Warum verzeichnet die Welt (seit der Finanzkrise) ein geringes Wachstum auf, warum kann sich die Welt nicht erholen und was werden die (langf.) Folgen sein?

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3 Antworten

Eigentlich ist geringeres Wachstum kein Problem, wenn es mit den ökonomischen Grundbedingungen übereinstimmt. Wachstum brauchen wir, wenn die Weltbevölkerung zunimmt und wir verhindern wollen, dass sie gleich in die Armut rutschen. Die Frage ist allerdings, ob sich auf Zukunft nicht mal langsam eine Bremse einbauen lässt, dieses Bevölkerungswachstum zu stoppen. Das ist ein breites, kompliziertes Thema und ethisch nicht einfach. Eine wachsende Bevölkerung ist immer ein Motor zu mehr Wirtschaftswachstum.

Die ungleichgewichtige ökonomische Situation der Länder und Kontinente ist der zweite Motor, denn unterentwickelte Wirtschaften und nur mit dem Nötigsten versorgte Menschen streben natürlich nach mehr Wachstum als Chance zur Teilnahme am Wohlstand der anderen. So empfinden es die Inder z.B. als Arroganz der Europäer, wenn wir von denen mehr ökonomische Zurückhaltung fordern.

In den fortgeschrittenen Ökonomien gibt es viele Gründe, warum Wachstum nötig ist, um soziale Verwerfungen abzuglätten. Allein die Immigration aus Ländern weniger erfolgreich organisierter Ökonomien zwingt zu Wachstum z.B. im Wohnungsbau und der Bereitstellung von sozialer Infrastruktur. Die bereits Beschäftigten müssen mehr verdienen, d.h. eine höhere Produktivität haben, damit ihr Lebensstandard bei zunehmenden Abzügen gleich bleibt. Man schaue sich nur das Wachstum der Sozialetats an, die von den kleinsten noch Anfang der 60er Jahre auf den inzwischen größten Etat gewachsen sind und zwar auf allen Ebenen.

Dann ist natürlich auch noch die Frage zu stellen, wie Wachstum gemessen wird. Z.B. wird als Wachstum gemessen, wenn mehr Smartphones verkauft werden. Dann sind sie aus dem Blick. Werden sie dann aber fachgerecht entsorgt und zerlegt und die wertvollen Stoffe weiterverwendet, erscheint das in der dann betroffenen Periode als Wachstum, ohne dass dafür "neue" Rohstoffe eingesetzt werden mussten. Erfindungen, neue Energie- und Rohstoffquellen, neue Lebensmittel z.B. durch neue Zuchtmethoden: Die Quelle für Wachstum ist groß.

Wir reden jetzt immer von realem Wachstum des Güter- und Dienstleistungsangebots. Die Finanzkrise hat den Blick von der Produktionsseite auf die Finanzierungsseite gelenkt. Seitdem besteht die Illusion, als ob die Vermehrung der Geldmenge und die Aufsplittung der immens steigenden Schuldenberge in immer neue Finanzhandelsobjekte etwas mit "echtem Wachstum" zu tun hätten. Der Ausgangspunkt der Finanzkrise - die europäische Schuldenkrise eingeschlossen - ist eine künstlich geschaffene Überproduktion, nicht selten total sinnlos wie z.B. der Bau einer Autobahn in wüster Landschaft, die niemand benutzt und auch dafür zahlt.

Wenn das, wie in Europa oder Japan durch Staaten geschieht, ist das wie zahlen für das graben von Löschern und zahlen, dass sie wieder zugeschüttet werden, sprich Geldverteilen ohne reales produktives Wachstum. Über Steuern und Niedrigzins werden die Vermögen der Leute (nach Land ganz verschieden) angezapft und zwangsverteilt von den bestehenden Vermögen auf die Profiteure dieser sinnlosen Staatsaktivitäten. Wenn jetzt Produktivitätsfortschritt als Maß für Wachstum gemessen wird, ist nichts messbar. Die Umverteilungseffekte werden dann aber ausgeblendet. Denn jedes mit Geldvermehrung geschaffene Potential ist gleichzeitig eine Forderung an die Bevölkerung der EURO-Länder.

Die Milliarden, die z.B. nach Portugal wandern, sind ja real. Wenn dort dafür ein Autobahnteilstück in die Wüste gebaut wird, wird reales Geld, Forderungen an die Bevölkerung der EURO-Länder ausgegeben. Das sacken dann verschiedene ein: Alle entlang der Seilschaft bis zum Unternehmer, der das sinnlose Autobahnteilstück evtl. sogar überteuert abrechnet. Daran verdienen dann lokale und übergeordnete Politiker und evtl. auch einige genehmigende EU-Beamte. D.h. den wachsenden Forderungen an die Bevölkerung der EURO-Länder stehen real wachsende Vermögen der Nutznießer gegenüber. Dass Portugal bei nüchterner Betrachtung daraus keine gesundende Wirtschaft vorweisen kann und die Arbeitslosenzahlen stabil bleiben zeigt dann aber, dass die Milliarden keinen Wachstumseffekt für das Land hatten sondern lediglich eine Umverteilung von öffentlichen Schulden in private Taschen darstellen. Das wird uns dann in politischen Sonntagsreden als Wachstum verkauft, bis man bei der nächsten Milliardenrettung kleinlaut zugeben muss, dass von dem Scheinwachstum nichts real war sondern nur ein "wünsch Dir was".

Die Finanzkrise war ein Resultat aus dem Versuch, aus Nichts Geld zu machen. Und dieses Prinzip wurde fortgeführt, bringt nur nicht mehr soviel. Man kann halt nicht ewig wachsen, das widerspricht jeder Vernunft.

Finanzkrise, klingelts?
Nicht, macht nichts, versuchen wir wir das.

Im Euroraum beträgt die Gedamtverschuldung von Staat/Banken/Unternehmen und Verbrauchern 448% (Deutschland 228%) gegenüber der Jahreswirtschaftsleistung.
Alles was erwirtschaftet wird verschwindet in diesem Loch, ohne es zu füllen.

Würde nun in Deutschland das doppelte geleistet wäre noch kein Wachstum erreicht. In Europa müsste das 4fache geleistet werden.
Deutschland wird seine Wirtschaftsleistung nicht einfach verdoppeln können ud Europa seine nicht vervierfachen.

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