Warum war der Bauer während der Industrialisierung in Armut geraten, sodass er in die Stadt ziehen musste?

5 Antworten

Das war unter anderem ein Folge des Erbrechtes im 19. Jahrhundert.

In manchen Regionen galt das Anerbenerbrecht. Hier erbte nur der älteste Sohn des Bauern den Landbesitz. Er konnte gut von seinem Besitz leben, alle anderen Kinder  mussten sehen, wie sie unterkamen und ihr Geld verdienten. Fabrikarbeit war eine Möglichkeit.

In anderen Regionen galt das Realteilungserbrecht. Hier bekamen alle Kinder gleichermaßen einen Anteil des Besitzes zu gleichen Teilen. Das Problem daran war, dass bei vielen Kindern nach einigen Generationen der Landbesitz so klein war, dass er die Bauern nicht mehr ernähren konnte. Deshalb mussten sie in die Fabrik, ein Handwerk lernen oder auswandern.

Auch Lebensmittelherstellung wurde industrieallisiert. Viele Bauern könnten nicht damit überleben, was ihnen für Ihre Produkte gezahlt wurde. Aber ebenso würde Ihnen Land abgenommen, damit die Städte und Industrie wachsen konnten. Früher wurden von den Fabriken auch sehr viele Schadstoffe ausgestoßen, so dass die Pflanzen und Tiere krank wurden.

Es waren überhaupt nicht "die Bauern", sondern vorallem junge, nachgeborene Söhne, die keine Aussichten hatten, den Hof des Vaters zu übernehmen (Anerbenrecht).

In manchen Gegenden Deutschlands, in denen es "Realteilung" gab, waren die Hofstellen allerdings oft so klein geworden, dass sie nicht weiter geteilt werden konnten und manchmal für die bewirtschaftenden Familien zum Lebensunterhalt nicht mehr ausreichten.

Schließlich mussten viele Bauern im Rahmen der "Bauernbefreiung" an ihre ehemaligen Grundherren beträchtliche Ablösesummen bezahlen, die viele nicht aufbringen konnten. Sie mussten sich nach Aufgabe ihrer Höfe neue Einkunfts- und Arbeitsmöglichkeiten suchen.

Nicht nur Bauern, auch viele selbständige Kleinhandwerker sahen in der sich entwickelnden Industrie bessere, gesicherte Einkünfte.

Schließlich kamen auch aus dem Ausland viele Arbeiter nach Deutschland, um dort Arbeit zu suchen, die sie in ihrer Heimat nicht fanden. Berühmt waren die Polen, die in großer Zahl ins Ruhrgebiet einwanderten.

Die Fabriken waren keine Konkurrenz für die Bauern. In Fabriken wurden Waren hergestellt, die die Bauern selbst nicht herstellten, vorallem Stahl und Maschinen. Wichtig war auch der Bergbau (Kohle, Erze), ohne den Stahlherstellung und Maschinenbau nicht möglich gewesen wären. Was die Einkünfte der Bauern schmälerte, war der Beginn der Globalisierung: durch die Eisenbahn konnte billiges, auf den Weltmärkten gekauftes Getreide rasch und in großen Mengen überall in Europa und Deutschland hintransportiert werden.

MfG

Arnold


Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

In vielen Fällen war es so, dass die Bauern, also die Inhaber der Höfe, nicht in die Städte gingen, um als Industriearbeiter anzuheuern, es waren oftmals die nicht erbberechtigten weiteren Kinder, die ansonsten als unverheiratete Knechte und Mägde auf den Höfen hätten bleiben müssen. Daher wanderten viele dieser Menschen in Städte ab und gründeten als Industriearbeiter Familien.

Ferner verbesserten sich durch den medizinischen Fortschritt die Überlebenschancen von Säuglingen und Kleinkindern, sodass auch hierdurch die Anzahl der Menschen stieg. Auch bessere Technik in der Landwirtschaft sowie der Einsatz von Dünger erhöhte die Menge der produzierten Nahrung, sodass weniger Menschen an Hunger starben bzw. mehr Menschen in der Lage waren, Krankheiten zu überstehen. Gleichzeitig verringerte sich der Bedarf an Landarbeitern zur Produktion dieser Nahrungsmittel.

Hierdurch wuchs die deutsche Bevölkerung von 35 Mio. um 1850 auf etwa 50 Mio. um 1890. Und all diese Menschen brauchten Arbeit, und die gab es in den Fabriken.

Soweit ich weiß sind nicht alle Bauern in Armut geraten,man kann ja nicht sowas wie Kartoffeln industriell anbauen.Eher Weber und andere Handwerkliche Berufe wurde durch die Industrialisierung verdrängt 

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