Warum verliert die SPD so massiv an Zustimmung? Zu welchen Parteien wandern die Wähler ab?

 - (Politik, Deutschland, Wirtschaft)

28 Antworten

Die SPD steht einfach nicht mehr für die Werte, die sie früher vertreten hat.

Ich kenne jetzt nicht alle Punkte aus den Wahlprogrammen aller Parteien.

Wenn ich aber vor der Wahl mir die Ziele der letzten Wahlen angucke, gucke welche mir davon wichtig wären und dann sehe, dass sie bei allen der Meinung der CDU (oder anderen) stattgegeben haben und von ihrem Wahlversprechen komplett abgerückt sind, dann ist die Partei für mich einfach nur noch unglaubwürdig. Zudem motiviert mich das nicht, der Partei zu glauben, dass sie es diese Wahlperiode umsetzen.

Zudem haben viele große Parteien einfach scheinbar kein Interesse an jungen Wählern. Sie sagen es zwar, machen aber nichts, was mich interessiert.

Ja, Renten sind teilweise zu gering das sehe ich an meiner Oma, aber ich lebe in einer Zeit wo ich aktuell davon ausgehen muss, wenn ich Alt bin keine (oder keine hilfreiche) Rente mehr zu bekommen. Da stößt es schon bitter auf, wenn die Renten erhöht werden und ich sehe, was ich jeden Monat für heutige Rentner abgebe, zeitgleich aber denke vielleicht nichts zurück zu bekommen. Denn unser aktuelles Rentensystem wird scheitern, wenn es zu wenig Arbeiter im vergleich zu den Rentnern gibt. Tut die Politik was? Nein, denn damit würden sie ihre aktuellen Wähler verärgern. Denn so blöd es ist, die größte Wählergruppe sind eben nicht die unter 30, sondern die darüber. Und je weniger Kinder es gibt, desto mehr Alte Wähler wird es prozentual geben, die eben ihre Wünsche vertreten haben wollen.

Ich muss sagen, ich habe keine Partei wo ich akut sagen würde: die vertritt meine Interessen. Es ist eher ein bisschen rum Gesuche vor jeder Wahl, was regional oder national (je nach Wahl) das kleinste Übel ist.

Gerechtigkeit ist eben immer so eine Sache, aus wessen Sichtweise man es betrachtet...

Die SPD wurde gegründet als Vertreterin der besitzlosen, ungebildeten und politisch zuvor völlig unmündigen Arbeiterklasse. Es ging um höheren Wohlstand, bessere Bildungschancen und eine politische Lobby für die "kleinen Leute".

Dieses Ziel war (in groben Zügen. Natürlich kann man sich immer noch mehr wünschen) in den 1970 er Jahren erreicht.

Danach wurde die SPD zu einer Partei der Beamten, der Lehrer und Sozialpädagogen. Es ging mehr um die öffentliche Organisation einer besseren Gesellschaft. Die ganz großen ideellen Zugpferde gab es eigentlich nicht mehr. Als großes ideelles Zugpferd hätte vielleicht die Friedenspolitik getaugt, oder die Umweltpolitik, oder der ökologische Umbau der Industriegesellschaft - aber da war die SPD nicht mutig genug. Das wurden Themen der neu gegründeten Grünen.

Ich war in der Zeit um 2000 ein großer Freund der von der SPD geplanten Ökosteuer. Ich fand es völlig richtig, Arbeit billiger und Energieverbrauch teurer zu machen (sehe ich auch heute noch so). Leider blieb das ganze ein zahnloser Tiger. Für einen wirklichen tiefgreifenden Umbau der Industriegesellschaft fehlte der Mut (oder, mit mehr Verständnis für die Regierung Schröder ausgedrückt: Die Durchsetzungsmöglichkeit). Das einzige, was die SPD in dieser Zeit erreichte, war eine bessere Wählbarkeit für die politische Mitte - zugleich aber verwässerte die Abgrenzung gegenüber der CDU, speziell bei den arbeitsmarktpolitischen Themen.

In den letzten 20 Jahren haben sich die Positionen von SPD und CDU immer mehr einander angeglichen. In den 60er Jahren gab es zwischen SPD und CDU noch richtige ideologische Grabenkämpfe (O.K., das wünsche ich mir nicht zurück...), aber heute muss man sich richtig Mühe geben, um erklären zu können, was eine SPD geführte Regierung denn wirklich so fundamental anders machen würde als eine CDU geführte Regierung. Ich meine: Wirklich in der Regierungspraxis. Ich meine NICHT: Welche Überschrift die Partei dafür wählen würde (z. B. soziale Gerechtigkeit).

Der SPD fehlt heute eine eindeutige, beweisbare, kurz-und-knackige Antwort auf die Frage: Was würde eine SPD geführte Regierung heute wirklich viel besser machen, als alle anderen Parteien? Was kann die SPD in ihrem Programm bieten, was andere Parteien absolut nicht bieten? Und ist das dann 1. wünschenswert genug, und 2. realistisch genug, dass man als Wähler sagen könnte: O.K., dafür will ich Euch in der Regierung. Und wenn ihr versagt, dann sollt ihr in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden (das ist für Politiker das, was für andere Leute die Hölle ist).

Für ein Profil, das nicht echt existiert, eine interessante Frage. In Sachen sozialer Gerechtigkeit haben die linken Parteien, ob bezahlbar oder nicht, die ziehenderen Ideen, in Sachen Stärke die konservativen. Die SPD gibt da den gemoppten Klassenprimus.
Trump wurde nicht wegen seiner Intelligenz gewählt, oder wegen seiner belegbaren Erfolge. Wie auch.. Sondern einzig und allein der unhaltbaren Versprechen wegen.
Die anderen deutschen Parteien machen das, wenngleich nicht ganz so offensichtlich, besser als die SPD. Es kommt nur auf die Versprechen an.
Das AFD Programm liest sich auch wie eine "Wünsch Dir was"-Fiebel, aber die Wähler auf der Suche nach starker Hand brüllen ein "Genau!" und machen ihr Häkchen.

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