Warum versuchen Menschen anderen zu "helfen" ohne klaren Auftrag?

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6 Antworten

Wenn ich jemanden helfen möchte, der nach meiner Hilfe nicht gefragt hat, dann meißtens nur, weil ich mich in die Situation des vermeintlich Hilfsbedürftigen hineinversetzen kann und eine Lösung für seine Probleme kenne, nämlich die Lösung, die mir bei dem Problem geholfen hat. Also heißt das ich gebe Erfahrungen weiter bei Problemen die ich vielleicht selber schon hatte.

Auch denke ich steht "Mitleid" und "Sozialität" sehr weit oben als Grund. Warum soll ich nicht etwas abgeben? Warum soll ich meinen Mitmenschen nicht helfen, auch wenn sie mich nicht gefragt haben? Natürlich werde ich meine Hilfe wieder zurück nehmen, wenn ich die entsprechende Reaktion bekomme.

PEJAR 21.03.2012, 15:40

Klasse Antwort!

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SoSchro87 21.03.2012, 15:43
@PEJAR

Danke... hab da schon einige Erfahrungen gesammelt mit Hilfe geben. Komischer weise ist es aber auch so, dass diejenigen die "gerne" Helfen sich selber selten helfen lassen.

Zumindest ist es bei mir so. Bevor ich um Hilfe bitte muss einiges passieren. Ich versuch das Problem lieber erst mal selber zu lösen.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich fast jedes Mal wenn ich um Hilfe gebeten habe, dies nach hinten los gegangen ist und ich einfach keinen Bock darauf habe mir ständig anhören zu müssen "Wenn ich nicht gewesen wäre" oder "Du hast mich doch um hilfe gebeten" blablabla

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Rose313 21.03.2012, 15:43

Es geht hierbei aber um den psychologischen Aspekt. Wir haben uns folgenden Satz notieren müssen "Jeder Mensch hat ein RECHT auf sein Leid". Denn meist beginnen die anderen erst sich selbst zu helfen,wenn man seine vermeintliche Hilfe weglässt. Also erst dann ist der andere in der Lage sich zu entwickeln. Ich denke es kommt aber hierbei auch auf die Situation an. Und woher willst u wissen, ob Du wirkliche Lösungsansätze für das andere Problem kennst? Gut, auch hierbei kommt es auf die Situation an. Einem Abhängigen kannst Du sagen "Hör auf mit dem Mist und mach eine Therapie." Aber ist das WIRKLICHE Hilfe? Hat er nicht ein Recht selbst zu entscheiden?

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SoSchro87 21.03.2012, 15:56
@Rose313

Ich denke die Entscheidung ob ich jemanden Helfe oder nicht entwickelt sich im laufe des Gesprächs. Ich geh nicht durch die Straße und gabel mir nen "Abhängigen" auf und nehm in an die Hand und sag "komm ich helf dir jetzt" ich denke da kommt der Ansatz von DelfinaLouisa hinzu.

Für gewöhnlich helfen wir ja meißtens nur Menschen mit denen wir eine Verbindung haben. Sei es der Nachbar, Arbeitskollegen, Freunde, Familie, Bekannte etc. (ich rede jetzt von mir)

Natürlich hat jeder ein Recht auf "Leid". Beispiel ist mein Nachbar. Starker Alkoholiger, Schulden, Depressionen etc. wir haben uns ihm angenommen, weil er ein netter Kerl ist, wenn er nüchtern ist, und wir im selben Haus wohnen. Dazu kommt noch, dass er, wenn er getrunken hat raucht und das Risiko, dass das Haus abfackelt ziemlich groß ist.

  1. Wir helfen um uns zu schützen. Wenn es ihm besser geht (Psychologisch, Sozial etc.) dann trinkt er vielleicht weniger, bzw. versucht man ihn via reden zu einem Entzug zu bringen, damit das Risiko geringer wird dass das Haus abfackelt.

  2. Wir helfen weil er ein Nachbar ist. Er tut uns schon ein bisschen leid und warum soll man seinen Nachbarn nicht helfen. Ein Stück weit zu mindest.

Mittlerweile rufen wir nur noch die Polizei wenn wir merken, dass er zu viel getrunken hat und über uns alles um schmeißt (wohnen in einem Altbau) damit wenigstens etwas die Sicherheit garantiert wird.

Ich persönlich habe es auch mit dem "er hat noch nicht genug gelitten um sich zu ändern" Ding probiert, weil mir die Verantwortung einfach zu groß geworden ist und ich privat auch noch andere Probleme hatte um die ich mich zu erst kümmern musste. Das hat ca. 6 Monate gehalten (hat nichts mehr getrunken, war in sozialem Kontakt, besserer Kontakt zur Tochter etc.) dann ging es wieder von vorne los.

Was sagt mir das?

Ich habe meine Hilfe angeboten, die wurde angenommen. Als meine Hilfe nichts gebracht hat habe ich mich von dieser Person zurück gezogen und ihn "leiden" lassen. Aber am Ende ist es völlig egal ob man hilft oder nicht, denn die Entscheidung ob jemand Hilfe annimmt oder ablehnt liegt bei dem der Hilfebedürftig ist und nicht bei dem der versucht die "Welt ein bisschen besser zu machen" oder Dritten an seiner momentan heilen Welt teil nehmen zu lassen.

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Rose313 21.03.2012, 16:08
@SoSchro87

Ich finde Deine Antwort sehr bemerkenswert. Denn letztlich geht es wirklich darum,ob der andere die Hilfe wirklich möchte um aus seinem Kreislauf auszubrechen. Nur manchmal führen vermeintliche Hilfsversuche ja auch gerade zu einer Aufrechterhaltung der Problematik. Und ich denke es ist ein Unterschied,ob ICH möchte, dass der andere nicht mehr trinkt (um es auf Dein Beispiel zu beziehen),oder ob der andere die Hilfe wirklich annehmen möchte. Dazu fällt mir ein passender Satz ein "Wen ein Alkoholiker ständig lesen muss, wie gefährlich Alkohol ist,wird er aufhören......zu lesen" Danke also für die ausführliche Antwort.

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Ich denke, das trifft es schon ganz gut, nur gibt es Menschen, die grundsätzlich zu viel, auch ohne klaren Auftrag, Verantwortung übernehmen, zum Beispiel Menschen, die schon früh als Kind Verantwortung für die Eltern etc übernehmen mussten.Die bemerken es häufig gar nicht, dass sie jemanden mit ihrer Hilfe quasi entmündigen, sondern die sind gewohnt, zu handeln, da reichen schon nonverbale Appelle.Da geht es nicht um das Aufbessern vom Selbstwert.

Rose313 21.03.2012, 15:45

Danke für die gute Anmerkung/Anregung. Also meinst Du quasi konditioniertes verhalten,welches erst wieder "abtrainiert" werden muss,oder um es einfacher zu sagen "Man hat es eben nicht anders gelernt".

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Du bist schon auf einem guten Weg. Man kann sich diesem Phänomen durchaus nähern, indem man die Theorie of Mind als Erklärung nutzt. Zum einen spielt dann Empathie eine Rolle, indem man sich in die Lage der scheinbar hilfsbedürftigen Person hineinversetzt und zum anderen enstehen dadurch "Erwartungs-Erwartungen" also die Vorstellung, dass eine bestimmte Handlung erwartet wird.

Rose313 21.03.2012, 16:23

Danke, werde mir das jetzt alles mal raussuchen und zusammenfassen. :)

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benjiman 21.03.2012, 16:35
@Rose313

Du kannst auch einen neurowissenschaftlichen Ansatz wählen. Anhand von fMRT Scans wurde beispielsweise nachgewiesen, dass der Anblick leidender Menschen eine Aktivität in der Insula auslöst, die vermutlich empathische Gefühle auslöst. Ich weiß allerdings nicht, ob die Neuropsychologie Teil eures Unterrichts ist. Ein interessanter Aspekt ist sicherlich der, dass Helfen auch eine pathologische Seite haben kann.

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Rose313 21.03.2012, 16:55
@benjiman

Ich werde es mir auf jeden Fall notieren. Ob es der biologische Teil nun im Unterricht vorkommt, wage ich zu bezweifeln, allerdings lerne ich ja nicht für die Schule, sondern für`s Leben ;) Aber eine Frage habe ich noch zu der Empathie-Sache. Handelt es sich dabei nicht eigentlich um vermeintliche Empathie? Zitat Wiki: "Der Begriff Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tieres zu erkennen". Soweit so gut. Wenn ich allerdings meine eigene Hilflosigkeit verdränge,indem ich anderen unterstelle,dass sie hilfbedürftig sind, hat das für mich persönlich wenig mit Empathiefähigkeit,sondern eher mit Verdrängung und Projektion zutun,oder? Ich habe ja dann nicht wirklich die Fähigkeit die Gedanken und Emotionen des anderen zu erkennen,sondern ich mische meine eigenen Erfahrungen mit der Situation des Gegenübers. Die Frage ist ja auch,ob eine andere Person wirklich hilfsbedürftig ist. Ich denke hier wird es sehr auf das Beispiel ankommen,was mein Lehrer bringen wird. Empathie würde dann zum Beispiel auf Unfälle etc. zutreffen oder?

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benjiman 21.03.2012, 17:47
@Rose313

Meine Ausführung war da tatsächlich ein wenig missverständlich und etwas durcheinandergewürfelt. Also im Hinblick auf die Theorie of Mind sollte man tatsächlich lieber von "Erwartungs-Erwartungen" sprechen und die sind -wie du ganz richtig bemerkt hast- auch immer subjektiv geprägt. Man könnte hier auch den "False-Consensus-Bias" anführen. Empathie (verstanden als Einfühlungsvermögen) kann allerdings auch erklären, weshalb Menschen hilfsbereit handeln. Der Begriff Empathie würde dann eher zum genannten neurowissenschaftlichen Ansatz passen. Wenn du die pathologische Seite des Helfens beleuchten willst, kannst du den psychoanalytischen Ansatz wählen und einen Verdrängungsprozess (Projektion) unterstellen. Bei einigen depressiven Menschen kann man beispielsweise eine sehr ausgeprägte Hilfsbereitschaft beobachten. Hier kann man selbstverständlich die Vermutung äußern, dass das in der Empfindung begründet liegt, selbst hilflos zu sein. Von einer Projektion als Verdrängungsmechanismus im freudschen Sinne kann allerdings nur ausgegenagen werden, wenn die Verdrängung nicht bewusst geschieht.

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Rose313 21.03.2012, 20:17
@benjiman

Von den "False-Consensus-Bias" hatte ich bisher noch nichts gehört.Habe es allerdings recherchiert und finde auch diesen Punkt sehr interessant. Ich denke, ich werde bei der Klassenarbeit morgen einfach das Problem haben, dass ich einfach wieder viel zu viel gelernt und recherchiert habe. Dann sitze ich dort, bekomm einen Geistesblitz nach dem anderen und kann in der kurzen Zeit garnicht alles unterbringen:D Klingt komisch,aber manchmal wäre mir eine kurze und knappe Recherche eigentlich lieber, um Fragen konkreter und schneller beantworten zu können.Nur verhält es sich dann meist so, dass beim lernen/recherchieren wieder neue Fragen auftauchen,die ich dann aber auch nicht so im Raum stehen lassen möchte und auch dann wieder recherchiere. Ich habe meinen Lehrer heute auf "Shaping" bezüglich operanter Konditionierung angesprochen und er sagte "Brauchst Du nicht, vergiss es wieder". Von ihm sehr nett gemeint, da weniger zu lernen, aber nicht MEINE Art zu lernen. Bin mal gespannt, wie es morgen wird. Habe heute übrigens mal in den Raum geworfen, dass man sich anscheinend zunehmend von der freudschen Theorie in Bezug auf Essstörungen distanziert. Er hat mich einfach ignoriert :D Aber gut, über Wochen was lernen was Inhalt der morgigen Klassenarbeit wird und dann heute sagen zu müssen "Ach stimmt, vergesst Freud" (um es überspitzt zu sagen) wäre wohl auch eher kontraproduktiv. ;) Danke jedenfalls für die gute und ausführliche "Beratung" :)

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benjiman 21.03.2012, 20:46
@Rose313

Psychologie ist eben ein sehr weites Feld. Oft hilft es schon, wenn man sich bei der Erklärung auf ein Paradigma konzentriert. Wenn du eine Frage beantwortest, solltest du dich entscheiden, ob du das beispielsweise aus der Sicht eines Psychoanalytikers tust oder ob du Ansätze des Kognitivismus, des Behaviorimus, des Humanismus oder der Neuropsychologie wählst (um nur einen Ausschnitt der Möglichkeiten zu nenen). Du könntest auch verschiedene Sichtweisen präsentieren, aber da läufst du Gefahr, dass deine Ausführungen zu umfangreich werden. Dass man sich von Freuds Aussagen etwas distanziert, hat etwas mit der wissenschaftlichen Belegbarkeit zu tun. Viele Erklärungen von Freud genügen aus heutiger Sicht einfach nicht den wissenschaftlichen Standards. Einige Psychologen gehen soweit, die Psychoanalyse gar nicht als Wissenschaft anzuerkennen. Streng genommen ist das vertretbar, aber ein Psychoanalytiker hört das natürlich nicht gerne. Abgesehen davon erkennt man allerdings an, dass Freuds Beobachtungen sehr wichtige Erkenntnisse bzw. Ansätze zur Weiterentwicklung geliefert haben (von manchen Aussagen distanzieren sich jedoch selbst heutige Psychoanalytiker). Euer Lehrer muss natürlich irgendwo Grenzen setzen, da die Schule zunächst auch nur ein Basiswissen zur Verfügung stellt und damit eine Orientierungshilfe für den weiteren Werdegang bietet. Andererseits ist es auch wichtig, die Interessierten zu ermutigen und zu fördern. Ich weiß nicht, ob euer Lehrer selbst Psychologie studiert hat (und wenn ja, welche Spezialisierung er gewählt hat) oder ob er sich den relevanten Stoff angelesen hat. Abhängig davon kann es auch sein, dass du ihn langsam überholst.

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Rose313 21.03.2012, 21:13
@benjiman

Also er hat defitiniv Psychologie studiert,jedoch bin ich bei der Spezialisierung überfragt. Ich weiß, dass er eine Zeit selbstständig war um Manager/Führungskräfte zu motivieren und zu unterstützen. Die Mehrheit aus meiner Klasse findet Psychologie zum sterben langweilig. Es ist allerdings auch die Mehrheit,die mit seiner Art zu unterrichten Schwierigkeiten hat. Ich komme mit ihm und seiner Methode sehr gut klar und finde manche Ansätze auch absolut zutreffend und interessant. Ok, dies mag auch am Altersunterschied liegen. Ich hole das Abi auf dem 2.Bildungsgang nach und bin schon ein wenig älter als der durchschnittliche Schüler. Und wenn ich eine andere Meinung habe,dann sag ich ihm das auch und auch er geht super damit um. Und das halte ich nicht für selbstverständlich, da mir schon mehrere Lehrer begegnet sind,die meinen sie wären der Herrscher der Schule und die auf Kritik dann wirklich cholerisch reagieren. Mein Psychologie-Lehrer kommt jedoch auch mit meiner meist ironischen Art sehr gut zurecht. Wenn ich ihn anzwinker und sage "Herr XYZ, was ist denn das heute wieder für ein Quatsch und aus welchem Kellerloch haben sie die Theorie denn ausgegraben?" dann hat er damit zum Glück auch kein Problem ;) Also ich denke er schätzt mich schon irgendwie. Zum einen hört er sich meine Vorschläge/Anmerkungen an, zum anderen stehe ich bei ihm durchgängig auf 1+. Macht einen Notenschnitt von 0,9....lach. Naja,aber darauf kommt es mir ehrlich gesagt nicht an. Und dann lese ich konstruktiv und sprachlich einwandfreie Beiträge wie Deine und merke, welch kleines Licht ich am Psychologie-Himmel bin. Ich lerne nicht um der "Oberstreber" zu sein. Mich interessiert die Psychologie und vorallem auch die Pädagogik. Ich denke ich bin noch weit entfernt davon, ihm das Wasser reichen zu können.Aber es ist ja auch schwierig, wenn man jahrelang gelerntes plötzlich vergessen soll um einer neuen Hypothese Platz zu schaffen. Natürlich gehört dies zum guten wissenschaftlichen Arbeiten dazu, aber ich denke nach der Klassenarbeit wird er auch noch weiter darauf eingehen. So schätze ich ihn auf jeden Fall ein. Ich denke, er wollte das Thema heute nicht aufgreifen, um keine Verwirrung innerhalb der Klasse zu stiften.

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Angel84 22.03.2012, 08:26
@Rose313

Darf ich mich mal kurz hier einmischen?! :-)

Wenn es dir darum geht, fürs Leben zu lernen und deine tiefergehenden Fragen nicht unbedingt für deine Prüfungen nötig sind, kann ich dir nur den Impuls geben:

Selbsterkenntnis! Selbstbeobachtung. Erkennen und Verstehen, welche unbewussten Gedankenkonstrukte, Überzeugungen, bewusstes und unbewusstes Wissen / Glauben, verdrängte Gefühle und Überzeugungen, du IN dir trägst. Das ist es, was dein Denken, Fühlen und Handeln bestimmt. Erkennst du dich selbst, erkennst und verstehst du auch jeden anderen. Du kannst die Motive nachvollziehen.

Was ich hier so von dir gelesen habe, lässt mich darauf schließen, dass du absolut befähigt bist, hier ganz tief zu gehen!

Was du auf diese Weise "lernen" kannst, ist wirklich fürs Leben und hat den wunder-vollen Nebeneffekt, dass du dich selbst (geistig) befreist.

Ich habe mich selbst weder mit Psychologie, noch mit Philosophie beschäftigt. Und doch sehe ich jetzt, dass ich auch ohne all die Fachbegriffe, Ausrichtungen, zu diesen Ergebnissen komme. Da sie IN mir "gewachsen" sind, kann ich sie auch zutiefst verstehen.

Außerdem ist diese "Arbeit" weitaus spannender, als sich Stoff anzulesen.

Viel Erfolg bei deiner Arbeit!

Und ALLES LIEBE!

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meine ansätze außerdem:

  • man hilft lieber jemandem, anstatt sich um die eigenen probleme zu kümmern, da das letztere oft schwieriger ist (man lenkt sich selbst von den eigenen zu lösenden problemen ab)

  • die dankbarkeit des menschen, dem man geholfen hat, gibt ein gutes gefühl, das einen befriedigt ( "ich bin ein guter mensch"-bestätigung)

Sie1974 21.03.2012, 15:24
  • stark ausgeprägte empathie (bsp.: "als ich in so einer situation war, ging es mir schlecht - ich weiß/vermute, wie er/sie sich fühlt; ich hätte mich damals gefreut, wenn mir jemand in dieser situation geholfen hätte")
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Rose313 21.03.2012, 15:51
@Sie1974

Danke für die guten Anmerkungen/Anregungen. LG

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Injure 21.03.2012, 15:30

Genau, ich bin ja so ein guter Mensch, ich bin stark und unverzichtbar, ich beweise mir meine Stärke, indem ich registriere, wer alles schwächer ist als ich (Selbstbestätigung) und dieser Schwächling wird sich dann auch bei mir bedanken (doppelte Selbstbestätigung...). Und wenn ich dann irgendwann selbst "am seelischen Krückstock" laufe, liegt es daran, dass ich allen Menschen gutes getan habe und kann das als Waffe benutzen und mein Ego pflegen (Selbstbestätigung).

Von daher liegt die Charakterstärke im Nein sagen können bzw. im Helfen dann, wenn man definitiv darum angegangen wird und nicht früher...(ausser natürlich bei Unfällen in denen diese Kommunikation nicht möglich ist)...

Frage mich oft, ob das Forum genau davon lebt...

Ist also diese Form des Helfens dann nicht in Wirklichkeit eine Narzisstische Störung???

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PEJAR 21.03.2012, 15:39
@Injure

Narzisstische Störung ????Wohl kaum!

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Rose313 21.03.2012, 15:50
@Injure

Mit narzisstischen Störungen habe ich mich bisher noch nicht auseinandergesetzt. Deine Anmerkung/Anregung finde ich allerdings gut. Danke :)

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Ich finde, du hast es schon wunderbar heraus gearbeitet.

Frage mich oft, ob das Forum genau davon lebt...

Ja und nein...

Es gibt auch noch die Möglichkeit Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Ich kann da nur von mir sprechen...

Mir macht es Freude, wenn ich Impulse geben kann, die der andere für sich zu nützen weiß. Mir macht es Freude, meine eigenen Erfahrungen weiter zu geben und vielleicht damit etwas anzuregen, das den anderen in die Lage versetzt, sich selbst zu helfen. Warum sollte ich die Geschenke, die ich erhalten habe, nicht mit anderen teilen?!

Dem anderen etwas abzunehmen, das seiner eigenen Verantwortung unterliegt, ist tatsächlich keine Hilfe, da er sich dann wirklich, wenn auch unbewusst, hilflos und klein fühlt.

Ich betrachte dies gerne als Energiefluss...

Jemand der sich selbst unbewusst als hilflos, schwach, wertlos... empfindet und sein "Helfersyndrom" auslebt, "stiehlt" vom vermeintlich noch Hilfsbedürftigeren Energie, indem er seine Aufmerksamkeit gewinnt und Dankbarkeit einfordert.

Jemand der mit sich selbst im Reinen ist, in seiner eigenen Mitte ist, "schenkt" vom eigenen Energiefluss, um dem anderen Kraft zu spenden, sich selbst zu helfen.

Rose313 21.03.2012, 16:10

Ich denke dem ist nichts hinzuzufügen :)

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> Man bezahlt die offenen Rechnungen, drängt ihn zur Therapie etc. 

ich würde nie für eine fremde Person Rechnungen bezahlen.

Die meißten Leute (ich auch) helfen nur Personen die sie endweder gut kennen oder die einem sympatisch sind... oder halt mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat.

Beispiel:: Ich bin vor ca. 10 Jahren mit meinen (damls noch) Rollschuhen hin gefallen und kam nicht mehr alleine hoch. Meine Nachbarin kam raus, meckerte mich an "schrei nicht so" und ging wiededr rein.

Die könnte jetzt vor mir liegen da würde ich drüber steigen. Aber für mir nah stehende Personen (Eltern) würde ich ALLES tuen um zu helfen

SoSchro87 21.03.2012, 15:36

Hahaha... da kenn ich auch einige Personen aus meinem Leben über die ich "drübersteigen" würde!

Hab mir das mit deiner Nachbarin grad bildlich vorgestellt ;-)

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Rose313 21.03.2012, 15:49

Für fremde Personen würde ich auch keine Rechnungen bezahlen. Aber wie sieht es aus, wenn Dein Lebenspartner das gesamte Geld in Drogen/Spielsucht etc. investiert? Was ist, wenn Dein drogenabhängiger Sohn vor der Tür steht und Dir sagt, er habe nichts mehr zu essen? Ich denke, wie bereits in einem anderen Kommentar erwähnt, kommt es auf die Situation und die Art der Hilfe an. Ich würde auch kein hingefallenes Kind liegen lassen. Aber ob ich mein Kind unterstützen würde,indem ich ihm Lebensmittel kaufe, weil er sein Geld für Drogen ausgibt? Ich denke nicht. Denn letztlich erhält man den Kreislauf damit aufrecht.

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