Warum war Bismarck gegen die SPD?

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Reichskanzler Otto von Bismarck, ein, demokratischen Ideen gegenüber reserviert bis ablehnend eingestellter, Konservativer, betrachtete die SPD von Anfang an als „Reichsfeind“ und wurde schon vor dem Sozialistengesetz mit einschränkenden Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie und die noch junge Gewerkschaftsbewegung aktiv. Wegen ihrer Opposition gegen den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und ihrer Solidarität mit der revolutionären Pariser Kommune 1871 waren August Bebel und Wilhelm Liebknecht bereits 1872 beim Leipziger Hochverratsprozess zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt worden.

Otto von Bismarck war am Beginn seiner politischen Tätigkeit ein konservativer Anhänger einer Monarchie mit Ständevertretung. Es hat einen gewissen Wandel in seinen politischen Anschauungen gegeben (er ist über eine bestimmte Art eines provinziellen preußischen Konservativimus hinausgegangen), aber keine völlige Umkehrung hin zu einer sozialdemokratischen/sozialistischen Einstellung.

Das von ihm eingebrachte und von einer Mehrheit des Reichstags beschlossene Sozialistengesetz („Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“) von 1878 (bis 1890 verlängert) ermöglichte ein Verbot sozialdemokratischer und sozialstischer Versammlungen, Vereine und Druckschriften.

Es ist kein Grund, sondern Ausdruck seiner Gegenerschaft. Anlässe waren Attentate auf Kaiser Wilhlen, wobei aber die Täter nicht sozialdemokratische Motive hatten. Bismarck hat eine Gelegenheit für eine starke Verschärfung schon vorher stattfindender Unterdückungsmaßnahmen benutzt. Zugleich sollte sie ihm dazu dienen, die Liberalen zu schwächen und fügsamer zu machen.

1863 hatte Bismarck Kontakte zu Ferdinand Lasalle und hat die sozialdemokratische Bewegung als nicht völlig unwillkommene Gegenrichtung zu den Liberalen in den Blick genommen.

1878 griff er zu Mitteln, die für einen freiheitlichen Rechtsstaat unpassend waren. Bismarck erklärte die Sozialdemokraten, die einen anderen Staat und eine andere Wirtschaftsordnung anstrebten, zu „Reichsfeinden“. Dabei spielte ihre internationale Zusammenarbeit mit Arbeiterbewegungen in anderen Ländern eine Rolle (auch die Zentrumspartei galt wegen des Verhältnisses zum Vatikan und der Zusammenarbeit mit Katholiken anderer Völker im "Kulturkampf" als „Reichsfeind“). Sie stand in Gegensatz zu seinen Wünschen zu nationaler Einheit. Die Sozialdemokraten waren im deusch-französischen Krieg 1870/1 nach dem Sieg über das kaiserliche Frankreich für eine Beendigung des Krieges eingetreten, hatten eine Annexion von Elsaß-Lothringen abgelehnt und gegen weitere Kriegskredite gestimmt. Es gab von ihnen Äußerungen, die Solidarität mit der Parsier Kommune (1870/1 nach Vorstellungen über eine sozialistische Gesellschaft errichtet) bekundeten. Dies führte zu dem Vorwurf, „Vaterlandsverräter“ zu sein.

Bismarck hat die Sozialdemokraten als Störfaktor empfunden. Beim Ausmaß der Gegnerschaft (scharfe Bekämpfung mit Ausnahmegesetzen) ist ein zunehmendes Beharren auf den grundsätzlichen politischen Strukturen von 1871 und Unduldsamkeit in Bezug auf Absichten zu ihrer Veränderung auf dem Weg politischer Entwiclungen eine Erklärung, zusammen mit einer Abneigung gegen etwas, das er als Bedrohung durch einen revolutionären Umsturz sah.

Über Bismarck gibt es Biographien, die Darstellungen zu dem Thema enthalten, z. B.:

Lothar Gall, Bismarck : der weiße Revolutionär. 3. Auflage, Neuausgabe. Berlin : Ullstein, 2008. ISBN 978-3-548-26515-5

Otto Pflanze, Bismarck. 1. Auflage in der Beck'schen Reihe. München : Beck, 2008. Band 1: Der Reichsgründer (Beck'sche Reihe ; 1785). ISBN 978-3-406-54822-2 Band 2: Der Reichskanzler (Beck'sche Reihe ; 1786). ISBN 978-3-406-54823-9

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