Warum trennt man das Kalb von der Mutter?

12 Antworten

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In erster Linie wird es gemacht damit sich Kalb und Kuh nicht aneinander gewöhnen. So nach dem Motto "was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."

Das Kalb bekommt in der ersten Woche Muttermilch, das ist die sogenannte "Biestmilch". Diese ist notwendig, da diese Milch sehr viele Abwehrstoffe von der Mutter für das Kalb enthält. Sozusagen eine Impfung für das Kalb.

Diese Milch hat auch eine andere Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wie die Milch im weiteren Verlauf der Zeit, weshalb sie auch nicht mit der anderen Milch, welche zum Verkauf bestimmt ist, vermischt werden soll. Da sind die Molkereien sehr empfindlich.

Von der Menge der Milch die eine heutige Kuh gibt, wäre es kein Problem würde das Kalb etwas wegtrinken. Nur ist es nicht nur ein produktionstechnisches Problem beim Melken das Kalb von der Kuh wegzuhalten, sondern auch ein hygienisches.

Auch für die Kuh selber ist es nicht so einfach.

Das Kalb trinkt öfters als die Kuh vom Bauern gemolken wird. In aller Regel geschieht dies zweimal, in Melkrobotern geht die Kuh statistisch gerechnet freiwillig 2,7 mal rein.

Jetzt gibt es das Problem das das Kalb sich zwischendrin bedient hat und dann kommt der Bauer. Das Säugen erzeugt einen hormonellen Vorgang in der Kuh, der den Milchfluß anregt. Also, jetzt hat das Kalb sich bedient und dann kommt der Bauer... Das geht aber nicht, da spielen dann die Hormone nicht ganz mit.

Abgesehen davon, das Kalb von der Kuh wegzuhalten geht vielleicht in den ersten paar Wochen noch leicht, aber mit einem halben Jahr bekommt man dann schon seine Probleme. Dann müßte man das Kalb von der Mutter entwöhnen, was aber beide nicht wollen. Eine Kuh würde erst kurz vor der Geburt ihres nächsten Kalbes ihr Altes auch entwöhnen. Aber das ist dann eine Sache die die Kuh in die Wege leitet, weshalb diese dann nicht darunter leidet. Das Kalb wohl, auf einmal darf es nicht mehr bei der Mutter saugen? Versteh einer die Welt!

Um dieses Leiden aber im Vorfeld zu verhindern, wird eben schon gleich nach der Geburt, um keine Bindungsgefühle entstehen zu lassen, Mutter und Kind getrennt .

Du kannst es ja fast so wie mit dem Versuch von Konrad Lorenz sehen, den dieser mit Entenküken gemacht hat. Das erste Wesen das diese Küken sehen wird von denen als deren Mutter angesehen.

Bei den Kühen wurden schon Versuche gemacht, daß Kalb am Anfang bei der Mutter zu lassen. Die Wachstumsergebnisse, die täglichen Zunahmen waren da schon besser, aber diese Erfolge wurden in dem Moment zu nichte gemacht als das Kalb dann entwöhnt wurde. Vor lauter Trennungsschmerz hat es nichts mehr gefressen und nahm umso mehr ab als die Vergleichsgruppe die von vornherein getrennt wurde. Ebenso die Kuh, auch deren Leistung ging zurück.

Es ist nicht unbedingt schön. Aber das Leben ist nunmal generell kein Zuckerschlecken.

Wenn man bedenkt, in der freien Wildbahn könnte so ein Kalb schell mal Opfer eines Raubtieres werden (bei uns ist ja jetzt der Wolf wieder da). Der fragt dann auch nicht ob es weh tut. Der freut sich, weil er was zu fressen hat.

Cie'st la vie

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Danke, das sind Gründe, die ich nachvollziehen kann. Du scheinst die Dinge aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten, das finde ich gut.

Wird das abgesetzte Kalb dann meistens mit Milch weitergefüttert oder mit einem Ersatzprodukt? Der Preis scheint laut anderer Antworten ja gleich zu sein und auch die Menge dürfte nicht so eine große Rolle spielen.

Und angenommen, das Kalb wird nicht gemästet und geschlachtet, sondern eine Milchkuh. Hat es dann keine Probleme im Sozialverhalten, weil es nicht von seiner Mutter lernen konnte?

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@eishoernchen

Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch aus praktischer Erfahrung.

Das abgesetzte Kalb wird in aller Regel nach der ersten Woche der Biestmilch mit einem Milchaustauscher weitergefüttert. Bei den heutigen Betriebsgrößen hat man ja in aller Regel gleich mehrere Kälber im gleichen Alter und das ist dies dann arbeitswirtschaftlich einfacher und ein bißchen billiger als für jedes Kalb die Milch der Mutter dann separat zur Verfügung zu stellen.

Es gibt aber auch Betriebe die es trotzdem ganz einfach aus Überzeugung machen, hier die Muttermilch zu verwenden. Da wird dann ev. aber auch nicht die Milch der einzelnen Mütter hergenommen sondern eben eine für alle.

Beim Sozialverhalten habe ich auch selber keine Probleme sehen können. Man muß ja auch wissen, daß die Kälber nicht alleine aufwachsen sondern immer in einer Gruppe, in der sie eben auch ein Sozialverhalten erlernen können.

Sollte eine doch mal aus der Reihe tanzen, dann überlebt sie das leider nicht lange. Hatte mal selber so eine. Bei der kam ich einmal fast unter die Hufe, die ging wirklich auf Angriff. So etwas macht man nicht lange mit. Die ist mir dann als Steak lieber.

Rinder sind nunmal keine Kuscheltiere, so lieb sie manchmal wirken können. Das mußte auch mal meine Nachbarin feststellen. Irgendwo um die 70 Jahre schon hatte sie eben noch aus Liebhaberei ihre 5 - 6 Milchkühe, ihr Sohn half ihr bei der Feldarbeit, aber Stallarbeit mit Weidewirtschaft machte sie noch selber. Als sie dann eines Tages ihre Kühe von der Weide holen wollte wurde sie von einer angegriffen. Mit Mühe konnte sie sich noch unter dem Zaun durch retten. Schulter kaputt, Sehnen gerissen, wochenlang Krankenhaus und und und. Dadurch war dann Schluß damit.

Auch das friedlichste Rindvieh kann eine Handgranate sein.

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Weil man das Kalb überhaupt erst "erzeugt" damit es Milch gibt. Kein Kalb = keine Milch.

Das Kalb ist also nur ein Nebenprodukt. Es wird also von der Mutter getrennt damit die Milchproduktion wie geplant durchgeführt werden kann.

So nebenbei ist es für ein Kalb auch nicht besonders sicher in einer Herde voller Mutterkühe laufen zu müssen wenn diese Herde eben nicht auf der grünen Wiese mit ensprechend viel Platz herumläuft.

Mutterkühe und Milchkühe sind fachlich gesehen ganz unterschiedliche Dinge

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das Kalb wird nur von der Kuh getrennt, wenn es Probleme gibt, also wenn die Kuh das Kalb nicht anerkennt. Jedenfalls ist das so bei bayrischen Bauern mit halbwegs traditioneller Viehwirtschaft. In ausländischen Massentierhaltungen kanns anders sei, weiß ich nicht und ich bin auch dafür, Massentierhaltung ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Profitmaximierung abzuschaffen, sollen die Aasgeier ihr Geld gefälligst wo anders machen, zum Beispiel durch ihrer Hände Arbeit. Aber da können wir wohl lang drauf warten, die politisch Herrschenden, in trendy grünem Makeup, verbieten allenfalls Plastik-Strohhalme, Plastiktütchen und Glühbirnen.

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