Warum war die Gründung der SED in der SBZ eine Zwangsvereinigung?

3 Antworten

Was viele nicht wissen und in den Schulbüchern meist verschwiegen: Es gab bei vielen Mitgliedern der SPD und der KPD nach dem Krieg eine große Sehnsucht, sich zu vereinigen. Und zwar vor dem Hintergrund, dass viele Linke den Streit zwischen KPD und SPD Anfang der 30-er Jahre für den Aufstieg der Nazis mitverantwortlich machten. Auch in Westdeutschland gab es von der Parteibasis beider Parteien Bestrebungen, sich zu vereinigen. Es gibt Berichte, wonach nach dem Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED auch z.B. in Westberlin und in Frankfurt viele Parteimitglieder der SPD froh in den örtlichen Parteibüros erschienen und fragten, wo sie denn ihren SPD-Ausweis gegen einen SED-Ausweis umtauschen könnten. Die damalige SPD-Leitung schätzte, dass bis zu 400.000 West-Mitglieder bereit waren, in eine deutschlandweite SED einzutreten. In der SPD-Führung selber gab es schon konkrete Pläne, einen deutschlandweiten Vereinigungsparteitag abzuhalten. Hierzu gibt es einen informativen "Spiegel"-Bericht aus dem jahre 1966: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46406993.html mit dem Titel: "400.000 Westdeutsche wollten in die SED".

In der früheren DDR war es Walter Ulbricht, der im Auftrage Stalins eine Vereinigung zwischen KPD und SPD herbeiführen sollte. Dies geschah auch so. Allerdings bekam hier die KPD immer mehr Einfluss. Otto Grotewohl wurde zwar Ministerpräsident, aber der Einfluss der SPD schwand immer mehr. Die Sozialdemokraten, die gegen die Zwangsvereinigung auftraten, wurden hingerichtet.

In den Achtziger Jahren betrachteten Parteiführer, wie Enver Hoxha, diese Fusion als schweren Fehler, weil die sozialdemokratische Einstellung nie ausgerottet werden konnte. So war die SED in der Basis meist sozialdemokratisch eingestellt. Man überlebte intern durch eine innere Repression, vor allem nach dem Juniaufstand. Die KPD war in den ersten Jahren meist sozialdemokratisch orientiert. Eine Änderung gab es erst unter Ernst Thälmann, ein Mann Stalins, der im KZ Buchenwald durch die Nationalsozialisten umgebracht wurde.

Parallelen der sozialdemokratischen Mehrheit gab es in der CSSR und in Ungarn.

Weil sich die SPD nicht so ganz freiwillig mit der KPD zusammenschloss.

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