Warum war Rom keine Demokratie?

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Beim antiken Rom handelt es sich um keine Demokratie, weil tatsächlich entweder eine Führungsschicht weniger vornehmer und reicher Männer die Vorherrschaft ausübte oder eine Alleinherrschaft (Monarchie) bestand.

Fehlende politische Rechte der Sklaven sind nicht der Grund für diese Einstufung. In der athenischen Demokratie waren Sklaven ebenfalls keine Bürger und hatten keine politischen Rechte. Dies war auch in vielen Staaten der USA längere Zeit der Fall. Außerdem waren Frauen lange Zeit von politischer Teilhabe ausgeschlossen. Ein Frauenwahlrecht/Frauenstimmrecht ist in den Staaten der Erde verhältnismäßig spät eingeführt worden. Zu modernen demokratischen Idealen steht ein solches Ausschließen in Gegensatz. Allerdings ist dieser Mangel vorrangig eine Sache des Gesellschaftssystems. Hinsichtlich der Sklaverei wäre es seltsam, Menschen als Sklaven zu halten, ihnen bei diesem Status aber zugleich politische Rechte zu geben. In sich stimmig ist nur die Abschaffung der Sklaverei.

Das antike Rom war keine Demokratie. Für die Königszeit des frühen Rom und für die Kaiserzeit ist dies klar. Aber auch die römische Republik wird richtigerweise nicht als Demokratrie eingeordnet.

Die Führungschicht, die anfangs die römische Republik regierte und die Vorherrschaft hatte, waren die Patrizier. Sie waren verhältnismäßig reich, aber es gab auch einige reiche/wohlhabende Plebejer. Die Patrizier hatten eine vornehme Herkunft, sie waren ein alter Adel.

Die Ständekämpfe haben nur den Anteil des Volkes an der Politik etwas erhöht, aber nicht zu einer Einführung von Demokratie geführt. Plebejer bekamen nach und nach die Wählbarkeit in politische Ämter. Die Institution der Volkstribune (tribuni plebis) wurde geschaffen. Bei Bedrohung mit Todesstrafe oder Leibesstrafe erhielten römische Bürger ein Recht zur Anrufung des Volkes (provocatio ad populum), wonach eine Volksversammlung urteilen konnte. Die Volksversammlung der Plebs (concilium plebis) konnte Gesetze beschließen. Durch die Lex Hortensia 287 v. Chr. wurden Beschlüsse der Plebs (plebiscita) als für das römische Gesamtvolk (populus) verbindlich erklärt (Livius periocha 11; Laelius Felix bei Aulus Gellius, Noctes Atticae 15, 27, 4; Plinius, Naturalis historia 16, 37; Gaius, Institutiones 1, 39).

Es hat sich eine neue Führungschicht, die Nobilität, aus den Patriziern und einigen reichen/wohlhabenden Plebejer gebildet, denen das Erreichen hoher Ämter gelang.

Für die Beurteilung, ob die römische Republik eine Demokratrie war oder nicht, sind einige wenige formale juristische Bestimmungen keine ausreichende Grundlage. Erforderlich ist eine Gesamtbetrachtung der Verfassung in ihrem Zusammenhang und eine Einbeziehung der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Es gab im antiken Rom nur ein gewisses demokratisches Element durch die Volksversammlungen (comitia). Die Volksversammlungen konnten zwar in der Zeit der Republik die Magistrate/Amtsträger/Amtsinhaber/Beamte (magistratus) wählen, Beschlüsse fassen und Gesetze verabschieden, zumindest zeitweise auch zum Teil in Prozessen urteilen. Volksversammlungen wurden aber von Magistraten/Beamten/Amtsträgern/Amtsinhabern (magistratus) einberufen und konnten nur einfach zu einem ihnen vorgelegten Antrag abstimmen. Die Volksversammlungen konnten nur zustimmen oder ablehnen, nicht selbst einen Antrag stellen, nicht debattieren/diskutieren und nicht Anträge abändern. Die eigenständige inhaltliche Beeinflussung der Politik durch die Volksversammlungen war nicht sehr groß. Fast immer wurde einem Antrag zugestimmt.

Die Praetoren (praetores), die Konsuln (consules) und die Zensoren (censores), also die Inhaber der höchsten Ämter, wurden von den Zenturiatskomitien (comitia centuriata) gewählt. Diese konnten auch Gesetze beschließen (was in der Praxis aufgrund der Schwerfälligkeit des Verfahrens aber häufig andere Arten der Volksversammlung taten), hattten ein wenig Zuständigkeit in der Rechtsprechung und konnten über Krieg und Freiden abstimmen.

Die Zenturiatskomitien (comitia centuriata) waren nach Vermögensklassen unterteilt. Dies lief auf ein Zensuswahlrecht hinaus. Die Reichen/Wohlhabenden hatten bei Wahlen/Abstimmungen viel mehr Gewicht als die Armen. Bis Ende des 3. Jahrhundert hatte sich eine Einteilung der Zenturiatskomitien in 193 Zenturien (centuriae) herausgebildet. Die Reiter (equites), besonders reiche Bürger, die sich ein Pferd leisten konnten, hatten 18 Zenturien, die 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten 80 Zenturien. Zusammen hatten sie mit 98 Zenturien eine Mehrheit (später hat es wohl eine leichte Veränderung gegeben, bei der die 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten 70 Zenturien und die Anzahl bei anderen Klassen der schwerbewaffneten Fußsoldaten irgendwie entsprechend erhöht war, was aber nur eine leichte Verschiebung hin zu einer auch noch wohlhabenden Gruppe war). Die Wahl begann mit den Zenturien der reichsten Gruppen und ging dann allmählich fort zu den niedrigeren Vermögensklassen. Sobald die nötige Mehrheit an Stimmen erreicht war, wurde die Wahl beendet. In der Praxis sind die Zenturien der ämeren Bürger, des Großteils der Bevölkerung, oft gar nicht mehr zum Abstimmen gekommen.

Tatsächlich war die römische Republik (res publica Romana) eine besondere Art der Aristokratie («Herrschaft der Besten», Adelsherrschaft) bzw. Oligarchie («Herrschaft der Wenigen»).

In der Antike haben zwar einige antike Autoren (Polybios 6, 3 – 18 und Marcus Tullius Cicero, De re publica 1, 69 – 70 sind besonders wichtig) die römische Republik in ihrer Staatstheorie als Mischverfassung gemischte Verfassung gedeutet und dargestellt. Die Konsuln bilden nach dieser Theorie monarchisches Element, der Senat ein aristokratisches und das Volk ein demokratisches. Aber dies ist zu sehr auf ein theoretisches Schema ausgerichtet und nicht völlig zutreffend, auch wenn teilweise wichtige Gesichtspunkte vorkommen.

Eine Führungsschicht, die Patrizier bzw. dann die Nobilität, hatte die Vorherrschaft. Der Machtschwerpunkt lag lange Zeit im Senat, der als Versammlung von Mitgliedern der Führungsschicht mit seinen Beschlüssen eine große Autorität hatte. Der Senat übte durch seine Beschlüsse (senatus consulta) große Macht aus, weil er die gesammelte Autorität der Gesamtgruppe der politischen Führungsschicht darstellen konnte. Das Klientelwesen spielte eine wichtige Rolle. Soziale Bindungen hatten große Bedeutung.

Literatur:

Jochen Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik : Grundlagen und Entwicklung. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh. 7., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage (UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher, 460). ISBN 3-8252-0460-X (UTB). ISBN 3-506-99405-0 (Schöningh) (besonders S. 323 – 325)

Martin Jehne (Hg.), Demokratie in Rom ? : die Rolle des Volkes in der Politik der römischen Republik. Stuttgart : Steiner, 1995 (Historia : Einzelschriften ; Heft 96). ISBN 3-515-06860-0

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Warum ist aber der Concilium Plebis undemokratischer, als hier? In Deutschland kann das Volk ja auch nicht einfach Gesetzte erlassen und nich nicht mal mit Ja und Nein abstimmen (TTIP).

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@PrinceOfPersiav

Beim concilium plebis waren die Patrizier nicht vertreten, die allerdings nur eine sehr geringe Anzahl waren. Eine weitere Art der Volkssversammlung waren die comitia tributa, in der sowohl Patrizier als auch Plebejer vertreten waren. Die Wahl- und Abstimmungskörperschaften des concilium plebis und der comitia tributa, die jeweils 1 Stimme hatten, waren die tribus (Bezirke). Es wurden 35 tribus gebildet, 4 städtische (tribus urbanae) und 31 ländliche (tribus rusticae). Grundbesitz außerhalb der Stadt Rom konnte insofern günstig sein, als die ländlichen tribus eine Mehrheit hatten. Die Bürger wurden den tribus zugewiesen. Im Fall einer Ungleichmäßigkeit bei der Zuweisung konnte es zu einer Abweichung vom Prinzip 1 Mann = 1 Stimme kommen.

Wo es in Deutschland Elemente direkter Demokratie durch Volksinitiative/Antrag auf Volksbegehren, Volksbegehren und Volksentscheid gibt (auf nationaler Ebene nicht vorhanden), können Bürger eigenständig, unabhängig von Magistraten (Amtsinhabern), Anträge stellen. Bei Erreichen der erfoderlichen Mehrheit kann dies schließlich zu Gesetzen auf Landesebene (Bundesländer) führen.

Ansonsten ist die Bundesrepublik Deutschland vorwiegend eine repräsentative Demokratie (indirekte Demokratie), keine direkte Demokratie. Die Gesetzgebung liegt bei Parlamenten mit gewählten Abgeordneten als Volksvertreter.

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Rom war eine Demokratie, bis zum Herrschaftsantritt von Augustus.


Weil die Macht eben nicht bei den gewählten Volkstribunen lag, zu Zeiten des römischen Kaiserreichs erübrigt sich die Frage ja ohnehin^^

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