Warum war für den Brexit die königliche Zustimmung nötig?

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Warum hat nicht die Zustimmung des Parlaments zum Gesetzesentwurf ausgereicht?

Weil nach der historisch gewachsenen britischen Verfassungswirklichkeit die Zustimmung der Queen zu jedem Gesetz notwendig ist.

Die Queen hat doch eigentlich keinerlei politische Macht.

Die für alle Menschen, besonders die britischen Bürger sichtbarste Funktion der Queen und ihrer Familie sind repräsentative Auftritte, die einen direkten Kontakt der Monarchie und des Volkes verwirklichen, Solche repräsentativen Auftritte tragen in erheblichem Maße zur Beliebtheit der Monarchin und ihrer engsten Familienangehörigen im Volke bei.

Über ihre Familie und auch die weitere Verwandtschaft, über den sog. Hof, über ihre Beziehungen zu den einflussreichsten Schichten und Persönlichkeiten der Gesellschaft übt die Monarchie einen erheblichen Einfluss im Lande aus.

Daneben aber hat die Queen eine ganze Reihe von Funktionen und Befugnisse, die sie unbemerkt von der Öffentlichkeit wahrnimmt:

  • Alle Staatsgewalt wird in ihrem Namen ausgeübt.
  • Sie hat das Recht, über alle Staatsgeheimnisse und politischen Vorhaben ihrer Regierung informiert zu werden. U. a. hat einmal wöchentlich der Premierminister bei ihr Audienz, um mit ihr darüber zu sprechen und zu beraten. Die Queen hat das Recht, bei diesen Gesprächen Einfluss zu nehmen - und bei ihrer jahrzehntelangen politischen Erfahrung verfügt sie auch über große Sachkenntnis, die sie vielen Politikern ihrer jeweiligen Regierung überlegen macht.
  • Sie hat als Souverän alle exekutiven Machbefugnisse in ihrer Hand vereinigt. Auch der Premierminister wird von ihr ernannt, doch hat sich im Sinne einer parlamentarischen Monarchie die Praxis herausgebildet, dass sie diejenige Person zum Premierminister ernennt, den die Mehrheit im Parlament haben will. Zwar ist sie dazu nicht verpflichtet, aber sie ist gut beraten, nicht unnötig mit dem Parlament in Konflikt zu geraten. Bei einer Pattsituation im Parlament hat sie aber nach wie vor eine Schlüsselstellung. Die starke Stellung des Premierministers in Großbritannien kommt daher, dass er mit Zustimmung der Queen die volle monarchische Gewalt ausüben kann, ggf. selbst gegen den Willen des Parlamentes.
  • Das Parlament beschließt alle Gesetze, die aber erst gültig werden, wenn die Queen zugestimmt und sie unterschrieben hat. Sie kann die Unterschrift verweigern und somit das Gesetz zurückweisen, doch haben die britischen Monarchen von dieser Befugnis schon sehr lange keinen Gebrauch mehr gemacht, aber sie könnten es,
  • Schließlich wäre bei einem Konflikt mit dem Parlament von Bedeutung, dass die Queen die Oberbefehlshaberin der militärischen Streitkräfte ist, die alle, ebenso wie alle Beamten des Landes, auf die Queen persönlich vereidigt sind und ihr Treue und Gehorsam gelobt haben. Daher bliebe es bei einem Konflikt zwischen Parlament und Regierung und der Queen nicht sicher, wer sich im Endeffekt durchsetzen würde.

Fazit: Durch gute Beratung des Monarchen und gute Zusammenarbeit von Monarch und Regierung haben die britischen Monarchen der letzten rund 200 Jahre ernsthafte Konflikte konsequent vermieden und im Volk den Eindruck eines gut funktionierenden monarchischen Regierungssystems hinterlassen. Der Anteil der Briten, die eine Republik und die Abschaffung der Monarchie befürworten, ist eindeutig eine Minderheit. Die Monarchie hat im Volke hohe Beliebtheitswerte, was ihre Stellung und ihren Einfluss im Lande stärkt.

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:
Studium / Ausbildung
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Danke. Diese Antwort klärt meine Frage eindeutig :)

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Klar, die Queen hätte auch nein sagen können.

Erstens, erwartet das aber niemand, und zweitens ist sie wohl viel zu alt, um da voll durchzublicken.

Also lassen wir der Frau ihre Altersruhe und ihr feines Handtäschchen!
Würd' auch durchaus auch bald mal "Mutti" gönnen! LOL

Das ist bei jedem Gesetz so aber hat nur symbolischen Wert. Die Queen steht immer noch formal an der Spitze.

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