außerdem ist eine multikulturelle Gesellschaft eher ein Nährboden für Konflikte. Homogene Gesellschaften können glücklicher werden als heterogene.

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Weil zB in Berlin durch den Dreißigjährigen Krieg die Hälfte der Bevölkerung umkam. Die brauchten einfach Leute, die die Felder bestellen, die Stadt wieder aufbauen und so weiter. Am Besten waren natürlich Leute, die selbst grade flüchten mussten, wie zum Beispiel die Hugenotten.

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