Warum übernehmen nur noch Wenige die Verantwortung für das eigene Leben?

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8 Antworten

So ist es. Anstatt Probleme zu lösen, indem man denkt und entscheidet, handelt, flüchtet man lieber in Selbstmitleid, und redet und redet. Brauche ich eine Therapie, bin ich depressiv? Oh, mir geht es schlecht, habe mich schon wieder geritzt...

Natürlich gibt es Härtefälle, Aussenseiter, wo es wirklich schwierig ist, aus dem Loch herauszukommen, das ist aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung. 

Und ja, es würde allen besser gehen, wenn wir Verantwortung für unser Leben vermehrt selbst wahrnehmen würden, und die Ursachen für unsere Probleme bei uns selbst suchten und dann entsprechend handelten. 

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Kommentar von Prinzessle
10.09.2016, 15:09

Du scheinst sehr weise zu sein und versehst, wo der Kern von Jammertaschen verborgen liegt

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Kommentar von Nube4618
11.09.2016, 15:08

Danke vielmals für HA. 

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Nun Prinzessle...

Deine Frage ist ein Produkt unserer Wohlstandsgesellschaft. Unsere Jugend bekommen ihre Wünsche doch meist prompt und sofort vorne und hinten reingestopft. Wenn´s  sein muß, mit der Schaufel, dass es ja auch schnell genug geht.

Die müssen doch gar nicht mehr auf etwas warten oder sich etwas verdienen.

Ich bin nun etwas über 40. Meine Generation hat sich gefreut wie Zuckerrüben, wenn wir was bekommen haben (egal was es eigentlich war). Und nein, meine Eltern waren nicht bedürftig oder arm. Notwendiges (Bekleidung etc.) wurde gekauft, Luxus (Spielzeug etc.) konnte warten bis zu einem Festtag.

Wir lebten in dem kleinen Kosmos, den wir von unseren Eltern und unserem persönlichen Umfeld vorgelebt bekamen. Wir wurden nicht 24/7 von 256 Fernsehprogrammen zugeballert und diese massive - primitive, lemmingartige und Schreihälsige Internet hatten wir nicht. Wir konnten weder überall was nachlesen und dabei unseren Senf dazugeben. Wenn wir krank waren gingen wir zum Arzt, bei Problemen zu Geschwistern und Freunden. Und ja - unfassbar! - wir unterhielten und auch mit unseren Eltern!

Alles in allem: Wir waren naiv im Sinne von UNBESCHWERT und hatten Respekt vor dem, was andere Menschen machen und LEISTEN.

Wir mußten uns nicht mit tausenden Meinungen, Ansichten und Diagnosen herumschlagen. Wir haben noch gelernt, dass man bei Gesundheit sehr wohl arbeiten kann (und muss und soll). Wir haben gelernt, dass wir erst dann was bekommen, wenn wir dafür etwas geleistet haben.

Ich habe mir von meinem ersten Azubigehalt (mit 15) eine Lederjacke gekauft. Meine Eltern haben fast hyperventiliert. Sie hätten mich am liebsten gemeuchelt, geteert und gefedert! Wie man das Geld nur so zum Fenster rausschmeißen kann und wollten, dass ich selbige wieder zurückbringe. Ich habe mich eisern geweigert. Es war der erste große Widerstand gegen meine Eltern! Sie haben mich eine Woche lang auf mich eingeschumpfen,es im Guten versucht, Strafen angedroht oder mich ignoriert...

Diese Jacke - mit Schulterpolstern so breit wie die Rüstung eines Footballspielers - war die Liebe meines Jugendlebens! Und - ich habe sie heute noch - mit 42! Und ja, ich bekomme bei ihrem Anblick auch heute noch glasige Augen!

Unlängst kam ein 20jähriger Kollege freudestrahlend auf mich zu und erzählte mir von seinem neuen Auto. Er hielt mir sein 600 € teures Handy unter die Nase mit dem Bild eines Schlittens der sich "Sie" schreibt. Ich war echt baff und hab natürlich gesagt: "Respekt, dass Du Dir das leisten kannst! Da hast ja wirklich eisern gespart!" Da meinte er mit abweisender Handwegung: "Neeeeeee, das kann ich mir doch gar nicht leisten. So viel verdien ich doch gar nicht! Da haben die Eltern, Großeltern und die restliche Verwandtschaft was abgedrückt!" Und dieser Satz mit einer solchen Selbstverständlichkeit! Ich hatte Angst, ich würde gleich über meinen Empfangstresen speien!

Wenn wir krank waren mußten wir zum Arzt. Wenn wir schlecht drauf waren, war´s die Pubertät (oder das Alter), ein schlechter Tag oder ein mieses Ereignis, dass uns runterzog. Wir schwiegen darüber oder redeten mit vertrauten Personen. Wir standen nicht mit hoch wedelnder Hand und plärren was von Depressionen in die Welt hinaus.

Jeder hatte schlechte Ereignisse oder Erfahrungen, mit denen er fertig werden MUSSTE! Durch Gespräche mit Anderen! Wir kapitulierten nicht. Es machte und reif und lehrte uns, dass man aus jedem Sch*ß, das beste draus machen mußte.

Ich war mit 21 Jahren (die jüngste von 3 bzw. 4 Kindern...) Vollwaise. Es war eine bitterliche Erfahrung. Heute - selbst Mutter - bin ich im Rückblick meinen Eltern unendlich dankbar für das, was sie mir in den wenigen Jahren für´s Leben mitgegeben haben!

Und heute? Mit 36 hatte ich ebenfalls, wie meine Eltern, Krebs. Meine Kinder waren 8 und 9 Jahre alt. Es war eine grässliche Zeit! Für mich UND für meine GANZE Familie. Und wie ich immer schon sage: Kein Schaden ohne Nutzen! Meine Kinder haben durch diese Erfahrung und auch das mittragen dieses Umstandes mehr gelernt, als was ich ihnen hätte - in dieser (medien)geilen und egoistischen Zeit - beibringen können: Dass es nur funktioniert, wenn alle nach ihren Kräften mithelfen. Dass es mehr im Leben gibt, als geile Autos oder Klamotten. Dass es an einem selbst liegt, was man aus einer Sache macht. Und dass man nicht hinwirft (oder hinwerfen kann) wenn einem was nicht passt!

Liebe Grüße und hoffe, Du bist von soooo viel Hirnschmalz in den frühen Morgenstunden nicht erschlagen!

Kugel

 

 

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Das Problem ist auch, dass es den Menschen immer aufgebunden wird. Du brauchst Geld, du brauchst allen möglichen Blödsinn, du brauchst eine starke Beziehung... Äußerliche Faktoren halt. Typische Konsumgesellschaft.

Dadurch verlieren viele glaube ich auch den Bezug zu sich selbst und wollen/müssen sich nicht mit sich selbst auseinander setzen.

Ich bin neulich hier auf den Begriff Zwangsgesellschaft gestoßen und fand den sehr treffend.

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Kommentar von Nube4618
10.09.2016, 15:27

Es wird ihnen nicht aufgebunden, sie binden es sich selbst auf. Wozu muss ich all den Edelschrott kaufen, der mir die Werbung vorbetet? Kann doch selbst entscheiden, oder. 

Ok, beim Grundbedarf (Essen, Wohnen, Sozialabgaben) gibt es wenig Spielraum, da besteht ein Zwang, muss man irgendwie hinkriegen. Bei allem anderen bin ich aber frei!

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Das ist halt bequemer... viele sind sogar zu faul nachzudenken und fragen sofort Google. Und alles auf (teilweise angebliche) Depressionen zu schieben ist auch einfacher als sich mit Problemen auseinanderzusetzen, immer sind die anderen Schuld und ändern kann man es eh nicht... Warum das so ist weiß ich nicht, aber ich weiß dass nicht alle so sind.

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Kommentar von Prinzessle
10.09.2016, 15:23

ja eben, die die nicht so sind, sind erfolgreicher........ich nenne es wie gesagt... das Frau Holle-Prinzip

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Ich bin der Meinung das die meisten leute sehr unzufrieden mit Ihren Jobs sind und die vorstellung das man sein leben lang den ein und selben Job macht ist für viele mehr als schreklich. 

Wenn du deine begabung nicht ausleben darfst wirst du im Leben nie zufrieden sein, weil du deine bestimmung nicht nachgehst. 

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Kommentar von Prinzessle
10.09.2016, 14:58

ja das ist doch das was ich sage.......tue nicht, was man von dir erwartet, sondern das wovon du fasziniert bist.....allerdings denke bloss nicht, dass da keine Steine sind und alle nur hurra schreien...

Man braucht den Arsch, sein Ding durch zu ziehen.......mit Durststrecken.....Anpassung mit Depressionsfolge ist  das was hier viele praktizieren ! aber das kann es wirklich nicht sein.....

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auch wenn dein fragetext eigentlich viel zu lang zum lesen ist... glaubst du wirklich, dass ALLE oder fast ALLE menschen so denken und handeln? hätten wir dann eine funktionierende wirtschaft oder gesellschaft?

schließe nicht von ein paar außenseitern, die zu faul zum arbeiten sind, auf den rest der menschen!

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Kommentar von Prinzessle
10.09.2016, 14:48

ok...aber die paar Aussenseiter sammeln sich hier wohl an...darum die generellen Fragen....auf die ich mit dieser Frage reagiere

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Weil jammern in vielen Fällen einfacher ist! ;) Aber so ist der Mensch!

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ich-schwäche

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