Warum versuchen immer wieder Gläubige, die Existenz ihres Gottes durch das Widerlegen der Evolution zu belegen ?

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Ich stimme dir vollkommen zu. Der Scheinwiderspruch zwischen Glauben und moderner Wissenschaft ist meiner Meninung nach der grundlegende Logikfehler, auf dem der gesamte Kreationismus überhaupt erst aufbaut.

Offenbar ist es ja Millionen von Gläubigen gelungen, Erkenntnisse über Evolution und andere Dinge in ihr Weltbild zu integrieren und ihre Religion daran anzupassen. Sogar einige der berühmtesten Naturwissenschfaftler hängen diversen Religionen an. An ihren Status sind sie aber nur gelangt, weil sie ihre Arbeit und ihre persönlichen Ansichten trennen können. Wer versucht, physikalische Phänomene wie die Schwerkraft mit nicht näher definierten und nicht nachweisbaren übernatürlichen Wesen zu erklären, wird es in der Forschung niemals weit bringen.

Religiöse Fundamentalisten zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie ihren Glauben für absolut wahr und unumstößlich halten. Am Beispiel der christlichen Fundamentalisten, die ja im deutschsprachigen Raum die einflussreichste Kraft sind: Für sie muss jedes einzelne Wort der Bibel genau wörtlich verstanden werden, Deutungen und Sinnbilder sind nicht zulässig.

Dieser Absolutheitsanspruch der Fundamentalisten ist wohl die Grundlage für ihren Konflikt mit der Wissenschaft. Was mit einem kleinen Ausschnitt der Bibel in Konflikt steht, steht in ihren Augen zwangsläufig mit ihrem gesamten Glauben in Widerspruch, und muss abgestritten werden, um das eigene Weltbild zu schützen.

Was den Ursprung der Welt und der Menschen im Besonderen zu so einem  großen Konfliktthema macht, ist wohl, dass es sich auf ganz zentrale Dogmen des christlichen Glaubens auswirkt. Bei mehreren Kreationisten habe ich schon die Argumentationskette gelesen, dass eine Widerlegung der 7-Tage-Schöpfung bedeutet, dass es nie einen Sündenfall gegeben haben kann und damit keine Erbsünde und keine Erlösung durch Jesus. Und da Jesus ganz unzweifelhaft die Menschheit von ihren Sünden erlöste, muss die 7-Tage-Schöpfung so stattgefunden haben, und alles was dagegen spricht, muss eine Lüge sein. Ich finde, solche Äußerungen geben einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von Kreationisten.

Andere Kreationisten sehen in der ungerichteten Entwicklung der Arten einen Widerspruch zum geplanten Wirken eines Schöpfers und streiten nicht die Evolution und das Alter der Erde selbst ab, sondern die Richtigkeit der Evolutionstheorie. Solche Strömungen lassen sich unter dem Begriff "Langzeitkreationismus" zusammenfassen.

Und manche Kreationisten empfinden es wohl einfach nur als erniedrigend, eine Abstammung von tierischen Vorfahren in Betracht zu ziehen und den Status der Menschen als beseelte und auserwählte Wesen anzuzweifeln. Ich weiß aber nicht, warum die (zweimalige!) Ausbreitung der Menschheit über den gesamten Planeten durch vielfachen Inzest so viel angenehmer klingen soll.

Das sind jedenfalls meine Erklärungansätze für die ursächliche Entstehung von Kreationismus und dem Scheinwiderspruch zwischen Glauben und "atheistisch-naturalistischer" Wissenschaft.

Und manche Kreationisten empfinden es wohl einfach nur als erniedrigend, eine Abstammung von tierischen Vorfahren in Betracht zu ziehen und den Status der Menschen als beseelte und auserwählte Wesen anzuzweifeln.

Denen hätte wohl ein Blick in die Bibel weitergeholfen, der ohne Übersetzungsfehler, denn laut dieser ist Tier und Mensch auf gleicher Stufe und nicht das Tier dem Mensch untertan. Quelle: Christlicher Fernsehsender.

Am Beispiel der christlichen Fundamentalisten, die ja im deutschsprachigen Raum die einflussreichste Kraft sind: Für sie muss jedes einzelne Wort der Bibel genau wörtlich verstanden werden, Deutungen und Sinnbilder sind nicht zulässig.

Was die Sache schon ins Absurde führt, denn man findet für einiges in der Bibel verschiedene Aussagen, allein schon manche der Evangelien sagen über eine Sache völlig unterschiedliche dinge. Wenn man noch die nicht in der Bibel enthaltenen Evangelien dazu nimmt das kommen sogar völlige Gegensätze hinzu.

Wer versucht, physikalische Phänomene wie die Schwerkraft mit nicht näher definierten und nicht nachweisbaren übernatürlichen Wesen zu erklären, wird es in der Forschung niemals weit bringen.

Die Ironie bei der Feindseligkeit gegen die Wissenschaft ist, das einige Wissenschaftler erst durch diese religiös wurden, da das was sie sie sehen und entdeckten so unglaublich ist, das nur ein Gott dahinterstecken kann.

Ich finde deine Überlegungen interessant und kann sie durchaus nachvollziehen.

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DiegoderÄltere, wenn du schreibst 

Wer versucht, physikalische Phänomene wie die Schwerkraft mit nicht näher definierten und nicht nachweisbaren übernatürlichen Wesen zu erklären, wird es in der Forschung niemals weit bringen.  

dann ist dir hierbei ein Denkfehler unterlaufen.  Gläubige Wissenschaftler erforschen Gottes Werke. Während sie durch ihre wissenschaftliche Arbeit zu Ergebnissen kommen, kannst du ihnen doch nicht den Schneid abkaufen, indem du sagst, sie werden es nicht weit bringen! Sie arbeiten mit ihrem mathematischen, physikalischen Wissen. Wie kommt  die Schwerkraft zustande? Das eine ist der wissenschaftliche Wissenshunger, das andere ist das große Staunen, wie exakt alles besteht.

Ganz nebenbei---- die Evolutionstheorie erfordert einen großen Glauben! 

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@stine2412

Stine, auch Du erkennst die ET an und vertrittst sie öffentlich (Flut/Noah); dies sogar in einer so rasanten, aggressiven Form, wie sie tatsächlich nicht existent sein kann. 

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Warum versuchen immer wieder Gläubige, die Existenz ihres Gottes durch das Widerlegen der Evolution zu belegen?

Weil sie nicht verstehen, dass Kreationismus mitnichten nur schlechte oder vielmehr keine Naturwissenschaft ist, sondern insbesondere ungeheuer schlechte Theologie. Ihr fehlt gleichsam das A und O, und zu erraten, was übrigbleibt, überlasse ich Euch.

Ich würde es im Übrigen anders formulieren: Manche Gläubigen verschiedener Religionen lehnen die Evolutionstheorie ab und versuchen gelegentlich auch dagegen an zu argumentieren, damit es Gott geben muss. Nämlich, um zu erklären, warum die Welt so ist wie sie ist und warum sie überhaupt existiert. Dadurch entlarven sie sich als gar nicht soo gläubig, denn anscheinend fürchten sie, Gott könne gleichsam »wegerklärt« werden.

Einerseits wäre jedoch das Fehlen einer halbwegs konsistenten innernatürlichen Weltbeschreibung noch lange kein Beweis für Gott - wenn man es dafür nähme, würde man lediglich seine Unwissenheit verschleiern. Das kann man auch lassen und Agnostiker oder Atheist sein, der ganz wie Sokrates seine Unwissenheit zugibt.

Andererseits: Wer wirklich an Gott als Schöpfer glaubt, und zwar nicht im Sinne des Deismus des 18. Jahrhunderts, sondern im Sinne des jüdischen, christlichen oder muslimischen Glaubens, der glaubt auch an Gott als meinen Schöpfer, und zwar im Wissen um meine ganz natürliche Entstehung. Offenbar existiert keine Kollision zwischen Glauben und innernatürlicher Beschreibung.

Die Evolutionstheorie steht nicht einmal im Widerspruch zu der Vorstellung, Gott habe die Welt 3761v.Chr. in einer Woche geschaffen. Gott, wenn es ihn gibt, ist nicht selbst Bestandteil des Universums, ebenso wenig wie ein Schriftsteller Bestandteil seiner Romanwelt ist.

Zu dem Zeitpunkt, zu dem dieser seine Handlung anfängt, gibt es selbstverständlich eine Vorgeschichte oder kann es eine geben, und das gilt ebenso für die Geschichte des Universums als Roman Gottes. Natürlich ist niemand gern eine Romanfigur, aber das ist ja auch nur ein Bild, sozusagen ein Gleichnis, das das Verhältnis Gottes (unter der Voraussetzung, dass es ihn gibt) zu seiner Welt und ihrer Geschichte illustrieren soll.

Die Evolutionstheorie ist jedenfalls unabhängig von der Existenz Gottes die vernünftigste und einleuchtendste Beschreibung der Entwicklung des Lebens.

Weil ihnen die Meinungen der Schriftgelehrten wichtiger ist als Schöpfer und Schöpfung. Denn wäre ihnen Schöpfer und Schöpfung wichtiger, würden sie die Schöpfung anerkennen als das, was sie ist.

Interessanterweise gilt das auch für die Christen, denn die Lehre von Jesus widerspricht an keiner Stelle den Naturwissenschaften, aber weil die Schriftgelehrten die Schöpfungsgeschichte als die Entstehung der Welt deklarieren (statt als die Entstehung der Welt eines Menschen von der Zeugung an bis zum ersten Generationswechsel), bestehen sie auf dieser Interpretation - was allerdings in krassem Widerspruch steht zur eigentlichen Schöpfung.

Und bis heute zermartern sich die Schriftgelehrten die Köpfe, um Jesus Reden so zu deuten, dass sie ins Bild der damaligen Schriftgelehrten passt - anstatt ihn einfach wörtlich zu nehmen. Es ist ja immerhin möglich, dass er einfach nur meinte, was er sagte. Aber die Schriftgelehrten sind das A und O des Glaubens, 'die heilige Kirche' ist maßgebend - was für ein Unfug, wenn ihnen etwas heilig sein sollte, dann ja wohl die Schöpfung des Schöpfers. Und die Lehre Jesus, die man eigentlich völlig easy aus seinen Reden erkennen kann. Man muss es eigentlich nur befolgen (also alles lieben lernen, nicht zwischen gut und böse richten und immer erst bei sich anfangen).

Aber sie verteidigen die Lehren der Schriftgelehrten, als ob es nichts Wichtigeres gäbe auf der Welt, obwohl ja schon Jesus so seine Probleme mit den Schriftgelehrten hatte. Ist den meisten aber wurscht - was die Schriftgelehrten verkünden, ist ihnen Gesetz und fertig, Schöpfung hin oder her.

*Hammer und Nägel nebst Steinen und Reisig und Streichhölzer rundreich*



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