Warum war und ist der Rassismus in den Südstaaten der USA so viel stärker ausgeprägt als in den Nordstaaten?

8 Antworten

Der Rassismus war im Norden nicht weniger ausgeprägt als im Süden. Das war also nicht der Grund für die Sezession und den daraus entstehenden Bürgerkrieg.

Hier prallten zwei Wirtschaftsweisen aufeinander, aus denen sich gegensätzliche Interessen ergaben.

Der zunehmend industrialisierte Norden hatte kein Interesse an Sklaven. Lohnarbeiter traten untereinander in den Wettbewerb, waren produktiver, leichter zu haben, leichter wieder loszuwerden, sie banden kein Kapital und man musste sich nicht weiter um sie kümmern. Damit war der Einsatz von Lohnarbeitern in den Fabriken gegenüber dem von Sklaven lohnender. Die Wertschöpfung durch Lohnarbeit in den Fabriken war der Wertschöpfung durch Sklavenarbeit auf den Plantagen weit überlegen. Der Norden gewann an Gewicht und der Süden geriet ins Hintertreffen.

Die so hergestellten Industrieprodukte des Nordens mussten aber gegen die damals überlegene Industrieproduktion Europas antreten. Daraus ergab sich ein weiteres Interesse im Norden, die heimische Wirtschaft gegen die starke europäische Konkurrenz zu schützen, indem man z. B. Importzölle erhob.

Die Wirtschaft des Südens war ganz anders aufgestellt. Dort war die Plantagenwirtschaft bestimmend. Die Produkte (z. B. Baumwolle) waren in Europa heiß begehrt und wurden dorthin exportiert. Das Interesse des Nordens, sich gegen billige Importe zu schützen kollidierte mit dem Interesse des Südens, ungehindert seine Plantagenprodukte zu exportieren.

Die Arbeitskraft auf den Plantagen war aber nicht einfach durch Maschinen zu ersetzen. Löhne für die benötigten Plantagenarbeiter hätten die Exporte des Südens verteuert und ihren Absatz auf den Märkten Europas gefährdet. Maschinen zur Produktivitätssteigerung gab es für die Plantagenarbeit noch nicht in ausreichendem Maße. So waren die Plantagen des Südens weiter auf Sklaven angewiesen.

So war, grob skizziert, der Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden, der in der Sezession mündete. Daraus lässt sich übrigens auch erklären, weshalb die europäischen Mächte eher den Süden unterstützten als den Norden.

Jetzt wird auch klar, dass die Abschaffung der Sklaverei nicht Ziel des Krieges war, sondern nur eine Voraussetzung, um die Union erhalten zu können.

Lincoln schrieb dazu am 22. August 1862 an den Herausgeber der "New York Trubune", Horace Greely:

Mein oberstes Ziel in diesem Krieg ist es, die Union zu retten; es ist nicht, die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. Könnte ich die Union retten, ohne auch nur einen Sklaven zu befreien, so würde ich es tun; könnte ich sie retten, indem ich alle Sklaven befreite, so würde ich es tun; und könnte ich die Union retten, indem ich einige Sklaven befreite und andere nicht, so würde ich auch das tun. Alles, was ich in Bezug auf die Sklaverei und die Schwarzen tue, geschieht, weil ich glaube, dass es hilft, die Union zu retten.

Du musst nicht glauben, dass nach dem Sieg des Nordens nun plötzlich alle ehemaligen Sklaven den Weißen gleichgestellt waren. Diskriminierende Gesetze wurden auch im Norden erst nach und nach und unter erheblichen politischen Widerständen abgeschafft. Dieser lange Prozess kulminierte in der Bürgerrechtsbewegung mit Martin Luther King und dauert angesichts des in den USA vorhandenen strukturellen Rassismus immer noch an.

Der Sezessionskrieg hat mit Rassismus an sich original nichts zu tun und im 19. Jahrhundert waren die Nordstadtkern nicht weniger rassistisch, als die Südstaatler. Lincoln selbst hielt Reden, für die man ihn heute in jedem zivilisierten Land, wegen rassistischer Hetze vor Gericht Herren würde.

Der Sezessionskrieg entzündete sich an innenpolitischen Machtfragen. Selbst die Frage der Sklaverei berührte das nur so weit, als dass es einen Dissens darüber gab ob die Einführung der Sklaverei in der Union neu beitreten Bundesstaaten zulässig sein, die bestehenden Regelungen wurden bis in das 3. Kriegsjahr hinein nicht angetastet und dann auch nur um dem Süden, den man nicht klein bekam wirtschaftlich das Genick zu brechen.

Die Ursachen für den Sezessionskrieg liegen darin, dass sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zuwanderung und damit auch das Wählerpotential zunehmend nach Norden verschob und die Wirtschaftskraft der nördlichen Staaten infolge der Industrialisierung die des Südens deutlich überholte. Dadurch verschob sich das innenpolitische Gewicht zunehmend Richtung Norden, was aber die Eliten des alten Südens mich hinnehmen wollten, weil das ihren politischen Einfluss aushöhlte. Der Hauptgrund für die Sezession liegt darin, dass man im Süden politische Bevormundung durch den Norden fürchtete. Darum versuchte man sich abzuspalten, die Hauptmotivation des Nordens war es nicht was gegen Rassismus zu tun, sondern die Abspaltung zu verhindern, weswegen man auch die Sklaverei als Institution lange Zeit nicht Abgasfete um eine Reintegration des Südens zu erleichtern.

Auf den Bürgerkrieg folgte die gesetzlich verordnete "Rassentrennung" die bis in die 1960er Jahre hinein bestand hatte und dies betraf durchaus nicht nur den Süden. Neben den Schwarzen gab es bis weit in das 20. Jahrhundert hinein in den USA auch noch andere rassistische oder pseudoreligioes motivierte Ressentiments, beispielsweise gegen Juden und zuwandernde Katholiken aus Europa, vorwiegend Iren, Italiener und Polen. Der Ku-Klux-Klan, der sich letzteres auf die Fahnen geschrieben hatte, war in den 1920er Jahren eine Organisation mit mehreren Millionen Mitglieder und stärker Verwurzelung nicht nur im Süden, sondern beispielsweise auch in New York, als einem Zentrum der Einwanderung.

Ein teilweise Umdenken gibt es da erst seit den 1960er und 1970er Jahren und das ist, wenn man die aktuellen Ereignisse betrachtet noch lange nicht abgeschlossen. Auch im tendenziell progressiver en Norden nicht.

Das ist wohl eher sozialkulturell begründet. Im Süden gibt es eben weniger Grossstädte und auf dem Land verkehren die Menschen eher in ihrem eng begrenzten sozialen Umfeld. Da dort auch vieles "privatisiert" ist, habe Farbige zu vielem erst gar keinen Zutritt. Eben umgesetztes neo-liberales FDP-Gedankengut a la Solms/Lambsdorff par excellance.

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