Warum verschwanden die Ägypter (christliche Kopten) aus Ägypten obwohl sie eine Mehrheitsgesellschaft bildeten?

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2 Antworten

Lieber Ccjack1337,

die Kopten sind keinesfalls aus Ägypten verschwunden sondern stellen immer noch ca. 10% der Gesamtbevölkerung. Sie bilden damit die größte christliche Minderheit im Nahen Osten.

Natürlich war Ägypten einmal mehrheitlich christlich, das stimmt. Allerdings hat nicht Gewalt oder Zwangsbekehrung dazu geführt, dass sich der Islam mit den Jahrhunderten durchgesetzt hat. Im Gegenteil war Ägypten in der spätantike monophysitisch geprägt und somit der römischen Reichskirche ein Dorn im Auge, da die Monophysiten for die Orthodoxen als Häretiker/Ketzer galten. Und entsprechend wurden die ägyptischen Christen lange Zeit schikaniert. Unter arabischer herrschaft wurden alle Christen gleich behandelt, sodass man erstmals wirklich unabhängig war und in Ägypten seinen Glauben so leben konnte, wie man selbst es wollte. Insofern brachte die arabische Herrschaft zum ersten Mal so etwas wie religiöse Toleranz, die es unter römischer Herrschaft nicht gab.

Allerdings gab es einige Beschränkungen für die Bevölkerung, so zum Beispiel dass es in den ersten Jahrhunderten Nichtmuslimen verboten war, arabisch zu lernen. Das versperrte sowohl im Fernhandel als auch in der Staatsverwaltung viele Möglichkeiten, sodass sich viele entschlossen, zum Islam zu konvertieren, um ihre Aufstiegschancen zu verbessern. Die Konversion hatte bei den Allermeisten wirtschaftliche Gründe, keine theologischen.

Erst mit der Herrschaft der Mameluken, türkischer und kurdischer Söldner, die die Macht an sich gerissen hatten, begannen ab dem 13. Jahrhundert erstmalig Christenverfolgungen bzw. Versuche, den Islam durch Zwang zu verbreiten.

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Hallo, sie sind langsam weniger geworden. Besonders weil sie höher besteuert wurden als Moslems sind ab und zu christen übergetreten. Oder weil sie bessere Chancen als Beamte hatten. Das war aber ein sehr langer Prozess, noch vor gut 100 Jahren gab es überwiegend christliche Dörfer. Brutale Christenverfolgung gab es nur unter wenigen Herrschern. Am Anfang waren die Christen über die Arabsiche Herrschaft eigentlich Glücklich, da sie besser behandelt wurden als von den Byzantinern. Und sie glaubten ihrerseits sogar, die (ja nicht so gebildeten) Araber bekehren zu können, denn die hielten die Moslems eher für Menschen, die das Christentum nicht ganz verstanden haben. Anfangs waren übrigends fast alle Beamten Christen, da die Verwaltung, bes. die Berechnung der Steuern anhand des Ertags, Nilwasserstandes etc. den Arabern viel zu kompliziert war.

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