Warum war es im 19.Jahrhundert nicht möglich Himmel und Landschaft gleichzeitig zu fotografieren?

5 Antworten

Es war definitiv möglich. Allerdings haben die Bilder von damals nicht
die gleiche Qualität. Zu dieser Zeit wurde Schwarzweiß fotografiert. Der
Himmel ist dann auf den meisten Bildern Weiß, da dieser vermutlich
überbelichtet ist. Wegen der Überbelichtung sind Details wie Wolken icht mehr zu sehen. Die Technik die von Edweard Muybridge angewannt wurde, nennt sich heute HDR (High Dynamik Range).

Auch heute ist es, bei einem sehr hellen Himmel, sehr schwer ein gutes
Bild zu machen. Der Grund ist der hohe Dynamikumfang. Um die Landschaft
korrekt zu belichten, benötigt man eine längere Belichtungszeit als für
den Himmel. Dies führt dazu, dass entweder der Himmel fast weiß wird
(überbelichtet), oder der Vordergrund zu dunkel bleibt (unterbelichtet).
Je heller der Himmel, desto stärker ist dieses Problem. Heute behelfen
sich viele Fotografen, indem Sie HDR Bilder machen. Bei dieser Technik
werden mindestens 3 Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten
gemacht. Diese werden dann zu einem neuen Bild zusammengesetzt.

So wird ein HDR Fotro gemacht: http://www.fotografieren-kurs.de/anleitungen/wie-mache-ich-ein-hdr-foto

Ganz einfach - an der Dynamik. Das ist übrigens auch heutzutage noch so. In vielen Situationen ist der Kontrast zwischen der Hellsten und dunkelsten Bildstelle so hoch, dass der Sensor bzw. damals der Film das nicht auf einmal abbilden können.

Jeder Kamera hat einen s.g. Dynamikumfang. Dieser Dynamikumfang definiert wie viele Blenden (Fotografische Maßeinheit) Helligkeitsunterschied zwischen der hellsten und dunkelsten Bildstelle abgebildet werden können.

Eine Blende mehr ist eine Verdoppelung der Helligkeit und eine Blende weniger ist eine Halbierung. 

Nehmen wir nun mal an eine Kamera hat 12 Blenden Dynamikumfang. 2^12 = 4.096 - daraus folgt vereinfacht gesagt die Kamera könnte quasi die Werte 1 - 4.095 als Graustufen abbilden, 0 wäre Schwanz und 4.096 wäre Weiß. 

Unser menschliches Auge hat ca. 20 Blenden Dynamik und kann damit im Vergleich 1.048.576 (= 2^20) Werte abbilden. Da ja jede Blende eine Verdoppelung ist wären mit 13 Blenden doppelt so viele Werte möglich und mit 14 Blenden 4 mal so viele Werte usw. Da heißt eine Kamera mit 12 Blenden Dynamik schafft nur 1/256 dessen was das Auge an Kontrast bewältigen kann.

Wenn wir nun ein Foto machen dann würde die Kamera mit 12 Blenden Dynamik nur 1/256 der Helligkeitswerte verarbeiten können. Durch die Belichtungseinstellungen sucht sich der Fotograf diesen Teil der Helligkeitswerte aus, die er für sein Bild benötigt. zB den Himmel oder die Landschaft. Alle Werte die das obere Ende des Dynamikunfanges überragen werden Weiß und alles was dunkler ist als das untere Ende des Dynamikunfanges werden Schwanz.

Damals blieb es einem nur über die Fotos zu zerschneiden und dann das Finale Bild aus zwei Fotos zusammenzufügen wenn die Dynamik nicht ausreichte... Heutzutage nennt man diese Technik HDR - High Dynamic Range. Dabei werden wie anno dazumal mehrere Fotos (in der Regel 3 - 9) zu einem Bild zusammengefügt und die Software versucht ein Bild aus den gut belichteten Bereichen der Einzelbilder zusammenzufügen. Also auch hier nichts anderes als anno dazumal - dank moderner Technik geht es nur schneller, einfacher und man kann noch genauer arbeiten. Die grundlegende Herangehensweise den Kontrast in mehrere Einzelbilder aufzuteilen und diese dann im nachhinein zusammenzufügen hat sich aber nicht geändert.

PS.: Die Rechnerei mit den Zahlen vergiss bitte schnell wieder - es ist lediglich eine Maßnahme um die zu zeigen, dass 12 vs. 20 Blenden nicht einen kleinen Unterschied ausmachen sondern das in dem Fall der Unterschied gewaltig ist.

PPS.: Heutige Kameras kratzen an der 14 Blenden Marke und damals waren die Filme soweit ich weiß nicht mal im Stande 10 Blenden abzubilden

Allein für diesen aufwändigen und langen Text würde ich deine Antwort als ''hilfreichste Antwort'' auszeichnen.

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@McLMelfox

Danke. Hoffe er war nicht nur lang sondern auch hilfreich und verständlich ;-)

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Perfekt

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Hallo

Also das war keine Muybridge "Spezialität", dass machten früher zwangsweise alle Fotografen und ist auch nicht der Grund warum Muybridge ein bekannter oder wichtiger Fotograf wurde.

Ab Mitte des 19ten Jahrhundert war das Nass Kollodium Verfahren bei "Fotokunst" dominierend, es gab aber noch dass etwas einfachere Ambrotype Verfahren für kleine Bilder, meist 6x9cm (Cards de Visite). Dafür wurden sogar Automaten gebaut.

Zum Ende des 19ten Jahrhundert haben sich Trockenplatten durchgesetzt. Im 20ten Jahrhundert ab etwa 1905 war professioneles Filmmaterial gut genug um die "Wirklichkeit" in einem (direktem) Schuss einer professionelen Kamera (mit einer guten Optik) abzubilden und dass durch die Rollfilmtechnik und Massenherstellung im Kamerabau (Box, Brownie) auch ab 1910 Amateuren oder Knispern für bezahlbaren Kosten zu ermöglichen. Zum ersten Weltkrieg wurde Fotografie "Kriegswichtig" und mit grossen Budgets die Forschung vorangetrieben und nach dem Krieg wurde diese Investition ein wichtger Wirtschaftsfaktor der vor allem keine teuflische Rüstungstechnik der Vernichtung sondern ein "Segen" für alle war. Gerade Deutschland hat nach 1918 auf den Fotografiezweig gesetzt und anschliessend technisch denn Markt dominiert (Eastmann/Kodak hat denn Massenmarkt im Auge gehabt).

Nass Kollodium ist eine handwerklich aufwändige Technik weil man jede Platte direkt vor dem Fotografieren "giessen" musste und man beim Anrühren und Giessen die Lichtempfindlichkeit der Platte festlegte.
Wobei man aus heutiger Sicht die Platten nicht gerade als "Lichtempfindlich" bezeichnen würde die hatten einen ASA Wert von unter 0 (ASA gab es damals nicht das kam erst mit Eastman in der Frühzeit arbeitete man mit "Scheiner" oder "H&D" und selbst diese gab es erst ab 1900).

Nasskollodiumplatten hatten je nach Guss einen Lichtwertumfang von etwa 8-12, heutige Farbnegativfilme der Profiklasse können bei ISO 100 bis zu 13 Lichtwerte definieren (Man muss dann eben mit mindestens 14Bit Scanen) und die ISO 200-400 Billigfilme sind bei 9-11 Lichtwerten die Filme jenseits ISO 800 sind unter 10 Lichtwerten.
Bei Schwarz Weiss Negativfilm gibt es Typen die bis 20 Lichtwerte Tonwertumfang/Dynamik haben. Bei Agfa gab es eine "Forschungsemulsion" mit 25 Lichtwerten (Bei 0°C) und Kodak hatte ein noch besseres, gekühltes Verfahren für die Spionageflugzeuge B58 Hustler, U2, SR71 (Bis heute wohl Classified).

"Schnelle" Platten für Fotoreportage waren Lichtempfindlicher auf Kosten des Tonwertumfang. Anderst gesagt die Platte für Landschaftsfotos wurde anderst "gegossen" und dafür viel länger belichtet. Der Knackpunkt des Nassverfahen waren dass diese Technik nur im Blauen Farbspektrum sensibel war und im Rotbereich unempfindlich oder "Blind" wurde. Heisst der "Blaue" Himmel war immer Überbelichtet und helle Wolken wurden auch wegen dem Schwarzschild Effekt Schwarz. Aus dem Grund gibt es in SW Fotolaboren das Rotlicht. Und aus dem Grund wurde bevorzugt an wolkenlosen Sonnentagen zur Mittagszeit fotografiert.

Jeder Nass Kollodium Fotograf hatte einige Techniken auf Lager um bei der Belichtung die hellen Partien abzudunkeln damit das Bild homogen wurde. Diverse Techniken waren

- abwedeln vor dem Objektiv, oft wurde dazu ein Hut verwendet
- abdecken auf Bildbühnenebene zb mit einem Tuch mit Biegedraht im Saum
- Russgeschwärzte Filter (Graukeilfilter gibt es heute noch) vor der Optik oder hinter der Optik.
- Doppelplattentechnik mit Maskierungsplatte. Die erste Aufnahme wurde verwendet um daraus eine "Filterplatte" zu erzeugen (Wurde als DIAgramm entwickelt)
- Doppelplattentechnik hinter Farbfilter, es gab auch Trippelplatten also 2 "Farbauszüge"
- es gab Fotografen die haben die Masken "gemalt" dazu hat man Pergamentpaier auf die Mattscheibn gespannt und die Konturen mit einem Kohlestift nachgefahren und anschliessend das Blatt umgedreht die hellen Flächen mit Kohle ausgefüllt und die Randzone schraffiert
- Oft hat man denn Himmelsanteil mit Wolken nach dem Entwickeln einfach gebleicht oder "abgewaschen"

Mehrplattentechniken waren nicht nur Zeitaufwändig sondern jede gegossene Platte kostete viel Geld für das Material (Um 1850 kostete eine 30x45 Guss-Platte das Monatsgehalt eines Facharbeiters). Lichtempfindliche Platten brauchten mehr Silber als unempfindliche Platten und das Silberbromid bildete beim entwicklen "Klumpen" bzw "Körner (Analoges Rauschen ;))

Nachdem die Platten fixiert waren wurden daraus die Positive (Bilder) erzeugt. Dazu wurde erst mal Papier oder Leinwand mit Emulsion sensibilisiert und mit der Glasplatte einen Spannrahmen geschraubt und danach Stundenlang (Tagelang) dem Tageslicht ausgesetzt. Bei dieser Technik gab es jede Menge Zeit die hellen Partien abzuwedelen oder abzudecken. Bei der Doppel oder Trippel Plattentechnik wurden die Farbplatten einfach übereinandergelegt.
Es gab auch Fotografen die hatten diverse Himmelsplatten vorfotografiert um eine passende Wolkenstimmung einzubelichten. Um 1880 kam das Albuminpapier mit dem man ca 15 Lichtwerte Kontrastumfang umsetzen kann.

Wenn die Abzüge entwickelt wurden konnte man die Gradiation beeinflussen und danach wurde oft noch Retuschiert.

Mit dem einführen der Gelatine Trockenplatten kam der grosse Fortschritt dass man die Emulsion "sensibilsieren" konnte und damit erst der Grünanteil und später Rotbereich Lichtempfindlich(er) wurde. Zudem hat man die Gelatine als Farbfilter benutzt und eingefärbt oder man hat die Glasplatte "maskiert" und "Rückwärts" belichtet.
Zudem konnte man Gelatineplatten vorbreiten musste also nicht vor Ort giessen und entwickeln. Auch war das Verfahren weniger Unfallträchtig und weniger Giftig.

Die ersten Gelatineplatten waren noch weniger Lichtempfindlich als gute Nass Kollodium Typen und hatte auch weniger Tonwertumfang. Deswegen haben Fotografen weiterhin "abgewedelt" oder auch noch eine Nasskolldiumplatte belichtet und als Maskierungsplatte verwendet.

Aber in dem Bereich gab es dann schnell Fortschritte weil die Platten Industriel gefertigt wurden also Massenware wurden und man einerseits die Qualität konstant halten konnte und andererseits dann Konkurenz exestierte und man durch systematische Forschung neue Produkte auf den Markt brachte. Beim Nass Kollodium Verfahren hat jeder Fotograf experimentiert und seine eigene Technik entwickelt und dann an denn Assistenten vererbt (Diese machten ja meist die Güsse) oder auch nicht. Wobei das "Geheimniss" im wesentlichen in der Anrühr und Giesstechnik bestand die chemische Seite ist ein recht schmaler Pfad wo geringste Abweichungen vom Optimal bestraft wurde.
Es gab Apotheker oder Drogisten die eigene Emulsionen anrührten und eigene Entwickler verkauften.

Zuerst wurden Trockenplatten immer Lichtempfindlicher und hatten ein immer grösseres Farbspektrum. Erst Orthochromatsich dann Panchromatsich. Um 1880 wurden die Trockenplatten Lichtempfindlicher als frisch gegossene Nassplatten. Dadurch konnte man erst Farbkorrigierte Emulsionen herstellen weil diese durch den Farbbfilter ja im Blauanteil abgestumpft wurden. Gelatineplatten wurden auch für Röntgenfilm eingesetzt und um 1890 gab es erste Infrarotemulsionen für die Astrofotografie.

Je höher die Lichtempfindlichkeit wurde um so kleinere Platten (Formate) konnte man verwenden und die fortschritte in der Giesstechnik vom Gelatinematerial erlaubte immer feineres Korn. Zuletzt konnte man bei "Kleinen" Formaten unter 20x25cm denn Glasträger durch Zelluoseacetat ersetzen und hat die bis heute hergestellten Planfilme für das "Grossformat" festgelegt.

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